069) Allerheiligen 2013: DIE HÄNDE DER HEILIGEN NOTBURGA - 700 Jahre hl. Notburga

Hochfest Allerheiligen 2013

Homilie: DIE HÄNDE DER HEILIGEN NOTBURGA - ZU IHREM 700. TODESTAG (14.9.1313)

 

"Ich sah eine große Schar aus allen (...)Völkern". Unter diesen unzähligen Heiligen, die der Apostel Johannes in einer Vision über das Himmlische Jerusalem schauen darf, befinden sich auch Heilige aus unserem Volk: z.B. die Märtyrer Otto Neururer, Jakob Gapp, Carl Lampert und viele andere heilige Menschen, deren Namen wir nicht kennen. Eine von ihnen ist die heilige Notburga. Weil wir heuer das 700jährige Gedächtnis ihres Todes begehen, wollen wir diese Heilige wieder neu kennenlernen.

 

Die äußeren Stationen ihres Lebens: die Rottenburg, in der Nähe der heutigen Landeslehranstalt Rotholz. Mit 18 Jahren kam sie als Küchenmagd dorthin. Dann war sie Magd bei einem Bauern in Eben am Achensee. Dann war sie nochmals 18 Jahre auf der Rottenburg tätig, bis zu ihrem Tod am 14. September 1313. Hundert Jahre später, 1434, wurde ihr zu Ehren eine neue gotische Kirche erbaut. Seit 1740 befinden sich ihre Reliquien am Hochaltar der Kirche von Eben. Für die heilige Notburga wurde nie ein formeller Heiligsprechungsprozess durchgeführt. Sie wurde sozusagen vom Volk heilig gesprochen. 1862 hat Papst Pius IX. ihre Verehrung feierlich bestätigt.

 

Nicht nur die Bauern und die Landbevölkerung hat eine Zuneigung und Verehrung für die heilige Notburga entwickelt. Sie wurde und wird von Menschen aus allen Bevölkerungsschichten angerufen. Das Haus Habsburg pflegt seit Jahrhunderten eine besondere Verehrung der heiligen Notburga. Eine besondere Verehrung für sie pflegte der selige Kaiser Karl. In Jenbach ließ Kaiser Karl einmal den Zug anhalten, und machte zu Fuß betend den Weg nach Eben zur heiligen Notburga und wieder zurück.

 

Für uns ist wichtig: Warum ist Notburga eine Heilige? Was kann sie uns heute sagen? Gehen wir vom Zeichen ihrer Reliquien aus. Bei ihren Reliquien fehlen die Hände. 1878 wurde in die Kirche in Eben eingebrochen. Die Diebe haben einfach ihre Hände abgeschnitten, um den wertvollen Schmuck an ihren Fingern mitnehmen zu können. Betrachten wir die Hände der heiligen Notburga.

 

Notburga hatte Hände der Arbeit. In Eben war sie Bauernmagd. Heute würde man sagen "Betriebshelferin". Auf Schloss Rottenburg war sie Köchin, sie verwaltete auch die Schlüssel der Burg. Heute würde man sagen "Management". Notburga hat scheinbar keine besonderen Werke getan. Doch sagen wir bitte nicht, sie war nur im Haushalt, sie hat nur gekocht, sie war nur Magd. Auch wenn sie einfache Arbeiten verrichtete, gerade darin ist sie heilig geworden. Sie ist eine Heilige des Alltags.

 

Immer wieder neu und in Liebe für die Menschen sorgen, die einem anvertraut sind. Das kann vielleicht manchmal schwerer sein als ein berühmtes Kunstwerk schaffen. Die Arbeit in Liebe tun. Die treue Pflichterfüllung im Kleinen, im gewöhnlichen Alltag, ohne dafür Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu erhalten...

 

Notburga hatte Hände des Schenkens. Die junge Köchin auf Rottenburg war nicht nur fromm, sondern hatte auch eine soziale Ader für die Armen. Die Rottenburg wurde bald eine Anlaufstelle für Hungrige und Arme. Notburga wusste gerne auszuteilen. Es ist überliefert, dass sie sich auch vom eigenen Mund Mahlzeiten absparte, die sie anderen geschenkt hat.

 

Gar so viel trennt uns nicht von der Situation der heiligen Notburga. "Betteln und hausieren verboten" habe ich auch schon an Türen oder Postkästen gelesen. Freilich ist das heute für uns nicht so einfach. Es gibt auch das organisierte kriminelle Betteln! In der einen oder anderen Form haben wir immer wieder die Möglichkeit, unsere Hände zu öffnen, einen Menschen zu helfen, der uns braucht... Es gibt auch geistige Armut... Wir können auch Zeit schenken... Im Geist der heiligen Notburga entstand in unserem Land die Notburgagemeinschaft. Nach dem Vorbild der heiligen Notburga eine Gemeinschaft mit einer bewusst gepflegten Spiritualität und sozialer Tätigkeit.

