113) Allerheiligen 2014: "SEID HEILIG!" - ÜBER DIE BERUFUNG ZUR HEILIGKEIT

Hochfest Allerheiligen 2014

Homilie: "SEID HEILIG!" (1 Petr 1,16) - ÜBER DIE BERUFUNG ZUR HEILIGKEIT

Das Hochfest Allerheiligen zeigt uns den Kern nicht nur unserer christlichen, sondern auch unserer menschlichen Berufung überhaupt: "Heilig werden!" Das Wort Gottes im Alten und Neuen Testament spricht diese Berufung zur Heiligkeit so oft an. Im Neuen Testament sagt uns der hl. Petrus: "Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden" (1 Petr 1,15). Das 2. Vatikanische Konzil wollte die Katholiken diese grundsätzliche Berufung zur Heiligkeit in Erinnerung rufen: "Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet" (2. Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, 5,42).

Wir kennen den Spruch: "Heiliger bin ich keiner! Ein guter Mensch... das schon!" Genügt uns das? Will ein Christ nur ein "guter" Mensch sein oder erwartet der Herrgott doch etwas mehr von uns? Wer ist ein Heiliger? Muss ein Heiliger den ganzen Tag beten? Außergewöhnliche Leistungen und Werke vollbringen? Wahrscheinlich gibt es manche einseitige Vorstellungen.

Unsere menschliche Berufung zur Heiligkeit begreifen wir nur dann, wenn wir um die Heiligkeit Gottes wissen: um seine Liebe und Wahrheit, seine Allmacht und Größe, seine Barmherzigkeit und Weisheit. Nur wenn das Licht der Sonne leuchtet, kann das erkannt werden, was die Sonne beleuchtet. Nur wenn wir Gott kennen, wissen wir, wer wir Menschen sind. Wir müssen auch um die Würde und Größe wissen, die wir als Geschöpfe und Kinder Gottes haben, und auch um die Wunden, die durch die Ursünde und die Erbsünde über die Menschennatur gekommen sind. Wir Menschen leben auf dieser Welt nicht mehr im Garten Eden, im Paradies. Seit dem Sündenfall im Paradies ist unser Menschsein verwundet. Deshalb sind wir von Gott zur Heiligkeit gerufen. Wir sind gerufen, wieder das zu werden, was uns der Schöpfergott in seiner Liebe zugedacht hat. Die Berufung zur Heiligkeit ist im Grunde nichts anderes als die Berufung zu einem Leben in der Liebe und Wahrheit Gottes, die Berufung zur Gottes- und Nächstenliebe, damit wir darin zur Entfaltung unseres Menschseins und zum Ewigen Leben gelangen.

Der Apostel Paulus schreibt im Epheserbrief: "So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen" (Eph 4,13). Der Kern dieser Aussage: wir sollen zum vollkommenen Menschen werden! Gott will, dass wir unser Menschsein entfalten und reifen. Ist das nicht ein Anliegen, das in uns steckt? Wir wollen nicht in der seelisch-menschlichen Entwicklung stecken bleiben. Wir wollen uns entfalten! Wann haben wir uns entfaltet? Wenn wir fähig sind, zu lieben! Wenn wir fähig sind, Gott zu lieben, wenn wir fähig sind, unsere Mitmenschen zu lieben, uns hinzuschenken. Wenn wir fähig sind, uns selbst zu lieben, dh uns anzunehmen.

Die Heiligen der Kirche, die wir heute ehren und anrufen, die bekannten und die unbekannten, waren alles verschiedene Menschen, verschiedene Persönlichkeiten, sie hatten verschiedene Berufungen, verschiedene Talente und auch Schwächen und Fehler... Doch eines hatten sie alle gemeinsam: sie sind Liebende geworden. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu fühlte sich nicht dazu in der Lage, etwas Besonderes zu tun. Sie fand ihre Berufung in der Liebe. Sie wollte im Herzen der Kirche die Liebe sein, wie sie sagte.

Paulus erwähnt in dieser Stelle im Epheserbrief die Einheit im Glauben und die Erkenntnis des Sohnes Gottes. Das bedeutet: Zur Entfaltung unseres Menschseins gelangen wir durch den Glauben und durch Gott, durch die Erlösung. Ohne Gott, ohne den Glaubensweg, können wir unser Menschsein nicht richtig entfalten.

Dann deutet Paulus noch ein Ziel der menschlichen Heiligkeit an: wir sollen "Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen." Die Heiligen, jeder auf seine Weise, haben in ihrem Leben etwas von der Schönheit Christi in dieser Welt sichtbar gemacht, und dadurch die Welt menschlicher gemacht.

Seien wir uns bewusst: die Erneuerung der Kirche, die Überwindung der gesellschaftlichen Nöte geschieht nur durch heilige Menschen, durch einzelne Menschen, die mit Gott leben und wirken. Allerheiligen erinnert uns daran, dass auch wir unseren Teil beitragen können, auch wenn wir uns noch so unbedeutend vorkommen.

Wie können wir Heilige werden? Wie können wir das Lieben lernen? Es gibt heute Kursangebote zur Weiterbildung in vielen Bereichen. Vielleicht sollten wir einmal einen Kurz machen über den Weg zur Heiligkeit... Klassisch gesehen wären das Exerzitien... Die Heilige Schrift zeigt uns so etwas wie ein Kursprogramm:

  • die 10 Gebote Gottes sind eine Schule der Liebe
  • die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe
  • die vier Kardinaltugenden: Tapferkeit, Mäßigkeit, Klugheit, Gerechtigkeit
  • die acht Seligpreisungen - das heutige Evangelium - formen den Geist Christi
  • die Haltungen der Muttergottes im Magnificat
  • das Tragen des täglichen Kreuzes, das Ertragen von Leiden

Der selige John Henry Newman, ein englischer Kardinal, er lebte im 19. Jahrhundert, sieht den Weg zur Heiligkeit, das Lieben Lernen, vor allem in der treuen Pflichterfüllung im Alltag, er meinte die Pflichten gegenüber Gott und den Mitmenschen. In einfachen Worten fasst Newman seine Auffassung zusammen:

"Wenn du mich fragst, was du tun musst, um vollkommen zu sein, so sage ich dir: erstens - bleibe nicht im Bette liegen, wenn es Zeit ist, aufzustehen: die ersten Gedanken weihe Gott, mache einen andächtigen Besuch beim allerheiligsten Sakrament, bete fromm den Angelus, iss und trink zu Gottes Ehre, bete mit Sammlung den Rosenkranz, sei gesammelt, halte böse Gedanken fern, mache deine abendliche Betrachtung gut, erforsche täglich dein Gewissen, geh zur rechten Zeit zur Ruhe; und du bist bereits vollkommen".

Maria, Urbild aller Heiligkeit, bitte für uns. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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