135) 1. Fastensonntag B) 2015: DIE LIST DES VERSUCHERS DURCHSCHAUEN

CHRISTUS "WURDE VOM SATAN IN VERSUCHUNG GEFÜHRT" (Mk 1,13)

DIE LIST DES VERSUCHERS DURCHSCHAUEN

Christus wird vom Satan in Versuchung geführt. Christus hat das zugelassen, um uns Heilsgnaden zu verdienen, um uns auf den geistlichen Kampf aufmerksam zu machen, in dem wir uns bis zur unserer Todesstunde befinden, um uns für diesen geistigen Kampf zu rüsten. Die Versuchung Christi zeigt uns zunächst etwas über das Wesen der Versuchung. Bei einer Versuchung will der Teufel mit einer Lüge oder mit falschen Versprechungen, mit "Zuckerln", uns Menschen schmackhaft machen, das Gebot Gottes zu übertreten. Er will die Konkupiszenz, die Begierden anstacheln, damit wir sündigen und Gott verlieren. Der Apostel Jakobus sagt es so: "Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor" (Jak 1,15). Christus zeigt uns, dass wir nicht von vornherein zum Sündigen verurteilt sind, nicht ohne freien Willen sind. Der Herr zeigt uns, dass wir mit unserem freien Willen, mit Gnade und Tugend kämpfen und Siegen sollen. In der heutigen Präfation betet die Kirche: Christus macht "die teuflische List des Versuchers zunichte und lässt uns die Bosheit des Feindes durchschauen" (Präfation vom ersten Fastensonntag). Denken wir heute darüber nach, welche List der Versucher anwendet, um uns zu versuchen. Es handelt sich um Erfahrungen unserer gläubigen Vorfahren, mit denen auch wir im Alltag zu tun haben.

1) Die wohl größte List des Versuchers ist folgende: er will uns Menschen vormachen, dass es ihn, den Teufel, gar nicht gibt. Doch, es gibt ihn, und er ist am Werk, lautet die katholische Lehre. Ein Bergsteiger, der behauptet, dass es am Gletscher - zB am großen Gepatschferner - keine Gletscherspalten gibt, weil sie nicht zu sehen sind, der wird nicht weit kommen, er wird bald in die ersten Spalte stürzen. Als Katholiken glauben wir nicht an den Teufel, sondern an die Existenz des Teufels. Wir beten Christus an in seiner Macht über die Dämonen.

2) Eine List des Teufels ist die schöne Verpackung. Er versucht, seine "Gaben" hinter schönem Papier zu verbergen. Über den Sündenfall im Paradies sagt die Heilige Schrift: "Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen" (Gen 3,6). Der Teufel versucht, die Sünde verlockend und anziehend zu präsentieren. Wenn wir sein schön verpacktes "Zuckerl" in uns aufgenommen haben erfahren wir, dass es Gift enthält, das uns schwächt und schadet.

3) Eine List des Teufels ist der Lärm und der Wind, doch dahinter verbirgt sich Leere. Je mehr Lärm und Wind um eine Sache gemacht wird - das gilt auch für die Kirche - desto vorsichtiger und misstrauischer müssen wir sein. Lärm und Wind sind eine List des Versuchers um uns einzufangen für Werke, die oft nicht von Gott stammen. Die Werke Gottes wachsen normalerweise in Stille, unter Mühen und Opfern, unter Kreuz und Verfolgung. Das sind die Erkennungszeichen für die Werke Gottes. Wo das Kreuz fehlt, fehlt auch Christus.

4) Eine List des Teufels ist das Hinausschieben. Der Volksmund sagt es so: "Die Lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück." Das Hinausschieben von wichtigen Dingen ist etwas Ungutes. Wer das, was er tun sollte, sagen sollte, unternehmen sollte, hinausschiebt, und wieder hinausschiebt, tut sich immer schwerer, muss sich immer mehr überwinden. Das Hinausschieben der Beichte, Monate, Jahre. Das Hinausschieben der sakramentalen Eheschließung, Monate, Jahre, und so fällt der Schritt immer schwerer. Wichtige Dinge immer zuerst tun.