 

Notburga hatte Hände des Gebetes. Eine betende Frau, die ein geistliches Leben führte. Sie wusste, dass man von der Arbeit allein nicht leben kann. Der Sonntag war für sie ein Tag des Gebetes. In Eben hat sie mit ihrem Dienstgeber, dem Bauern, vereinbart, dass sie mit dem Feiertagläuten am Samstag Feierabend machen kann. Einmal wollte sie der Bauer bei einer Getreideernte, als es den Sonntag eingeläutet hat, nicht gehen lassen. So kam es zum berühmten Sichelwunder. Notburga warf die Sichel in die Luft und sie ist dort hängen geblieben. Im Sommer ist sie bei schönem Wetter gerne den Weg von Eben übers Joch nach St. Georgenberg gegangen. Am Samstag nach Feierabend hin und auf den Sonntagabend wieder zurück.

 

Notburga lehrt uns zu beten und den Sonntag zu heiligen. Hier haben wir alle Hände voll zu tun! Wenn wir Christen den Sonntag und die Feiertage nicht mehr mit dem Heiligen Messopfer heiligen, müssen wir damit rechnen, dass uns der Sonntag als arbeitsfreier Tag verloren geht.

 

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft zum Notburgajubiläum:

 

"Ohne den heiligen Raum und die heilige Zeit, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben. Der Sonntag gibt uns nicht nur die verdiente Ruhepause, er schenkt uns auch die Gnade der Begegnung mit dem Schöpfer und der Quelle allen Lebens, dem Leben in Person. in ihm haben wir unseren Anfang und unser Ziel, in ihm finden wir Erlösung und Liebe. Ohne den, der unser Leben trägt, bleibt unser Leben leer. Diese Mitte auszulassen oder zu verraten, würde dem Leben selbst seinen Grund nehmen, seinen Sinn und seine Schönheit."

 

Notburga hatte Hände, die das Kreuz umfassten. Notburga hatte Gutes getan und musste dafür nicht nur Unverständnis und Demütigung einstecken, sie hat sogar ihre Arbeitsstelle verloren. Das war bei ihrer ersten Anstellung auf der Rottenburg. Was von der Tafel übrig blieb, sollte sie in den Schweinetrog schütten. Notburga konnte diese Bedingungen mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Schließlich wurde sie entlassen.

 

Wie weit sind wir in unserer Zeit davon entfernt, dass wir, wenn wir Gutes tun, rechtschaffen handeln, den katholischen Glauben bezeugen... ähnliche Erfahrungen machen? Die Heilige Notburga zeigt uns, dass ein Christ nach seinem Gewissen handelt, Gott mehr gehorcht als den Menschen. Wenn wir uns das vorstellen: lieber den Arbeitsplatz verlieren, als gegen den Glauben handeln; einem scheinbar Mächtigen, der das Sagen hat, ins Angesicht widerstehen, die Situation vor dem Sichelwunder. Notburga war eine Frau nicht nur mit einem starken Glauben. Sie hatte auch eine ordentliche Portion Zivilcourage.

 

Die Hände der Heiligen Notburga: Hände der Arbeit, des Schenkens, des Gebetes und Hände, welche das Kreuz umfassten. Diese Hände, auch wenn sie ihr jetzt fehlen, sprechen zu uns. Notburga war eine Heilige, die mitten im Leben stand, und auch standhaft war. Ja, sie steht sogar heute noch vor uns, und das im Sinn des Wortes. In der ganzen Welt gibt es tatsächlich keinen Heiligen, dessen Reliquien (Skelett) sich stehend auf einem Altar befinden. So steht sie vor uns als Zeichen und Vorbild.

 

Ich schließe mit dem Segenswunsch des Heiligen Vaters aus seiner Botschaft zum Notburgajubiläum:

 

"Notburga verstand ihr Leben als Gabe und Sendung. Das, was Gott ihr geschenkt hatte, behielt sie nicht für sich, sondern gab es weiter. So hat sie das Heilshandeln Gottes in der Welt sichtbar gemacht. Darin fährt sie als unsere Fürsprecherin im Himmel fort. Möge die heilige Notburga weiterhin ihre schützenden Hände über das Alpenland und seine Bewohner halten. Mit diesem Gebetswunsch erteile ich allen, die an den liturgischen Feiern und Veranstaltungen des Gedenkjahres zu Ehren der heiligen Notburga teilnehmen, von Herzen den erbetenen Apostolischen Segen." Aus dem Vatikan, am 3. September 2013, Franziskus.

 

 

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