117) Hl. Messopfer zum Gedenktag der hl. Cäcilia 2014 VOM WESEN DER MUSIK - AUFBLICK ZU DEN STERNEN

Cäcilienmesse 2014 für die Musikkapelle Imsterberg

Predigt: VOM WESEN DER MUSIK - DER "BLICK ZU DEN STERNEN"

Liebe Mitglieder unserer Musikkapelle und alle Musikinteressierten! Wir ehren mit dieser hl. Messe die hl. Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik und der Musik überhaupt. Diese heilige Märtyrerin der frühen Kirche hat für Christus und den Glauben ihr Leben gegeben. So steht sie als Zeugin des Glaubens vor uns. Sie möge heute uns alle segnen, dass auch wir mit unserem Leben, mit unseren Talenten, mit unseren Taten der Gottes- und Nächstenliebe Gott loben, Gott danken. Die hl. Cäcilia möge heute alle segnen, die Freude an der Musik haben, an der Kirchenmusik, damit die Musik uns in Stunden der Freude untereinander verbindet und uns auch einen Weg zu Gott weist. An dieser Stelle unserer Musikkapelle ein herzliches Vergelt‘s Gott für alle Einsätze während des Kirchenjahres, auch für die heutigen Musikstücke, und euch als Gemeinschaft frohe Stunden des Übens und des Musizierens.

Für heute habe ich eine musikalische Predigt vorbereitet. Es ist mir der Gedanke gekommen, mit euch einmal über die Musik als Solches nachzudenken. Wer Noten lernt, ein komponiertes geschriebenes Werk vor sich liegen hat und mit einem Instrument in ein Musikwerk eindringt, macht eine Entdeckung: Musik hat eine große Ähnlichkeit mit der Mathematik. Musik ist in gewisser Weise reine Mathematik. Musik wurde auch als mathematische Wissenschaft bezeichnet. Das Notensystem, die Oktaven, die verschiedenen Tonarten... das alles ist reine Mathematik, und zwar eine nach einem genauen System geordnete Mathematik. Durch diese Gegebenheit verweist die Musik auf etwas Höheres.

Um das Wesen der Musik zu erfassen, wollen wir einen großen Musiker zu Hilfe nehmen, der tief in die inneren Dimensionen der Musik eingedrungen ist: Johann Sebastian Bach. Bach war evangelischer Christ, ein tieffrommer und gläubiger Mann und Familienvater, Vater von 20 Kindern. Die echte Musik war für Bach der "Aufblick zu den Sternen": "Offenbarung" Gottes und ein Weg zu Gott.

Für Bach gibt es nicht nur eine Natur des Menschen - die vom Schöpfergott kommt - (an dieser Stelle eine Bemerkung über Gender: unserer Menschennatur als Mann und Frau ist vorgegeben, wir können sie nicht selber wählen). Für Bach gibt es auch eine Natur der Musik.

Ein paar Zeilen von Martin Geck aus seinem Buch über Leben und Werk von Bach. Der Musikästhetiker Schubert stellt "Johann Sebastian Bach neben der Weltweisen Newton: Beide Größen enthüllen in ihrem Bereich die Gesetze der Schöpfung und die Existenz Gottes. Sie sind damit Vorbilder und Wegweiser der Menschen bei deren Suche nach Ordnung und Sinn. Wenn Bach immer wieder - auch von Beethoven - als <Vater der Harmonie> bezeichnet worden ist, bezieht sich das nicht nur konkret auf den überwältigenden musikalischen Reichtum seiner bis an die Grenzen des Möglichen ausgearbeitete Mehrstimmigkeit, sondern auch allgemein auf sein Verdienst, die Kunst der Komposition auf ein Niveau gehoben zu haben, wo sie die Fülle und Harmonie der Schöpfung bis zu Vollendung repräsentiert" (Martin Geck, Bach, Seite 708).

