129) Fest der Taufe des Herrn 2015: GNADEN UND PFLICHTEN DER HEILIGEN TAUFE

Weihnachten – Fest der Taufe des Herrn 11.1.2015

Homilie: GNADEN UND PFLICHTEN DER HEILIGEN TAUFE

Christus lässt sich im Jordan von Johannes taufen. Er bereitet mit seinem Tun das Sakrament der Taufe vor und stiftet dieses Sakrament. Nach der Himmelfahrt gibt er den Aposteln den Auftrag, das Evangelium zu verkünden und zu taufen (Mt 28,19-20).

Wie steht es heute allgemein mit der Taufe? In ehemals christlichen Ländern Europas werden immer öfter Kinder nicht mehr getauft. In den ehemals kommunistischen Oststaaten sind die meisten Menschen ungetauft. Dafür gibt es in solchen Ländern vermehrt Taufen von Erwachsenen, die eifrige Katholiken werden. In unserem Land erleben wir etwas Eigenartiges. Es werden zwar die meisten Kinder noch getauft. Doch es entwickelte sich so, dass die Taufe nicht mehr als ein gesellschaftliches Ereignis gesehen wird. Dh es wird zwar noch getauft, doch die Bindung an die Kirche und an den Glauben, der mit der Taufe verbunden ist, wird oft nicht mehr eingegangen. Der heilige Papst Johannes Paul II. beschreibt im Jahr 2003 diese Situation sehr klar: "Viele Getaufte leben so, als ob Christus nicht existierte: Man wiederholt, insbesondere durch die kirchlichen Bräuche, die Gesten und Zeichen des Glaubens, aber es entspricht ihnen keine tatsächliche Annahme des Glaubensinhalts und kein Festhalten an der Person Jesu. An die Stelle der großen Gewissheiten des Glaubens ist bei vielen ein vages und wenig verbindliches religiöses Gefühl getreten." Der nächste Schritt einer solchen Entwicklung wird auch bei uns kommen: Kinder werden nicht mehr getauft, weil die gesellschaftlichen Beweggründe nicht mehr vorhanden sind.

Taufe - jedoch keine Bindung an den Glauben und an die Kirche. Es wäre besser, wenn Eltern in solchen Situationen zuerst ihren eigenen Glaubensweg abklären und dann erst taufen lassen. Hier kann man überlegen, ob nicht auch von Seiten der Kirche die Sakramente zu "billig" angeboten werden. In anderen Kontinenten, zB in Afrika, ist das nicht so. Ansätze dafür gibt es auch schon in Europa. Im Dezember erfuhr ich von der Situation der katholischen Kirche in Schottland. Dort werden Kinder katholisch nur dann getauft, wenn deren Eltern tatsächlich mit der Kirche mit leben wollen.

Heute danken wir für das große Geschenk der eigenen Taufe. Die Taufe ist ein unverdientes Geschenk Gottes und gleichzeitig ein Auftrag, eine Pflicht. Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt das Geschenk der Taufe mit folgenden Worten:

KKK 1279: Die Wirkung der Taufe, die Taufgnade, ist reichhaltig: Vergebung der Erbsünde und aller persönlichen Sünden, Geburt zum neuen Leben, durch die der Mensch Adoptivkind des Vaters, Glied Christi und Tempel des Heiligen Geistes wird. Der Getaufte wird der Kirche dem Leib Christi eingegliedert, und erhält Anteil am Priestertum Christi.

Der Katechismus beschreibt auch die Pflichten der Taufe:

KKK 1273: Als die Gläubigen durch die Taufe der Kirche eingegliedert wurden, haben sie das sakramentale Siegel erhalten, das sie „zur christlichen Gottesverehrung bestellt" (LG 11). Das Taufsiegel befähigt und verpflichtet die Christen, in lebendiger Teilnahme an der heiligen Liturgie der Kirche Gott zu dienen und durch das Zeugnis eines heiligen Lebens und einer tatkräftigen Liebe das Priestertum aller Getauften auszuüben [Vgl. Hebr 13,17].

