064) Kirchweihfest, 2.9.2013: ÜBER DIE KIRCHLICHE UND SPIRITUELLE BEDEUTUNG DES GOTTESHAUSES

Homilie am Kirchweihfest, 1.9.2013

ÜBER DIE KIRCHLICHE UND SPIRITUELLE BEDEUTUNG DES GOTTESHAUSES

Am 2. September 1792 wurde unsere Pfarrkirche geweiht. Warum feiern wir jährlich diesen Weihetag mit einem Hochfest? Vertiefen wir uns in die Bedeutung eines katholischen Gotteshauses.

Den Christen war immer bewusst, dass ein steinernes Gotteshaus, die Kirche als Gebäude, zunächst relativ ist. Schon der König Salomon, der den ersten Tempel in Jerusalem baute, war sich dessen bewusst. Bei der Einweihung des Tempels betete er: "Selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe"(1 Kön 8,27). Jahrhunderte später relativiert der Diakon Stephanus vor dem Hohen Rat, es war nach seiner Gefangennahme, die Bedeutung des steinernen Tempels: "Welcher Ort kann mir [Jahwe] als Ruhestätte dienen? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht"(Apg 7,49-50)? Wir singen in einem bekannten Kirchenlied: "Allerorten ist dein Tempel, wo das Herz sich fromm dir weiht"(Opferungslied der Schubertmesse). Überall kann ein Glaubender oder Gott suchender Mensch der Gegenwart Gottes innewerden und Gnade empfangen. Ein Kirchengebäude ist also in dieser Hinsicht zunächst immer relativ zu sehen.

Trotz dieser Relativierung hat das christliche Gotteshaus eine tiefe kirchliche und spirituelle Bedeutung, eine Bedeutung für unser Leben. Das Gotteshaus will für uns ein Ort sein, an dem Gott uns besondere Gnaden schenken will. Die Symbolik des Gotteshauses erinnert uns daran.

1)

Die christlichen Kirchen wurden als Abbild des Kosmos erbaut, von West nach Ost, hin zum Sonnenaufgang. Gott wird in der Heiligen Schrift der "Vater des Lichtes", der Gestirne, genannt. Diese grundlegende Symbolik erinnert uns an den Schöpfergott. Gott ist der Schöpfer des Lichtes, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Die katholische Liturgie hat eine kosmische Dimension. Sie erleuchtet unser Leben mit dem Schöpfungsglauben. Unser Leben ist nicht ein Zufallsprodukt. Hinter unserem Leben steht Gott, der Schöpfer, der uns liebt, der uns erdacht und gewollt hat, einen Plan mit unserem Leben hat. Die Beziehung zum Schöpfergott ist die erste und grundlegende Beziehung unseres Lebens. Wer um den Schöpfergott weiß, weiß sich geliebt, erkennt für sein Leben Sinn und Ziel.

2)

Die kosmische Dimension des Kirchenbaues beinhaltet noch eine Botschaft: die Symbolik des Weges von West nach Ost. Es gibt das Wort: "Der Weg ist das Ziel." Kann man das so sagen? Ist das Ziel des Lebens, einfach nur unterwegs zu sein? Wenn wir nur unterwegs sind, jedoch kein Ziel haben, drehen wir uns im Kreis. Der Weg ist nicht das Ziel. Unser Leben hat ein Ziel außerhalb des Weges, das ist das Ewige Leben. Der Weg nach Osten ist der Weg zum Licht. Osten ist der Ort des Sonnenaufgangs. Seit der Zeit der Urchristen ein Symbol für Christus, die Sonne des Heils, und die Auferstehung. Unser Leben geht dem Licht entgegen. In der Sprache der Bibel: die Finsternis der Sünde überwinden und innerlich Licht werden. Das ist eine Lebensaufgabe, dem Licht Christi entgegengehen, hineinwachsen in das Licht seiner Liebe und Wahrheit. Es ist wertvoll, dass wir in unserem Gotteshaus diese urchristliche Symbolik der Gebetsostung, des gemeinsamen Aufblickens zum Licht, zum Herrn hin, aufgreifen konnten.

3)

Der Gedanke des Licht-Werdens führt uns zu einer weiteren Bedeutung des Gotteshauses. Das Gotteshaus ist auch ein Ort der Versöhnung. Was wäre unsere Kirche, wenn wir hier nicht immer wieder unsere Herzen zum Herrn bringen könnten, damit er sie reinige und heile. Das Gotteshaus ist ein Ort, an dem Gott unseren Seelen Heilung schenken will. Ganz konkret wird diese Gnade im Bußsakrament. Deshalb sind die Beichtstühle eine unverzichtbare Einrichtung einer Kirche. Fragen wir uns selber? Wie sehr nützen wir diese Gnade? Meinen wir, dass wir sie nicht brauchen? Ein Pfarrer hat an die Türe des Beichtstuhls einen Text geschrieben: "Hier kann jeder eintreten, der Sünden hat. Wer keine Sünden hat möge eintreten und mir sagen, wie er das macht..."

4) Vom inneren, seelischen Weg her gesehen, den wir in einer Kirche gehen, führt uns der Vorgang der Reinigung der Seele zur Begegnung mit Gott. Das Gotteshaus ist ein Ort der Begegnung mit dem himmlischen Vater, mit dem Erlöser, mit dem Heiligen Geist. Hier dürfen wir Gott im Gebet unser Herz ausschütten, bitten, danken, flehen, weinen... Im Zentrum des Gebetes steht das Hl Messopfer. Der Altar symbolisiert Golgota. Hier wird durch den Dienst des geweihten Priesters das Kreuzesopfer von Golgota gegenwärtig, die Quelle aller Gnade. Die Kommunionbank ist der Tisch des Herrn. Nicht ein Zeichen, das trennt, sondern verbindet, Himmel und Erde, Gott und Menschen. Trachten wir danach, die Hl Kommunion immer würdig zu empfangen, im Gnadenstand, die Voraussetzungen beachtend. Geben wir dem Herrn an der Kommunionbank auch gerne die Zeichen der Demut und Anbetung. Der hl. Pfarrer von Ars sagte: "Wenn wir uns vor dem Herrgott nicht niederknien, vor wem denn dann?"

Ein katholisches Gotteshaus. Als Bauwerk zweitrangig und relativ, und doch von großer Bedeutung: ein Abbild des Kosmos und Verweis auf den Schöpfergott, ein Wegweiser zum Licht, ein Ort der Reinigung für unsere Seelen, ein Ort der Begegnung, der Erfahrung der Güte und Barmherzigkeit Gottes. So ist unser Gotteshaus ein Ort, an dem wir selber zu lebendigen Steinen erbaut werden, zur lebendigen Kirche werden.

Freuen wir uns, dass wir unseren Teil beitragen dürfen, um dieses steinerne Haus zu seiner eigentlichen Bestimmung zu führen. Kommen wir gerne zusammen, um hier das Lob Gottes erklingen zu lassen, um diesen heiligen Ort zu erfüllen mit unserer Liebe, mit unserem Glauben, Beten und Anbeten...

In diesem Sinn möchte ich heute allen ein herzliches Vergelt´s Gott sagen, von den Sakristeidiensten beginnend bis zu jedem Einzelnen, der mit seiner Zeit und seinen Talenten beiträgt, um zur Erhaltung, Würde und Zierde unsere schöne Pfarrkirche beizutragen. Amen.

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