065) 24. Sonntag im JK C) 2013: GOTTES FREUDE ÜBER DEN MENSCHEN, DER UMKEHRT

Wie steht Gott zu uns Menschen? Noch mehr: Wie empfindet Gott für uns Menschen? Die Heilige Schrift gibt uns mehrmals Hinweise, die uns ein wenig erahnen lassen, wie der Herrgott zu uns steht, in welcher Beziehung der Schöpfergott zu seinen Geschöpfen, zu uns Menschen steht.

 

Christus spricht heute von der Freude Gottes über uns Menschen, er sagt: Der Himmel freut sich über einen einzigen Sünder der umkehrt, mehr als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben, umzukehren. Christus sagt "der Himmel" - Gemeint ist Gott selbst. Aus Ehrfrucht haben die Juden den Namen Gottes - Jahwe - nicht ausgesprochen, stattdessen sagten sie "der Himmel" oder "Adonai/Herr".

 

Für Gott gibt es keine unpersönliche Masse von Menschen. Für ihn gibt es nur einzelne unsterbliche Seelen, die er aus Liebe erschaffen hat. Gott freut sich über den EINZELNEN, der umkehrt, der glaubt, der hofft, der liebt.

 

Wenn das so ist, dann müssen wir doch umkehren! Wie sieht es bei uns aus? Gehören wir zu denen, die umkehren? Gehören wir zu den 99, die meinen, keine Umkehr nötig zu haben?

 

Die Umkehr beginnt mit der hl. Taufe, die uns die heiligmachende Gnade schenkt, die Tilgung der Erbschuld und die Eingliederung in die Kirche Christi. Von dem her gesehen ist die Umkehr eine Gnade des Augenblicks, die von Gott gewirkt und geschenkt wird. Und doch ist die Umkehr auch ein lebenslanger Prozess, ein immer wieder neu beginnen, aufstehen, weitergehen... Nicht dass der Mensch fällt ist das Problem, sondern wenn wir liegen bleiben... Der Teufel will uns Menschen einreden, dass die Umkehr zu Gott das Leben vermasselt, traurig macht... Ein Beispiel: Kaiser Konstantin, der erste christliche Kaiser, hat für die Kirche viel Wertvolles getan. Mit dem Mailänder Edikt von 313 hat er die fast 300jähirge Christenverfolgung im Römischen Reich beendet. Er hat den Christen in Rom und im Heiligen Land die ersten schönen und großen Basiliken gebaut. Doch seine persönliche Bekehrung, den Empfang der Taufe, hat er bis auf sein Sterbebett hinausgeschoben. Er hat wohl gemeint, er würde dadurch für sein Leben zu viel verlieren.

 

Das Gegenteil ist der Fall. Die Umkehr zu Gott ist etwas Schönes und Freudiges, ja sie gehört sicher zu den schönsten und freudigsten Erfahrungen. Mit der Umkehr ist es nämlich so: Die Freude, die Gott über den Menschen empfindet, der umkehrt, geht auf den betreffenden Menschen über. Wer umkehrt, wird von der Freude Gottes erfüllt.

 

Die Kirchengeschichte berichtet von Menschen, die durch die Umkehr zur Quelle der Freude gefunden haben. Die heutige Lesung zeigt uns als ermutigendes Beispiel den heiligen Paulus. Paulus nennt sich der "erste von den Sündern"(1 Tim 1,15). Er beschreibt seine Bekehrung als "übergroße Gnade", die ihm den Glauben und die Liebe geschenkt hat (1 Tim 1,14). Die Bekehrung des hl. Paulus war eine Gnade des Augenblicks, sein Damaskuserlebnis. Und doch war diese Bekehrung für Paulus auch ein lebenslanger Prozess, eine Schritt für Schritt vollzogene Umgestaltung nach dem Vorbild Christi; mit anderen Worten: Umkehr besteht in einer Umwandlung des gesamten inneren Menschen: des Denkens, des Wollens und des Handelns - zu Christus hin, dem "neuen Adam", wie Paulus sagt, dem Vorbild des Menschen schlechthin.

 

Als Priester darf man in der heutigen Zeit immer wieder Menschen begegnen, die in ihrem Leben zu einer radikalen Umkehr zu Gott und der Kirche hin gefunden haben, auch junge Menschen. Ein Kennzeichen dieser echten Umkehr ist die die Freude, welche diese Menschen gefunden haben. Wer wirklich zum Herrn hin umkehrt, der hat es zwar nicht immer leicht. Doch Glaube und Kirche werden nicht als Last empfunden, sondern sind von Freude geprägt.

 

Gott freut sich über den einzelnen Menschen, der umkehrt. Auch wir dürfen diese Freude immer wieder erfahren, wenn wir kleine oder größere Schritte der Umkehr setzen. Jede Versöhnung mit Gott, mit der Kirche, jede Versöhnung mit Mitmenschen führt zu dieser von Gott kommenden Freude. Danken wir dem Herrn besonders für das Sakrament der Versöhnung, dass wir geradezu das "Sakrament der Freude" nennen können. Schätzen wir es dankbar. Amen.

 

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