116) Weihefest der Lateranbasilika: ZUR KIRCHENKRISE DER GEGENWART

Weihefest der Lateranbasilika, 9.11.2014

Predigt: ZUR KIRCHENKRISE DER GEGENWART

Heute feiern wir das Weihefest der Lateranbasilika in Rom. Dieses Gotteshaus hat für die Weltkirche eine Bedeutung: die Lateranbasilika ist die Bischofskirche des Papstes. Der Papst ist der Hirte der ganzen Kirche. Deshalb wird der Weihetag seiner Bischofskirche begangen. Vom 4. bis zum 14. Jahrhundert wohnte der Papst nicht im Vatikan, sondern bei der Lateranbasilika.

Wir erleben, dass die katholische Kirche in unseren Tagen von schweren Krisen heimgesucht wird. In der Krise befindet sich jedoch nicht nur die Kirche. Allgemein machen unsere Zeit und unsere Gesellschaft schwerste Krisen durch. Was das kirchliche Leben und Wirken heute besonders erschwert, ist die innere Uneinheit im Glauben, dh dass es in allen Ländern, in allen Ständen und Bereichen der Kirche Katholiken gibt, die sich mehr oder weniger weit vom katholischen Glauben entfernt haben, ihn manchmal bewusst ablehnen. Noch einfacher gesagt: wir erfahren im Bereich des Glaubens Kardinal gegen Kardinal, Bischof gegen Bischof, Priester gegen Priester, Laie gegen Laie... An dieser Stelle zuerst einige Stellungnahmen:

Kardinal Walter Brandmüller (er war 2011 in unserer Pfarre) beklagte am 27.3. 2014 in einem Interview mit einer italienischen Tageszeitung das „Chaos" in der katholischen Kirche. Nach seiner Meinung ist ein Hauptgrund für dieses Chaos die Unkenntnis der Lehre bei Bischöfen und Theologen. (kath.net, 27.3.2014).

Kardinal Raymond Burke (er war der Präfekt der Apostolischen Signatur) äußerte sich in einem Interview am 6. November. Kardinal Burke beklagte die Verwirrung, welche die außerordentliche Bischofssynode im Oktober gestiftet habe. Allein die Tatsache, dass bestimmte Dinge auf der Synode diskutiert und in Frage gestellt worden seien, habe viele verwirrt, sagte der Kardinal. Kein Priester oder Bischof könne verändern, was Jesus über die Ehe gelehrt habe. Aufgabe der Bischöfe sei es, die Wahrheit über Ehe und Familie zu lehren und die Gläubigen bei der Umsetzung zu unterstützen. Kein pastoraler Ansatz dürfe sie dazu verleiten, die Lehre über Ehe und Familie zu ändern oder zu verleugnen.

Bischof Athanasius Schneider (auch er war schon in unserer Pfarre) sprach in einem Interview in England am 12. September 2014 von einer Spaltung der Kirche, die er auf uns zukommen sieht. Die Spaltung der Kirche betrifft den Bereich des Glaubens. Eine völlig vermenschlichte Vorstellung von Kirche, eine Kirche, die mit dem "Neuheidentum" konform geht, breitet sich aus. Doch die Kirche ist, so Bischof Schneider, nicht menschenzentriert, sondern Christuszentriert. Wenn der Mensch sich in der Kirche, in der Liturgie selbst in den Mittelpunkt stellt und die geoffenbarte Wahrheit Gottes verändern will, ist das zutiefst böse. Der Umgang mit der Eucharistie steht im Zentrum der Krise. Doch die Häretiker werden nicht auf Dauer in der Kirche bleiben können, so Bischof Schneider. Man darf ergänzen: die Lehre der Kirche ablehnen und dennoch in der Kirche verbleiben, wird auf Dauer nicht möglich sein.

Noch ein Wort von Papst Paul VI., der kürzlich selig gesprochen wurde. "Wenn ich die katholische Welt betrachte, scheint es, dass im Inneren des Katholizismus manchmal ein Denken von einem nichtkatholischen Typus die Oberherrschaft gewinnt, und es kann geschehen, dass morgen dieses nichtkatholische Denken im Inneren das Katholizismus das Stärkste sein wird. Aber es wird nie das Denken der Kirche darstellen. Es ist notwendig, dass eine kleine Herde bleibt, wie klein sie auch immer sein mag" (Paul VI. aus dem Buch "Paul VI. - ein Geheimnis, von Jean Guitton, S. 152f). Papst Paul VI. schrieb diese Worte ein Jahr vor seinem Tod, er verstarb 1978.

Es ist jetzt nicht mein Anliegen, diese Krise weiter zu beschreiben und zu analysieren. Für uns ist wichtig, wie wir mit dieser Situation zurechtkommen können.

