121) Maria Unbefleckte Empfängnis 2014: DER GLAUBENSAKT MARIENS - UNSER GLAUBE IN BEDRÄNGTER ZEIT

Hochfest Maria Unbefleckte Empfängnis 8. Dezember 2014 - Predigt:

"Mir geschehe nach deinem Wort"(Lk 1,38) Der Glaubensakt Mariens und unser Glaube in bedrängter Zeit

"Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn" (Jes 61,10)! Mit diesem Aufruf des Propheten Jesaja beginnt im Introitus die heutige Liturgie. Der ganze Himmel freut sich über das, was Gott an Maria gewirkt hat. Gott hat Maria vor der Erbsünde und vor jeder persönlichen Sünde bewahrt. Maria ist die Erst-Erlöste unter allen Menschen. Kein Schatten der Sünde und des Bösen Feindes hatte an Maria einen Anteil. Warum? Wegen der Berufung zur Gottesmutterschaft und wegen des Erlösertodes Christi. Christus, der ewige Sohn Gottes aus dem Herzen des Vaters, der Drei Mal Heilige Gott, hat sich eine würdige Wohnung bereitet, um zu uns Menschen zu kommen und uns zu erlösen.

"Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn!" Gott selber freut sich über sein Werk, über Maria. Die Unbefleckte Empfängnis Mariens war ein neuer Beginn mit der Menschheit. Die Engel und die Heiligen, freuen sich über Maria, die von Gott über sie erhoben wurde. Die Kirche auf Erden vereint sich heute mit der Freude der himmlischen Kirche. Auch wir sind heute zusammen gekommen, um an dieser Freude über die Gottesmutter teilzuhaben. Alle, die Gott suchen, alle, die unter der Last des Lebens stöhnen, alle, die Anliegen und Nöte haben, auch alle die danken können, weil es ihnen gut geht... in unser aller Herz soll heute himmlische Freude gelangen. Die himmlische Freude erfüllt uns mit Frieden, sie tröstet uns, sie stärkt uns und gibt uns Kraft zum Durchhalten.

Danken wir heute der Gottesmutter, dass sie durch ihr Ja-Wort bei der Verkündigung für uns die Ursache unserer Freude geworden ist. Durch Maria kam Christus, die wahre Freude in unsere Welt. Denken wir heute über dieses Ja-Wort der Muttergottes nach. "Mir geschehe nach deinem Wort!" Ihr Ja-Wort war ein Akt des Glaubens: Maria hat bei diesem Ja-Wort ihre menschlichen Fähigkeiten nicht ausgeschaltet. Sie hat mit den Worten des Engels mitgedacht. Sie hat sich sogar gefragt: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" Der Engel hat Maria auf die Allmacht Gottes verwiesen. "Bei Gott ist kein Ding unmöglich!"

Bei der Verkündigung war von Maria ein großer Glaubensakt gefordert: der Glaube an die jungfräuliche Empfängnis des Kindes, der Glaube, dass das verheißene Kind der "Sohn des Höchsten" ist, dh der Sohn Gottes, der Glaube, dass das verheißene Kind "auf dem Thron Davids" sitzen wird, dh der erwartete Messias sein wird. Maria hat Gott das alles zugetraut. Die Kraft dazu gab ihr die Gottesliebe, die sie schon im Herzen trug. So war ihr Glaubensakt auch ein Akt der Liebe und ein Akt des Gehorsams gegenüber Gott, der sich ihr geoffenbart hat.

Am Mitdenken Mariens erkennen wir, dass der menschliche Glaubensakt nichts mit Naivität oder Dummheit zu tun hat, mit einem Ausschalten unserer Geisteskräfte. Im Gegenteil. Ein Glaubender denkt und überlegt mit. Der Glaube ist nicht unüberlegt. Doch der Glaube kommt an die Grenze der Vernunft, wo wir mit der Vernunft nicht mehr weiterkommen. Wir Menschen können die Offenbarungswahrheiten durchdenken, ob sie wohl logisch sind und keine Widersprüche in sich haben. Doch die Glaubenswahrheiten, die Größe Gottes und die Pläne Gottes übersteigen die Vernunft. Unser Herz und unsere Vernunft sind zu klein, um das Geheimnis Gottes, die Wahrheit Gottes und die Pläne Gottes zu durchschauen. Wenn wir das könnten, wären wir ja größer als Gott. Und genau da beginnt der menschliche Glaubensakt. Der Glaubensakt traut Gott nicht nur etwas Großes zu, sondern alles. Der Glaubensakt anerkennt Gottes Weisheit und Allmacht. Die Vernunft erforscht und durchdenkt den Bereich der Natur. Der Glaube durchdenkt - mit Hilfe der Vernunft - den Bereich der Übernatur.