Bachs Musik war nie populär, er selber hat sich nie nach Moden gerichtet. Bach war immer er selber. Seine Musik war Kunst im eigentlichen Sinn. Mit dieser Kunst war es Bach gegeben, zu den Sternen zu blicken. Mit anderen Worten: Bach hat verstanden, dass echte Musik innerhalb der "Ordnung der Gestirne", dh der Schöpfungsordnung Gottes stehen muss. Am Anfang der Schöpfung herrschte das Urchaos: "Die Erde aber war wüst und wirr" (Gen 1,1). Das Chaos der erschaffenen Urelemente war nicht lebensfähig. Ein wichtiger Akt des Schöpfergottes war die Ordnung der Schöpfungselemente. Der Heilige Geist ist dieses Ordnende Prinzip im Schöpfungswirken Gottes. Im Buch der Weisheit heißt es: "Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet" (Weis 11,20). Mit der Ordnung der Schöpfungselemente hat Gott die Erde lebensfähig gemacht. Alle Werke Gottes tragen das Siegel der Ordnung: die Schöpfung, die Kirche, der menschliche Körper, die von Gott kommende Einrichtung der Ehe... Der Heilige Geist liebt die Ordnung, nicht das Chaos. Der Teufel ist der Geist der Unordnung, er schafft das Chaos. Diabolos heißt übersetzt "Durcheinanderwerfer". Der Diabolos ist derjenige, der die wunderbare Schöpfungsordnung Gottes durcheinander bringen und zerstören will, damit wir Menschen nicht mehr leben können. Als gläubiger evangelischer Christ weiß Bach um diese Dinge. Ja, noch mehr: Mit seiner Musik sagte Bach ganz persönlich: "Credo! - Ich glaube!" (vgl. ebd. Seite 718).

Echte Musik spiegelt die ewige Ordnung, die ewigen Gesetze, die Gott in die Schöpfung hineingelegt hat, sie möchte etwas von der Größe, der Schönheit, Vielfalt und Harmonie vermitteln, die der Schöpfergott in seiner Liebe und Weisheit in den Kosmos, in sein Schöpfungswerk, hineingelegt hat. Innerhalb dieser Schöpfungsordnung - die Schöpfungsordnung ist von mathematischer Genauigkeit - kann der einzelne Musiker mit seinen Talenten wiederum schöpferisch tätig sein: die Verschiedenheit der Musikrichtungen und Stiele. Nach Bach ist Musik Aufblick zu den Sternen, und zum "Vater der Gestirne" (Jak 1,17), der durch seinen Sohn alles erschaffen hat.

Es braucht uns nicht verwundern, dass Bachs Musik, im Besonderen die Matthäuspassion, als das 5. Evangelium bezeichnet wurde. Bach hat sein Leben lang komponiert und musiziert im Aufblick zu den Sternen, also im Blick auf Gott. In diesem Sinn hat die Musik selber ihn näher zu Gott gebracht, und er wollte mit seiner Musik die Menschen im letzten nicht nur erbauen, sondern zu Gott führen.

An dieser Stelle ein Nebengedanke. Es gibt nicht nur die Schöpfungs- oder Kosmosgemäße Musik. Es gibt auch "Musik", die aus der Ordnung der Schöpfung herausgetreten ist, solche Musik kann sich bis ins Gegenteil verkehren. Sie spiegelt dann eben nicht mehr die Schönheit und Harmonie des Schöpfergottes, sondern die Hässlichkeit und das Chaos des Teufels wieder, und mit ihm jene Engel, die den Schöpfer und die Schöpfungsordnung verneint und verloren haben. Solche Musik ist für die Seele nicht erbauend sondern zerstörerisch, gefährlich. Das gilt von manchen Formen der atonalen Musik und manchen Formen der Rockmusik. Bach formulierte es zu seiner Zeit so: "Musik dient der Ehre Gottes und der inneren Erbauung des Menschen. Musik, welche dem nicht dient, ist nicht Musik, sondern Geplärre und Getudel!"

Die "schöpfungsgemäße" Musik - so möchte ich das Verständnis von Bach mit einem heutigen Ausdruck beschreiben, hat mehrere Anliegen:

- mit solcher Musik können wir Gott loben und danken, können wir auch alle Empfindungen ausdrücken, für die uns die Worte versagen;

- eine solche Musik ist für uns Menschen auch heilsam, sie erbaut uns, sie macht Freude, sie ist tatsächlich "heilwirkend" für die Seele, dh sie wirkt heilend auf die Seele ein. Wir dürfen das nicht im Sinn der Esoterik verstehen; Musik schafft nicht Energie und Kräfte, es gibt keine Energie, die wir übertragen können.

- Schöpfungsgemäße Musik - welche die Ordnung der Sterne spiegelt - ist sozusagen rückgekoppelt auf das Schöpfungswerk und den Schöpfer. Und so kann Gott solche Musik benützen, um unsere Seele, unseren Geist, anzusprechen, zu ihm, zum Himmel zu ziehen. Das gilt nicht nur für die kirchliche Sakralmusik, das gilt in gewisser Weise auch von edler Profanmusik. Bach schrieb oder sagte: "Bei einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart" (ebd. S. 718).

Vom Wesen der Musik - der Aufblick zu den Sternen, zum Schöpfergott, dem Vater der Gestirne. Amen.

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