148) Fronleichnam 2015: Reihe Ehe im Plan Gottes 13) WAS UNS DAS IDEAL DER EHE SAGEN KANN

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 13) Fronleichnam 2015

Predigt von Pfarrer Stephan Müller

DAS IDEAL DER EHE UND WAS ES UNS SAGEN KANN

 

Heute beten wir mit der Kirche: "Wahrer Leib sei uns gegrüßt, den Maria uns gebar. Als "Ave verum" von Mozart vertont, wird dieses Eucharistische Lied in Kirchen der ganzen Welt gesungen. Der Leib Christi ist göttlich und menschlich. Er ist göttlich, weil Christus Sohn Gottes ist. Er ist menschlich, weil er ihn aus einem Menschen genommen hat: aus der jungfräulichen Mutter Maria.

 

Durch den Leib Christi hindurch blicken wir heute auf unseren menschlichen Leib. Das wahre Verständnis für unseren menschlichen Leib erhalten wir durch den Leib Christi. Gott ist der Schöpfer der Menschennatur. Unsere Menschennatur besteht in der Einheit von Leib und Seele. Gott hat den Menschen als Mann und als Frau geschaffen. Diese Verschiedenheit des Körpers und der Seele von Mann und Frau ist auf die Ehe angelegt. Die eheliche Liebe ist zugleich geistig und körperlich. Die Heilige Schrift sagt: Mann und Frau werden in der Ehe "ein Fleisch" (Gen 2,24). Das bedeutet eine seelisch körperliche Verbundenheit und Einswerdung von Mann und Frau in der Ehe.

 

Ein Jahr lang haben wir uns in der Predigt immer wieder mit der Ehe und Familie befasst. Wir haben gesehen, dass die Ehe aus der Liebe und aus dem Schöpfungsplan Gottes hervorgeht. Wir haben uns mit den Wesenselementen der christlich/katholischen Ehe auseinandergesetzt. Wer das mitvollzogen hat, der hat verstanden, dass es das Ideal der Ehe gibt: die Ehe, so wie der Schöpfergott es vorgesehen hat.

 

Wir alle wissen, dass die Realität der Ehe auch anders ausschaut. Ehe und Familie sind oft mit viel Leid verbunden. Warum? Die Ehe ist nicht mehr heil wie vor dem Sündenfall im Paradies. Jeder, der heiratet, bringt die Folgen der Erbsünde mit. Das ist ein ständiger Krisenherd. In dieser Spannung befinden wir uns: Auf der einen Seite das hohe Ideal der Ehe, so wie es von Gott kommt und die Kirche verkündet. Auf der anderen Seite die Realität, die oft anders ausschaut. Was sollen wir tun? Was kann uns das Ideal der Ehe sagen?

 

a) Wer die Ehe nach dem Schöpfungsplan Gottes erfasst, wird sich vielleicht fragen: Hat der Schöpfergott die Latte für die Ehe zu hoch angelegt? Müssen wir vor diesem Ideal kapitulieren und sagen: „Unmöglich für uns“? Das wäre zu billig! Was Gott von uns erwartet, muss auch möglich sein. Ansonsten hätte der Schöpfergott in seinem Plan tatsächlich einige Fehler gemacht. Das kann nicht sein.

 

b) Das Ideal der Ehe ist für uns Christen der objektive Orientierungspunkt, so wie ein Kompass. Wo dieses Ideal der Ehe aufgegeben wird, geht die Orientierung für Ehe und Familie verloren, es geht "drunter und drüber".

