144) 6. Sonntag d. Osterzeit 2015 Reihe: Ehe im Plan Gottees 10) FRUCHTBARKEIT - GANZHEITLICHE SICHT

6. Sonntag der Osterzeit - B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 10) Fruchtbarkeit und ganzheitliche Sicht des Menschen

 

In unseres Gesellschaft kommen die Haltungen vor: "Wer ist der Schnellste, der Beste, der Gescheiteste, der Schönste, der Perfekteste, der Einflussreichste, der Erfolgreichste usw. Es gibt in Spiel und Arbeit einen gesunden Wettbewerb, wo manche solcher Haltungen durchaus in Ordnung sind. Wer jedoch nur aus solchen Motiven handelt, wird vielleicht tatsächlich der Beste, Gescheiteste, Schönste, Perfekteste, Einflussreichste, Erfolgreichste... EGOIST. Der beste Egoist zu werden ist wohl nicht das, was wir im Glauben anstreben.

Jesus Christus spricht heute auch eine Haltung an, die Haltung der größten Liebe: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde" (Joh 15,13). Es gibt verschiedene Dimensionen der Liebe: Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe, jungfräuliche Liebe, eheliche Liebe, Freundschaftsliebe, Feindesliebe, Martyrium... Welche Liebe ist die Größte? Die größte Liebe ist jene, die das größte Maß der Hingabe hat. Es gibt aber auch unblutige Formen der Liebe, die aufs Ganze gehen. Heute, am Muttertag, denken wir an unsere Mütter, die sich an ihre Familien hingeben. Was ist leichter: als Märtyrer zu sterben, oder Jahre oder Jahrzehnte lang sich jeden Tag hinzugeben an Gott und an die Menschen, die einem anvertraut sind? Wir dürfen die Formen der Hingabe natürlich nicht gegeneinander ausspielen. Jeder kann in seiner Berufung anstreben, dem Liebesideal unseres Herrn und Gottes Jesus Christus nachzustreben.

Auch die eheliche Liebe ist eine Ganzhingabe, der göttlichen Liebe ähnlich. Papst Paul VI. hat 1968 uns Priestern folgendes aufgetragen: "Durch euren heiligen Beruf seid ihr Berater und geistliche Führer der einzelnen Menschen wie der Familien. Eure Pflicht ist es [...] die kirchliche Ehelehre unverfälscht und offen vorzulegen" (Paul VI. Humanae vitae, 28).

Der christlich-katholische Glaube sieht die Sexualität in der ganzheitlichen Sicht des Menschen und seiner Berufung. So benennt es der hl. Papst Johannes Paul II. in Familiaris consortio. Seine Worte helfen uns, den Wert und die Heiligkeit der ehelichen Ganzhingabe zu erkennen.

Familiaris consortio, Abschnitt 32: Angesichts einer Kultur, welche die wahre Bedeutung der menschlichen Sexualität schwer entstellt oder sogar völlig verliert, weil sie diese aus ihrem wesentlichen Bezug auf die Person löst, empfindet die Kirche ihren Auftrag, die Sexualität als Wert und Aufgabe der ganzen Person, die als Mann und Frau nach dem Bild Gottes geschaffen wurde, darzustellen, immer dringender und unersetzlicher.

Ausgehend von dieser "ganzheitlichen Sicht des Menschen und seiner Berufung, seiner natürlichen und irdischen wie auch seiner übernatürlichen und ewigen Berufung" (Enzyklika Humanae vitae, 7: AAS 60 (1968) 485), hat Paul VI. betont, daß die Lehre der Kirche "beruht auf der untrennbaren Verbindung der zweifachen Bedeutung des ehelichen Aktes, die von Gott gewollt ist und die der Mensch nicht eigenmächtig aufheben kann, nämlich die liebende Vereinigung und die Fortpflanzung" (ebd., 12: a.a.O., 488 f.) und er stellt schlußfolgernd fest, daß jede Handlung als in sich unerlaubt auszuschließen ist, "die sich entweder in Voraussicht oder während des Vollzuges des ehelichen Aktes oder beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen die Verhinderung der Fortpflanzung zum Ziel oder Mittel zum Ziel setzt" (ebd., 14: a.a.O., 490).

Eine kurze Erläuterung: Johannes Paul II. bekräftigt hier die ganz gewöhnliche christlich-katholische Ehelehre: Der Schöpfergott hat in der Menschennatur zwei Fähigkeiten miteinander verbunden: die liebende Vereinigung von Mann und Frau und Weitergabe des Lebens. Diese Verbindung darf der Mensch nicht eigenmächtig aufheben.

