073) 1. Adventsonntag 2013: Der Mensch im Licht der Offenbarung 1) DER MENSCH - EBENBILD GOTTES (Gen 1,17)

 

 

Homilie am 1. Adventsonntag 2013:

 

Predigtreihe "Der Mensch im Licht der Offenbarung" 1) DER MENSCH ALS EBENBILD GOTTES

 

Der heilige Apostel Paulus ruft uns in der heutigen Lesung zum Nachdenken auf, er sagt: "Bedenkt die gegenwärtige Zeit!"(Röm 13,11) In den Evangelien des Advent und der Weihnachtszeit dreht sich vieles um die Heilige Familie. Da ist Maria, die in der Hoffnung ist und sich auf die Geburt Jesu vorbereitet. Dann erleben wir Maria und Josef als junges Paar, das verlobt war und dann den Schritt der Vermählung setzt. Zu Weihnachten wird ihnen das Kind anvertraut, Christus, der Sohn des himmlischen Vaters.

 

Advent und Weihnachten sind auch für uns eine besondere Zeit der Familie. Ich möchte euch einladen, über die Bedeutung der Ehe und Familie nachzudenken. Die Familie ist die Grundlage der Gesellschaft und der Kirche. Wir erleben in unserer Zeitepoche, dass diese Grundlage schwer bedroht und erschüttert wird. Die Bedrohung der Familie kommt einerseits von innen, durch die Zersetzung des menschlichen und christlichen Familienverständnisses, und andererseits von außen, durch Staaten und Gesetze, die den Auftrag und die besondere Stellung der Familie behindern oder gar zerstören.

 

Es ist zuwenig, nur über die Krise der Ehe und Familie zu jammern. Viel wichtiger ist, dieses hohe Gut der Ehe und Familie wieder zu bedenken, zu vermitteln und zu erschließen. Es geht um das wahre Verständnis von Ehe und Familie. Diese Wahrheit kommt vom Himmel. Auch wenn die christliche Ehelehre anspruchsvoll ist - es ist eine wunderbare Lehre. Die Kirche als Trägerin der Offenbarung vermittelt uns das Licht Gottes über die Ehe und Familie.

 

Das Nachdenken über die Ehe soll uns persönlich klare Orientierung geben. Und es ist mein Anliegen, vor allem unsere Familien zu bestärken. Dass ihr diese Berufung gerade heute mit Freude und mit Überzeugung zu leben versucht. Die christliche Ehelehre ist auch all jenen eine Hilfe, die Trennung erfahren haben. Jeder ist in seiner Situation im Leib der Kirche aufgefangen und mitgetragen.

 

Was ist die Ehe? Was ist die Familie? Um das zu verstehen, müssen wir tatsächlich bei Adam und Eva beginnen, dh bei Gott und dem Werk der Schöpfung, beim Plan Gottes mit dem Menschen. Bitten wir den Heiligen Geist, dass er uns hilft, den Menschen im Licht der Offenbarung zu sehen.

 

Der Katechismus beginnt die Lehre über die Ehe mit dem Thema: "Die Ehe im Plane Gottes". Der Katechismus fasst die Lehre der Heiligen Schrift zusammen und sagt:

 

KKK 1602: Die Heilige Schrift beginnt mit der Erschaffung des Mannes und der Frau nach dem Bilde Gottes [Vgl. Gen 1,26-27] und schließt mit der Vision der „Hochzeit des Lammes" (Offb 19,7.9). Von ihren ersten bis zu den letzten Seiten spricht die Schrift von der Ehe und ihrem „Mysterium", von ihrer Einsetzung und dem Sinn, den Gott ihr gegeben hat, von ihrem Ursprung und ihrem Ziel, von ihrer unterschiedlichen Verwirklichung im ganzen Verlauf der Heilsgeschichte, von ihren aus der Sünde hervorgegangenen Schwierigkeiten und von ihrer Erneuerung „im Herrn" (1 Kor 7,39) im Neuen Bund Christi und der Kirche [Vgl. Eph 5,31-32].

 

Hier wollen wir zwei grundlegende Aussagen über den Ursprung des Menschen aufgreifen.

 

a) Die Ehe gründet in einem Plan Gottes. Bei "Plan" dürfen wir nicht zB an einen Architekten denken, der auf einem Reißbrett oder am Computer einen Plan für ein Haus zeichnet. "Plan Gottes" kommt aus der Heiligen Schrift, wo öfter vom Plan Gottes mit uns Menschen gesprochen wird (zB Jer 29,11; Eph 1,11). Gemeint sind der Heilsplan und der Heilswille Gottes. "Plan" meint Vorgänge der Liebe im Herzen des Dreifaltigen Gottes. Die Ehe hat niemand geringerer "geplant" als GOTT selbst. Die Ehe ist sein Plan, seine Idee, sein Werk. Kein Mensch hat die Ehe erfunden, nicht die Kirche, nicht der Staat. Die Ehe ist älter als der Staat, sie geht jedem Staat voraus. Das Patent für die Institution Ehe hat Gott sich sozusagen selber vorbehalten.

