070) Allerheiligen 2013: Vesper zur Gräbersegnung: "Ihre Leuchte ist das Lamm" - DAS EWIGE LICHT LEUCHTE IHNEN

„IHRE LEUCHTE IST DAS LAMM"(Offb 21,23) DAS BIBLISCHE SYMBOL DES LICHTES 

Es ist ein frühchristlicher Brauch, an den Gräbern unserer Verstorbenen eine Kerze anzuzünden.  Warum tun wir das? Das Licht ist ein christliches Ursymbol, eines der Hauptsymbole, dem wir in der gesamten Heiligen Schrift begegnen, von der Genesis des AT bis zur Apokalypse des NT. Ich möchte euch einladen, mit mir heute über die Bedeutung des Lichtes nachzudenken damit wir verstehen warum wir beten: "Das ewige Licht leuchte ihnen!" 

Die Heilige Schrift beschreibt das Geheimnis Gottes auch mit dem Symbol des Lichtes. Der Apostel Johannes sagt in seinem ersten Brief: "Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm"(1 Joh 1,5). Christus sagt von sich selber: "Ich bin das Licht der Welt"(Joh 8,12). Für die Urchristen war deshalb die Sonne ein Christussymbol. Die Sonne spendet der Erde Licht, Wärme, ohne Sonne gibt es kein Leben. Licht gibt Orientierung. Der Gott des Lichtes hat das Licht erschaffen und von der Finsternis abgegrenzt: "Gott sprach: Es werde Licht. und es wurde Licht"(Gen 1,3). Das Licht der Sonne und Gestirne sind wie ein Zeigefinger auf den Vater des Lichtes (Jak 1,17). 

Das Licht ist ein Zeichen für die Gegenwart Gottes unter uns Menschen. Beim Auszug aus Ägypten erleben die Israeliten die Nähe Gottes im Zeichen einer Feuersäule: "Der Herr zog vor ihnen her,... bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten"(Ex 13,21). Im Jerusalemer Tempel stand der siebenarmige Leuchter als Zeichen, dass Gott im Tempel den Israeliten nahe sein wollte. In einem katholischen Gotteshaus, in dem sich das Allerheiligste befindet, muss nach kirchlicher Vorschrift beim Tabernakel immer eine Kerze brennen. Ein Zeichen, dass Christus hier unter uns Wohnung genommen hat.  

In der Heilsgeschichte wird das Licht zum Zeichen für den erwarteten Messias. Der Prophet Jesaja sagt im 8. Jahrhundert vor Christus: "Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht"(Jes 9,1). Der Apostel Johannes sagt über die Menschwerdung Gottes: "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt"(Joh 1,9). 

Das Gegenteil vom Licht ist die Finsternis. Von der Schöpfung her ist die Finsternis zunächst nicht negativ. Mit der Scheidung von Licht und Finsternis schafft Gott den Wechsel von Tag und Nacht. Dieser Wechsel schenkt uns die Nachtruhe als eine Zeit der Erholung. Wenn Tag und Nacht ganz aus den Fugen geraten und auf den Kopf gestellt werden, tut das unserem Leben nicht gut. Unserem Körper und unserer Seele geht es gut, wenn wir schöpfungsgemäß leben. Nach dem Sündenfall wird die Finsternis zum Symbol für die Sünde und Gottesferne, bis hin zum Zeichen der ewigen Gottesferne der Hölle. Über die gefallenen Engel sagt das Wort Gottes: Gott hat diese Engel "in die finsteren Höhlen der Unterwelt verstoßen"(2 Petr 2,4). Die ewige Trennung von Gott nennt die Bibel "dunkelste Finsternis"(2 Petr 2,17). 

Unser Leben steht in der Spannung von Licht und Finsternis, Gnade und Sünde. Unser menschliches Herz ist durch die Folgen der Erbschuld nicht mehr im paradiesischen Heilszustand. Es ist auffallend, wie oft die Heilige Schrift uns Menschen aufruft, wieder Licht zu werden. Der Prophet Jesaja ruft Jerusalem zu: "Auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht"(Jes 60,1). Das NT spricht so oft vom Leben im Licht. Gemeint ist: In der Liebe leben, in der Gottes- und Nächstenliebe. Johannes schreibt: "Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, ist im Licht."(1 Joh 2,9-10). 