Wir erkennen beim Glaubensakt der Muttergottes zwei Haltungen, die auch für unser Leben gelten:

a) Maria hat diesen Glaubensakt mit ihrem ganzen Herzen gesprochen. Da war keine Halbheit dabei. Da war kein wenn und aber, wie das bei uns oft der Fall ist: "Was ist wenn...." "Ja, aber...?" Wie viel aber sprechen wir. ZB "Ich bin schon ein guter Christ, aber Kirchenspringer bin ich keiner! Aber so genau muss man es nicht nehmen...!" Diese aber machen den Glaubensakt zu einem "Aber-glauben", der uns nichts nützt. Marias Glaube kam aus ganzem Herzen, aus ganzem Willen, aus ganzer Vernunft. Maria hat alles rein menschliche Überlegen hinter sich gelassen. Die Ostkirche singt im Hymnos akathistos: "Sei gegrüßt, allem menschlichen Überlegen hoch überlegen bist du!" Das gehört zum Wesen der Glaubenshaltung: der Glaube ist allem menschlichen Überlegen hoch überlegen.

b) Weil Marias Glaubensakt aus ganzem Herzen kam, war dieser Glaubensakt auch ein Ja zur ganzen Offenbarung Gottes. Der Erzengel Gabriel hat Maria nicht alles gesagt, was auf sie zukommen wird. Sie musste wie wir den nüchternen Weg des Glaubens gehen, der auch das Kreuz mit einschloss. Und Maria hat nicht gewusst, wie das alles gehen soll, was der Engel verheißen hat. Maria war keine Hellseherin. Maria hat nicht im Internet bei "Privatoffenbarungen" nachgesehen, um sich zu orientieren.

Maria hat auch die Offenbarung Gottes nicht aufgestückelt. Sie hat nicht gesagt: "Die Gottesmutterschaft nehme ich an, das ist eine schöne Ehre. Doch das übrige gestalte ich mir selber. Und leiden will ich auch nicht!" Das wäre nicht ein ganzer, sondern ein halber Glaube gewesen. Doch einen halben Glauben oder ein viertel Glauben gibt es nicht. Der echte Glaubensakt nimmt den ganzen geoffenbarten Glauben an - oder er ist krank.

Weil die Muttergottes ihr Ja-Wort mit ganzem Herzen gesprochen hat und die ganze Offenbarung Gottes angenommen hat, nennen wir sie die Mutter des Glaubens und Urbild des Glaubens. Vom Ja-Wort Mariens lernen wir für unser Leben das Wesen des Glaubensaktes.

Der echte Glaubensakt kommt - wie bei Maria - aus ganzem Herzen, es sind also alle Geistesfähigkeiten unserer Seele mit dabei:

< Wir geben Gott unser Ja-Wort mit unserer Vernunft: wir sind nicht dumm oder einfältig, wir denken mit, doch wir trauen Gott alles zu, wir anerkennen Gottes Weisheit und Allmacht, wir anerkennen, dass Gott und seine Offenbarung das Fassungsvermögen unserer Vernunft übersteigt... (siehe Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 166)

< Wir geben Gott unser Ja-Wort mit unserem freien Willen, dh wir treffen eine bewusste Willensentscheidung für Gott und den geoffenbarten Glauben. Wer das Sonntagsgebot nicht lebt, also nur nach Belieben zur Sonntagsmesse kommt, hat noch keine klare Willensentscheidung für ein Leben mit Gott im katholischen Glauben getroffen. In unseren Tagen können wir nur mit einem bewussten Entscheidungsglauben leben und überleben. Liebe Jugend! Trefft für euren Glauben solche Willensentscheidungen und haltet sie, mit Gottes Hilfe, mit aller Kraft durch.

< Wir geben Gott unser Ja-Wort mit der ganzen Kraft unserer Liebe. Nur die Liebe gibt uns die Kraft, uns an Gott zu binden, seine Gebote zu halten, Gottes Wort zu gehorchen.

Der echte Glaubensakt ist - wie bei Maria - ein Ja zur ganzen Offenbarung Gottes, also zum ganzen Glauben. Der katholische Glaube ist Offenbarungsglaube, dh eine Lehre, die von Gott kommt. Die Kirche und das kirchliche Lehramt des Papstes und der Bischöfe ist ein Dienstamt. Die Hirten der Kirche verfügen nicht über den Glauben, sondern dienen ihm. Die Apostel haben den Glauben als ein kostbares Gut vom Herrn empfangen und weitergegeben. ZB fordert Paulus Timotheus auf: "Bewahre das dir anvertraute Gut" (1 Tim 6,20). In der Kirchengeschichte gab es immer wieder ein Ringen und Mühen, das von Christus kommende Glaubensgut zu bewahren und zu vertiefen. Vor allem das Petrusamt hat den geoffenbarten Glauben geschützt.

Wie geht es uns heute mit dem Glauben? Für manche ist der Glaube wie eine Flasche Bier, ein trübes Weizenhefebier, selbstgebraut, nicht erkennbar, was sich darin befindet. Für andere ist der Glaube wie ein Eintopfgericht, wo man nur das hineintut, was einem gefällt. Wieder für andere ist der Glaube wie ein Rosinenkuchen, wo man sich nur die Rosinen herauspickt, die einem schmecken, und das andere beiseite lässt. Alle diese Formen sind kein wirkliches Ja zur ganzen Offenbarung Gottes, sie sind ein selbst gemachter Glaube. Doch, wie Papst Benedikt XVI. in Deutschland sagte (23.09.2011): "Ein selbst gemachter Glaube ist wertlos." Manche sind in ihrer Glaubenshaltung in den Kinderschuhen stecken geblieben, weil sie dem Glauben keine Nahrung mehr gegeben haben. Ein unreifer Glaube verursacht in der modernen Welt natürlich viele Schwierigkeiten und für das Leben nicht tragfähig sein.

