143) Christi Himmelfahrt 2015: ALTAR UND SANCTUSKERZEN - DER OFFENE HIMMEL

Hochfest Christi Himmelfahrt 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

ALTAR UND SANCTUSKERZEN: ZWEI SYMBOLE, DIE UNS AUF DIE LITURGIE DES HIMMELS VERWEISEN

Christus kehrt zum himmlischen Vater zurück, in die göttliche und übernatürliche Welt. Diesen Vorgang konnten die Apostel natürlich nicht sehen. Sehen konnten sie nur das äußere Zeichen, das Christus gesetzt hat, um auf das unsichtbare Geschehen hinzuweisen. Die Apostel konnten sehen, wie sich Christus himmelwärts ihren Augen entzogen hat. Dieses Erlebnis hat die Apostel so in Staunen gebracht, dass sie gar nicht mehr aufhörten, nach oben zu schauen. Ein Engel musste sie stupsen, damit sie wieder zu sich und zur Erde finden: "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" (Apg 1,11).

 

Die Menschen haben oft versucht, den Vorhang ins Jenseits beiseite zu schieben. In alten heidnischen Religionen wurde das zB durch Toten- und Geisterbeschwörung, Zauberei, Wahrsagerei, durch blutige Opferkulte, Tier- und Menschenopfer, durch Tanz und Rausch bis zur Ekstase versucht. Das waren oder sind alles Versuche, Zugriff zum Jenseits bzw. zum Göttlichen zu erhalten, die Zukunft zu erfragen, sich Verstorbene und Geister dienstbar zu machen usw. Gott hat durch die Offenbarung im Alten und Neuen Bund uns Menschen alle diese heidnischen Praktiken verboten, weil sie gegen den Glauben gerichtet sind und auch in den Wirkungsbereich der Dämonen führen (zB Lev 19,31). Den Korinthern sagt Paulus: "Ich will jedoch nicht, dass ihr euch mit Dämonen einlasst" (1 Kor 10,20).

 

Gibt es eine Tür in die himmlische Welt? Ja, es gibt eine solche Tür, und zwar nur eine einzige: CHRISTUS. Durch sein Erlösungsopfer am Kreuz ist Christus die Tür ins Jenseits. "Niemand kommt zum Vater, außer durch mich" (Joh 14,6), sagt Christus. Die Verbindung mit der jenseitigen Welt können wir Menschen nicht machen. Diese Verbindung kann nur Christus, der Sohn Gottes, geben. Christus kehrt auch deshalb in den Himmel zurück, um auf neue Weise vom Himmel herabsteigen zu können, um Himmel und Erde miteinander zu verbinden.

 

Wie kommt der Himmel zu uns herab? Die Begegnung zwischen Himmel und Erde geschieht durch die Gnade der Liturgie, vor allem durch das Heilige Messopfer. Das zweite Vatikanische Konzil sagt es so: "In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil, die in der heiligen Stadt Jerusalem gefeiert wird, zu der wir pilgernd unterwegs sind, wo Christus sitzt zur Rechten Gottes, der Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes. In der irdischen Liturgie singen wir dem Herrn mit der ganzen Schar des himmlischen Heeres den Lobgesang der Herrlichkeit. In ihr verehren wir das Gedächtnis der Heiligen und erhoffen Anteil und Gemeinschaft mit ihnen. In ihr erwarten wir den Erlöser, unseren Herrn Jesus Christus, bis er erscheint als unser Leben und wir mit ihm erscheinen in Herrlichkeit" (2. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie, Artikel 8).

 

Hier werden uns vom Konzil, ganz in der Tradition stehend, Grundeinsichten über die Liturgie gegeben. a) Liturgie ist nicht etwas, was wir als Ortsgemeinde "machen". Liturgie ist schon vor uns da, nämlich im Himmel: die Engel, Heiligen, unsere Verstorbenen, die in Gott selig sind, Gott loben und anbeten. b) Liturgie auf Erden ist Vereinigung mit der Liturgie des Himmels. Diese Vorgänge der Liturgie sind geistige Wirklichkeiten, die wir nicht sehen können. Wir Menschen haben seit der Ursünde nicht mehr die Ursprüngliche Gottesschau des Paradieses. Wir haben keine Antenne mehr, um das Übernatürliche und Jenseitige wahrzunehmen. Wir können das Übernatürliche nur in Zeichen wahrnehmen. Deshalb hat uns Christus in den Sakramenten Heilige Zeichen geschenkt, die das Übernatürliche ausdrücken und enthalten. Zwei solche liturgische Zeichen, die uns auf das Übernatürliche verweisen, wollen wir heute bedenken. Sie sollen uns helfen, die Mitfeier der Heiligen Messe zu vertiefen.

