059) Hochfest Peter und Paul: DIE VERWANDELNDE GNADE DES GLAUBENS IM LEBEN DES APOSTELS PETRUS

Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, 30. Juni 2013; Homilie:

DIE VERWANDELNDE GNADE DES GLAUBENS IM LEBEN DES APOSTELS PETRUS

 

Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus im Jahr des Glaubens. Der Apostel Petrus war ein Mann, der vom Glauben an Christus erfüllt war. Der Glaube hat Petrus ein Leben lang geleitet, von der Stunde seiner Berufung am See Genezareth bis zu seiner Kreuzigung im Zirkus des Nero in Rom. Die Glaubenshaltung des Petrus war nicht wie ein fertig gefülltes "Paket" vom Himmel gefallen. Petrus ist ein Leben lang mehr und mehr in den Glauben hineingereift. Der Glaube hat ihn selber und sein Leben verwandelt, ihn mehr und mehr zu einem neuen Menschen gemacht. Am Leben des Apostels Petrus können wir sehr schön erkennen, welche verwandelnde Kraft der Glaube im Leben eines Menschen entfalten kann. Versuchen wir heute, einige Situationen seines Lebens zu betrachten, wo diese verwandelnde Gnade des Glaubens sichtbar wird.

 

1) BERUFUNG AM SEE GENEZARETH: Wandlung des menschlichen Denkens

 

Die erste große Gnade des Glaubens empfängt Petrus am See Genezareth. Er übt dort zusammen mit seinem Bruder Johannes den Beruf des Fischers aus. Christus sagt zu Petrus: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“(Lk 5,4). Wir können vermuten, dass Petrus den Herrn schon gekannt hat. Jedenfalls wird der wunderbare Fischfang zum Schlüsselerlebnis in seinem Leben. Christus war kein Fischer. Er sagt einem erfahrenen Fischer, er solle am Tag die Netze auswerfen. Jesus verlangt etwas, was gegen die Vernunft und die Berufserfahrung eines Fischers ist. Der Auftrag Christi ist für Petrus eine große Herausforderung. Petrus gehorcht dem Herrn. Er ist bereit, seine Erfahrung und sein rein menschliches Denken hinten zu lassen und sich auf das Wort Christi einzulassen: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn Du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“ (Lk 5,5).

 

Hier zeigt uns Petrus, wie der Glaube das rein menschliche Denken, auch wenn es vernünftig ist, überwindet: Wer glaubt, der will Jesus nicht nur bewundern, sondern ihm gehorchen, ihm vertrauen, sich auf sein Wort einlassen. Wenn es darum geht, im Glauben einen Schritt zu setzen, werden immer menschliche Gründe auftreten, die dagegen sprechen, viele „wenn und aber“. Hier hilft uns der Glaube, über die Grenzen unserer Erfahrung und unserer Vernunft hinauszugehen. Unser Denken wandelt sich in ein gläubiges Denken, das mit der Macht und Hilfe Gottes rechnet.

 

2) STURM AUF DEM SEE: Auf Christus schauen

 

Petrus sieht Christus über das Wasser gehen. Er will es ihm gleichtun. „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme“(Mt 14,28). Und Petrus geht über das Wasser. Sein Glaube macht das Unmögliche möglich. Das ganze Unternehmen geht so lange gut, als Petrus auf Christus schaut. „Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen“(Mt 14,30). Auch bei diesem Erlebnis auf dem See zeigt uns Petrus einen Aspekt des Glaubens: Glauben bedeutet, auf Christus schauen, auf Christus, den Sohn Gottes, der über die Wogen des Meeres schreitet, dh der mit göttlicher Macht über die Naturgewalten gebietet.

 

Der Glaube hilft auch uns, im Leben nicht auf die Stürme zu schauen. Solche Stürme kann es viele geben: Probleme und Schwierigkeiten, Anfechtungen, eine Krankheit usw. Vieles kann wie ein Sturm auf uns wirken und uns gleichsam zum Sinken und Untergehen treiben. Wenn wir von solchen Stürmen bedrängt sind: Nicht auf den Sturm schauen! Der Satan versucht, unseren Blick vom Herrn wegzubringen, auf den Sturm zu lenken, damit wir Angst bekommen und versinken; dann versucht der Teufel, uns auf die Probleme zu fixieren, die er oft aufbläst, sodass wir keinen klaren Blick für die Realität mehr haben, durch Angst wie gelähmt werden und nicht mehr mit der Hilfe Gottes rechnen. Schauen wir im Glauben auf Christus, den Sohn Gottes, der die Macht hat, allen Stürmen zu gebieten! Auf Christus schauen ist eine Haltung des Herzens und doch auch der Sinne. Innerlich auf den Herrn schauen durch das Gebet. Da wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, helfen uns auch die äußeren Zeichen: Der Blick auf den Altar, auf das Kreuz, auf den Tabernakel, auf die bei der Anbetung ausgesetzte Monstranz. Auch die symbolische Gebetsostung will eine Hilfe sein, auf den Herrn zu schauen.

