142) 5. Sonntaga der Osterzeit B) 2015: WOM WESEN UND VOM SEGEN DER GOTTESFURCHT

5. Sonntag der Osterzeit B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

DIE KIRCHE "LEBTE IN DER FURCHT VOR DEM HERRN" (Apg 9,31)

VOM WESEN UND VOM SEGEN DER GOTTESFURCHT

Lassen wir uns heute von einem Gotteswort aus der Lesung ansprechen: "Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes" (Apg 9,31). Die Urchristen im Heiligen Land lebten in der Furcht vor dem Herrn, das ist die Tugend der Gottesfurcht. Weil die Kirche gottesfürchtig war, ist sie durch den Heiligen Geist gewachsen, nach innen und nach außen.

Was heißt das, Gottesfurcht haben? Ich möchte es so sagen: Es gibt viele Wege zu Gott. Dh es gibt viele Lebenserfahrungen, in denen uns die Gnade Gottes berührt und wir näher zum Herrgott hinfinden: das Wort Gottes, ein Gottesdienst, eine Krankheit, eine Begegnung, eine innere oder äußere Not, ein menschliches Erlebnis usw. Solche Erfahrungen gib es auch heute. Wenn ich an Menschen denke, die heute durch irgendein Ereignis zu einer ganz treuen Glaubenspraxis, zu einem Leben mit Gott und mit der Kirche gefunden haben: eines haben sie alle gemeinsam, das ist die Gottesfurcht.

Im Alten und Neuen Testament wird sehr oft von der Gottesfurcht gesprochen. Manche Menschen werden in der Heiligen Schrift ausdrücklich gottesfürchtig genannt; zB der greise Simeon (Lk 2,25), die Purpurhändlerin Lydia (Apg 16,14). Die Apostelgeschichte berichtet vom römischen Hauptmann Cornelius, er wohnte in Cäsarea am Meer. Von ihm heißt es: "Er lebte mit seinem ganzen Haus gottesfürchtig, spendete reichlich Almosen und betete beständig zu Gott" (Apg 10,1). Cornelius hat als Heide so gelebt, dass er zum Glauben gefunden hat. Gott hat den Apostel Petrus, der gerade in Joppe war, durch eine Vision zu diesem Cornelius geschickt. Nach einigen Tagen Katechese wurde Cornelius und sein ganzes Haus getauft (Apg 10). Herrlich: ein Heide lebt mit einem aufrichtigen Gewissen, als ein guter und edler Mensch, und findet so zu Christus, zur Kirche, zum wahren Glauben. Auch Petrus hat durch dieses Erlebnis für die Heidenmission eine wichtige Einsicht bekommen: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist" (Apg 10,33).

Gottesfurcht führt zu Gott! Was bedeutet Gottesfurcht für uns? Gottesfurcht meint nicht, dass wir vor Gott Angst haben. Gott ist Vater. Kein Vater möchte, dass sein Kind vor ihm Angst hat. Gott will nicht gefürchtet, sondern geliebt werden! Dass der heutige Mensch vor Gott Angst hat, ist wohl kaum die Gefahr. Eher das Gegenteil ist der Fall, dass Gott wie ein guter "Kumpel" behandelt wird, der sich alles gefallen lässt, der nur mehr als Lückenbüßer gebraucht wird. Gott will geliebt werden. Genau um das geht es bei der Gottesfurcht. Gottesfurcht ist der Anfang der Gottesliebe. Auch dar ganze Weg des Wachsens in der Gottesliebe ist von Gottesfurcht begleitet. Konkret:

1) Gottesfurcht meint Ehrfurcht vor Gott: Ohne Ehrfurcht gibt es keine Liebe, übrigens auch nicht im menschlichen Bereich. Ehrfurcht vor Gottes Größe, vor Gottes Willen, vor Gottes Heiligkeit. Ehrfurcht haben, dh Sorge haben, dass Gott genügend geehrt wird, geliebt wird, beachtet wird, geachtet wird; zuerst von mir selber, dann ist es mir auch ein Anliegen, dass Gott von den anderen geehrt wird. Wer vor Gott Ehrfurcht hat will nichts tun, was Gott missfällt, was Gottes Ehre schmälert usw. Ehrfurcht vor Gott zeigen wir im Denken, im Reden, im Benehmen, in der Kleidung. Ehrfurcht ist ein Gespür der Liebe.

2) Gottesfurcht meint Anerkennung der Gebote Gottes. Gott sagt den Israeliten: "Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, nachfolgen, ihn sollt ihr fürchten, auf seine Gebote sollt ihr achten, auf seine Stimme sollt ihr hören" (Dtn 13,4). Wer Gottesfurcht hat, respektiert die Gebote Gottes, orientiert sich an den Geboten Gottes, handelt nach den Geboten Gottes. Gottesfurcht bedeutet Leben in der Heilsordnung, die die Gebote Gottes vorgibt. Sagen wir bitte nicht: "Das ist veraltet!" Stellen wir uns vor: Wenn alle Menschen die Gebote Gottes halten würden, gäbe es keine Kriege, keine Gefängnisse, wir bräuchten keine Haustüre abzusperren, vor niemanden Angst haben, keine Ehen und Familien würden auseinander brechen usw.

