141) 4. Sonntag der Osterzeit B) 2015: Reihe Ehe im Plan Gottes 9): Die Fruchtbarkeit der Ehe, ein Überblick

4. Sonntag der Osterzeit - B) 2015

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 9) Die Fruchtbarkeit der Ehe, ein Überblick

 

Das österliche Leben - das neue Leben in der Gnade, das uns Christus durch sein Kreuz und seine Auferstehung geschenkt hat - ergreift auch die christliche Ehe und Familie. Durch das Ehesakrament wird die Ehe und Familie sozusagen in das Ostergeheimnis hinein genommen. Heute wollen wir beginnen, uns mit dem dritten Wesenselement auseinanderzusetzen: die Fruchtbarkeit der Ehe oder die Weitergabe des Lebens.

 

Die Weitergabe des Lebens ist ein intimer und persönlicher Bereich. Manche werden sagen: "Was geht das denn den Priester an?" Es geht nicht nur den Priester, sondern uns alle etwas an, weil die Ehe mit Gott zu tun hat. Bei der Fruchtbarkeit der Ehe geht es zuerst nicht um Morallehre. Es geht um Theologie, dh es geht um Glaubenseinsichten über Gott als Schöpfer und den Menschen als Geschöpf Gottes. Der Schöpfergott hat einen Heilsplan auch für die Ehe und Familie, um diesen geht es. Die christliche Moral ist dann erst der zweite Schritt, nämlich die Anwendung des Schöpfungsplanes Gottes über Ehe und Familie.

 

Es gibt einen weiteren Grund, warum die Thematik der Weitergabe des Lebens den Priester und uns alle angeht. Gerade in diesem Bereich unterscheidet sich unser christlich-katholisches Verständnis sehr von der Praxis der heutigen Gesellschaft. Und vielen Katholiken ist die kirchliche Ehelehre nicht mehr bekannt. Deshalb gehört das öffentlich thematisiert. Ich freue mich sehr, dass beim sonntäglichen Gottesdienst am Vormittag und am Abend immer auch Jugendliche und junge Erwachsene da sind, die sich sehr interessieren. Für unsere jungen Menschen ist es besonders wichtig, diese Lebensbereiche in der Verkündigung anzusprechen.

 

Die christlich-katholische Lehre über die Weitergabe des Lebens ist eine anspruchsvolle, aber auch eine sehr schöne Lehre. Alle heiligen christlichen Ehepaare der vergangenen 2000 Jahre haben in dieser Lehre gelebt. Auch heute ist diese Lehre das beste Fundament für eine stabile Ehe und Familie.

 

Um die Fruchtbarkeit und Weitergabe des Lebens zu bedenken, wollen wir uns vom heiligen Papst Johannes Paul II. helfen lassen. Seine Apostolisches Schreiben FAMILIARIS CONSORTIO aus dem Jahr 1981 ist ein großartiges Dokument des kirchlichen Lehramtes, das sehr aktuell ist. Wir wollen einige Abschnitte aus Familiaris Consortio lesen und dann versuchen, die markanten Aussagen zu erfassen:

 

Fanmiliaris Consortio, aus Abschnitt 28: Mit der Erschaffung von Mann und Frau nach seinem Bild und Gleichnis krönt und vollendet Gott das Werk seiner Hände: Er beruft sie zu einer besonderen Teilhabe an seiner Liebe und zugleich an seiner Macht als Schöpfer und Vater durch ihre freie und verantwortliche Mitwirkung bei der Weitergabe des Geschenkes des menschlichen Lebens: "Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und unterwerft sie euch" (Gen 1,28) So ist es die grundlegende Aufgabe der Familie, dem Leben zu dienen, im Laufe der Geschichte den Ursegen des Schöpfers zu verwirklichen, in der Zeugung das Gottebenbild von Mensch zu Mensch weiterzugeben (Vgl. Gen 5,1-3).

Erläuterungen:

< Die Fruchtbarkeit ist der Ursegen des Schöpfergottes, der erste Segen über die Menschen. Kindern das Leben zu schenken ist ein Segen. Umgekehrt: Kinder sind nicht machbar, sie können nur als Segen, eine Gabe, empfangen werden. Bei der Brautmesse gibt es einen eigenen Brautsegen um die Gabe der Fruchtbarkeit. Wenn Eltern auf Kinder warten, muss man um den Kindersegen beten.

< Bei der Weitergabe des Lebens geschieht ein Zusammenwirken der Eltern mit dem Schöpfergott. Die Eltern schenken den Leib, Gott erschafft unmittelbar bei der Zeugung die unsterbliche Geistseele. Auf diese Weise geben die Eltern die Gottesebenbildlichkeit von Mensch zu Mensch weiter.

Familiaris Consortio, aus Abschnitt 28: Die Fruchtbarkeit ist Ausfluss und Zeichen der ehelichen Liebe, das lebendige Zeugnis der gegenseitigen Ganzhingabe der Ehegatten: "Ohne Hintansetzung der übrigen Eheziele sind deshalb die echte Gestaltung der ehelichen Liebe und die ganze sich daraus ergebende Natur des Familienlebens dahin ausgerichtet, daß die Gatten von sich aus entschlossen bereit sind zur Mitwirkung mit der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene Familie [die Kirche] immer mehr vergrößert und bereichert" (Gaudium et Spes, 50).