 

3) DAS MESSIASBEKENNTNIS IN CÄSAREA PHILIPPI: Den Sohn Gottes bekennen

 

In Cäsarea Philippi bekennt Petrus den Glauben an die Gottheit Christi, das Evangelium des heutigen Festtages.

 

Der Glaube führt auch uns dazu, die Gottheit Christi zu bekennen. Wer ein katholischer Christ sein will, muss sich fragen: Glaube ich, dass Christus der Sohn Gottes ist, mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind? Wenn Christus GOTT ist, dann ist die Kirche Göttlich, dann sind die Sakramente Göttlich, dann ist das Petrusamt Göttlich, dann können wir über diese Gottgegebenen Einrichtungen der Kirche nicht hinwegsehen und meinen, dass wir ohne sie auskommen könnten.

 

Petrus und die anderen Apostel haben nach Pfingsten vor allem Christus, den Sohn Gottes verkündet, der gekreuzigt wurde, der auferstanden ist, der uns erlöst hat. Wir sollten in unserer Zeit wieder diesen Kernbereich des Glaubens sichtbar machen: Wir glauben an den Sohn Gottes, den Gekreuzigten und Auferstandenen, den Erlöser. Aus diesem Grund halten wir den Sonntag heilig, aus diesem Grund halten wir die Ehe heilig, aus diesem Grund gehen wir auf unsere Mitmenschen zu. Ohne das Zeugnis für den Sohn Gottes wäre die Kirche nur ein Caritas oder Sozialverein. Solche gibt es genügend. Die Kirche will mit dem Glauben des Petrus den Sohn Gottes verkünden und bezeugen. „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen"(Apg 4,12).

 

4) DIE VERLEUGNUNG PETRI: Der Glaube schenkt Umkehr und Neubeginn

 

Petrus war von seinem Charakter her ein eher spontaner Mensch, schnell zu begeistern. Genauso schnell konnte er auch fallen. Er war wankelmütig. Beim letzten Abendmahl beteuert er: „Selbst wenn alle dich verleugnen, ich nicht! Einige Stunden später liegt er bereits am Boden: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“(Mt 26,72). „Und er weinte bitterlich!“(Mt 26,75)

 

Petrus kannte die Erfahrung von Schwäche und Untreue. Judas war auch schwach und untreu. Der Unterschied zwischen Judas und Petrus: Judas war verschlagen und falsch. Johannes schreibt über ihn, dass er ein Dieb war (Joh 12,6) und die Einkünfte der Kasse, die er verwaltete, veruntreute. Judas hat sich bei der Salbung in Bethanien (Joh 12) über die Verschwendung des kostbaren Öles beklagt. Das bedeutet: Judas hatte für Christus keine echte Liebe mehr, er hatte sich innerlich bereits von ihm distanziert, das begann vielleicht nach der Eucharistischen Rede in Kapharnaum. Aus diesen Gründen hat Judas mit seiner Untreue nicht zur Reue gefunden. Ganz anders war es bei Petrus. Er hatte auch gesündigt, jedoch mehr aus Schwäche, nicht überlegt und geplant wie Judas. Deshalb konnte Petrus Tränen vergießen und zu Christus zurückfinden. Die Gnade des Glaubens hat ihm auch bei der Erfahrung von Schuld und Schwäche geholfen. Petrus ist mit seiner Schuld zum Herrn gegangen, er vertraute und wusste, dass die Liebe Christi ihn heilen und wandeln wird.

 

Der Glaube hilft auch uns bei der Erfahrung von Schuld und Schwäche. Der Glaube führt uns zum Bußsakrament, von dem wir wissen, dass dort die barmherzige Liebe des Herzens Jesu auf uns wartet, die uns heilt und verwandelt.

 

5) BEFREIUNG AUS DEM GEFÄNGNIS: Der Glaube überwindet alle Schwierigkeiten

 

Petrus und die Apostel hatten es bei der Glaubensverkündigung nicht leicht. Sie wurden verfolgt, gejagt, ausgepeitscht, ins Gefängnis gesperrt... Die heutige Lesung erzählt eines dieser Ereignisse. Mehr als einmal hat Petrus in Todesnot auf wunderbare Weise die Hilfe Gottes erfahren. Im Jerusalemer Gefängnis durch einen Engel. Der Glaube öffnet buchstäblich in der Not die Türen hinaus in die Freiheit.

 

Der Glaube hilft auch uns, wenn wir Schwierigkeiten und Bedrängnisse erfahren. „Gott führt durch alle Schwierigkeiten hindurch“(hl Vinzenz von Paul).

 

Heiliger Apostel Petrus, Fels der Kirche, erster Papst, Mann des Glaubens! Segne deinen heutigen Nachfolger, unseren Papst Franziskus! Lass uns tief Eins sein mit ihm, die Grundlage der Kirche! Segne uns! Lass uns heute teilhaben an deinem Glauben, dessen verwandelnde Kraft du in deinem Leben so oft erfahren hast. Amen.

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