126) Hochfest der Gottesgebärerin, 1.1.2015: LEERE ZEIT UND FÜLLE DER ZEIT

Neujahr 2015 – Hochfest der Gottesgebärerin

Homilie: "ES ERFÜLLTE SICH FÜR MARIA, DASS SIE GEBÄREN SOLLTE"(Lk 2,6)  

               LEERE ZEIT UND FÜLLE DER ZEIT

In das neue Jahr, das wir heute beginnen, geleitet uns der Segen Gottes und das Wort Gottes.

Im Weihnachtsevangelium des hl. Evangelisten Lukas stehen die Worte: "Es erfüllten sich für Maria die Tage, dass sie gebären sollte" (Lk 2,6). Ausgehend von dieser Stelle der Heiligen Schrift hat der heilige Antonius von Padua in einer Weihnachtpredigt folgendes gesagt:

"Siehe, die Fülle der Zeit, der Tag des Heiles, das Jahr der Güte. Denn von der Übertretung Adams an bis zur Ankunft Christi war leere Zeit. Bei Jeremia steht: Ich blickte auf die Erde, und siehe, sie war leer und wie ein Nichts (Jer 4,32). Alles hatte der Teufel verwüstet.

 

Heute aber haben sich die Tage erfüllt, dass sie gebären sollte. Aus der Fülle dieses Tages haben wir alle empfangen. Im Psalm heißt es: Wir werden erfüllt werden von den Gütern deines Hauses (Ps 65,5).

 

Dir, o selige Jungfrau, sei Lob und Ruhm, denn heute wurden wir von der Güte deines Hauses nämlich deines Schoßes erfüllt. Wir, die vorher leer waren, sind voll; die wir vorher krank waren, sind gesund; die wir vorher verflucht waren, gesegnet. Das Hohelied sagt: Was aus dir hervorgeht, ist das Paradies (Hld 4,13)."

Diese tiefen Worte des heiligen Kirchenlehrers Antonius geben uns zum Jahresbeginn einige geistliche Impulse über die Bedeutung der Zeit. Wir erleben die Bedeutung der Zeit sehr unterschiedlich: Zu viel Zeit, zu wenig Zeit, keine Zeit, ausgefüllte Zeit, Langweile, Stress, Auszeit usw. Das alles sind menschliche Erfahrungen. Der hl. Antonius zeigt uns einen tieferen Sinn der Zeit. Er beleuchtet die Zeit heilsgeschichtlich:

Die Zeit nach der Ursünde Adams bis zum Kommen Christi bezeichnet Antonius als leere Zeit - tempus vacuum. Leer war diese Zeit, weil ihr Christus fehlte. Leer war diese Zeit, weil sie unter dem Gesetz der Sünde stand und die Menschheit noch nicht erlöst war. Antonius zitiert den Propheten Jeremia: die Erde war leer und wie ein Nichts, vom Teufel verwüstet.

Durch Christus kam die Fülle der Zeit. In der zweiten Lesung spricht der hl. Paulus heute davon: "Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau" (Gal 1,4). Durch Christus, durch seine Menschwerdung, durch seinen Erlösertod, trat Gott selber in die Zeit herein, hat die Zeit mit seiner Gegenwart erfüllt, geheiligt, geheilt, er hat sie der Verwundung durch die Sünde und der Sinnlosigkeit entrissen.

Was bedeutet das für uns und für ein neues Jahr? Die Zeit unseres Lebens, die Tage und Jahre, die Gott uns schenkt, können leere Zeit oder Fülle der Zeit sein.

Leere Zeit zB sind jene Tage, die wir nicht in Gemeinschaft und Verbindung mit Gott verbringen, außerhalb der Gnade, außerhalb der Gebote Gottes, außerhalb der Wahrheit Christi.

Fülle der Zeit sind jene Tage, die wir in Gemeinschaft und Verbindung mit Gott verbringen, in der Gnade, in den Geboten Gottes, in der Wahrheit Christi. Fülle der Zeit sind zB die Sonn- und Feiertage, die wir heiligen. Fülle der Zeit sind die Arbeitstage, die unter dem Segen der Sonntagsheiligung stehen, unter dem Segen einer Werktagsmesse. Fülle der Zeit ist jede Zeit, die wir dienend und helfend unseren Mitmenschen schenken.

Mit seiner Menschwerdung, mit den Sakramenten der Kirche, die eine Frucht der Menschwerdung sind, gibt Christus uns Anteil an der Fülle der Zeit, die er uns gebracht hat. ER, der Herr, heilt die Zeit, er macht sie sinnvoll, sogar die Kreuze, Leiden und Schwierigkeiten erhalten einen Sinn, einen Wert für die Ewigkeit.

An uns liegt es, im neuen Jahr Christus in die persönliche Zeit unseres Lebens hereinzulassen. In diesem Sinn schreibt der hl. Paulus den Ephesern: "Nutzt die Zeit, denn diese Tage sind böse" (Eph 5,16). Wenn wir Christus in unsere persönliche Zeit herein treten lassen, füllt er auch unsere Zeit. Unsere Zeit wird erfüllt von Gottes Segen, Gottes Güte, Gottes Frieden, Gottes Kraft, Gottes Trost. Das heißt nicht, dass wir keine Schwierigkeiten haben werden. Doch wir haben alle Hilfe des Himmels.

Der heilige Antonius wendet sich in seiner Weihnachtspredigt, aus der wir einen Abschnitt hörten, dankbar an die Gottesmutter Maria. Er nennt Mariens Schoß das Haus, das Christus mit seiner Gegenwart erfüllt hat, das Haus, aus dessen Reichtum wir beschenkt wurden. Das will sagen: Maria hat uns die Fülle der Zeit gebracht - Christus.

So wollen wir auch die Gottesmutter Maria in die Zeit unseres Lebens hereinlassen. Denken wir zB an den Rosenkranz, an die Marienfeste, an den wöchentlichen Muttergottestag mit Marienmesse, das ist der Samstag. Eine Stelle aus dem Hohelied deutet Antonius auf Maria: "Was aus dir hervorgeht, ist das Paradies." Wer die Gottesmutter Maria in sein Leben einlässt, wird erfahren, dass sie das Paradies bringt: Christus, und den ganzen Segen des Himmels. Im Vertrauen auf die Gottesmutter, die uns Christus bringt, dürfen wir voll Gottvertrauen in das neue Jahr gehen.

Maria, liebste Mutter, hochheilige Gottesgebärerin! Tritt in unser Leben ein! Führe uns durch dieses Jahr. Bring uns Christus und seinen Segen. Mache unsere manchmal leere Zeit zur erfüllten Zeit, die bleibt und Frucht trägt für den Himmel. Amen.

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