Erinnern wir uns zuerst an einige Worte Christi. Er ist unser Herrn und Gott. "Himmel und Erde werden vergehen, doch meine Worte werden nicht vergehen" (Mt 24,35), sagt Jesus. "Meine Worte", sagt Christus. Gemeint ist seine Lehre. Sie bleibt immer gültig.

Christus sagt vor Pilatus: "Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gesandt, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Wer aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme" (Joh 18,37). Es gibt eine Wahrheit über Gott, über den Menschen, über die Letzten Dinge, über die Ehe, über die Familie, über die Sakramente, die kein Mensch verändern kann, auch kein Papst, kein Konzil, keine Synode usw. Das englische Parlament hat im 20. Jh. den Glaubensartikel von der Existenz der Hölle abgeschafft. Beim katholischen Glauben kann man nicht demokratisch abstimmen, es geht nicht um Mehrheit sondern um Wahrheit. In Zeiten der Verwirrung, so bezeugt uns die Kirchengeschichte, waren es oft wenige, die das Glaubensgut bewahrt und weitergegeben haben.

"Das Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht begriffen" (Joh 1,5).

Die Heilige Schrift sagt über Christus: "Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit" (Hebr 13,8). Der katholische Glaube ist nicht abstrakte philosophische Lehre, er ist zusammengefasst in der Person Jesu Christi. Deshalb ist auch der von Gott geoffenbarte Glaube "derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit."

Über die Veränderung der Moden sagt Christus: "Die Welt und ihre Begierde vergeht. Wer den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit" (1 Joh 2,17). Die Wahrheit des Glaubens steht über jeder Zeit und Kultur. Gerade deshalb ist der Glaube für jede Generation neu ein sicheres und tragendes Fundament für das Leben.

Über das Gesetz Gottes sagt Christus: " Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmel- reich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich" (Mt 5,17-19).

Alle diese Herrenworte sprechen von der Unveränderlichkeit und Zeitlosigkeit des von Gott geoffenbarten Glaubens.

Wertvoll ist auch ein Blick in die Kirchengeschichte.

Krisen hat es immer wieder gegeben. Leben und überleben kann die Kirche nur dort, wo sie in der Wahrheit des Glaubens bleibt. Die Kirchengeschichte lehrt uns, dass Christus die Kirche durch Krisen hindurch immer wieder erneuert und gereinigt hat. Wenn die Kirche selber, Kleriker und Laien, zu verweltlicht waren, zu lau, die Umkehr nicht mehr zustande brachten oder nicht mehr wollten, dann hat Christus es zugelassen, dass Vorgänge in der Politik oder in der Gesellschaft für die Kirche wie eine Tempelreinigung waren. Denken wir zB an die französische Revolution, denken wir an die Säkularisation in Bayern 1803.

Es gibt im Bereich des Glaubens die sogenannte Dogmenentwicklung, dh die Kirche wächst tiefer in die geoffenbarte Wahrheit hinein. Doch der Glaube als solches verändert sich nicht, auch wenn sich die Zeiten und Moden ändern. ZB der Apostel Petrus wird nicht in Jerusalem oder Rom mit der Monstranz in der Hand eine Fronleichnamsprozession gehalten haben. Das ist erst 1000 Jahre später gekommen. Das Fronleichnamsfest ist eine Entfaltung des Eucharistischen Glaubens, aber keine Veränderung. Auch im Bereich der Moral, der Ehe und Familie kann heute nicht das anders werden, was die Kirche 2000 Jahre lang geglaubt hat.

Was wir konkret tun können:

  • den Ruf Christi zur Umkehr und zum Glauben ernst nehmen
  • vermehrt die Heilige Schrift und den Katechismus lesen
  • vermehrt beten und die heiligen Sakramente empfangen
  • vermehrt persönlich nach Tugend und Heiligkeit streben
  • bewusst vertrauen, dass Christus die Kirche durch die Stürme der Zeit führt

Christus hat einmal gesagt: "Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben auf Erden finden" (Lk 18,1-8). Der Maßstab für wahr und falsch ist der überlieferte Glaube der Kirche, so wie er in der Heiligen Schrift und im Katechismus ausgesprochen ist.

Maria, Mutter und Hort des Glaubens, hilf uns Christus treu bleiben, hilf uns dem katholischen Glauben treu bleiben, hilf uns, das Glaubenslicht zu bewahren, das die Kirche durch alle Prüfungen und Verfolgungen wie einen kostbaren Schatz hindurch trägt bis zu jenem Tag, an dem Christus wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten (Mt 25) und sein Reich kein Ende mehr haben wird. Amen.

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