071) Cäcilia 2013: SINFONIE DER MUSIK - SINFONIE DES GLAUBENS

33. Sonntag im JK C) 2013 Cäcilienmesse mit der Musikkapelle

Homilie: SINFONIE DER MUSIK - SINFONIE DES GLAUBENS

 

Am kommenden Sonntag, dem Christkönigsfest, endet das von Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Glaubens". Die heutige Cäcilienmesse mit euch Musikanten bietet sich an, die Verbindung Glaube und Musik aufzugreifen.

 

In der Musik gibt es die Form der Sinfonie. Das Wort Sinfonie oder Symphonie kommt aus dem Griechischen sýmphonos, dh ‚zusammenklingend‘, ‚harmonisch‘. Sinfonie meint ein Musikwerk von verschiedenen Instrumenten, die zusammenklingen, ein Werk mit wechselnden Formen und Besetzungen. Auch die Blasmusik ist eine Form von Sinfoniemusik. Eure Blasmusik besteht aus verschiedensten Instrumenten, verschiedensten Stimmen, Hauptstimmen, Nebenstimmen. Johann Sebastian Bach würde jetzt sagen, dass es keine unbedeutenden Nebenstimmen gibt; denn jede Stimme hat im Gesamtwerk eine wichtige Bedeutung. Vor allem in der Musik Bachs ist das erlebbar, dann da sind die sogenannten Nebenstimmen oft genauso kunstvoll - beinahe für sich alleine spielbar - wie die vermeintlichen Hauptstimmen. Es ist klar, dass das Schaffen einer Sinfonie, nicht nur in der klassischen Form eines Sinfonieorchesters, auch bei der Blasmusik, eine Herausforderung ist. Es braucht Übung, Disziplin, Einordnung, Unterordnung, einzelne Stimmen dürfen sich nicht durch zu lautes Spielen zu wichtig machen usw. Das alles schafft ein Musikwerk, das als Ganzes wirkt.

 

Nun wechseln wir von der Sinfonie zum Glauben. Glauben nach katholischem Verständnis kommt von credo, cor dare, Gott das Herz schenken. Die Wurzelhaltung eines Glaubenden ist die Liebe, die Hingabe und Bindung unseres Herzens an den Schöpfergott. Sich an Gottes Liebe schenken schließt mit ein, sich an sein Wort und an seine Wahrheit binden. In dem Sinn ist der Glaube eine Lehre, die vom Himmel kommt, nicht etwas, was wir uns selber machen. Benedikt XVI. sagte: "Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos." Das sind die beiden Wurzelhaltungen von Glaube: sich an Gott schenken, sich an seine Wahrheit binden, danach sein Leben gestalten.

 

Glaube als Lehre ist nicht ein unbestimmbares, nicht konkret fassbares, schwammiges Gebilde, wie ein Nebel. Das ist übrigens die Gegebenheit beim Buddhismus. Der Buddhismus hat keine klaren Inhalte. Der christlich-katholische Glaube besteht aus einer klar formulierten Lehre. Diese Lehre ist im Credo zusammengefasst, im Katechismus organisch entfaltet, sodass wir sie nachlesen, sie studieren und uns damit befassen können.

 

An dieser Stelle wollen wir aus der Musik das Bild von der Sinfonie aufgreifen. Es gibt das Wort von der "Sinfonie des Glaubens". Mir ist nicht bekannt, wer es formuliert hat. Der Glaube als Lehre ist wie eine Sinfonie. Der Glaube besteht aus verschiedenen Wahrheiten, wie wir sagen. ZB Die Lehre vom Einen und Dreifaltigen Gott, die Lehre von Gott, dem Schöpfer. Die Lehre von der Menschwerdung Gottes, von der Erlösung durch das Kreuz Christi. Die Lehre von der Kirche, die Christus gegründet hat, die Lehre von den Sakramenten, die Lehre von den Letzten Dingen: Tod, Gericht, Himmel, Hölle, Fegfeuer. Die Lehre vom Leben in der Liebe nach den acht Seligpreisungen...

 

Wie bei einer Sinfonie unterscheiden wir diese Glaubenswahrheiten, erkennen, wie sie untereinander in Beziehung stehen. Und doch ist der Glaube ein Ganzes, eine Einheit. Das zweite Vatikanische Konzil hat den Begriff von der "Hierarchie der Wahrheiten" geprägt. Gemeint ist: es gibt existenzielle Wahrheiten, die so grundlegend sind, dass ohne sie kein Glaube im christlichen Sinn möglich ist, wie zB die Wahrheit von der Gottheit Christi. Und es gibt Wahrheiten, die zwar nicht im Kernbereich angesiedelt sind, wie zB die Lehre von den Engeln und Dämonen, und doch mit dem Ganzen verbunden sind. Keine einzige von Gott geoffenbarte Wahrheit wird von der Kirche als nebensächlich abgetan. Ja, sogar noch mehr: wer eine Glaubenswahrheit bewusst leugnet, lehnt den Glauben als Ganzes ab. Der Glaube kann nicht aufgestückelt werden, er ist ein organisches Ganzes. (vgl. KKK 172-175)

 

Die Lehren des Glaubens sind zwar übernatürlich, dh das Irdische, die Natur der Welt und des Menschen übersteigend, doch sie sind nicht abstrakt und leblos über unseren Köpfen. Wer sich der schönen Lehre des Glaubens öffnet, erfährt, dass diese Lehren unser Herz berühren und unser Leben herausfordern, unserem Leben Halt und Erfüllung geben, unser Leben verwandeln und neu machen. Christus sagt uns, dass der Glaube notwendig ist, um das Heil zu erlangen.

 

Wie weit die Sinfonie des Glaubens uns persönlich erreicht und berührt, liegt an uns selber. Sind wir offen für den Glauben? Geben wir uns Mühe - wie beim Musizieren - die Sinfonie des Glaubens zu erlernen und darin einzudringen? Das Sonntagsgebot zB ist auch dazu da, um uns dabei zu helfen.

 

Je mehr ein Musiker in die innere Gesetzmäßigkeit und in die Zusammenhänge der Musik eintritt, sich hineinarbeitet und hineinlebt, desto mehr wird ihn die Musik bereichern, desto mehr wird er erfahren, dass die Musik in seinem Leben Auswirkungen hat.

 

Je mehr wir uns als katholische Christen in den Glauben hineinbegeben, danach zu leben versuchen, desto mehr werden wir die Schönheit des Glaubens erkennen, werden erfahren, wie die einzelnen Lehren dieses Glaubens unser Leben ergreifen und verwandeln, uns zu Gott führen. Amen.

 

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