Machen wir eine kleine Gegenüberstellung: Taufe als Geschenk und Pflicht:

- Vergebung der Erbsünde. Die Erbsünde ist das große Hindernis des Menschen auf seinem Weg zu Gott. Mit der Erbsünde behaftet kann der Mensch nicht zur Gemeinschaft mit Gott gelangen. Für jene, die Christus und die Kirche nicht kennen, vertraut die Kirche, dass Gott andere Wege hat, die Gnadenwirkungen der Taufe zu schenken. Der AUFTRAG: nach der Vergebung der Erbsünde verbleibt die Konkupiszenz, eine zur Sünde geneigte Menschennatur. Wir brauchen die Gnade und Hilfe Gottes, damit die Folgen der Erbsünde in uns ausgeheilt werden.

- Vergebung aller persönlichen Sünden. Bei einer Erwachsenentaufe gibt es keine Beichte über das Leben vor der Taufe. Die Taufe ist das Sakrament der Sündenvergebung. Der AUFTRAG: auch nach der Taufe bleibt der geistige Kampf um die Überwindung der Sünde und das Wachsen in der Gnade. Als besonderes Hilfsmittel hat uns der Herr dazu das Bußsakrament geschenkt.

- Geburt zum neuen Leben: Das ist die Heiligmachende Gnade, dh eine Gnade, die uns dem Heiligen Gott ähnlich macht. Eine innere, gnadenhafte Verbindung der Seele mit ihrem Schöpfergott und Erlöser wird hergestellt. Der AUFTRAG: dieses Leben der Gnade müssen wir pflegen, betreuen, so wie man eine Pflanze betreut.

- Adoptivkind des Vaters: Die Seele wird in eine gnadenhafte Kindbeziehung zum himmlischen Vater hinein genommen. Durch die Taufgnade kann ein Mensch von innen heraus beten und empfinden: "Vater unser im Himmel!" Der AUFTRAG: die Beziehung zum himmlischen Vater pflegen, beten wir zB gerne das Vater unser.

- Glied Christi: Wir werden mit unserem Erlöser Jesus Christus verbunden. Der AUFTRAG: wie jede menschliche Beziehung müssen wir auch die Christusbeziehung pflegen, zB durch das tägliche Gebet, durch den wöchentlichen Christustag, die Sonntagsheiligung.

- Tempel des Heiligen Geistes: der Heilige Geist schenkt bei der Taufe als Anlage die drei Göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Ein Getaufter trägt diese Anlagen in sich. Der AUFTRAG: wir müssen diese drei Tugenden entfalten. Das benötigt bewusste Anstrengung. Von selber geht es nicht. Von selber geht der Rückschritt. Eltern haben bei der Taufe versprochen, ihre Kinder christlich zu erziehen. Wo das geschieht, erhalten die Kinder eine gute Basis für ihre spätere eigene Glaubensentscheidung. Was die Kinder dann daraus machen, ist ihre Verantwortung.

- Eingliederung in die Kirche: mit Kirche ist nicht zuerst die Pfarrgemeinde gemeint, sondern die Gesamtkirche, die Braut Christi, die römisch-katholische Weltkirche. Der AUFTRAG: Die Taufe bindet an die Kirche. Ein Getaufter hat die Pflicht, mit der Kirche zu leben. Christlich-katholisch leben kann man nicht allein. Das ist nur möglich durch ein Mitleben mit der Glaubensgemeinschaft der Kirche, wo einer dem anderen Halt und Ansporn gibt.

- Anteil am Priestertum Christi. Gemeint ist das allgemeine Priestertum der Gläubigen, das sich nicht nur der Art nach, sondern auch dem Wesen nach vom Weihepriestertum unterscheidet. Der AUFTRAG: Ein Getaufter hat das Geschenk, das Privileg, den Sonntagsgottesdienst mitzufeiern und er hat die Pflicht dazu. Das ist eine heilige Pflicht der Getauften! Für Gott liebende Seelen eine schöne Pflicht.

Geschenk der Taufe. Auftrag und Pflicht der Taufe. Unsere Zeit spricht viel von Rechten, aber ungern von Pflichten. Der selige John Henry Newman sagt: "Der Mensch hat Rechte, weil er vorher Pflichten hat." Wir katholische Christen haben vom Dreifaltigen Gott durch die heilige Taufe so viele Geschenke erhalten. Diese Geschenke verpflichten uns. Amen.

(*) Johannes Paul II. Nachsynodales Schreiben ECCLESIA IN EUROPA/KIRCHE IN EUROPA, vom 28. Juni 2003, aus Abschnitt 47

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