Wie schaut es bei uns persönlich aus? Es gibt hoffentlich viele, die aus ganzem Herzen den ganzen Glauben der Kirche bejahen und sich darüber freuen. Im deutschen Sprachraum ist die Auflehnung gegen den von Gott geoffenbarten Glauben, dem die Kirche dient, weit verbreitet (Stichwort Kirchenvolksbegehren, Aufruf zum Ungehorsam...). Wenn ein Bischof oder Priester oder ein Religionslehrer den gewöhnlichen katholischen Glauben verkündet, verursacht das oft viele Schwierigkeiten, sogar innerhalb der Kirche. Wenn sich ein Katholik wegen der Glaubensverkündigung aufregt, dann stimmt etwas nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder sagt der Verkünder Dinge, die mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmen. Das lässt sich mit dem Katechismus leicht feststellen. In diesem Fall regt sich ein Katholik mit Recht auf, wenn er aus dem Mund eines Bischofs oder Priesters Irrlehren und nicht die Lehre der Kirche hört. Wenn ein Bischof oder Priester, wie es die Pflicht ist, treu den Glauben der Kirche verkündet, und ein Katholik regt sicht darüber auf, dann liegt der wunde Punkt offenkundig beim Katholiken. Wenn ein Katholik durch katholische Glaubensverkündigung immer wieder in Erregung gebracht wird - manche werden sogar richtig böse - ist das ein Zeichen, dass der betreffende Katholik in seinem Herzen und wahrscheinlich in seiner Lebensführung nicht mit dem Glauben übereinstimmt. In diesem Fall kann nur eines helfen: Bekehrung! Wer sich in einer solchen Situation nicht bekehren will, wird verhärtet, mit der Zeit verstockt, und wird im Glauben Schiffbruch erleiden.

Wie kann man aus diesem Dilemma herauskommen?

< Um die Gnade des Glaubens beten. Der Glaube ist eine Gnade, die wir erbeten müssen. Der katholische Glaube ist, wurzelnd in Schrift und Überlieferung,  eine Beziehungsreligion. Der Glaube braucht gepflegte Christusbeziehung und auch das Leben mit der Kirche und den Sakramenten. Glauben können wir nur durch ein Mitglauben mit der Kirche.

< Sich mit der Lehre des Glaubens befassen. Dazu helfen uns zwei Bücher: die Bibel und der Katechismus der katholischen Kirche. Das sind Bücher, die meist gut im Regal verstaut sind. Wenn es gut geht, werden sie alle fünf Jahre herausgenommen, um abgestaubt zu werden... Diese Haltung der vergangenen Jahrzehnte ist nicht gut gegangen.

< Ein Grundsatz: Niemand kann zum katholischen Glauben gezwungen werden. Glaube beruht auf einer freien Entscheidung. Doch folgendes wird auf Dauer nicht gehen. Man kann sich nicht katholisch nennen, und gleichzeitig katholische Lehre ablehnen. Man kann nicht den Glauben der Kirche ablehnen, über Priester und Kirche schimpfen, und auf Dauer in der Kirche verbleiben. Wenn man den Glauben der Kirche wirklich nicht will, wäre es ehrlicher, zu einer anderen Religionsgemeinschaft zu gehen, die einem zusagt.

In der Kirchengeschichte hat die Treue zum katholischen Glauben Priester und Laien manchmal in die Katakomben geführt. Das war zB zur Zeit der arianischen Irrlehre im 4. Jh, zur Zeit der französischen Revolution, einige Zeit sogar unter Napoleon. Im Vinschgau zB mussten unter Napoleon Pfarrer, die dem Regime nicht ergeben waren, ihre Stellen verlassen. Sie flüchteten nach Chur oder in den Untergrund. Die Bauern in den Dörfern gingen zu den regimetreuen Priestern nicht mehr in die Heilige Messe. Sie trafen sich mit den katholisch gebliebenen Priestern auf abgelegenen Höfen zur Feier der Hl. Messe. Es kann auch bei uns wieder kommen, dass Katholiken in die Katakomben müssen. Für viele Christen in den Verfolgungsländern ist das bereits Wirklichkeit. Damit das nicht so leicht auf uns zukommen kann ist es wichtig, dass es bekennende Katholiken gibt.

Im Römischen Hochgebet betet die Kirche für die Verstorbenen: "Gedenke auch deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorausgegangen sind bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens". Bewahren wir mit der Hilfe der Gnade Gottes und unter dem Schutz der Gottesmutter Maria das Siegel des Glaubens. Wie Maria aus ganzem Herzen glauben und den ganzen geoffenbarten Glauben annehmen. Denn der Glaube ist notwendig, um das Heil zu erlangen. Der Glaube, der in der Liebe wirksam wird, führt uns zum Heil. Amen.

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