3) Gottesfurcht meint Meidung der Sünde und des Bösen. "Gottesfurcht verlangt, Böses zu hassen" (Spr 8,13). Über die Witwe Judith heißt es im Alten Testament: " Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen, denn sie war sehr gottesfürchtig" (Jud 11,17). Gottesfurcht meidet die Sünde und die Gelegenheit zur Sünde. Wenn ich weiß, dass ich eine Schwäche habe, muss ich im Vorfeld meiden, was mich in dieser Schwäche zu Fall bringt. Der heilige Paulus sagt es so: "Reinigen wir uns von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes und streben wir in Gottesfurcht nach vollkommener Heiligung" (2 Kor 7,1).

4) Gottesfurcht meint, sein Handeln unter dem Gericht Gottes wissen. Es kommt einmal in meiner Todesstunde der Tag der Verantwortung vor dem Richterstuhl Gottes. "Bei allem, was du tust, denk an das Ende, so wirst du niemals sündigen" (Sir 7,36).

Das sind Aspekte der Gottesfurcht. Wie schaut es heute aus? Wie schaut es bei uns selber aus?

Haben wir schon einmal bedacht, dass die Gottesfurcht ein bewährter Weg ist, um Gott näher zu kommen? Ein bewährter Weg, damit es uns gut geht? Die Weisheitsbücher des AT sprechen vom großen Segen der Gottesfurcht:

< "Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht" (Sir 1,14)

< "Der Gottesfürchtige hat feste Zuversicht" (Spr 14,26)

< "Die Gottesfurcht ist ein Lebensquell" (Spr 14,27)

< "Die Gottesfurcht führt zum Leben" (Spr 19,23)

< "Die Gottesfurcht macht das Herz froh, sie gibt Freude, Frohsinn und langes Leben" (Sir

   1,12)

< Das Wort Gottes warnt uns aber auch: "Hältst du nicht fest an der Gottesfurcht, stürzt

 plötzlich und bald dein Haus zusammen" (Sir 27,3) Gemeint ist: Ohne Gottesfurcht hat das,

   was wir tun, die Häuser unserer Arbeit, die Häuser unserer Beziehungen, die Häuser

   unserer Ehen und Familien, keinen Bestand, sie sind auf Sand gebaut.

Das Gegenteil der Gottesfurcht ist die Menschenfurcht. Die Menschenfurcht besteht aus vielen Ängsten. Die Menschenfurcht sucht die Gunst des Menschen. Die Menschenfurcht hat Angst, die Gunst der Menschen zu verlieren, wegen des Glaubens Nachteile zu bekommen. Die Menschenfurcht denkt: Wenn ich das tue, das sage... was werden die Leute denken? Was werden die Leute sagen? Die Menschenfurcht behindert und blockiert uns.

Die Gottesfurcht überwindet die Menschenfurcht. Je größer die Gottesfurcht, desto kleiner die Menschenfurcht. Die Gottesfurcht ist gläubig (Sir 1,14). Sie rechnet mit der Hilfe und Gnade Gottes. Die Gottesfurcht ist für unseren Alltag eine große Hilfe, weil sie uns immer wieder motiviert, uns Mut gibt zum Handeln. Der Heilige Don Bosco sagt: "Tue was du kannst, und Gott wird das übrige dazu tun!" Oder: "Es macht dem Vogel nichts aus wenn der Ast bricht, auf dem er sitzt, denn er weiß, dass er fliegen kann!"

"Führt, so lange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht" (1 Petr 1,17). So ermahnt uns der Apostel Petrus. Wie finden wir zu Gottesfurcht? Die Gottesfurcht ist eine Tugend, die wir trainieren müssen. Vielleicht erwarten wir manchmal vom Herrgott zu viel Außergewöhnliches. Was Gott alles tun sollte. So manches müssen wir schon selber tun! Der heidnische Cornelius in Cäsarea Marittima hatte tatsächlich eine Vision, die Erscheinung eines Engels, die ihm das Kommen des Petrus angekündigt hat (Apg 10,3-8). Aber vorher war er gottesfürchtig. Die Schritte der Gottesfurcht, die müssen wir selber setzen! Wo die Gottesfurcht fehlt, fehlt der Segen Gottes. Wo in Gottesfurcht zB das Sonntagsgebot mit der Sonntagsmesse ernst genommen wird, kommt der Segen Gottes und vieles wird geheilt.

 

Heiliger Florian und ihr Märtyrer von Lauriacum! Ihr hattet Gottesfurcht, die euch zur Liebe führte und zur Hingabe des Lebens. Helft uns! Amen.

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