128) Hochfest Dreikönig 2015: Die Heiligen Drei Könige und ihre Rivalen - was sie uns sagen können

Hochfest Dreikönig 2015

„ES KAMEN WEISE AUS DEM OSTEN NACH JERUSALEM" (Mt 21) - DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE UND IHRE RIVALEN - WAS SIE UNS SAGEN KÖNNEN

Die Evangelien sind keine Märchen. Hier werden auch im heutigen Festevangelium historische Personen genannt. "Es kamen Weise aus dem Osten nach Jerusalem." Mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland wird in Jerusalem das Ereignis von Bethlehem bekannt. Die Heiligen Drei Könige geraten in Jerusalem in unangenehme Gesellschaft, sie erhalten Rivalen. Es lohnt sich, auf die Personen zu schauen, die in das Dreikönigsereignis verwickelt werden. Was können uns ihre Haltungen sagen?

1) Das Evangelium erwähnt zuerst König Herodes. Gemeint ist Herodes I. Er regierte über ganz Palästina von 37-4 v. Chr. Drei oder vier Jahre vor seinem Tod wurde Christus geboren. Die christliche Zeitrechnung setzt erst später an. Palästina war damals Römische Provinz. Herodes I. hat es gut mit den Römern verstanden, so ließ man ihn selbstständig regieren. Herodes entwickelte eine ungeheure Bautätigkeit; heute noch sind viele Ruinen zu sehen. Am so genannten zweiten Tempel ließ Herodes bauen, dann in Jerusalem, die Stadt Cäsarea maritima, Paläste im ganzen Land; er war größenwahnsinnig. Wegen seiner äußeren Leistungen hat man ihm den Beinamen "der Große" gegeben. In Wirklichkeit übte Herodes eine grausame Tyrannenherrschaft aus. Den Großteil seiner Familie ließ er hinrichten, auch seine Ehefrau. Die Juden haben seine Herrschaft nur mit Murren ertragen. Als Herodes von der Geburt eines "Königs der Juden" hört, "erschrak er", er bangte um seinen Thron und ließ den Kindermord von Bethlehem durchführen.

Über Herodes kann man sagen: Er war ein skrupelloser Machtmensch, innerlich voll Falschheit, verschlagen, ein Ich-Mensch, der seine Seele im Streben nach Macht, Besitz und Geltungsdrang erstickte. Seine Seele war unfähig geworden, das Licht Gottes aufzunehmen. Ein für das Seelenheil sehr ernster Zustand.

2) Dann erwähnt das Evangelium allgemein die Einwohner von ganz Jerusalem, die mit Herodes erschraken, wie es heißt. "Ganz Jerusalem," das sind sozusagen "die Leute", die anonyme Gesellschaft, Mitschwimmer, jene, die keinen Standpunkt und keine Meinung haben. Diese Menschen genießen vielleicht den Wohlstand, der durch die wirtschaftliche Tätigkeit des Herodes aufblühte. Sie erschrecken beim Gedanken, dass da ein anderer König kommt, der mit ihrem angenehmen Leben nicht einverstanden sein könnte, der ihren Scheinfrieden stören könnte...

Über diese Menschen, "ganz Jerusalem", kann man sagen: Auch sie waren nicht fähig, das Licht Gottes aufzunehmen. Sie waren allgemein zu weltlich und zu irdisch geworden. Der Messias konnte in "seine Stadt" Jerusalem als Kind nicht einziehen. Dort war er nicht erwartet. Erst der Christuskönig, der am Palmsonntag den Leidensweg beginnt, ist in Jerusalem erwartet.

3) Weiters erwähnt das Evangelium die Hohenpriester und Schriftgelehrten. Die Hohenpriester waren mit dem Hohen Rat, dem Synedrion, die religiöse Führung des Landes. Die Schriftgelehrten waren Lehrer des alttestamentlichen Gesetzes und der so genannten "Überlieferung der Väter." Die Schriftgelehrten haben in Jerusalem und in den Synagogen des Landes den Menschen das Wort Gottes gelehrt und erklärt. Sie waren die Intellektuellen im Judentum.

Mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten hatte Christus die meisten Auseinander-setzungen, schwere Konflikte. Ihnen hat Christus die berühmten Weherufe (Mt 23) an den Kopf geworfen. Diese Kreise waren auch die ersten, die schon früh vereinbarten, Christus zu töten (Joh 11,53; Mk 3,6). Es wird sicher einzelne gute Menschen unter den Schriftgelehrten gegeben haben - das Evangelium erwähnt zB Josef von Arimathäa (Mk 15,43) - doch allgemein waren sie voller Hochmut; sie waren wissend, aber Gewissen hatten sie keines; sie hatten ihre eigenen Vorstellungen vom Messias; sie waren auch bequem; Sie wussten aus den Propheten genau, dass der Messias in Bethlehem zu finden wäre, doch sie gingen nicht hin. Auch diese Menschen waren durch ihr hochmütiges Verhalten unfähig geworden, das Licht Gottes aufzunehmen.

4) Schließlich begegnen wir im Evangelium den Weisen aus den Osten, wie sie genannt werden, Maggoi, Weise. Vornehme Männer, vielleicht Könige orientalischer Stadt-Staaten, wie damals viele existierten. Sie waren Heiden. Sie waren aufrichtige Gottsucher. Wahrscheinlich kannten sie Schriften des Alten Testamentes. Solche Schriften waren durch ausgewanderte Juden überall in der damaligen Welt bekannt. Mit einem aufrichtigen Gewissen haben diese Männer den wahren Gott gesucht. Sie wurden durch die Gnade Gottes und den Stern zur Krippe geführt. Sie bringen dem Göttlichen Kind Geschenke dar. Mit den Geschenken bringen sie ihre Gesinnung zum Ausdruck. Ihre Huldigung, die Proskynesis, das sich Niederwerfen bis zum Boden, ist der Akt der Anbetung, der vollkommenen Hingabe. Die Begegnung mit dem Gotteskind wird zu einer Gnadenstunde ihres Leben. Sie werden im Herzen neue und andere Menschen. Auf einem "anderen Weg", heißt es, ziehen sie heim in ihr Land.

So war es damals. Wie ist es heute? Wahrscheinlich gehen die Haltungen der Menschen, die wir betrachtet haben, ein wenig ineinander über.

< Es gibt Menschen wie Herodes, die ganz auf das Irdische ausgerichtet sind, hartherzige Ich-Menschen: Streben nach Absicherung, Ansehen, Einfluss... In abgeschwächter Form ist das auch für uns eine Versuchung. Wird nicht dem Glauben das Weltliche oft vorgezogen? Wenn etwas zu viel ist, das erste, was aus dem Terminkalender gestrichen wird, ist der Glaube.

< Es gibt Menschen wie die von "ganz Jerusalem". Mitschwimmer, sie sagen von sich vielleicht: "Ich bin eh ein guter Mensch", sie erschrecken, wenn jemand ihren geistigen Tiefschlaf stört. Solche Menschen ertragen das Evangelium und die Predigt der Kirche nicht mehr, weil sie merken, dass da jemand von ihnen etwas erwartet.

< Es gibt Menschen wie die Hohenpriester und Schriftgelehrten: Man weiß vielleicht viel, oder meint viel zu wissen. Heute wissen übrigens sehr viele sehr wenig über den Glauben. Man hat sich eigene Vorstellungen vom Glauben gemacht. Man ist stolz: "Von dem und der lass ich mir nichts sagen....!" Man hat den Eifer aufgegeben. Das Herz ist erstarrt, man kann sich über Gott, über Göttliches, über den Gottesdienst und die Feiertage nicht mehr freuen... Das Herz vermag nichts mehr aufzunehmen. Man ist beim Gottesdienst zwar noch anwesend, doch innerlich ist man nicht mehr da... Diese Haltung ist nicht besser als das Verhalten jener, die zwar wissen, wo das Gotteshaus steht, aber nicht mehr hingehen.

< Und es gibt Menschen wie die Weisen aus dem Morgenland, Menschen, die aufrichtig und mit Mühe nach Gott suchen. Dieses aufrichtige Suchen nach dem wahren Glauben und dem einen wahren Gott gibt es in allen Religionen. Solche Menschen erfahren Dreikönig auch heute, sie finden Christus als Sohn Gottes und einzigen Erlöser, sie finden seine heilige, katholische und apostolische Kirche, sie fallen nieder und beten an, sie werden neue Menschen, beginnen ein neues Leben.

Wie ist es bei uns? Dreikönig gibt es auch heute. Gott schenkt uns sein Licht und schenkt uns seinen Sohn dann, wenn wir wie die Heiligen Drei Könige werden. Werden wir vor Gott ganz demütig, ganz arm, auch im Eingestehen unserer ganzen Armseligkeit. Beugen wir vor Gott unsere Knie, auch bei der Heiligen Kommunion, und sagen wir dann zum Herrn: "Sei du mein Erlöser!", dann kommt das Licht, dann kommt die Gnade. Amen.

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