145) 7. Sonnt. d. Osterz. 2015 Reihe: Ehe im Plan Gottes 11) SEXUALITÄT: MENSCHLICHKEIT UND WAHRHEIT

7. Sonntag der Osterzeit - B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 11)

"HEILIGE SIE IN DER WAHRHEIT" (Joh 17,17) - SEXUALITÄT UND IHR ANSPRUCH AUF MENSCHLICHKEIT UND WAHRHEIT

 

Das heutige Evangelium ist ein Abschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet, das Christus beim letzten Abendmahl gebetet hat. Der Herr bittet Gott Vater für uns: "Heilige sie in der Wahrheit" (Joh 17,17). Christliches Leben ist Leben in der Liebe und Wahrheit Gottes. Liebe und Wahrheit gehören zusammen, so wie zwei Seiten einer Medaille. Es ist eine lebenslange Aufgabe, in die Liebe und in die Wahrheit Gottes hineinzuwachsen, hineinzureifen. Wo die Wahrheit Gottes ausgeblendet wird, ist die Liebe nicht echt, kann die Liebe nicht zu ihrer eigentlichen Entfaltung kommen. In der Wahrheit werden wir geheiligt, sagt Christus. Das heißt, in der Wahrheit werden wir heil, werden wir gesund, werden wir glücklich. "Die Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,32), sagt Christus.

 

Liebe Gläubige! In den bisherigen Predigten über die eheliche Liebe habe ich nicht moralisiert und nicht den Zeigefinger erhoben. Es war mein Anliegen, die Schönheit des Schöpfungsplanes Gottes für die Ehe und die Fruchtbarkeit aufzuzeigen, so wie die Kirche ihn durch die Offenbarung erkennt. Indem wir auf Gott und auf den Schöpfungsplan Gottes geschaut haben, erkennen wir für den Bereich der Sexualität auch das, was Sünde ist.

 

Johannes Paul II. gibt uns in Familiaris consortio zwei wertvolle Hinweise für das rechte Verständnis der leiblichen Ganzhingabe. Leibliche Ganzhingabe ist auf Menschlichkeit und auf Wahrheit angelegt. Das ist nicht eine störende Zutat von außen, das ist ein innerer Anspruch. Mit anderen Worten: Sexualität will menschlich und auch wahr sein.

 

1) Aus Familiaris consortio, Abschnitt 11: "Auf wahrhaft menschliche Weise wird sie [die Sexualität] nur vollzogen, wenn sie in jene Liebe integriert ist, mit der Mann und Frau sich bis zum Tod vorbehaltlos einander verpflichten. Die leibliche Ganzhingabe wäre eine Lüge, wenn sie nicht Zeichen und Frucht personaler Ganzhingabe wäre, welche die ganze Person, auch in ihrer zeitlichen Dimension, miteinschließt. Wenn die Person sich etwas vorbehielte, zum Beispiel die Möglichkeit, in Zukunft anders zu entscheiden, so wäre schon dadurch ihre Hingabe nicht umfassend.

 

Eine kurze Erläuterung: Die Sichtweise und Praxis der Sexualität wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr losgelöst vom Schöpfungsglauben und vom Gesamten der menschlichen Person. Sexualität wurde zu einer manipulierbaren Ware. Gott hat das Wunderwerk Mensch geschaffen. Sexualität, geistige Liebe, Ganzhingabe, Bindung, und Verantwortung sind Werte, die zusammen gehören. Die moderne Verhütung hat es möglich gemacht, diese Werte auseinander zu reißen. Die Sexualität wurde aus dem Gesamten der menschlichen Person herausgenommen und isoliert. Damit ist sie nicht mehr voll menschlich. Johannes Paul II. sagt: Sexualität ist eine Lüge, wenn sie nicht mit der Ganzhingabe verbunden ist, mit den geistigen Werten von Verantwortung, Bindung, Treue usw. Papst Paul VI. hat 1968 in prophetischen Worten vorausgesagt, dass die Empfängnisverhütung, vor allem durch die Pille, zu einem großen moralischen Verfall führen wird, zu einer Entwürdigung des Menschen, zur Zunahme der Abtreibungen und der Ehescheidungen. (Paul VI. Humanae vitae, Abschnitt 18) Seine damaligen Sorgen und Befürchtungen sind leider eingetroffen.

 

2) Aus Familiaris consortio, Abschnitt 11: Diese Hingabe [die leibliche Ganzhingabe] ist in ihrer ganzen Wahrheit einzig und allein im <Raum> der Ehe möglich, im Bund ehelicher Liebe, auf dem Boden der bewußten und freien Entscheidung, mit der Mann und Frau die innige, von Gott gewollte Lebens- und Liebesgemeinschaft eingehen (Vgl. Gaudium et Spes, 48), die nur in diesem Licht ihren wahren Sinn enthüllt."

 

Einige Erläuterungen: Leibliche Ganzhingabe will, wie wir gesehen haben, wahrhaft menschlich sein. Johannes Paul II. führt uns einen Schritt weiter und sagt: Für uns als katholische Christen will leibliche Ganzhingabe nicht nur wahrhaft menschlich sein, sondern auch in der Wahrheit sein. Auch darum hat Christus beim letzten Abendmahl gebetet, dass die eheliche Liebe in der Wahrheit ist. Wann ist Sexualität in der Wahrheit? Die Antwort, die Johannes Paul II. gibt, ist ganz einfach: innerhalb des Ehebundes, den Mann und Frau bewusst geschlossen haben. Auf den Punkt gebracht: die Ausübung der Sexualität ist dem Ehebund vorbehalten. Alles andere ist Sünde.

 

Sünde ist Entfernung oder Missachtung vom Schöpfungsplan Gottes. Das führt oft zu viel Leid. Dieses Leid will Gott uns ersparen. Deshalb hat er den Bereich der leiblichen Vereinigung der Ehe vorbehalten und mit einem eigenen Gebot geschützt: "Du sollst nicht Ehe brechen" (Ex 20,14). Nur im Schutz der Ehe - für uns das Ehesakrament - kann die Gottesgabe Sexualität ihren Segen und ihr Glück für Mann und Frau entfalten.

 

Christus sagt heute: "Heilige sie in der Wahrheit." Wenn die Ehe und die Sexualität in der Wahrheit gelebt wird, dann ist sie den Eheleuten ein Mittel zur Heiligung. Dh die Sexualität der Eheleute, die in der Wahrheit Gottes gelebt wird, ist nicht nur mehr etwas rein Menschliches, sondern etwas Himmlisches, das für die Eheleute Segen bringend ist. Durch das Menschliche hindurch schenkt Gott den Eheleuten durch die Gabe der Sexualität Heiligung, dh Gnaden, Heilung, Freude: für ihre Beziehung, für ihre Ehe, für ihre Familie, damit sie die manchmal schweren Seiten der Ehe und Familie leichter ertragen können.

 

Merken wir, wie sich unsere christlich-katholische Sichtweise der leiblichen Vereinigung von einer rein weltlichen oder egoistischen Sichtweise unterscheidet?

 

"Heilige sie in der Wahrheit!" - Eheliche Ganzhingabe, angelegt auf Menschlichkeit und Wahrheit. Beten wir vor allem für unsere jungen Menschen, die Gott zur Ehe berufen hat, dass sie diese hohen Werte der Ehe erfassen und anstreben. Denn mit der Familie steht und fällt sehr vieles. Amen.

 

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