109) 25. Sonntag im Jahreskreis A) "NIMM DEIN GELD UND GEH" - HIMMLISCHES LOHNMANAGEMENT

25. Sonntag im Jahreskreis A)

"NIMM DEIN GELD UND GEH" (Mt 20,14) HIMMLISCHES LOHNMANAGEMENT

 

Das Evangeliumgleichnis ist natürlich keine Anleitung für Wirtschaftsbetriebe. Wer mehr Stunden arbeitet, dem steht aus Gerechtigkeitsgründen auch mehr Lohn zu. Christus sagt, es ist ein Gleichnis für das Himmelreich. Solche Gleichnisse vermitteln uns Grundhaltungen oder Grundeinsichten für unser Fragen und Suchen nach dem Himmel und den Weg dorthin. 

1) "Geht auch ihr in meinen Weinberg!" Der Gutsbesitzer wirbt um Arbeiter für seinen Weinberg. Der Weinberg ist die Kirche Gottes. Es ist eine Gnade, wenn wir durch die hl. Taufe und die hl. Firmung im Weinberg der Kirche leben und arbeiten dürfen. Es ist eine Gnade, zu einer christlichen Ehe in der Kirche Gottes gerufen zu sein. Es ist eine Gnade, als Priester oder im Ordensstand in der Kirche für den Herrn arbeiten zu dürfen. Sind wir dankbar dafür? Wie zeigen wir unsere Dankbarkeit? 

2) "Nimm dein Geld und geh!" Der Gutsbesitzer teilt seinen Lohn aus. Die ersten erhalten ebensoviel wie jene, die nur eine Stunde gearbeitet haben. Das will sagen: Der Himmel und der himmlische Lohn ist nicht so sehr unser Verdienst, unsere Leistung, von uns erarbeitet... Der Himmel und der himmlische Lohn ist vor allem eine Gnadengabe Gottes, die wir unverdient empfangen. Im Gleichnis pochen die Arbeiter auf ihre Leistung. Das geht beim Himmel nicht. Wir können dem Herrgott nicht unsere "Leistungen" vorrechnen. Christus sagt: "Also auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren" (Lk 17,10). Wir können uns den Himmel nicht durch Leistungen - auch nicht durch religiöse Leistungen - erarbeiten. Das hat der Herr für uns am Kreuz schon getan. Christus hat uns den Himmel mit seinem bitteren Leiden verdient. Wir brauchen den Himmel nur mehr als Geschenk annehmen. So gesehen können wir erleichtert sagen: wir brauchen uns den Himmel nicht zu verdienen! Es wäre mehr als Stress für uns... Wir spüren hier eine gewisse Spannung, in der wir stehen: einerseits die unverdiente Gnade - andererseits ist doch auch unsere "Arbeit" gefordert: unser Mitwirken, unser Zusammenarbeit mit der Gnade. Der Apostel Paulus formuliert es so: "Müht euch mit Zittern und Frucht um euer Heil" (Phil 2,12).  

3) "Bist du neidisch?" Der Neid ist die Haltung, die dem anderen nichts oder zu wenig gönnt. Im Gleichnis sind die neidischen Arbeiter, die den zuletzt gekommenen nicht gönnen, dass sie den gleichen Lohn erhalten. Der Neid ist etwas Schlimmes. Er zerfrisst die Liebe und den Frieden im Herzen. Das Gleichnis verweist uns auf die Mitfreude. Wir müssen von Kind an lernen, uns mitzufreuen, wenn andere etwas können, andere etwas schaffen, andere etwas erreichen...  

4) "Ich will dem Letzten ebensoviel geben wie dir!" Gott zahlt den Lohn. Er gibt ihn so, wie es in seinen Augen recht ist. Beim Herrgott entscheiden nicht die geleisteten Stunden und Jahre. Bei ihm entscheidet das Maß der Gottes- und Nächstenliebe. "Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz" (1 Sam 16,7). Uns steht es nicht zu, das Maß Gottes zu bestimmen. Das Gleichnis zeigt uns das freigiebige Erbarmen Gottes. Kein Mensch, kein Sünder, der umkehrt, darf am Erbarmen Gottes verzweifeln. 

5) "Dann werden die Letzten die ersten sein!" Das ist Management des himmlischen Lohnbüros. Im Blick auf den Himmel gibt es die "ersten": jene Arbeiter, die vom Gutsbesitzer als erstes gerufen wurden - eine Gnade, eine Ehre. Das sind jene, die im Weinberg der Kirche leben dürfen und alles haben: die hl. Taufe, die hl. Firmung, das Wort Gottes, die Lehre der Kirche, das Hl. Messopfer, die Feiertage, die Segnungen der Priester... Und das alles - wie in unserem Land - vor der Haustüre. Und doch es wird oft nicht geschätzt, man lebt gleichgültig daran vorbei, manche Getaufte sogar mit Spott... Die letzten, die dann die ersten werden, sind diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen alle diese Gnaden nicht hatten, aber dann doch noch zu Umkehr und Glaube finden. Diese - so deutet der Herr an - werden bei den ersten sein.  

Ein Gleichnis vom Himmelreich. Eine Ermahnung für jene, die in der Lauheit leben. Ein Trost für alle, die aufrichtig Gott suchen. Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.