1) Das zentrale Zeichen der Messliturgie ist der Altar. Der Altar der irdischen Liturgie verweist auf den Altar der himmlischen Liturgie. Der sichtbare Altar verweist auf das unsichtbare Kreuzesopfer von Golgota, das in die Ewigkeit hineinreicht. Benedikt XVI. sagte es so:

 

Der Altar verweist auf das "Eintreten in die himmlische Liturgie, Gleichzeitigwerden mit dem Anbetungsakt Jesu Christi, in den er durch seinen Leben die Zeit der Welt hinein nimmt und zugleich immerfort über sich hinausführt, aus sich herausreißt in die Gemeinschaft der ewigen Liebe hinein. So bedeutet der Altar ein Hereintreten des Orients in die versammelte Gemeinschaft und ein Hinausgehen der Gemeinschaft aus dem Kerker dieser Welt durch den nun offenen Vorhang hindurch, Teilhabe am Pascha, am <Übergang> von der Welt zu Gott, den Christus eröffnet hat. [...] Der Altar hält so den Himmel in die versammelte Gemeinschaft hinein, oder vielmehr: Er führt sie über sich hinaus in die Gemeinschaft der Heiligen aller Orte und aller Zeiten. Wir können auch sagen: Der Altar ist gleichsam der Ort des aufgerissenen Himmels; er schließt den Kirchenraum nicht ab, sondern auf - in die ewige Liturgie hinein" (Josef Ratzinger, der Geist der Liturgie, 2000, S. 62)

 

Mit einfachen Worten können wir uns das Wesentliche einprägen: Der sichtbare Altar verweist auf den aufgerissenen Himmel. Die Hochaltaraufbauten sind wie Fenster hinein in die Ewigkeit. Die Deckenfresken über dem Presbyterium zeigen oft den aufgerissenen Himmel mit Gott und den Heiligen. Denken wir daran: Das Kreuzesopfer, das bei der Heiligen Wandlung unblutig gegenwärtig wird, öffnet den Himmel: Wir erhalten Gemeinschaft mit Gott, mit den Heiligen und mit den Verstorbenen aller Zeiten. Das Kreuzesopfer ermöglicht uns die Gnaden des Himmels, die Erlösungsgnaden werden uns zugänglich. Was die Menschen aller Zeiten und aller Religionen suchten, oft mit okkulten und grausamen Mitteln, hat uns Christus durch das Heilige Messopfer geschenkt, uns zugänglich mit den Heiligen Zeichen der Liturgie.

 

2) An den Altarstufen stehen zwei große Leuchter, sie werden Sanctusleuchter genannt. Sie werden beim Sanctus entzündet, um uns auf den Beginn des Canon, des Hochgebetes, aufmerksam zu machen. Die Sanctuskerzen erinnern an die Cherubim, die im Himmel vor dem Thron Gottes stehen und ihn schützen (Jes 6). Überhaupt sind die Altarkerzen auch ein Symbol für die Gegenwart der Engel bei der himmlischen und bei der irdischen Liturgie. Der Apostel Johannes schaut in einer Vision sieben Leuchter vor dem Thron Gottes und erhält auch die Deutung, das damit Engel gemeint sind (Offb 4,5).

 

Der Prophet Jesaja erlebt bei seiner Berufungsvision das ewige Sanctus vor dem Thron Gottes. Er sieht die Seraphim, die einander zurufen: "Heilig, heilig, heilig, ist der Herr der Heerscharen. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt" (Jes 6,1-3) Das Sanctus aus dieser Vision des Propheten Jesaja ist in die Messliturgie aufgenommen worden. Benedikt XVI. sagt über das Sanctus: Beim Sanctus soll die Gemeinde nicht eigene Gedanken oder Poesien vorbringen. Sie wird über sich hinausgerissen und darf einstimmen in den kosmischen Lobpreis der Cherubim und der Seraphim (Joseph Ratzinger, der Geist der Liturgie, S. 59).

 

Wieder können wir uns das Wesentliche einprägen: Die Liturgie der Heiligen Messe ist nicht anthropozentrisch, sondern theozentrisch, nicht Menschen-, sondern Gott-konzentriert. Das Heilige Messopfer ist der größte Akt der Anbetung und Verherrlichung Gottes, der möglich ist; "Anbetung der Göttlichen Majestät", sagt das Konzil (Liturgiekonstitution 33). Liturgie ist Einstimmen in das ewige Sanctus des Himmels, Vereinigung mit den Engeln und Heiligen. Wo Liturgie auf den Menschen hin ausgerichtet wird, bricht die Liturgie zusammen. Am Schluss steht das Selbstgemachte und der Applaus. Doch das Selbstgemachte im Glauben trägt und hilft uns nicht. Leben und wachsen können unsere Seelen nur von der himmlischen Nahrung, die Gott uns gibt.

 

Zwei liturgische Zeichen, die uns auf den Himmel verweisen, der zu uns herabkommt. Der Altar: der durch das Kreuzesopfer aufgerissene Himmel. Die Sanctusleuchter: das ewige Sanctus im Himmel, unsere Vereinigung mit dem Lobpreis der Engel. Wo wir Menschen die Liturgie in ihrem Anspruch ernst nehmen, geschieht Großes: der Segen des Himmels kommt auf uns herab, Gott kann in uns wirken, kann unser Leben verwandeln und verändern. Das Konzil hat es so formuliert: "In der Liturgie, besonders im heiligen Opfer der Eucharistie, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung" (2. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution, 2). Amen.

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