 

c) Das Ideal der Ehe ist nicht Beliebigkeit, es ist - in der Sprache der Heiligen Schrift - das Gesetz Gottes für die Ehe. Die Worte "Gesetz Gottes" drücken aus: Hier geht es um eine Wahrheit, die immer gültig ist. Keine Macht in der Kirche und in der Welt kann ein Gesetz Gottes aufheben. Ein Beispiel aus der Natur. Die Ordnung unseres Sonnensystems, die Bahnen der Planeten, der Wechsel von Tag und Nacht, ist im Bereich der Natur ein Gesetz Gottes. Das kann niemand umstoßen. So gibt es auch für die Ehe ein Gesetz Gottes. Die Ordnung, die Gott für die Ehe gesetzt hat, kann niemand aufheben. Wenn wir in der Natur gegen die Ordnung Gottes handeln, die Natur vergiften und stören, schaden wir uns selber. Wenn wir im Bereich der Ehe gegen das Gesetz Gottes handeln, schaden wir uns selber.

 

Am 30. Mai war der 75. Todestag unseres Seligen Tiroler Märtyrers Otto Neururer. im Dekret zur Seligsprechung werden wir darauf hingewiesen, dass Pfarrer Neururer wegen seiner Treue zum Gesetz Gottes starb. Es heißt dort: "Ein herr­li­ches Zeug­nis der Treue gegen­über der Wahr­heit, dem gött­li­chen Gesetz und der Kir­che gab der Pries­ter Otto Neur­u­rer, indem er den Spu­ren des Guten Hir­ten folgte, treu seine pries­ter­li­che Pflicht erfüllte und schließ­lich auf­grund der Ver­tei­di­gung der christ­li­chen Ehe und wegen Aus­übung sei­nes pries­ter­li­chen Diens­tes unter den Mit­häft­lin­gen im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Buchen­wald die Krone des Mar­ty­ri­ums erlangte" (aus dem Dekret vom 12.1.1996).

 

d) Das Ideal der Ehe verweist uns auf die Berufung zur Heiligkeit. Im Alten Bund sagt Gott zu Israel: "Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig" (Lev 19,2). Christus sagt: "Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt 5,48). Das Ideal der Ehe erinnert uns daran, dass die Ehe für Mann und Frau ein gemeinsamer Weg zur Heiligkeit ist.

Das Ideal der Ehe: der Orientierungspunkt, das Gesetz Gottes, Berufung zur Heiligkeit. Wo die Kirche das Ideal der Ehe aufgibt, hat sie keine Zukunft. Wo die Gesellschaft das Ideal der Ehe aufgibt, hat sie keine Zukunft.

 

Das Ideal der Ehe, die christlich/katholische Ehelehre, ist auch für uns heute ein Heilmittel. Diese Lehre hilft uns, schöpfungsgemäß zu leben, naturnahe zu leben, gesund zu leben im umfassenden Sinn. Wo das geschieht, wird es vermehrt gute christliche Familien geben, deren größter Reichtum der Kindersegen ist, Familien, in denen der Glaube gelebt und weiter gegeben wird.

 

"Wahrer Leib sei uns gegrüßt!" In der Monstranz tragen wir den Leib des Herrn heute durch unser Dorf. Christus hat einen menschlichen Leib angenommen, um uns auch die Würde und Berufung des menschlichen Leibes zu zeigen, auch um das Leibliche zu erlösen für die Ehe und Familie. Wo wir die Heilige Hostie, die Gottheit und Menschheit unseres Herrn Jesus Christus, in Ehren halten, anbeten, durch die Sonntagsmesse ehren, nicht unwürdig, sondern würdig im Stand der Gnade empfangen, dort wird uns der Leib Christi heiligen. Der Weg zum Ideal der Ehe, zur Ehe und Familie nach dem Plan Gottes, führt über die Liebe und Ehrfrucht, die wir dem Eucharistischen Leib Christi erweisen. Je mehr wir den Leib Christi ehren und achten, desto mehr werden wir durch den Leib Christi hindurch erkennen, zu welcher Würde Gott den menschlichen Leib berufen hat. Der Leib Christi heilt auch die Wunden im Bereich der menschlichen Liebe.

 

Beten wir heute auch um ein neues Erkennen der Würde des Leibes, der ehelichen Liebe und der Familie. Amen.

 

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