067) 26. Sonntag im Jahreskreis C) 2013: TRÄGHEIT UND TUGENDSTREBEN

Homilie: "STREBE UNERMÜDLICH NACH GERECHTIGKEIT..."(1 Tim 6,11)

               TRÄGHEIT UND TUGENDSTREBEN

 "Es war einmal ein reicher Mann"(Lk 16,19). So beginnen gewöhnlich die alten Märchen... Das Evangeliengleichnis ist so etwas ähnliches, eine Geschichte, mit der Christus uns etwas sagen will. Wie am vergangenen Sonntag geht es beim heutigen Wort Gottes nochmals um den Mammon, also um die Frage nach den materiellen Gütern, die wir besitzen. Die Heilige Schrift spricht vom Reichtum. Machen wir uns nochmals bewusst, dass auch wir damit gemeint sind, denn wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, mit dem größten Wohlstand - und trotzdem, paradoxerweise, sind manche Menschen so unzufrieden und undankbar...

 Es ist sicher schwer, in Armut und wirtschaftlicher Unterentwicklung zu leben. In dieser Situation befinden sich mindestens zwei Drittel der Menschheit. Und es ist genauso schwer, vielleicht noch schwieriger, im Wohlstand zu leben. Die Worte Christi über Reichtum und Wohlstand sind für uns besonders aktuell. Deshalb ist es gut, dass wir uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen. Welche Hilfen gibt uns Christus, damit wir im Wohlstand zurechtkommen, nicht untergehen und unsere Seele verlieren?

 Im Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus geht es Christus sicher nicht um schwarz-weiß Malerei: Lazarus, die schlechten Reichen, die in die Hölle kommen; Lazarus, die Armen, die in den Himmel kommen. Es gibt verantwortungsbewusste und großherzige Reiche, und es gibt verantwortungslose und engherzige Arme, die vielleicht mehr Geldgier haben als manche Reiche. Die Armen in den Himmel, die Reichen in die Hölle, so einfach ist die Rechnung nicht zu machen.

 Dieses Gleichnis kann uns unter anderem sagen: Der Reichtum kommt vor das Gericht Gottes. Denken wir an das 25. Kapitel des Matthäusevangeliums. Mit anderen Worten: wir Menschen müssen vor dem Gericht Gottes Rechenschaft ablegen, wie wir mit den materiellen Gütern umgegangen sind, was wir damit getan oder nicht getan haben. Reichtum und Besitz sind eine Frage beim Gericht. Uns an das manchmal zu erinnern wird uns helfen, mit den materiellen Gütern verantwortungsvoll umzugehen.

Eine andere Lebenshaltung berühren die beiden Lesungen. Der Prophet Amos lebte im Nordreich Israel, 8. Jh. v. Chr. Es herrschte damals eine große soziale Ungerechtigkeit, die der Prophet ankreidete und vor deren Folgen er warnte. Amos klagt über die Trägheit der reichen Oberschicht. "Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern"(Amos 6,4). 722/721 kam es zum Untergang des Nordreiches Israel. Die Israeliten wurden getötet oder nach Assyrien verschleppt. Die Worte des Propheten, die die Israeliten nicht hören wollten, hatten sich erfüllt. Zur Bedeutung für unser Leben: Amos spricht eine menschliche Erfahrung an. Der Wohlstand führt sehr leicht zur Trägheit, wir sagen dazu auch Überdruss. Überdruss meint eine seelische Übersättigung durch unmäßigen Gebrauch der materiellen Güter. Der Überdruss hinterlässt in der Seele eine Traurigkeit, ja er führt nicht selten zur Sinnlosigkeit und Verzweiflung am Leben... Nicht Konsumgüter an sich sind schlecht. Doch ein zuviel an Konsum tut niemanden gut: zuviel Medien, zuviel Internet, zuviel Sport, usw. Das tut uns nicht gut, es führt zum Überdruss. Wir verlieren dann die Freude an Gott, die Freude am Glauben, die Freude am Gottesdienst der Kirche, die Freude am Leben... Die Worte des Propheten Amos über die Faulheit der Reichen machen uns bewusst: Im Wohlstand - wie wir ihn haben- brauchen wir eine gewisse innere Distanz zum Besitz und den materiellen Gütern. Materielle Güter dankbar gebrauchen, doch mit innerer Distanz. Das schützt uns vor dem Überdruss, der uns vom Leben und von Gott entfernt.

 In der westlichen Welt wird ständig vom Wirtschaftsstreben gesprochen, als ob es keine anderen und höheren Werte gäbe als die materiellen. In der zweiten Lesung stellt Paulus uns Christen die notwendige Alternative vor Augen: das Tugendstreben. Tugendstreben ist das Gegenteil der Trägheit. Paulus sagt dem Timotheus: "Strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glaube, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut"(1 Tim 6,11). Wenn wir das rechte Verhältnis zu den materiellen Gütern haben, tun wir uns leichter mit Eifer und mit Tugendstreben. Ein Vogel, dessen Flügel mit Schlamm bedeckt sind, vermag nicht zu fliegen. So geht es einer Seele, die im Schlamm des Überdrusses steckt. Sie vermag sich nicht zu Höherem und zu Gott zu erheben, es zieht sie nach unten. Es ist der Heilige Geist, der uns zur Tugend antreibt. Der Heilige Geist hilft uns, die für unser Leben notwendigen höheren und ewigen Werte anzustreben, sich mit Eifer darum zu bemühen, darum zu ringen und zu kämpfen. Liebe Firmlinge! Ich möchte euch für die Zeit der Vorbereitung dieses Wort des hl. Paulus mitgeben: Streben, Eifer haben, für Gerechtigkeit (dh. für das Heilige), Frömmigkeit (Gebet, Sonntagsmesse), Glaube, Liebe (zu Gott und den Mitmenschen). Der Heilige Geist hilft euch dabei und gibt euch Freude und Erfüllung!

 Wir haben für dieses Tugendstreben ein schönes Vorbild aus unserem Land. Eine Heilige, die vor 700 Jahren lebte....die hl. Notburga. Sie war Dienstmagd von Beruf. Seelisch und charakterlich war sie anderen weit voraus. Bei einer späteren Gelegenheit werde ich euch mehr von ihr erzählen, zB. von ihrem Sichelwunder, ihrer Wertschätzung für den Sonntag, ihrer sozialen Haltung.

 Bitten wir die hl. Notburga, diese menschlich, charakterlich und gläubig so starke und tugendhafte Frau, dass sie uns hilft, nach der Tugend zu streben, den Sonntag zu heiligen und die Sonntagsmesse zu schätzen. Wenn wir Erwachsene unseren Kindern jungen Menschen, Firmlingen, mit gutem Beispiel vorausgehen, werden sie sich leichter tun, den Weg der Tugend zu finden und zu gehen. Amen.

 

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