139) Gründonnerstag 2015: DER HOHEPRIESTER CHRISTUS UND SEIN WIRKEN DURCH DEN PRIESTER

Gründonnerstag 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

DER HOHEPRIESTER CHRISTUS UND SEIN WIRKEN DURCH DEN PRIESTER

Die Kirche bekennt und feiert heute zwei Glaubensgeheimnisse: die Einsetzung des Allerheiligsten Altarsakramentes und des Priestertums. Auch wir gehören zur Kirche und wollen diese Geheimnisse heute verinnerlichen und dafür danken. Christus hat die Eucharistie und das Priestertum beim Letzten Abendmahl gemeinsam gestiftet, sozusagen im gleichen Atemzug (1). So sind beide Sakramente auch untrennbar miteinander verbunden und aufeinander bezogen. Ohne Priester gibt es kein Heiliges Messopfer.

Ich möchte euch einladen, heute mit mir über das Priestertum nachzudenken. Das Sakrament der Priesterweihe ist ein göttliches Element in der Kirche. Der Träger dieses Sakramentes ist jedoch ein Mensch wie jeder andere, wie der Hebräerbrief sagt, auch der Schwachheit (Hebr 5,2) unterworfen. Lassen wir heute einmal bewusst alle Schwierigkeiten, die es mit der menschlichen Seite der Priester gibt, beiseite. Der Gründonnerstag führt uns ganz an den Anfang des Priestertums, zu Christus. Jesus Christus ist letztlich der einzige und wahre Priester, deshalb nennt in die Heilige Schrift den Hohepriester (Hebräerbrief). Der Blick auf den Hohepriester Jesus Christus zeigt uns Wesentliches und Bleibendes der priesterlichen Berufung.

1) ER "BEGANN, DEN JÜNGERN DIE FÜSSE ZU WASCHEN" (Joh 13,5)

Die Fußwaschung ist ein tiefes Zeichen der liebenden Hingabe Christi. Von der Fußwaschung geht die Linie über das Altarsakrament hin zum Opfer am Kreuz. Das ist die priesterliche Grundhaltung des Herrn. Seine Hingabe an den Vater für uns.

Zum Weihepriestertum gehört die Hingabe. Die priesterliche Hingabe ist eine Ganzhingabe an Christus, die Bindung an Christus. Das ist das Fundament. Ein äußerer Ausdruck dafür ist der Zölibat. Beim Zölibat geht es um die Hingabe an Gott für die Menschen. Es gibt viele Märtyrerpriester, die wie ihr Meister ihr Leben blutig opferten. Was jedem Priester aufgetragen ist, das ist die tägliche Hingabe an Christus und an die Menschen. Ob wir Priester im Stillen beten, ein Sakrament spenden, einen Kranken besuchen oder im Widum den Boden putzen usw. Alles darf der Priester im Geist der Hingabe tun und für die Seelen fruchtbar machen. Deshalb ist das Priestertum eine Seinsberufung, kein Ausüben von bloßen Funktionen oder Management.

2) "WENN ICH DICH NICHT WASCHE, HAST DU KEINEN ANTEIL AN MIR" (Joh 13,8)

Die Fußwaschung enthält noch ein priesterliches Detail. Mit der Fußwaschung verweist uns Christus auf die Reinigung des Herzens, auf die innere Reinigung. Der Hohepriester Jesus Christus reinigt uns von unseren Sünden. Diese Reinigung ist eine Frucht seines Leidens und Sterbens. Die Heilige Schrift sagt, dass wir durch das Blut Christi die Erlösung und Vergebung der Sünden haben (Eph 1,7).

Zum Weihepriestertum gehört der Dienst der inneren Reinigung, der Dienst der Versöhnung. Christus wirkt durch den Priester im Bußsakrament die innere Reinigung. Der Priester darf durch die Beichte den Menschen die Güte des Herzens Jesu erfahren lassen. Das Beichthören gehört zum Wesen des Priestertums. Der hl. Pater Pio zB hat sein Priestertum fast nur im Beichtstuhl ausgeübt.

3) DIE ABSCHIEDSREDEN CHRISTI (Joh 13-16)

Beim Letzten Abendmahl schenkt uns Christus seine letzten lehrenden Worte. Wir nennen sie die Abschiedsreden. Er spricht vom neuen Gebot, von der wahren Liebe, von der Treue, von der Verbundenheit mit Ihm, dem Weinstock. Seine Predigt ist ein priesterlicher Dienst.

