133) 5. Sonntag im Jahreskreis B) 2015: EXORZISMUS UND HEILUNG VON DÄMONISCHEN EINFLÜSSEN

5. Sonntag im JK B) 2015 - Predigt

ER "TRIEB VIELE DÄMONEN AUS" (1,34) - EXORZISMUS

UND HEILUNG VON DÄMONISCHEN EINFLÜSSEN

Das heutige Evangelium berührt wiederum, wie am vergangenen Sonntag, die Realität der Besessenheit und den Einfluss der Dämonen. Das Hauptanliegen des Teufels ist es, Glaube, Hoffnung und Liebe zu zerstören, das Leben zu ruinieren mit dem Ziel, uns von Gott und dem ewigen Leben zu entfernen. Das ist die Schattenseite.

Heute wollen wir uns mit der Lichtseite befassen. Christus ist der göttliche Arzt für alles, für Leib und Seele. Das Evangelium im Allgemeinen und das heutige Sonntagsevangelium im Besonderen beschreibt das heilende Wirken Christi. Wir erkennen mehrere Elemente: zuerst die Predigt, dann der Exorzismus, dann die Krankenheilungen. Christus übergibt seine göttliche Vollmacht den Aposteln: Er gab ihnen "die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen" (Lk 9,1). Das ist der Heilsdienst der Kirche. Die Apostel dürfen das heilende Wirken Christi weiterführen. Es ist ein Wesensbereich des Apostolischen Amtes, das im Weihesakrament der Bischöfe und Priester weiter besteht.

Der Heilsdienst der Kirche kennt verschiedene Formen: das Sakrament der Buße und der Krankensalbung, Segnungen, Fürbittgebete, den Exorzismus. Wir wollen heute nur diesen Bereich herausgreifen: Christus heilt auch von Besessenheit und von dämonischen Einflüssen.

Der Exorzismus gehört zum Heilsdienst der Kirche, er zählt zu den Sakramentalien, die der Priester spendet. Ein Exorzismus besteht aus lateinischen Gebeten, aus Wort Gottes und Segnungen. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt dazu - Artikel 1673: "Wenn die Kirche öffentlich und autoritativ im Namen Jesu Christi darum betet, dass eine Person oder ein Gegenstand vor der Macht des bösen Feindes beschützt und seiner Herrschaft entrissen wird, spricht man von einem Exorzismus. Jesus hat solche Gebete vollzogen [Vgl. Mk 1,25-26]; von ihm hat die Kirche Vollmacht und Auftrag, Exorzismen vorzunehmen [Vgl. Mk 3,15; 6,7.13; 16,17.]. In einfacher Form wird der Exorzismus bei der Feier der Taufe vollzogen. Der feierliche, so genannte Große Exorzismus darf nur von einem Priester und nur mit Erlaubnis des Bischofs vorgenommen werden. Man muss dabei klug vorgehen und sich streng an die von der Kirche aufgestellten Regeln halten. Der Exorzismus dient dazu, Dämonen auszutreiben oder vom Einfluss von Dämonen zu befreien und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat. Etwas ganz anderes sind Krankheiten, vor allem psychischer Art; solche zu behandeln ist Sache der ärztlichen Heilkunde. Folglich ist es wichtig, dass man, bevor man einen Exorzismus feiert, sich Gewissheit darüber verschafft, dass es sich wirklich um die Gegenwart des bösen Feindes und nicht um eine Krankheit handelt [Vgl. CIC, can. 1172]."

Zwei kleine Beispiele für einen Exorzismus, den Don Gabriele Amorth durchgeführt hat. Er erzählt: "Zu mir kam ein 15jähriges Mädchen, das einige Tage zuvor aus Neugier an einem Satansritus teilgenommen hatte. Nach Haus zurückgekommen, wurde sie wild, gab Fußtritte, kratzte die Angehörigen, die sie zu bändigen suchten, und spuckte um sich. Es genügte ein Exorzismus von wenigen Minuten, um sie vollständig zu befreien Andere Male summieren sich verschiedene Ursachen aus verschiedenen Lebensaltern, und wenn dann die Person zum Exorzisten kommt, müssen ganze Serien von Wunden geheilt werden, für die Monate nötig sind, manchmal Jahre, um zu einer Befreiung zu gelangen" (1).

Bei einem anderen Exorzismus war folgende Ausgangssituation. Gabriele Amorth: Zu mir kam „ein Mädchen, das aus Neugierde an einer Schwarzen Messe teilgenommen hatte. Sie konnte daraufhin nicht mehr studieren, sich nicht mehr konzentrieren und hatte plötzliche Tobsuchtsausbrüche, wie es bei ihr niemals vorher vorgekommen war." Durch den Exorzismus wurde sie von diesen Übeln befreit" (2). Diese beiden Fälle waren keine Besessenheit, sondern Übel dämonischen Ursprungs. Der Heilungsdienst der Kirche hat diesen beiden jungen Menschen Heilung gebracht.

