123) 4. Adventsonntag 2014: Reihe Ehe im Plan Gottes 6: Die Liberalisierung der Ehe

4. Adventsonntag B) 2014

Predigtreihe Die Ehe im Plan Gottes 6) Die Liberalisierung der Ehe

 

 

Das christlich/katholische Eheverständnis unterscheidet sich von allen rein weltlichen

Vorstellungen über die Ehe. Für Christen - konkret für uns katholische und die orthodoxen Christen - ist die Ehe ein Sakrament. Wir müssen das christlich-katholische Eheverständnis heute wieder neu kennen lernen. Doch zuerst wird es notwendig sein, allgemein die Ehevorstellungen, mit denen wir heute konfrontiert werden, zu bedenken.

 

 

Es geht um die Frage: Warum sind wir Katholiken überzeugt, dass die Ehe ein Sakrament ist? Und in der Folge: Warum werden wir Katholiken an die kirchlich-sakramentale Ehe gebunden. Um das zu verstehen, müssen wir weiter ausholen.

 

 

Auch wenn es bei den Heiden in vorbiblischer Zeit und bei den Heiden außerhalb des Christentums sicher immer auch edle Menschen gegeben hat: im Heidentum war die Ehe allgemein verwundet, in Unordnung, unklar, eben von den Folgen der Ursünde gezeichnet. Auf das können wir jetzt nicht näher eingehen. Die Ehe im Alten Rom zB war patriarchalisch. Die Frau hatte nicht den gleichen Stellenwert wie der Mann.

 

 

Erst der jüdisch-christliche Offenbarungsglaube hat in der Menschheit zur Wahrheit über die Ehe zurückgeführt. Die katholische Kirche im Mittelalter entwickelte im Kirchenrecht auch die Grundlagen für den gesetzlichen Schutz der Ehe, für die Gleichheit von Mann und Frau. Der kirchliche Schutz der Ehe wurde allmählich auch in die staatlichen Gesetze aufgenommen.

 

 

Nach dem Mittelalter haben die Staaten das Eheverständnis liberalisiert, dh losgelöst von der Offenbarung, vom Glauben. Die Wurzeln dafür liegen in der Reformation, dann in der Zeit der Aufklärung, bei den Freimaurern. Der Durchbruch geschah in der Zeit des Nationalsozialismus, dort wurde die Ehe schrittweise liberalisiert, dh es wurde die staatliche Eheschließung und die staatliche Scheidung eingeführt, vor allem durch die Ehegesetze vom 6. Juli 1938. Diese liberalen Ehegesetze gelten großteils in Österreich heute noch, es wurde nur die Rassenideologie des Nationalsozialismus herausgenommen.

 

 

Noch ein Beispiel aus der Geschichte Österreichs. Kaiser Karl wurde 1919 in das Exil verbannt, zuerst in die Schweiz. Dort bekam Kaiser Karl Besuch von hochgradigen Freimaurern Europas, die in der Politik die Fäden in der Hand hatten. Die Freimaurer haben Kaiser Karl angeboten, ihm wieder den Thron zu verschaffen, doch nur unter zwei Bedingungen: die Liberalisierung der Ehe und die Liberalisierung der Schule. Kaiser Karl hat geantwortet: "Was ich durch die Gnade Gottes empfangen habe [den Thron], kann ich nicht aus der Hand des Teufels entgegennehmen", und er warf sie hinaus. Diese Begebenheit ist in den veröffentlichten Akten der Seligsprechung festgehalten.

 

 

Heute ist die Liberalisierung der Ehe in vielen Staaten der Welt umgesetzt. Innerhalb der EU ebenfalls. Malta hat im Mai 2011 dem Ehescheidungsgesetz zugestimmt. Es war bis dahin der einzige EU-Staat, in dem die Ehescheidung verboten war. Somit ist die Ehescheidung in der ganzen EU erlaubt. Weltweit bleibt nur noch der Vatikan und die Philippinen, die eine Ehescheidung nicht erlauben.

 

 

Worin unterscheidet sich das weltliche Verständnis von Ehe vom Offenbarungsglauben, also von der christlich-katholischen Eheauffassung? Das weltliche Verständnis der Ehe hat sich, wie schon angedeutet, von den christlichen Inhalten der Ehe verabschiedet. Die Ehe wurde zu einem Vertrag, schon mit gewissen Verpflichtungen, doch dieser Vertrag ist ohne Schwierigkeiten zu lösen, und das beliebig oft. Die christliche Offenbarung über das Wesen der Liebe, über die Fruchtbarkeit, über die Einheit der Ehe (Bund zwischen einem Mann und einer Frau) und die Unauflöslichkeit wurde aufgegeben. Dazu kommen in der heutigen Zeit die Verbindungen von Gleichgeschlechtlichen, die von vielen Staaten der Ehe gleichgestellt werden. Wir müssen als Katholiken also feststellen: wir haben ein ganz anderes Denken über die Ehe als die Staaten.

 

 

Das katholisch-sakramentale Verständnis der Ehe ist heute leider auch bei vielen Katholiken nicht mehr vorhanden. Hier ist wahrscheinlich oft keine schlechte Absicht dahinter. Das Eigene der christlichen Ehelehre ist einfach nicht mehr bekannt oder wird nicht mehr verstanden. Das sehen wir an der heutigen Praxis: manche Katholiken leben wie in der Ehe zusammen ohne eine Form von Eheschließung (die so genannte "wilde Ehe"). Manche Katholiken heiraten nur staatlich, nicht mehr kirchlich.

 

 

Man darf zu dieser Situation sagen: das christliche Eheverständnis wurde von der "modernen" Kirche der vergangenen Jahrzehnte zu wenig vermittelt, manchmal überhaupt nicht mehr. Dies gilt nicht für das päpstliche Lehramt. Denken wir zB an den hl. Papst Johannes Paul II. wie oft hat er sich in seiner Lehrverkündigung mit der Ehe und Familie befasst. Er prägte eine tiefe "Theologie des Leibes". Das heutige Eheverständnis, das sich in der Kirche ausgebreitet hat, ist, kurz gesagt, sehr verweltlicht, "ein weltlich Ding", wie Martin Luther meinte.

 

 

In einem nächsten Schritt werden wir uns mit der Ehe als Sakrament befassen. Diese Lehre muss wieder thematisiert werden. Die christlich-katholische Ehelehre wurzelt in der Offenbarung. Es ist eine anspruchsvolle Lehre, doch eine schöne Lehre. Die christliche Ehe ist auch heute lebbar. Das beweisen die Ehepaare, die eine wahrhaft christliche Ehe führen.

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