137) 3. Fastensonntag B) 2015: WARUM BEICHTEN? Stolpersteine vor einer großen Gnade 1. Teil

3. Fastensonntag B) 2015

TEMPELREINIGUNG - WARUM BEICHTEN?

STOLPERSTEINE VOR EINER GROSSEN GNADE - 1. Teil

Predigt von Pf. Stephan Müller

Christus reinigt den Tempel in Jerusalem. Auch unsere Seele ist etwas Heiliges, durch die Taufgnade ein "Tempel des Heiligen Geistes", sagt der hl. Paulus (1 Kor 3,16). Auch diesen inneren Tempel unserer Seele will Christus schön sehen. Er will, dass nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch der Tempel unserer Seele seiner von Gott gegebenen Bestimmung gerecht wird. Die Seele ist dazu bestimmt, Gott aufzunehmen. Dazu will Christus auch den Tempel unserer Seele reinigen. Das wirkt der Herr konkret durch das Sakrament der Taufe, und nach der Taufe durch das Sakrament der Beichte. Die Beichte ist wie eine seelische Tempelreinigung. Warum beichten? Stolpersteine vor der großen Gnade der Beichte.

1) "Ich habe keine Sünden. Was soll ich beichten?"

Die Frage nach der Sünde ist keine leichte Frage. Wir leben in einer Zeit, in der sich einerseits offenkundig böses Verhalten ausbreitet, von Kriminalität bis zu vielen Kriegen. Auf der anderen Seite will man keine persönliche Sünde kennen. Da stimmt doch etwas nicht. Johannes Paul II. sagte öfter, dass das Bewusstsein für die Sünde verloren gegangen ist.

Sünde ist nicht etwas, was uns die Kirche einredet. Die Kirche macht uns nicht ein schlechtes Gewissen, um dann einen Erlösergott zu konstruieren. Sünde ist eine Realität, die mit Licht zu tun hat. Wo das Licht nicht mehr leuchtet, ist auch kein Schatten mehr zu erkennen. Wenn wir das Bewusstsein für die Sünden nicht haben, heißt das noch lange nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Das wäre so als wenn wir sagen: "Es gibt keine Krebserkrankung mehr!" Es gibt sie trotzdem. Mit anderen Worten: Sünde und menschliches Gewissen hat mit Gotteserkenntnis zu tun. Wo Gott und vor allem die Heiligkeit Gottes kaum mehr oder nicht mehr erfahren wird, verlieren wir Menschen das Bewusstsein für die Sünde. Gott und die Heiligkeit Gottes erfahren wir durch das Wort Gottes, durch den Glauben, durch die Kirche, durch das Heilige der Liturgie. All das brauchen wir, um Gott zu erfahren. Dann erhalten wir auch das Bewusstsein für die Sünde.

Wer mit dem Sonntag und mit der Kirche lebt, wird wahrscheinlich nicht bewusst schwere Sünden begehen. Übrigens ist niemand davor gefeit, in eine schwere Sünde zu fallen. Die Frage: "Was soll ich schon beichten, ich habe niemanden umgebracht und nichts gestohlen" zeugt nicht von viel Gewissen. Unser Gewissen braucht Erleuchtung, wir nennen das Gewissensbildung. Ein Vergleich. Ein Wohnzimmer daheim. Wenn es dunkel ist, sieht man nichts. Wenn ein schwaches Licht leuchtet, kann man im Groben die Einrichtung erkennen. Wenn es heller ist, kann man die Ausstattung genauer beschreiben. Wenn es ganz hell ist, dann sieht man auch den Staub, die Kratzer auf dem Boden usw. Je mehr wir unser Gewissen bilden, desto feinfühliger werden wir im Gewissen. Denken wir an das Wort des Apostels Johannes: "Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1 Joh 1,8).

Die heutige erste Lesung stellt uns die Gnade der 10 Gebote Gottes vor Augen. Die 10 Gebote sind die objektiv von Gott vorgegebene Norm für unser religiöses und menschlich-sittliches Verhalten. Die ersten drei Gebote sind die Grundlage der Gottesliebe: wie viele Ersatzgötter gibt es; die Ehrfrucht vor Gott; der Bereich der Sonn- und Feiertage. Das 7. bis 10. Gebot ist die Grundlage für die Nächstenliebe: das Verhältnis zu Eltern und Kindern, zum Besitz, zur Wahrhaftigkeit, zum Leib und zur Sexualität. Dann der ganze Bereich der inneren Sünden: das Denken und Begehren. Die sieben Haupt- oder Wurzelsünden. Wer wirklich einen bewussten Entscheidungsglauben lebt, kann sich fragen: wo habe ich Gutes unterlassen, wo kann ich im Bereich des Glaubens oder der Mitmenschlichkeit noch mehr tun usw. Es passt in die Fastenzeit, mit Hilfe der 10 Gebote das eigene Leben zu überdenken. Im Gotteslob gibt es gute Gewissensspiegel. Um in der Gottes- und Nächstenliebe nach oben hin zu wachsen gibt es keine Grenze. Das ist das Streben nach Heiligkeit. Gerade dafür ist das Bußsakrament eine unerlässliche Hilfe.

2) "Ich hab eh immer die gleichen Sünden. Die Sünden, die ich beichte, die begehe ich ja wieder."

Es gibt zwei Arten, immer wieder gleiche Sünden zu begehen und zu beichten:

 

Die erste Art ist mit einem Wort beschrieben, das auf dem Beichtstuhl der Pfarrkirche von Auerbach in der Oberpfalz zu lesen ist: "Wer beichtet, und die gleichen Sünden wieder tut, ist nicht ein Büßer, sondern ein Spötter!" Hier sind Menschen gemeint, die zwar beichten, aber keine Entscheidung für eine aufrichtige Bekehrung treffen. Da wird also weder die Beichte noch die Umkehr ernst genommen. Der hl. Pater Pio hat solche Katholiken regelmäßig ohne Lossprechung vom Beichtstuhl weggeschickt, manchmal mit Gepolter, wenn er Gleichgültigkeit oder Lauheit festgestellt hat; manche schickte er so oft weg, bis der aufrichtige Entschluss zur Bekehrung zu erkennen war. Eine gute Beichte muss also zu einer wirklichen Lebensänderung führen: zuerst zu einer Änderung des Denkens und dann zu einer Änderung des Verhaltens.

Die zweite Art, immer wieder die gleichen Sünden zu begehen oder zu beichten, ist eine ganz andere. Hier sind Menschen gemeint, die sich bekehren wollen, doch immer wieder schwach werden, obwohl sie sich bemühen und kämpfen. Diese Wiederholungssünden kommen nicht aus Gleichgültigkeit, sie kommen aus der Konkupiszenz, aus der verwundeten Menschennatur. Christus weiß um unsere Schwäche, und gerade hier wartet die Güte des Herzens Jesu auf uns, um uns zu helfen aufzustehen und wieder weiter zu gehen. Manche Sünden oder Schwächen müssen wir vielleicht Jahre oder Jahrzehnte lang beichten, um allmählich davon frei zu werden. Nach außen hin kann es also ausschauen, dass es die gleiche Sünde ist. Gott aber weiß, wie viel Mühe und Tugendkampf jemand aufgewendet hat. Wenn wir solche Sünden nicht beichten würden, wären wir wahrscheinlich in Gefahr, immer weiter abzugleiten.

Tempelreinigung. Reinigung unserer Seele in der Beichte. Bereiten wir durch das Blut Christi unsere Seele auf Ostern hin zu einem schönen Tempel, in den der Herr mit seinen Ostergnaden einziehen kann. Amen.

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