Wir leben heute in einer Zeitepoche mit starken dämonischen Einflüssen. Dh weil allgemein sehr viel gegen das menschliche Leben (Abtreibung) und die Gebote Gottes gesündigt wird, sind der Einfluss des Bösen und die Versuchungen stark geworden. In dieser Situation müssen wir uns schon fragen, wie wir uns schützen können und wie Menschen, die in dämonische Einflüsse geraten sind, wieder frei werden können. Der Exorzist Gebriele Amorth sagt, dass der Exorzismus nicht an erster Stelle steht. An erster Stelle steht das Leben in der Gnade Gottes - dh nach den 10 Geboten Gottes - und die Gnadenmittel. Das macht frei und beschützt. Das Wichtigste können und sollen wir also selber tun. Don Amorth:

"Zu allererst ist es notwendig, im Stande der Gnade zu leben und die Behinderungen für die Gnade zu beseitigen; deshalb ist der erste Schritt immer eine gute Beichte. Wenn jemand im Dauerzustand der Sünde lebt, muss er dieser Situation abhelfen. Wenn jemand die Gnade behindert (meist ist es dadurch gegeben, dass man nicht von Herzen verzeihen kann), dann muss er das Hindernis beseitigen. [Gabriele Amorth erwähnt übrigens sehr oft, wie sehr die sakramentale Beichte von solchen Übeln heilt].

Eucharistisch leben. Dazu möchte ich drei Aspekte hervorheben: die Hl. Messe, die Hl. Kommunion, die Eucharistische Anbetung. Wir müssen ganz klar sagen, dass die vier bereits aufgezählten Mittel und das folgende viel mehr Kraft und Wert haben als ein Exorzismus. Die Menschen sind gewöhnlich bequem. Sie wollen, dass andere etwas tun, die sollen von dem Übel befreien. Was in der Mehrzahl der Fälle am meisten fehlt, ist die eigene Mitwirkung.

Das Gebet. Es ist logisch, dass alle diese Mittel gebraucht werden sollen, nicht etwa eins nach dem anderen, sonder ganz nach der Eigenart des Betroffenen. Deshalb muss man jeden Tag beten, mit Glauben und Vertrauen, und auch eine gewisse Zeit dafür aufwenden. Alle Gebete sind gut, auch die selbst erfundenen. Besondere und offensichtliche Wirkung haben jedoch die biblischen Gebete (die Psalmen und Hymnen) und der Rosenkranz; letzterer hat wirklich eine unglaubliche Kraft."

Vom Glauben her können wir sagen: der größte "Exorzismus" ist das Heilige Messopfer und die heilige Beichte.

Was wir für uns selber tun können, das können wir auch im Fürbittgebet für andere erbitten. Es kommt dabei nicht auf die Form der Gebete an, sondern auf den Glauben. Das wertvollste Gebet ist das Heilige Messopfer, weil das Hl. Messopfer das Kreuzesopfer gegenwärtig setzt. Der Rosenkranz, das Gebet zum Erzengel Michael, das Weihwasser. Wir wissen aus dem Leben der hl. Katharina von Siena, dass sie Besessene empfangen hat, die von den Exorzisten ihrer Zeit nicht geheilt werden konnten. Sie hat über sie gebetet und ihnen Befreiung verschafft. Wir können also mit gläubigem Gebet viel Gutes wirken.

Eine besondere Bedeutung im geistlichen Kampf und für die Überwindung von Versuchungen hat die Verehrung der Gottesmutter Maria. Gabriele Amorth sagt es so: "Maria ist die universale Gnadenmittlerin. Sie übt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Teufel aus. Die erste Nachricht über Maria finden wir im Protoevangelium: «Feindschaft setze ich zwischen dich und der Frau...» (Gen 3,15). Wenn wir Maria anrufen, dann ärgern wir die Schlange mehr als durch die Anrufung Christi. Denn der Teufel wird mehr gedemütigt, wenn er durch ein Geschöpf als durch den Schöpfer besiegt wird." (3)

Die Lichtseite des heutigen Evangeliums bedeutet zusammenfassend: Der Heilsdienst der Kirche, durch den das Heilswirken Christi fortbesteht, schenkt Befreiung von Besessenheit, eine eher seltene Gegebenheit, und von dämonischen Einflüssen, was häufiger vorkommt. An erster Stelle steht das Leben in der Gnade Gottes und mit den Gnadenmitteln, die Christus uns geschenkt hat. Wer das beachtet, wer das lebt, der hat eine gute Basis für das tägliche Ringen um die Tugend und das Überwinden von Versuchungen. Liebe Eltern! Indem ihr eure Kinder zum Leben in der Gnade führt und zu den Gnadenmitteln, gebt ihr ihnen auch die besten Grundlagen für das Leben in unserer Zeit. Gottes Licht und Gnade ist immer stärker als die Finsternis. Amen.

Zitate aus:  (1) Gabriele Amorth: Exorzisten und Psychiater, Christiana Verlag, 2006; S. 123

                   (2) Gabriele Amorth: Exorzisten und Psychiater, Christiana Verlag, 2006; S. 115

                   (3) Gabriele Amorth: Exorzisten und Psychiater, Christiana Verlag, 2006; S. 135

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