114) Allerheiligen 2014 - Gräbersegnung: TRAGISCHES, GUTES UND SCHÖNES STERBEN

Vesper zur Gräbersegnung an Allerheiligen 2014

Homilie: TRAGISCHES, GUTES UND SCHÖNES UND STERBEN

In diesen Tagen besuchen wir die Gräber unserer verstorbenen Angehörigen. Dadurch werden wir mehr als sonst an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens erinnert. In den Medien werden wir täglich mit dem Tod konfrontiert, wobei die Schmerzgrenze der Bilder, Nachrichten und Filme oft überschritten wird. Trotzdem denken wir nicht gerne an den Tod. Das liegt uns nicht. Wir spüren eigentlich, dass der Tod nicht mit unserer Menschennatur in Einklang steht. Wir sträuben uns dagegen. Es gibt die Redewendung: "Der Tod gehört zum Leben dazu!" Kann man das so sagen? Wenn wir damit meinen, dass jeder Mensch sterben muss, dann gehört der Tod zum Leben dazu. Von Gott her gesehen gehört der Tod nicht zum Leben dazu! Der Tod ist als Strafe, als Folge der Ursünde der Stammeltern im Paradies über die Menschheit gekommen. Die Heilige Schrift sagt: "Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden" (Weis 1,13). Paulus lehrt im Römerbrief: "Durch einen einzigen Menschen [Adam] kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod" (Röm 5,12).

Beim Tod wird die Einheit von Leib und Seele auseinander gerissen, etwas, was zusammen gehört, wird getrennt. Das ist etwas Tragisches, nicht etwas Schönes. Es entspricht nicht dem Schöpferwillen Gottes. Es entspricht nicht der Menschennatur. Für den Sterbenden selber ist der Tod unnatürlich, schmerzlich und ein Kampf, sowie auch für die Angehörigen, die den Tod eines geliebten Menschen miterleben und miterleiden. Der christliche Glaube hat nicht umsonst den Begriff vom Todeskampf. Der Körper wehrt sich dagegen, die Seele freizugeben und er muss schließlich doch nachgeben. Die esoterische Vorstellung vom "sanften Tod" geht mit dem christlichen Glauben nicht zusammen.

Nur weil Christus, unser Herr und Gott, selber aus Liebe zu uns den Tod auf sich genommen und erlitten hat, können wir den Tod leichter annehmen. Christus hat uns durch seinen Erlösertod am Kreuz die Gnade des christlichen Sterbens verdient. Als Christen sehen wir nicht so sehr den Tod, sondern Christus, unseren Erlöser, den wir erwarten. Wir können den Tod als letzten Akt des Glaubens und der Liebe zu Gott annehmen. Das ist natürlich eine Glaubenshaltung, die wir im Leben einüben müssen. Wie wollen wir bei unserer Sterbestunde - die ja ungewiss ist - unseren Blick auf Christus richten können, unsere Seele dem Erlöser anempfehlen können, wenn wir das im Leben nicht eingeübt haben? Man kann sagen, dass wir vor allem durch die Sonntagsmesse dieses Einüben in das Sterben und in die Auferstehung praktizieren. Das Sonntagsgebot hilft uns, Christus entgegenzugehen. Auch deswegen, für unsere Sterbestunde, ist die Sonntagsheiligung so wichtig.

Wenn wir das bedenken wird uns bewusst, dass das Sterben der Menschen sehr verschieden sein kann. Manchmal sagt jemand über einen Menschen, der ganz plötzlich gestorben ist: "Der hat einen schönen Tod gehabt. Er hat nichts gemerkt, nicht leiden müssen..." Das ist kein schöner Tod! In der Allerheiligenlitanei beten wir: "Vor einem plötzlichen und unversehenen Tod", dh von einem Sterben ohne Vorbereitung durch die heiligen Sakramente, "erlöse uns, o Herr!" Wir sollten den Herzenswunsch haben, nicht plötzlich zu sterben, sondern uns noch durch die heiligen Sakramente vorbereiten zu können. Als ich Kooperator war, wurde ich einmal an einem Sonntag in ein Altersheim zu einer Sterbenden gerufen. Vom Heim aus hatte man verzweifelt und vergeblich in einem Pfarrhaus nach einem Priester telefoniert und lange niemand erreicht. Diese Frau hatte für ihre Sterbestunde immer um die Sakramente und den Priester gebetet. Ich konnte ihr die Sakramente spenden, noch einen Rosenkranz beten, und sie konnte in tiefem Frieden ihre Augen schließen. Gott hatte ihren Wunsch erfüllt.

 

Ein tragisches Sterben: Ein tragisches Sterben ist ein Sterben in der Todsünde, ohne Reue. Wer in der Todsünde stirbt, kommt - so ist die Lehre des christlichen Glaubens - beim persönlichen Gericht, das unmittelbar nach dem Sterben kommt, in die Unseligkeit, in die Hölle.

 

Ein gutes Sterben: Ein gutes Sterben ist, wenn wir in der Gnade Gottes sterben. In der Glaubenssprache heißt das: in der heiligmachenden Gnade, gottverbunden. Eine Seele, die in der Gnade Gottes stirbt, geht nicht verloren. Auch wenn eine Seele noch die jenseitige Läuterung durchmacht, noch Sünden und ihre Folgen zu heilen sind - das Fegfeuer - eine solche Seele geht dem Licht Gottes entgegen. Ein gutes Sterben.

Ein schönes Sterben: Für einen katholischen Christen ist ein schönes Sterben, wenn wir uns noch mit den Sterbesakramenten vorbereiten können: die heilige Beichte, die Krankensalbung (die kein Sterbesakrament ist), die Heilige Kommunion als Wegzehrung, begleitet von den Gebeten des Priesters, der noch den vollkommenen Ablass für die Sterbestunde spenden kann. Das ist ein schönes Sterben. Schön ist auch, wenn ein Mensch daheim sterben kann, umgeben von seinen Angehörigen, die ihn liebend und betend hinübergeleiten.

Heilige Maria, Muttergottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Maria, erbitte uns die Gnade eines guten und schönen Sterbens. Erbitte den Armen Seelen im Fegfeuer die Gnaden der Erlösung. Amen.

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