Erläuterung:

< Johannes Paul II. verwendet für die Fruchtbarkeit den Begriff Eheziele. Ein Eheziel ist es, das Leben weiter zu geben. Die übrigen Eheziele will er damit, wie er sagte, nicht zurückstellen: Ausdruck der ehelichen Liebe und Ganzhingabe. Die Ordnung und Heilung der fleischlichen Begierde. Das sind drei Eheziele.

Familiaris Consortio, aus Abschnitt 29: Gerade weil die Liebe der Ehegatten eine einzigartige Teilhabe am Geheimnis des Lebens und der Liebe Gottes selbst ist, weiß die Kirche, dass sie die besondere Sendung empfangen hat, die so hohe Würde der Ehe und die so schwere Verantwortung der Weitergabe des menschlichen Lebens zu wahren und zu schützen. In Kontinuität mit der lebendigen Tradition der kirchlichen Gemeinschaft durch die Geschichte hin haben so das II. Vatikanische Konzil und das Lehramt meines Vorgängers Pauls VI., vor allem in der Enzyklika Humanae vitae, unserer Zeit eine wahrhaft prophetische Botschaft verkündet, welche die stets alte und zugleich neue Lehre und Norm der Kirche über die Ehe und die Weitergabe menschlichen Lebens deutlich bekräftigt und erneuert. [...] "Indem die Kirche den Menschen die Beobachtung der Normen des Naturgesetzes einschärft, das sie durch ihre stets gleichbleibende Lehre auslegt, lehrt sie, dass jeder eheliche Akt offen bleiben muss für die Weitergabe des Lebens" (Humanae vitae, 11, vgl. 9 und 12)"

Erläuterung:

< Die Eheliche Liebe ist eine einzigartige Teilhabe an der Liebe Gottes. Mit anderen Worten: die Ehepartner vermitteln einander die Erfahrung der Güte Gottes. Der eine Partner darf zum anderen sagen: "Durch dich darf ich die Güte Gottes erfahren!"

< Hier spricht Johannes Paul II. von der großen Würde: Mit der Fruchtbarkeit hat Gott Mann und Frau eine große Würde gegeben: sie dürfen mit dem Schöpfergott zusammenwirken.

< Mit der Fruchtbarkeit übernimmt der Mensch auch eine schwere Verantwortung; es geht ja um die Weitergabe des menschlichen Lebens. Der Mensch hat die Würde der Person und der Gottesebenbildlichkeit, eine unsterbliche Geistseele.

< Die Fruchtbarkeit ist auf die Weitergabe des menschlichen Lebens ausgerichtet. Nicht jeder eheliche Akt kann ein Kind zeugen, doch die letzte Offenheit für das Kind muss gegeben sein. Das ist einer der am meisten angegriffenen Punkte der christlich-katholischen Ehelehre.

Familiaris Consortio, aus Abschnitt 28: Die Fruchtbarkeit der ehelichen Liebe beschränkt sich aber nicht allein auf die Zeugung, auch wenn diese in ihrer spezifisch menschlichen Dimension verstanden und angezielt wird. Sie wird noch weiter und reicher durch all die Früchte sittlichen, geistigen und übernatürlichen Lebens, die Vater und Mutter ihren Kindern und durch ihre Kinder der Kirche und der Welt zu schenken berufen sind.

Erläuterung:

< Hier weitet Johannes Paul II. das Verständnis von Fruchtbarkeit. Die eheliche Liebe darf und soll auch geistig fruchtbar waren. Die Elternschaft wird geistig fruchtbar, indem den Kindern durch die hl. Taufe die Gotteskindschaft vermittelt wird, indem sie zum Glauben geführt werden, indem sie durch Erziehung menschliche, geistige und religiöse Tugenden lernen und dadurch gute Menschen und gute katholische Christen werden. Wenn Kinder erwachsen geworden sind, bleibt diese geistige Vater- und Mutterschaft der Eltern, zB durch das Gebet für die erwachsenen Kinder.

Die Kirche denkt auch an jene Eltern, die keine Kinder erhalten haben. Im Katechismus der Katholischen Kirche finden wir es so angesprochen:

Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1654: Eheleute, denen Gott Kindersegen versagt hat, können dennoch ein menschlich und christlich sinnvolles Eheleben führen. Ihre Ehe kann fruchtbar sein an Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Opfergeist und diese ausstrahlen.

 

Die Fruchtbarkeit: Der Ursegen des Schöpfers. Zusammenwirken der Eltern mit dem Schöpfergott bei der Weitergabe des Lebens und der Gottesebenbildlichkeit. Eine große Würde. Eine schwere Verantwortung. Die Gabe der Fruchtbarkeit ist so groß, dass die Offenheit für diese Gabe zum Wesen der christlich-katholischen Ehe gehört. Amen.

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