5) Eine List des Versuchers ist das Motto "einmal ist keinmal!" Das ist ein großer Irrtum. Aus dem Krieg wissen wir von Soldaten: das erste Töten eines Menschen kostet große Überwindung; wenn das einmal getan ist, ist die Hemmschwelle gefallen, dann wird töten leicht. Einmal stehlen öffnet die Tür zur Mentalität des Stehlens. Nur einmal eine Sonntagsmesse bewusst auslassen, führt sehr bald zum Verlust der Sonntagsmesse. Wenn Eltern in der Familie die Sonntagsmesse relativieren und sagen: "Nur einmal am Sonntag nicht gehen, ist nicht schlimm", ist damit der Kern des Verfalls den Kindern bereits mitgegeben. Die Beichte hilft, diesen einmaligen Fall zu überwinden. Nur kostet es dann oft Mühe, zur ersten Liebe und Treue zurückzukehren.

6) Eine weitere List des Versuchers: "Wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, nimmt er die ganze Hand". Bei manchen Versuchungen ist es so: wenn wir der Versuchung nur einen kleinen Spalt öffnen, haben wir verloren. Diese List gilt zB im Bereich der Medien und des Internet, der ganze Bereich der Internetpornographie. Mit dem Internet können Gottesdienste mitgefeiert werden aber auch die Hölle angezapft werden. Hier braucht es viel Disziplin und Gewissen. Man darf mit der Versuchung und mit der Sünde nicht spielen. Der Teufel ist ein Geistwesen und uns überlegen.

7) Mit List will der Versucher uns Menschen selbstsicher machen: "Das kann mir nicht passieren!" Wer so denkt, ist bereits gefährdet. "Wer steht, sehe zu, dass er nicht falle" (1 Kor 10,12). Die hl. Theresia von Avila sagt: "Ich brauche genau so viel Gnade um nicht zu fallen, wie andere Gnade brauchen, um vom Fall aufzustehen. Das Heilmittel für diese Versuchung des Hochmuts und des Besserwissens: eine gute geistliche Begleitung.

8) Eine List des Versuchers ist "fünf vor Zwölf und fünf nach Zwölf". Der Teufel versucht gerne, kurz bevor ein gutes Werk vollendet wird, noch zu Verwirren oder zu blockieren. Genauso versucht er, fünf Minuten nach Zwölf, dh nach einem guten Werk, alles kaputt zu machen, uns die Gnaden zu nehmen. Ich weiß von einer Pilgerfahrt, wo jemand große Gnaden erhalten hat. Ein Ereignis daheim unmittelbar danach hat alles zunichte gemacht. Große Versuchungen kommen gerne vor großen Gnaden und nach großen Gnaden. Da muss man wachsam sein.

9) Eine List des Versuchers beschreibt der Volksmund mit dem so genannten Festtagsteufel. Der Festtagsteufel meldet sich gerne vor den großen kirchlichen Feiertagen. Er versucht zu verwirren, er versucht abzulenken. Hochkonjunktur hat der Festtagsteufel zB im Advent. Er lenkt die Menschen ab von Gebet, Besinnung, Stille und Beichte. Bei unseren kirchlichen Feiertagen meldet sich der Festtagsteufel regelmäßig. Einmal geht eine Glocke nicht, ein anderes Mal passiert ein Missgeschick, jemand macht Schwierigkeiten usw. Gerade an den kirchlichen Feiertagen versucht der Teufel, in den Familien Unfrieden zu stiften.

10) "Wenn der Teufel alt wird, wird er ein Pater!" Fromme Leute versucht der Teufel auf fromme Weise. Flucht ins Gebet, Flucht in die Arbeit. Unwichtiges wird dem Wesentlichen vorgezogen. Angebote der Esoterik, zB Reiki, tritt oft unter dem Schein der Frömmigkeit auf; in Zimmern solcher "Meister" hängen gerne auch christliche Zeichen, wie zB ein Kreuz ein Marienbild usw. Fromme Versuchungen sind schwerer zu erkennen.

Das waren jetzt einige Listen des Versuchers. Wir alle haben mit solchen Listen des Versuchers im Alltag zu kämpfen. Jeder von uns könnte darüber nachdenken: für welche List des Versuchers bin ich meinem Leben gefährdet? Um siegen zu können, brauchen wir das Leben in der Gnade und die Gnadenmittel: das tägliche Gebet und der würdige und treue Empfang der Sakramente. Ohne diese Hilfen haben wir wenig oder keine Chancen. Nehmen wir uns in der Fastenzeit bewusst mehr Zeit zum Gebet und zum gemeinsamen Gottesdienst. Wer das tut, wird in der Tugend erstarken, wird im geistlichen Kampf erstarken und mit Gottes Gnade Siege erringen können. Mühe in der Fastenzeit führt zur Osterfreude. Kampf führt zum Sieg. Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.