063) 21. Sonntag im JK C) 25.08.2013: FALSCHER HEILSOPTIMISMUS UND SORGE UM DAS HEIL

21. Sonntag im JK C/2013

Homilie: „HERR, SIND ES NUR WENIGE, DIE GERETTET WERDEN?“(Lk 13,23)

FALSCHER HEILSOPTIMISMUS UND SORGE UM DAS HEIL

 

"Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?" Ist diese Frage, die damals jemand Christus gestellt hat, überhaupt noch ein Thema? Wie viele werden gerettet werden? Es schaut so aus, als ob die Leit- und Grundfragen heute anders ausschauen: zB ob uns dieses Leben glückt, ob wir möglichst alles haben und erreichen usw. Ob unsere Seele das ewige Heil erreicht ist in unserer Zeit - so sieht es aus - kaum die erste Sorge. Das war aber nicht immer so. Die Frage nach dem Heil hat die Menschen sehr beschäftigt. Die Heilsfrage stand bei den Juden zur Zeit Jesu im Zentrum. Ein junger Mann hat Christus einmal die Frage gestellt: "Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?(Mk 10,17)" Noch Martin Luther sorgte sich ernsthaft: "Wie finde ich einen gnädigen Gott?"

 

Täuschen wir uns, wenn wir sagen, dass die Frage nach dem jenseitigen Heil heute viel weniger Menschen bewegt als zur Zeit Christi oder im Mittelalter? Man kann sagen, dass sich vor allem ab der Neuzeit die zentralen Fragen der Menschen verschoben haben. Wir können hier eine Entwicklung beobachten. Am Beginn stand eine Werteverschiebung, eine Verschiebung der Blickrichtung von Gott und dem Himmel auf das Irdische und auf die Menschen hin. Nicht mehr die Sorge um das Seelenheil stand im Mittelpunkt, sondern die Sorgen um das Irdische. Dann hat sich, vor allem in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, eine Art kirchlicher Heilsoptimismus ausgebreitet. Diesen Heilsoptimismus kann man auch so beschreiben: "Gott ist barmherzig, Christus hat uns alle erlöst, es wird schon gut ausgehen..." Am Schluss solchen Denkens steht die Meinung: "Eine ewige Trennung von Gott kann es nicht geben, es kommen sowieso alle Menschen in den Himmel..." Diesem Heilsoptimismus kann man tatsächlich noch etwas Positives abgewinnen: das Wissen um ein jenseitiges Heil, um ein jenseitiges Ziel ist noch vorhanden, man beschäftigt sich noch damit, auch wenn dieser Heilsoptimismus eine Vermessenheit ist und mit der Lehre Christi nicht vereinbart werden kann. Im heutigen Evangelium weist uns Christus, wie er es oft getan hat, auch auf die Tatsache hin, dass der Mensch sein ewiges Heil durch eigene Schuld auch verwirken kann.

 

Die Entwicklung geht aber noch weiter. Gegenwärtig schaut es so aus, als ob, vor allem in den Wohlstandsländern, die Frage nach dem ewigen Heil kaum mehr oder überhaupt nicht mehr im Blickfeld ist. Also nicht mehr Heilsoptimismus, sondern die Frage nach dem Heil ist gar kein Thema mehr. Seiner unsterblichen Seele, die ihr Leben vor Gott verantworten muss, ist man sich wenig oder nicht mehr bewusst. Die Sorgen nicht weniger Menschen sind auf das Irdische und Materielle gerichtet. Das ist die Haltung der Heiden, die Paulus so beschreibt: "Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!"(1 Kor 15,32) Anders ausgedrückt handelt es sich um die Weltanschauung des Agnostizismus und Atheismus. Agnostizismus bedeutet: wir können nicht erkennen, es gibt keine höheren religiösen oder übernatürlichen Wahrheiten, die wir erkennen könnten; damit wird indirekt auch die Existenz Gottes geleugnet. Der Atheismus ist die ausdrückliche Leugnung der Existenz Gottes und der übernatürlichen Welt. Benedikt XVI. nennt dies Diktatur des Relativismus. Alles ist relativ, alles ist gleich und gleichgültig, die Frage nach dem Heil ist überflüssig geworden. Das ist eines der Kernprobleme des heutigen Denkens der Menschen.

 

Auf die Frage nach dem Heil gibt Christus klare Antworten, unter anderem das Bild vom breiten Weg und von der engen Tür. Christus gibt Antworten auf Fragen, die heute viele nicht mehr stellen. Was sollen wir also tun? Wir könnten Christus sagen: Heiland, du gibst uns Antworten auf Fragen, die uns momentan gar nicht interessieren. Doch der Fehler kann wohl nicht beim Herrn liegen. Das Faktum, dass wir heute die Heilsfrage kaum oder nicht mehr stellen ist kein Beweis dafür, dass diese Fragen überholt sind. Ganz im Gegenteil! Die Christusworte des heutigen Sonntagsevangeliums können uns viel sagen:

 

Christus will sicher nicht jene Menschen, die an ihn glauben und sich an ihn binden in Angst versetzen. Wir müssen dem Herrn zutrauen und vertrauen, dass er uns auch zum Heil führen kann.

 

Christus will uns Menschen aus einem etwaigen Schlaf der falschen Sicherheit wecken. "Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!" Heißt das nicht für uns: täuscht euch nicht! Es ist keine breite Straße, die in den Himmel führt. Es passt gut in unsere Zeit, wenn Jesus gerade uns Getaufte vor der Selbstsicherheit warnt, wenn wir meinen, es genüge schon die Taufe zu haben, ein braver und netter Mensch zu sein. Niemand von uns, auch kein Priester, kann sagen: "Ich habe ein Anrecht auf den Himmel!" Jeder muss durch die schmale Pforte.

 

Christus sagt uns, dass wir uns mühen sollen um unser Heil! "Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!" Vor der engen Tür zum Himmel stehen wir nicht in unserer Sterbestunde, wenn wir nur mehr ein armseliges Häuflein Elend sind, sondern mitten im Leben. Mitten im Leben müssen wir durch die enge Tür gehen. Heute, morgen, übermorgen, am kommenden Sonntag, steht diese Tür vor uns. Jeden Tag neu können wir versuchen, uns an dieser engen Tür vorbeizudrücken, und unglücklich zu werden, oder wir versuchen, diese enge Tür zu durchschreiten, und glücklich zu werden.

 

Die enge Tür hat Namen: Glaube, Hoffnung und Liebe. Die breite Straße hat auch Namen: Unglaube, Diesseitsbezogenheit, Egoismus. Glaube, Hoffnung und Liebe kosten Anstrengung. Unglaube, Diesseitsbezogenheit und Egoismus lassen sich gehen und machen das Leben am Schluss zur Hölle. Vor dieser Wahl stehen wir jeden Tag.

 

Maria! Du bist durch deinen Glauben, dein Hoffen und selbstloses Lieben den schmalen Weg gegangen. Dieser Weg hat dich zum Himmel geführt. Hilf auch uns, jeden Tag durch die enge Tür zu gehen und den schmalen Weg zu beschreiten, der nach oben führt, den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Amen.

 

 

 

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