147) Dreifaltikgeitssonntag 2015: Reihe Ehe im Plan Gottes 12) WEGE ZUR HOHEN LIEBE: TUGEND + GNADE

Reihe Ehe und Familie im Plan Gottes 12) Dreifaltigkeitssonntag 2015

Predigt von Pf. Stephan Müller

Gnade und Tugend – zwei Wege zur „Hohen Liebe“

 

Am Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit blicken wir auf das Geheimnis Gottes, ich möchte es so formulieren: auf die „Hohe Liebe“ der drei Göttlichen Personen. Aus der Heiligen Schrift wissen wir: Die göttliche Liebe ist vollkommen. Sie ist frei von jedem Egoismus. Die Göttliche Liebe ist schenkend. Die drei Göttlichen Personen schenken einander. Die göttliche Liebe ist schöpferisch. Sie bringt das sichtbare Werk der Schöpfung hervor, als Höhepunkt den Menschen als Ebenbild Gottes. Der himmlische Vater schenkt der gefallenen Menschheit seinen Sohn im Geheimnis des Kreuzes. „O unfassbare Liebe des Vaters, um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin“ (Exsultet).

 

Wir Menschen als Ebenbild Gottes sind zum Lieben berufen, zum Lieben nach dem Vorbild des Schöpfergottes und Erlösers. Wir können auch so sagen: Wir Menschen sind zur „Hohen Liebe“ berufen. Mit dem Sündenfall ist der Mensch von der Hohen Liebe des Gnadenstandes heruntergefallen auf die „Niedere Liebe“ der Ich-Bezogenheit. Der Weg zurück zur „Hohen Liebe“ ist für uns nicht leicht. Doch er ist möglich. Papst Paul VI. zeigt in seiner Enzyklika Humane vitae zwei Wege auf, die uns zur „Hohen Liebe“ führen: der Weg der Gnade und der Weg der Tugend. Was Paul VI. da von der ehelichen Liebe und der Geburtenregelung sagt, gilt in gewisser Weise für jede Form der menschlichen Liebe. Lassen wir uns heute von Papst Paul VI. diese beiden Wege zur „Hohen Liebe“ eine wenig erläutern.

 

Die Kirche als Mutter und Lehrmeisterin

19. Unsere Worte wären nicht der volle und deutliche Ausdruck der Gedanken und Sorgen der Kirche, der Mutter und Lehrmeisterin aller Völker, wenn sie den Menschen, die sie zur treuen Befolgung von Gottes Gebot über die Ehe auffordern, nicht auch in den schweren Situationen, unter denen heute Familien und Völker leiden, Hilfen böten bei der Durchführung einer sittlich geordneten Geburtenregelung. Die Kirche kann sich ja zu den Menschen nicht anders verhalten als unser göttlicher Erlöser: sie kennt die Schwachheit der Menschen, sie hat Erbarmen mit den Scharen, sie nimmt sich der Sünder an; sie muß aber jenes Gesetz lehren, das wirklich das Gesetz des menschlichen Lebens ist: jenes Lebens, das auf seine ursprüngliche Wahrheit zurückgeführt, von Gottes Geist bewegt wird (24).

Die Möglichkeit der Beobachtung des göttlichen Gesetzes

20. Die Verwirklichung der Lehre über die rechte Geburtenregelung, die die Kirche als Gottes Gebot selbst verkündet, erscheint zweifellos vielen schwer, ja sogar ganz unmöglich. Aber wie jedes besonders hohe und wertvolle Gut verlangt dieses Gesetz vom einzelnen Menschen, von der Familie und von der menschlichen Gesellschaft feste Entschlüsse und viele Anstrengungen. Ja, seine Befolgung ist nicht möglich ohne die helfende Gnade Gottes, die den guten Willen des Menschen stützt und stärkt. Wer aber tiefer nachdenkt, wird erkennen, daß diese Anstrengungen die Würde des Menschen erhöhen und beitragen zum Wohl der menschlichen Gesellschaft.

Dazu einige Erläuterungen:

< Um zur „Hohen Liebe“ zu gelangen, brauchen wir feste Entschlüsse, dh Willensentscheidungen. Durch bewusste Willensentscheidung begeben wir uns auf den Weg. Diese Willensentscheidung muss man immer wieder erneuern und bekräftigen.

< Es braucht viele Anstrengungen. Anstrengung auf uns zu nehmen, fällt uns nicht immer leicht. Wir sind es gewohnt, alles zu haben, und wenn möglich sofort. Doch hohe menschliche, geistige oder religiöse Werte sind nicht billig, und auch nicht sofort zu haben. Hohe Werte muss man sich mühsam erarbeiten und erkämpfen. Das nennen wir Tugend- kampf.

< Wir brauchen die helfende Gnade Gottes. Das Gesetz Gottes können wir nur mit der helfenden Gnade Gottes anstreben: Heilige Messe, Heilige Kommunion, heilige Beichte, die Verehrung der Gottesmutter Maria. Das sind alles Mittel, um die Hilfe der Gnade zu erhalten.