Zum Weihepriestertum gehört die Verkündigung des Wortes Gottes, die Predigt. Bei der priesterlichen Predigt geht es, wie Paulus sagt, nicht um "gewandte und kluge Worte" (1 Kor 1,4); es geht um die Verkündigung des "Zeugnisses Gottes" (1 Kor 2,1), um die Verkündigung des Kreuzes Christi (2 Kor 2,2), um die Verkündigung des "ganzen Willens Gottes" (Apg 20,27) Es mögen Getaufte menschlich besser reden können als manche Priester. Die priesterliche Predigt hat mit der Weihegnade zu tun. Es geht um Vollmacht und Auftrag. Christus gebraucht die Priesterweihe, um die Tauf- und Firmgnade der Gläubigen anzusprechen. Aus diesem Grund ist zB die Laienpredigt beim Heiligen. Messopfer verboten. Die Kehrseite: Wenn in der priesterlichen Predigt statt der reinen Lehre Christi Subjektives oder gar Häresien verkündet werden, hat das schwerwiegende Folgen.

4) DAS HOHEPRIESTERLICHE GEBET (Joh 17)

Das Leben Christi war ein Leben des Gebetes. Sein Gebet im Abendmahlssaal nennen wir das Hohepriesterliche Gebet. Christus betet vor allem um die Einheit seiner Kirche.

Zum Weihepriestertum gehört das Beten. Der Priester ist berufen, ein Mann des Gebetes zu sein. Der Priester darf im Gebet Gott loben, preisen, bitten, danken, und auch sühnen. Stellvertretend auch für jene, die nicht mehr beten. Der Priester darf im Gebet die Anliegen der Menschen, die ihm anvertraut sind, zu Gott tragen, besonders beim Heiligen Messopfer. Der Priester soll ein "Erzieher zum Gebet" (Johannes Paul II.) sein. In der Kirche zu beten, vorzubeten, das Beten zu leiten oder notfalls zu korrigieren ist eine priesterliche Aufgabe. Wir Priester sollen so sehr betende Menschen sein, dass das Gebet sogar zu unserer amtlichen Aufgabe gehört: das Brevier oder Stundengebet. Wenn man den Pfarrer von Ars gesucht hatte - in den ersten Jahren, wo noch nicht so viele Beichtende nach Ars kamen - wussten die Dorfbewohner, wo sie ihren Pfarrer finden konnten: in der Kirche beim Beten.

5) "TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS!" (Lk 22,19)

Beim Letzten Abendmahl - nach dem jüdischen Paschamahl - tut Christus etwas ganz Neues: die Einsetzung des Altarsakramentes, die erste Heilige Messe, dann die Erstkommunion der Apostel.

Mit der Einsetzung der Eucharistie verbunden ist der Auftrag: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22,19)! Zum Weihepriestertum gehört die Darbringung des Heiligen Messopfers. Der Priester ist vor allem dazu geweiht, das Heilige Messopfer darzubringen, zum Heil der Lebenden und Verstorbenen. Das ist der Kern der priesterlichen Identität. Der Priester ist vor allem zum Opfern geweiht. Glücklich der Priester, der dies erfasst hat. Glücklich die Gläubigen, die dies erfasst haben!

Das Opfern des Priesters am Altar ist eine zutiefst sakrale Handlung, ganz im Bereich des Heiligen angesiedelt (3). Von dem her ist der Priester der Verwalter und Schützer des Heiligen: das Gotteshaus, der Altarraum, der Tabernakel. Die Sakramente zu verwalten und zu schützen ist den Bischöfen und uns Priestern aufgetragen. Vor allem ist der Priester Verwalter und Schützer des Allerheiligsten: der Heiligen Kommunion. In den Wirren des 30jährigen Krieges entstanden in unserem Land Partisanergarden, um den Priester und das Allerheiligste bei den Versehgängen und Prozessionen zu schützen. Diese Sakramentsgarden gibt es als Eucharistische Ehrengarden heute noch zB in Hall und in Thaur.

