106) 21. Sonntag im JK A) 2014: ZEUGNIS FÜR DEN SOHN GOTTES

21. Sonntag im JK A) 2014 „DU BIST DER MESSIAS, DER SOHN DES LEBENDIGEN GOTTES…“ (MT 16,16). ZEUGNIS FÜR DEN SOHN GOTTES

 

Vor etwa zwei Wochen sah ich ein Bild von Christen im Irak, die seit einiger Zeit schwer verfolgt werden; viele Christen wurden ermordet, wenn sie nicht aus ihrem Land fliehen konnten. Mittlerweile ist der christliche Glaube im Irak buchstäblich ausgelöscht. Auf diesem Bild sah man junge Christen, die sich, statt sich einschüchtern zu lassen, auf ihre Stirn ein Kreuz tätowieren ließen… Damit waren sie sofort als Christen erkennbar. Ob sie noch am Leben sind oder ob sie flüchten konnten, weiß man nicht...

 

Ein tätowiertes Kreuz auf der Stirn in einer Zeit schwerster Verfolgung, ein offenes Bekenntnis zu Jesus Christus als Gott. An das können wir denken, wenn wir heute im Evangelium das Messiasbekenntnis des Petrus hören: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16).

 

Die Erkenntnis der Gottheit Christi hat Petrus nicht aus sich selbst. Christus sagt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17). Kein Mensch kann aus sich selbst heraus die Gottheit Christi erkennen. Das ist eine Gnade der Offenbarung, das ist ein Licht, eine Erkenntnis, die nur Gott geben kann.

 

Christus hat auf diesem Bekenntnis des Petrus weiter gebaut und weitere Gnaden geschenkt:

 

-         Petrus empfängt die Schlüsselgewalt, das ist eine geistliche Vollmacht zum Lösen der Sünden und zum Binden oder Bannen der dämonischen Mächte in der Welt.

-         Christus offenbart seinen Plan, seine Kirche auf das Messiasbekenntnis, dh auf den Glauben des Petrus, zu bauen.

-         Christus offenbart auch, dass die Kirche seine Kirche ist, dass sie also göttlichen Ursprungs ist und sie deshalb von den Pforten der Hölle nicht überwältigt werden wird.

 

Warum ist das Bekenntnis zur Gottheit Christi so wichtig?

 

Die Kirche steht und fällt mit dem Bekenntnis zur Gottheit Christi. Deshalb brauchen wir das Bekenntnis des Petrus zur Gottheit Christi, zum Sohn Gottes. Wir brauchen auch solche Zeugnisse, wie sie die irakischen Christen und andere verfolgte Christen gegeben haben, die sich so tapfer zur Gottheit Christi bekennen und bereit sind, dafür ihr Leben zu geben.

 

Petrus als der erste Papst steht auch für die ganze Kirche. Die ganze Kirche will wie ein Petrus sein, der vor der Welt bekennt: „Du bist der Sohn Gottes!“ Die Kirche will den Sohn Gottes verkünden und bezeugen: in ihrer Verkündigung, in ihrer Liturgie und in ihrer Caritas – den Liebesdiensten.

 

Die Apostel haben in ihrer Verkündigung vor allem das Christusgeheimnis verkündet: Kreuz und Auferstehung Christi, des Sohnes Gottes. Das gesamte Johannesevangelium zB ist wie ein Zeugnis für Christus, das ewige Wort, dass Gott ist und Fleisch geworden ist.

 

Die Urchristen der ersten Jahrhunderte haben diesen Glauben mit dem Symbol des Fisches zusammengefasst, ichthys: Die Buchstaben dieses griechischen Wortes ergeben die fünf Worte: Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser.

 

Es war in den ersten Jahrhunderten der Kirche ein mühevolles Ringen, um das Christusgeheimnis mit den rechten Worten ausdrücken zu können, wie sie dann in den frühen Konzilien für das Credo fixiert wurden. In der Verurteilung der Irrlehren des Arius, der die ewige Gottheit Christi leugnete, und der Irrlehre des Nestorius, der die Gottesmutterschaft Mariens leugnete, bestätigten die Konzilien von Nicäa (325) und Ephesus (431) die wahre Gottheit Christi und die Gottesmutterschaft Mariens. Weil Jesus Christus Sohn Gottes ist, und er aus Maria die menschliche Natur angenommen hat, ist Maria in Wahrheit Gottesgebärerin.

 

Auch für unseren persönlichen Glauben ist der Glaube an die Gottheit Christi das Fundament, auf dem alles Übrige aufbaut: die Bindung an die Kirche, das Gebetsleben, der würdige Empfang der Sakramente, die Ehrfrucht vor dem Hochheiligen Leib Christi in der Heiligen Kommunion, die Sonntagsheiligung, unsere Mitmenschen als Brüder und Schwester im Herrn… Das alles kann uns nur dann kostbar und unersetzbar sein, wenn Christus für uns persönlich der Sohn Gottes ist. Glaube ist Lebensübergabe und Bindung an den Sohn Gottes und seine Kirche.

 

Wie können wir die Gottheit Christi bekennen?

 

-         Durch den verborgenen Glauben im Herzen. Mit den Worten des hl. Paulus können wir es so sagen: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).

-         Durch ein stilles Stoßgebet: „Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!“ Durch eine anbetende Kniebeuge vor dem Kreuz oder vor dem Tabernakel.

-         Eltern, die mit ihren Kindern treu zur Sonntagsmesse kommen, geben mit der Sonntagsmesse ein schönes Zeugnis für die Gottheit Christi.

-         Wer sich durch die Sonntagsmesse von Christus leiten lässt, wird sich auch leichter tun, seine ganze Lebenseinstellung und seinen Lebensstil nach Christus auszurichten; das wäre das Ziel, dass wir aus der Quelle der Sakramente mit unserem Leben für Christus Zeugnis geben.

 

Maria, Gottesgebärerin, führe uns in das Christusgeheimnis hinein, damit unser Leben ein Bekenntnis für den Sohn Gottes wird. Auch wenn wir uns als einfache und schwache Menschen vorkommen, wird Christus dann auch durch uns in seiner Kirche weiterwirken und seine Kirche aufbauen, so wie er es mit Petrus getan hat. Amen.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies).

Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.