Wenn die Ehegatten durch Empfängnisverhütung diese beiden Sinngehalte, die der Schöpfergott dem Wesen von Mann und Frau und der Dynamik ihrer sexuellen Vereinigung eingeschrieben hat, auseinanderreißen, liefern sie den Plan Gottes ihrer Willkür aus; sie "manipulieren" und erniedrigen die menschliche Sexualität - und damit sich und den Ehepartner - weil sie ihr den Charakter der Ganzhingabe nehmen. Während die geschlechtliche Vereinigung ihrer ganzen Natur nach ein vorbehaltloses gegenseitiges Sichschenken der Gatten zum Ausdruck bringt, wird sie durch die Empfängnisverhütung zu einer objektiv widersprüchlichen Gebärde, zu einem Sich-nicht-ganz-Schenken. So kommt zur aktiven Zurückweisung der Offenheit für das Leben auch eine Verfälschung der inneren Wahrheit ehelicher Liebe, die ja zur Hingabe in personaler Ganzheit berufen ist. Wenn dagegen die Ehegatten durch die Zeitwahl den untrennbaren Zusammenhang von Begegnung und Zeugung in der menschlichen Sexualität respektieren, stellen sie sich unter Gottes Plan und vollziehen die Sexualität in ihrer ursprünglichen Dynamik der Ganzhingabe, ohne Manipulationen und Verfälschungen (Vgl. ebd., 13: a.a.O., 489).

Eine kurze Erläuterung: Johannes Paul II. nennt hier zwei gewichtige Gründe, warum der christlich-katholische Glaube jede Form von Empfängnisverhütung ablehnt: a) Der Plan Gottes mit der Sexualität wird erniedrigt und manipuliert. b) Durch Empfängnisverhütung wird die Ganzhingabe verfälscht. Man sagt zum anderen: "Ich schenke mich dir, aber diesen Bereich, die Fruchtbarkeit, den nehme ich aus." Damit ist die Vereinigung keine Ganzhingabe mehr.

Familiaris consortio, aus Abschnitt 33: Als Lehrerin wird sie [die Kirche] nicht müde, die sittliche Norm zu verkünden, welche die verantwortliche Weitergabe des Lebens bestimmen muß. Diese Norm ist nicht von der Kirche geschaffen und nicht ihrem Gutdünken überlassen. In Gehorsam gegen die Wahrheit, die Christus ist, dessen Bild sich in der Natur und der Würde der menschlichen Person spiegelt, interpretiert die Kirche die sittliche Norm und legt sie allen Menschen guten Willens vor, ohne ihren Anspruch auf Radikalität und Vollkommenheit zu verbergen. [...] Sie ist nämlich davon überzeugt, daß es zwischen dem göttlichen Gesetz, das Leben weiterzugeben, und jenem, die echte eheliche Liebe zu fördern, keinen wirklichen Widerspruch geben kann (Vgl. Gaudium et Spes, 51). Darum muß die konkrete pastorale Führung der Kirche stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden. Ich wiederhole deshalb mit derselben Überzeugung die Worte meines Vorgängers: "In keinem Punkte Abstriche an der Heilslehre Christi zu machen, ist hohe Form seelsorglicher Liebe" (Enzyklika Humanae vitae, 29: AAS 60 (1968) 501).

Eine abschließende Erläuterung: Es gibt immer wieder Stimmen, welche die Morallehre der Kirche und diejenigen, die sie vertreten, als unbarmherzig abstempeln. Johannes Paul II. entlarvt diesen falschen Vorwurf, der eigentlich gegen Gott selber gerichtet ist. Die Ehelehre kommt von Gott. Dann wäre Gott unbarmherzig. Gott ist nicht unbarmherzig. Er ist vollkommen, und seine Werke sind gut und wunderbar! Die pastorale Praxis der Kirche darf nicht gegen die Lehre der Kirche ausgespielt werden. Die Pastoral muss sich an der Wahrheit orientieren. Das ist, so Johannes Paul II. hohe Form der seelsorglichen Liebe. Es gibt keine echte und wahre kirchliche Pastoral, die an der Wahrheit vorbei geht.

Etwas anderes ist die Frage, wie wir dieses hohe Ideal der Ehe, das vom Schöpfergott kommt, anstreben und erreichen können, oder was wir tun können, wenn das nicht gelungen ist. Jedenfalls dürfen sich alle Eheleute, die dieses Ideal anstreben, sehr freuen. Sie leben das Christuswort: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde." Amen.

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