Im Jänner/Februar dieses Jahres wurden in Frankreich - in der Diözese Belley-Ars, wo der hl. Pfarrer von Ars wirkte - etwa zehn Kirchen aufgebrochen, Altäre, Tabernakel verwüstet, das Allerheiligste geschändet. Auf Anordnung des dortigen Bischofs musste zur Sicherheit aus allen Tabernakeln der Kirche das Allerheiligste entfernt werden (4). Hier können wir noch an etwas anderes denken, an die geistigen Schändungen des Allerheiligsten, die sich in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet haben, vor allem durch die so genannte unwürdige Kommunion, besonders an den großen Feiertagen. Es bräuchte heute so etwas wie eine geistige Partisanergarde; Priester und Laien, die es sich zum Anliegen machen, das Allerheiligste Altarsakrament zu ehren, zu schützen, zu ehren, Sühne zu leisten. Genau dieses Anliegen erfüllt die kirchliche Herz-Jesu-Bruderschaft. Ich darf dazu nochmals einladen.

Der Hohepriester Jesus Christus setzt sein priesterliches Wirken durch den Priester fort: seine Hingabe, der Dienst der Sündenvergebung, sein Beten, sein Predigen, sein erlösendes Kreuzesopfer bleibt unter uns gegenwärtig.

Das Priestersein ist keine leichte und doch eine schöne Berufung. Wir Priester brauchen Euer Gebet. Am meisten Halt gebt ihr den Priestern, wenn ihr die Dienste, die uns von Christus durch die Weihe aufgetragen ist, gerne beansprucht und wertschätzt. Amen.

Anmerkungen:

(1) Papst Johannes Paul II. beschreibt diesen überlieferten Glauben der Kirche mit folgenden Worten: "Tatsächlich haben das hierarchische Amtspriestertum, das Priestertum der Bischöfe und der Priester [...] eine sehr enge Beziehung zur Eucharistie. Diese ist der wesentliche und zentrale Seinsgrund für das Sakrament des Priestertums, das ja im Augenblick der Einsetzung der Eucharistie und zusammen mit ihr gestiftet worden ist." Schreiben seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. an alle Bischöfe der Kirche «Über das Geheimnis und die Verehrung der Heiligsten Eucharistie» vom 24. Februar 1980

(2) "Durch unsere Weihe - deren Feier vom ersten liturgischen Zeugnis an mit der heiligen Messe verknüpft ist4 - sind wir in einzigartiger und herausragender Weise mit der Eucharistie verbunden. Wir sind gewissermaßen «aus ihr» und «für sie». Wir sind auch - und dies in besonderer Weise - verantwortlich für sie, sei es jeder Priester in der eigenen Gemeinde, sei es jeder Bischof durch seinen Auftrag für alle Gläubigen, die ihm anvertraut sind aufgrund der «Sorge für alle Gemeinden», von der der hl. Paulus spricht5. Uns Bischöfen und Priestern ist also das große «Geheimnis des Glaubens» anvertraut; " Schreiben seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. an alle Bischöfe der Kirche «Über das Geheimnis und die Verehrung der Heiligsten Eucharistie» vom 24. Februar 1980, aus Abschnitt 2

 

 (3) Zum Sacralen des Hl. Messopfers siehe im erwähnten Schreiben von Johannes Paul II. Abschnitt 8; daraus: "Das «sacrum» der Messe stellt daher nicht eine «Sakralisierung» dar, etwas, das der Mensch dem Tun Christi im Abendmahlssaal hinzugefügt hätte, vielmehr ist das Abendmahl des Gründonnerstags selber ein heiliger Ritus, die ursprüngliche und grundlegende Liturgie, in der Christus, da er sich anschickte, sein Leben für uns hinzugeben, selber auf sakramentale Weise das Geheimnis seines Leidens und seiner Auferstehung, das Herzstück jeder Messe, feierte. Da sich unsere Meßfeiern von dieser Liturgie herleiten, haben sie von sich aus eine vollständige liturgische Form, die sich zwar nach den verschiedenen Riten unterscheidet, aber in der Substanz doch identisch bleibt. Das «sacrum» der Messe ist eine Sakralität, die Christus verfügt hat. Die Worte und Handlungen jedes Priesters, denen die bewußte und aktive Teilnahme der ganzen Eucharistie feiernden Gemeinde entspricht, bilden das Echo des Geschehens vom Gründonnerstag."

(4) Bericht in www.kath.net, 16.2.2015

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