 

Kein Mensch kann den Plan Gottes über die Ehe verändern. Auch wenn wir Menschen Gottes Plan nicht recht verstehen oder ihn nicht mehr leben würden. Der Plan Gottes für die Ehe bleibt. Er ist der Bezugspunkt und Orientierungspunkt, der den einzelnen Eheleuten hilft, die Berufung zur Ehe zu leben. Der Plan Gottes ist auch für den Staat - soweit der Staat das überhaupt noch will - der Bezugspunkt, um die Ehe mit Gesetzen zu schützen. Heute sind viele Staaten dabei, diesen Schutz aufzulösen.

 

b) Eine zweite grundlegende Einsicht. Gott hat den Menschen - Mann und Frau - nach seinem Bild geschaffen. Das Buch Genesis lehrt: "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde; nach dem Bilde Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie"(Gen 1,27). Was bedeutet das, dass wir Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen sind? Nach dem Bild Gottes erschaffen zu sein bedeutet, Gott hat uns ähnlich wie Er selber gemacht. Wir sind nicht Gott, aber Gott ähnlich. Konkret bedeutet das:

 

Wir Menschen haben einen Körper und eine unsterbliche Geistseele, die im Augenblick der Empfängnis unmittelbar von Gott erschaffen ist. Durch unsere unsterbliche Geistseele sind wir Gott ähnlich, der nicht materiell sondern geistig ist. Die Fähigkeiten, die Gott unserer Geistseele eingeschaffen hat, spiegeln das Geheimnis Gottes.

 

< Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist Liebe, Austausch der Liebe und des Lebens innerhalb der drei göttlichen Personen. Gott hat uns Menschen die Fähigkeit zur Liebe geschenkt. Wir sind fähig, in Beziehungen, in der Hingabe zu leben, in der Liebe: zu Gott hin, zum Mitmenschen, zu uns selber. Vor allem die menschliche Liebesfähigkeit macht uns Menschen zum Ebenbild Gottes. Die Liebe zu zweit, die Ehe von Mann und Frau, hilft das Lieben zu lernen. Die Ehe ist eine Schule der Liebe.

 

< Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist Erkennen in der Liebe. Die Theologen sagen: Gott erkennt sich selbst durch und durch. Gott hat unserer Seele die Fähigkeit des Erkennens gegeben. Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das fähig ist, Gott und sich selber zu erkennen. Die Heilige Schrift verwendet das Wort "erkennen" auch für die eheliche Vereinigung. Maria zB sagt bei der Verkündigung: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne"(Lk 1.34). Die Liebe will den anderen immer mehr erkennen. Umgekehrt: je mehr wir den anderen kennen und erkennen, wächst die Liebe. Das gilt auch Gott gegenüber.

 

< Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist Liebe und Hingabe in Freiheit. Gott hat uns die Freiheit des Willens geschenkt. Wenn wir uns nicht frei für das Gute und für die Liebe entscheiden könnten, wäre es keine echte Liebe.

 

< Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist schöpferische Liebe. Aus der Liebe Gottes geht das Werk der Schöpfung hervor. Am Höhepunkt der Schöpfung steht der Mensch als Ebenbild Gottes. Der Mensch ist Ebenbild Gottes weil er vom Schöpfer die Fähigkeit erhalten hat, an der Vaterschaft Gottes teilzuhaben. Der Mensch hat die Fähigkeit, im Zusammenwirken mit dem Schöpfergott das Leben weiterzuschenken, Vater und Mutter zu werden.

 

Weil jeder Mensch nach dem Bild Gottes erschaffen ist, hat auch jeder Mensch eine besondere Würde. Der Mensch ist nicht etwas, sondern jemand, eine Person. Als Ebenbild Gottes hat jeder Mensch die Würde der Person vom ersten Augenblick der Zeugung an bis zum natürlichen Tod.

 

Liebe Gläubige! Wer die Ehe erfassen will, der muss auf Gott schauen. Nur im Blick auf Gott kann der Mensch sich selber erkennen. Hier geht es um die christliche Anthropologie, um die christliche Lehre über den Menschen. Es gibt nicht verschiedene Wahrheiten über den Menschen. Es gibt nur den Menschen, den Gott als Mann und als Frau nach seinem Bild geschaffen hat. Wo das aufgegeben wird, sind der Mensch und die Menschlichkeit hoffnungslos verloren. Der größte Gegner der christlichen Anthropologie ist die falsch verstandene oder falsch vermittelte Evolutionstheorie. Die Abstammung des menschlichen Leibes vom Affen ist eine reine Theorie, die viele Naturwissenschaftler widerlegt haben. Die Geistseele des Menschen hat sich nicht aus der Materie entwickelt, sondern ist von Gott geschaffen.

 

Der Mensch - nach Gottes Plan erschaffen und Gottes Ebenbild - aus Liebe und zur Liebe. Das ist die Grundwahrheit, gleichsam das Fundament, auf dem das Haus Ehe und Familie aufbaut. Amen.

 

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