Das Licht Gottes ist eine Gnade, ein Geschenk für uns Menschen. Das Licht Gottes heilt unsere innere Finsternis. Der heilige Franziskus fleht in einem Gebet: "Höchster glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens." Wenn schon Franziskus so betet, wie müssten wir dann beten? Was auch immer ein Mensch an Sünde getan haben mag: das Licht Gottes heilt alles, wenn wir die Heilung zulassen! Wie können wir das erfahren? Die Heilung geschieht dann, wenn wir das Finstere unseres Herzens, unsere Sünden, zu Jesus Christus bringen, vor ihm aufdecken, sie aussprechen. Das ist manchmal ein schmerzlicher Vorgang, aber er heilt. Dieses Aufdecken der eigenen Finsternis und der Heilung ist der Vorgang der heiligen Beichte. Der heilige Paulus beschreibt es so: "Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein"(Eph 5,13-14). Schätzen wir diese große Gnade der Beichte wieder! Was wir durch die Beichte in die Heilung bringen, brauchen wir in der Ewigkeit nicht mehr abbüßen. 

Gelingt uns das im Leben, dieses innere Lichtwerden? Dass sozusagen die Jahresschichten unsere Seele vom Licht geheilt werden? Das, was wir gefehlt haben an schlechten Worten, Gedanken, Werken, was wir an Gutem nicht getan haben aber tun hätten können? Was ist mit den Seelen, die in ihrem Leben wenig oder keine innere Heilung zugelassen haben? Was ist mit den Seelen, die unvorbereitet sterben? Die heutige Lesung sagt uns über das Eingehen der Seele in das himmlische Jerusalem, dh in den Himmel: "Nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt"(Offb 21,27). 

An dieser Stelle spüren wir, warum wir ein Licht an das Grab stellen und beten: "Das ewige Licht leuchte ihnen." Eine Seele, die im Gnadenstand gestorben ist, aber noch mit Finsternis behaftet ist, braucht noch den Weg der Heilung. Das Fegfeuer ist sozusagen der Weg zum Licht, der notwendige Weg, damit die Seele fähig wird, die Liebe Gottes und die Erfüllung der menschlichen Liebe zu erfahren. Das hat nichts mit einem strafenden Gott zu tun. Das hat zu tun mit unserer Entscheidungsfreiheit, die Gott zulässt. Gott lässt zu, dass wir in der Ewigkeit das ernten, was wir im irdischen Leben aussäen: "Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, wird er ernten"(Gal 6,7).  

Deshalb ist es so wichtig und wertvoll, dass wir für unsere Verstorbenen beten. "Ihre Leuchte ist das Lamm", sagt uns Johannes heute in der Lesung. Das Licht, die Heilung, geht vom Lamm aus. Das Lamm ist Christus. Das Lamm beinhaltet das Opfer Christi – das Lamm wurde geschlachtet – und die Auferstehung Christi. Die größte Lichtquelle ist das heilige Messopfer. Das heilige Messopfer schenkt uns die Gegenwart des Lammes, Kreuzesopfer und Auferstehung Christi. Durch die heilige Messe, durch sein Blut, schenkt das Lamm uns Lebenden und den Verstorbenen das Licht, die innere Heilung. Wir vermitteln den Armen Seelen im Fegfeuer das ersehnte Licht durch unser Gebet, durch den Ablass. Tun wir etwas Wertvolles für unsere Verstorbene, empfangen wir das Bußsakrament und vermitteln wir ihnen den Ablass. 

Herr Jesus Christus, unser Osterlamm, schenke uns in unserem Leben Dein Licht, das uns führt und heilt. Schenke den Seelen unserer Verstorbenen dein Licht, das sie heilt und heimführt. 

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Amen. 

 

Lesung aus der Offenbarung des Apostels Johannes

  

Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm.

 

Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.

 

Die Völker werden in diesem Licht einhergehen und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen.

 

Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen - Nacht wird es dort nicht mehr geben. Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen.

 

Aber nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt. Nur die, die im Lebensbuch des Lammes eingetragen sind, werden eingelassen.

 

 

Offb 21,22-27

 

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