< Wer tiefer nachdenkt wird erfassen: Dieses Ringen, diese Anstrengungen, erhöhen unsere Würde, wie Paul VI. sagt. Mit anderen Worten. Je mühsamer wir uns etwas erarbeitet und erkämpft haben, desto mehr bedeutet es uns, desto wertvoller ist es für uns.

Selbstbeherrschung und Askese

21. Sittlich geordnete Geburtenregelung aber verlangt von den Gatten vor allem eine volle Anerkennung und Wertschätzung der wahren Güter des Lebens und der Familie, ferner eine ständige Bemühung um allseitige Beherrschung ihrer selbst und ihres Trieblebens. Ganz sicher ist diese geistige Herrschaft über den Naturtrieb ohne Askese nicht möglich. Nur so vermag man die dem ehelichen Leben eigentümlichen Ausdrucksformen der Liebe in Einklang zu bringen mit der rechten Ordnung. Das gilt besonders für jene Zeiten, in denen man Enthaltsamkeit üben muß. Solche Selbstzucht, Ausdruck ehelicher Keuschheit, braucht keineswegs der Gattenliebe zu schaden; sie erfüllt sie vielmehr mit einem höheren Sinn für Menschlichkeit. Solche Selbstzucht verlangt zwar beständiges Sich-Mühen; ihre heilsame Kraft aber führt die Gatten zu einer volleren Entfaltung ihrer selbst und macht sie reich an geistlichen Gütern. Sie schenkt der Familie wahren Frieden und hilft, auch sonstige Schwierigkeiten zu meistern. Sie fördert bei den Gatten gegenseitige Achtung und Besorgtsein füreinander; sie hilft den Eheleuten, ungezügelte Selbstsucht, die der wahren Liebe widerspricht, zu überwinden, sie hebt bei ihnen das Verantwortungsbewußtsein für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Sie verleiht den Eltern bei der Erziehung der Kinder eine innerlich begründete, wirkungsvollere Autorität: dementsprechend werden dann Kinder und junge Menschen mit fortschreitendem Alter zu den wahren menschlichen Werten die rechte Einstellung bekommen und die Kräfte ihres Geistes und ihrer Sinne in glücklicher Harmonie entfalten.

Anmerkung. Das Wort Selbstbeherrschung hören wir wahrscheinlich nicht mehr oft. Und doch ist diese Tugend immer aktuell. Ohne Selbstbeherrschung, ohne Opfer (Askese) können wir nicht lieben lernen. Wir Menschen müssen lernen, unsere Geschlechtskraft zu beherrschen. Wir dürfen uns nicht einfach von unseren Trieben leiten lassen, sonst sinken wir auf die Ebene des tierhaften ab. Junge Menschen, die lernen, sich und ihre Triebe zu beherrschen, werden auch später in der Ehe die nötige Selbstbeherrschung aufbringen. Selbstbeherrschung führt zur Selbstentfaltung. Kindern und Jugendlichen sage ich gerne: die regelmäßige Beichte ist auch eine wunderbare Hilfe zur Selbsterziehung.

Schaffung einer für die Keuschheit gedeihlichen Atmosphäre

22. Bei dieser Gelegenheit wollen Wir die Erzieher und alle, die für das Gemeinwohl der menschlichen Gesellschaft verantwortlich sind, an die Notwendigkeit erinnern, ein Klima zu schaffen, das geschlechtlich zuchtvolles Verhalten begünstigt. So überwindet wahre Freiheit Ungebundenheit durch Wahrung der sittlichen Ordnung. Alle, denen der Fortschritt der menschlichen Kultur und der Schutz der wesentlichen Güter der Seele am Herzen liegt, müssen einstimmig verurteilen, was bei den modernen Massenmedien dazu beiträgt, die Sinne aufzupeitschen und Sittenverfall zu verbreiten, ebenso jede Form von Pornographie in Schrift, Wort und Darstellung. Man soll doch nicht versuchen, solche Entartung mit Berufung auf Kunst und Wissenschaft zu rechtfertigen oder mit dem Hinweis auf die Freiheit, die vielleicht in diesem Bereich die staatlichen Stellen gewähren.

Anmerkung:

Die Atmosphäre unserer heutigen Gesellschaft ist für das Erlernen und Bewahren der Keuschheit alles andere als hilfreich. Wir leben in gewisser Hinsicht einer sexualisierten und erotisierten Gesellschaft. Wir müssen deshalb unseren Kindern lernen, auch mit den modernen Medien umzugehen. Sonst werden schon Kinder internet- und pornosüchtig. Es braucht Gewissensbildung, Überwindung von Neugierde, das klare Einhalten von Grenzen usw.

Maria, Mutter der Schönen Liebe, erbitte uns die helfende Gnade Gottes, hilf uns im Tugendkampf und führe uns den Weg zur Hohen Liebe. Amen.

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