138) 5. Fastensonntag B) 2015: WARUM BEICHTEN? Stolpersteine vor eine großen Gnade 2. Teil

5. Fastensonntag B) 2015 - Predigt von Pf. Stephan Müller

WARUM BEICHTEN?

STOLPERSTEINE VOR EINER GROSSEN GNADE - 2. Teil

Greifen wir heute nochmals das Thema der Beichte auf. Warum beichten? Stolpersteine vor einer großen Gnade.

1) "Warum soll ich meine Sünden dem Priester sagen? Das mache ich mit dem Herrgott selber aus."

Diese Schwierigkeit kann nur mit Glauben und Demut überwunden werden. Vergebung können wir uns nicht selber einreden. Das Gewissen kann nur im Blute Christi rein und frei werden. Christus, unser Herr und Gott, hat der Kirche die Binde- und Lösegewalt übertragen. Die Kirche hat von Christus den Auftrag und die Vollmacht, von Sünden loszusprechen. Hier steht es uns nicht zu, Gott Vorschriften zu machen. Was Gott festgesetzt hat, ist heilsam für uns, das tut uns gut.

Das Bekenntnis der Sünden vor dem Priester kennt menschliche und theologische Begründungen:

< Sündenvergebung ist ein personales Geschehen. Das entspricht unserer menschlichen Würde. Gott fertigt uns nicht als Masse und nach Schablonen ab. Gott geht auf jede einzelne Seele ein. Jede einzelne Seele ist ihm wichtig. Deshalb ist das Wesen der Beichte persönliches Bekenntnis und persönliche Lossprechung.

< Jede Sünde hat drei Dimensionen: Sünde richtet sich gegen Gott, gegen die Kirche und gegen uns selber. Jede noch so geheime Sünde wirkt sich auch auf die Kirche aus. Der hl. Paulus erklärt uns das mit seiner Lehre über die Kirche als Leib Christi. "Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit" (1 Kor 12,26). Auch deshalb bekennen wir die Sünde vor dem Priester als Vertreter der Kirche, um auch mit der Kirche versöhnt zu werden. Beim Schuldbekenntnis betet der Priester: "Ich bekenne euch - ich bitte euch für mich zu beten." Und die Gläubigen beten: "<Ich bekenne dir, Vater [dem Priester] - ich bitte dich, Vater, für mich zu beten". Hier geht es um die gemeinschaftliche Dimension unserer Sünden und auch der Vergebung.

< Das Bekenntnis vor dem Priester hat auch eine tiefe menschliche Bedeutung. Gott ist der beste Psychologe. Er weiß, was wir brauchen. Gott weiß, dass Schuld ausgesprochen werden muss, beim Namen genannt werden muss, allein das ist schon etwas Befreiendes. Das Aussprechen kann natürlich vor jedem Menschen geschehen, auch vor dem Psychiater. Nur eines kann der Psychiater oder ein Mensch unseres Vertrauens nicht: er kann nicht lossprechen. Alle Schuld, die vor irgendjemand ausgebreitet wurde, wird wieder mitgenommen, wir sind an sie gebunden. Das wäre so, wie wenn wir durch Arbeit ganz verschmutzt in die Dusche steigen, uns kräftig umdrehen, aber das Wasser nicht aufdrehen, dann herausgehen und, schmutzig wie wir waren, wieder ankleiden. Das gleiche geschieht übrigens auch bei einer Bußandacht mit Generallossprechung. Sie ist ohne Todesgefahr ungültig.

< Das Bekenntnis vor dem Priester nimmt Sünde und Vergebung aus dem rein Subjektiven - dh gefühlsmäßigen und persönlichem Empfinden - heraus. Wir würden wahrscheinlich oft im Subjektiven stecken bleiben; wir würden es wahrscheinlich recht locker nehmen, kein rechtes Sündenbekenntnis zustande bringen und auch keine befreiende Vergebung erfahren. Der heilige Paulus sagt es so: "Gingen wir mit uns selber ins Gericht, würden wir nicht gerichtet" (1 Kor 11,31); Paulus meint: wir würden nicht gerichtet, weil wir uns wahrscheinlich selber sehr leicht entschuldigen, und die Schuld bei anderen sehen würden. Durch das Bekenntnis vor dem Priester soll unser Leben leichter in das Licht der Wahrheit kommen.

< Das persönliche Bekenntnis vor dem Priester mit der persönlich zugesprochenen Lossprechung schenkt die Gewissheit der Vergebung. Die Lossprechung schenkt die Gewissheit: "Deine Sünden sind dir vergeben! Du brauchst nicht mehr zu zweifeln!" Diese herrliche und befreiende Zusage können wir uns nicht selber ausstellen. Sie wird uns von Gott durch den Dienst des geweihten Priesters geschenkt. Das gibt es sonst nirgends auf der Welt.

2) "Kleine Sünden braucht man ja nicht beichten, nur die schweren."

Das ist theologisch richtig. Doch die so genannten lässlichen Sünden oder Wundsünden sind nicht zu unterschätzen. Das ist wie bei einer kleinen Wunde. Eine kleine Wunde kann vereitern, es kann zu einer Blutvergiftung kommen, und daran wird man sterben. Man wird nicht sagen: "Macht nichts, nur eine kleine Blutvergiftung, ist nicht so schlimm, geht schon wieder vorbei...!" Ständig wiederholte "kleine" Sünden gewöhnen an die Sünde. Je mehr man sich an eine Sünde gewöhnt, desto leichter führt sie zu größeren Sünden. Sündige Gewohnheiten können sich "einfleischen", das nennen wir ein Laster. Ein Laster loszuwerden ist schwierig.

3) Ungute Erfahrungen mit Priestern

Ein Stolperstein kann auch eine ungute oder schlechte Erfahrung mit einem Priester sein. Auch wir Priester benötigen die Beichte und das Erbarmen Gottes. Sünden von Priestern können für Gläubige ein nicht geringer
Stolperstein werden, zB: "Der Priester tut das auch... und ich soll das bei einem Priester beichten...?" Es kann auch vorkommen, dass die Art und Weise, wie ein Priester die hl. Beichte verwaltet, nicht gerade anziehend ist. Um diesen Stolperstein zu überwinden, braucht es eine gläubige Unterscheidung von Person und Weiheamt. Die Priesterweihe und die Beichte als Sakrament ist ein Göttliches Element der Kirche. Der Priester als Mensch und die Art und Weise, wie ein Priester das Sakrament verwaltet, ist menschlich.

Warum beichten? Überwinden wir die Stolpersteine, die uns vor dieser großen Gnade abhalten könnten, um zur großen Gnade der hl. Beichte, gerade auf Ostern hin, kommen zu können. Amen.

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