056) Fronleichnam 2013: WENN DIESE HOSTIE WIRKLICH GOTT IST - der sel. Nils Stensen

Hochfest Fronleichnam 2013 - Homilie:

„WENN DIESE HOSTIE WIRKLICH GOTT IST…“ DER SELIGE NILS STENSEN

 

Heute ein etwas unfrommer Einstig in die Besinnung zu diesem Fest: Ist das Fronleichnamsfest noch zeitgemäß? In unserem Land sind längst nicht mehr alle Bewohner Katholiken, sondern gehören auch anderen Religionen und Weltanschauungen an. Innerhalb der Kirche haben bei uns prozentmäßig im Durchschnitt vielleicht 90 % der Katholiken keinen Bezug mehr zur sonntäglichen Eucharistie, geschweige denn zu dem, was der Priester bei der heutigen Prozession unter dem Himmel in der Hand hält, ein Gefäß, das den Namen Monstranz trägt, welche das Allerheiligste birgt. Ist es dann noch berechtigt, nach außen hin wie vor 100 Jahren dieses Fest mit der Prozession zu feiern? Es wäre zu wenig, nur ein religiöses Brauchtum zu erhalten. Die Prozession ist ja keine Folklore-Veranstaltung, kein Trachtenumzug, keine Selbstdarstellung von kirchlichen oder weltlichen Gruppen usw. Wenn wir die heutige die Ausgangsbasis für das Fronleichnamsfest rein vernunftmäßig bedenken, könnten wir tatsächlich zum Ergebnis kommen: das Verständnis für dieses Fest und sein Glaubensgeheimnis ist so weit in die Ferne gerückt, dass wir in der Kirche bleiben müssten.

 

Doch vielleicht gibt es noch eine Chance, dieses wunderbare Fest der Kirche zu retten und in unser Leben hereinzuholen. Wir schreiben das Jahr 1667. Nils Stensen, geboren in Dänemark, ein in ganz Europa berühmter und gefeierter Naturwissenschaftler, befindet sich im italienischen Livorno. Er selbst ist Lutheraner. Es ist Fronleichnam. Nils Stensen, der nüchterne, intellektuelle Naturwissenschaftler, erlebt eine katholische Fronleichnamsprozession in barockem Gepräge. Lutherische Nüchternheit und barocke katholische Frömmigkeit sind ein großer Gegensatz. Doch es ist nicht so sehr das festliche Äußere, das ihn anrührt. Nils Stensen beobachtet die Menschen dieser Stadt. Er sieht, dass überall, wo der Priester mit der Monstranz vorbeigeht, die Katholiken am Straßenrand auf die Knie fallen. Er spürt, dass das Ganze echt ist. Das berührt ihn! Er sagt sich: „Entweder ist diese Hostie nur ein einfaches Stück Brot, und seine Verehrer sind Toren. Oder hier ist der wahre Leib Christi, und weshalb erweise auch ich ihm nicht die Ehre?“ Die Frage, die sich hier dem Lutheraner stellt, ist die Frage nach der Wahrheit des Glaubens. Für einen Lutheraner gibt es kein Sakrament der Bischofs- oder Priesterweihe, kein Hl Messopfer, keine Hl Wandlung, die Eucharistie ist nur ein Symbol, ein Zeichen. Der katholische Glaube bekennt dies alles: Priestertum, Hl Messopfer, Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Die Heilige Hostie ist kein Symbol oder Zeichen. Sie ist nach der Hl Wandlung der lebendige und drei Mal Heilige Gott. Deshalb beugen wir vor der Heiligen Hostie unser Knie, wie die Gläubigen zu Fronleichnam in Livorno, im Jahr 1667.

 

„Wenn diese Hostie wirklich Gott ist…“ Nils Stensen hat sich der Wahrheitsfrage gestellt. Er tat dies mit einer Aufrichtigkeit und Radikalität, wie er sonst als Naturwissenschaftler zu denken gewohnt war. Er las die Bibel, er studierte die katholische Glaubenslehre, er sprach mit katholischen Freunden… Das Ergebnis: Nils Stensen wurde katholisch, er fand mit Gottes Hilfe zum wahren Glauben. Nach seiner Konversion gab er seinen Beruf auf, wurde Priester, später Bischof. Als Priester und Bischof hatte er, der ehemalige Lutheraner, eine tiefe Liebe zur Eucharistie, eine tiefe Ehrfurcht vor der Heiligen Messe und der Gegenwart Christi im Altarsakrament. Die ausschlaggebende Gnade, die ihn zum Glauben führte, war: der Glaube der vielleicht einfachen Menschen in Livorno, die sich vor der Heiligen Hostie auf dem Boden niederknieten. Johannes Paul II. hat ihn 1988 selig gesprochen. Sein Grab befindet sich in Florenz.

 

Abschließend drei Impulse zur Feier dieses Festes:

 

1) Wir sollten uns bemühen, das eucharistische Geheimnis, Christus in der Eucharistie, immer mehr kennen zu lernen.

 

Nils Stensen hat sich nach der Fronleichnamsprozession in Livorno als Lutheraner interessiert: Warum knien diese Menschen vor der Hostie? Welchen Glauben haben sie? So hat er die Bibel genauer gelesen und die katholische Lehre studiert, mit Katholiken gesprochen. Wenn wir zu diesem Glaubensgeheimnis hinfinden wollen, müssen wir uns mit seiner Lehre auseinandersetzen. Das kann jeder mit dem Katechismus tun. Wer tut das?

 

2) Wir sollten uns bemühen, das eucharistische Geheimnis, Christus in der Eucharistie, zu respektieren.

 

Wir schulden der Eucharistie nicht nur ein Mindestmaß an Respekt, sondern größte Ehrfurcht und Liebe: die innere Ehrfurcht durch den Glauben, die Zeichen der äußeren Ehrfurcht: in der Körperhaltung, in der geziemenden Kleidung, im Schweigen usw. Die Gläubigen in Livorno knieten am Straßenrand nieder, als das Allerheiligste vorbeigetragen wurde. Können wir vor der Heiligen Hostie noch knien? Wenn wir vor der Heiligen Hostie nicht mehr knien wollen, nur mehr stehen, sollten wir uns fragen, wie es mit unserem Glauben aussieht. Wenn heute ein evangelischer Christ, ein Agnostiker oder Atheist, in unserem Land eine katholische Prozession erlebt, wäre er unbeeindruckt vom Äußeren, oder wäre er, so wie Nils Stensen, ergriffen vom Glauben und von der Ehrfrucht der Teilnehmer? Könnten andere von unserem Glauben ergriffen sein?

 

Einen besonderen Respekt schulden wir Christus in der Heiligen Kommunion. Wir dürfen sie nicht im Zustand der schweren Sünde empfangen. Wenn wir uns zB lange, wochen- und monatelang, für Christus nicht interessieren, es genügt schon ein Sonntag, und dann ohne heilige Beichte zur Hl. Kommunion gehen, nehmen wir Christus nicht ernst, den Eucharistischen Glauben nicht ernst, die Sünde nicht ernst, uns selber nicht ernst. Ein solcher Kommunionempfang ist ein Sakrileg, eine Schändung des Heiligen, die, wie Paulus sagt, das Gericht bringt. Eine unwürdige Kommunion könnte man so vergleichen: Ein Ehemann oder eine Ehefrau beachtet seinen Partner nicht mehr, redet nicht, wochenlang, monatelang, dann kommt er - oder sie, und will ehelichen Verkehr. Ein geistig gesunder Mensch wird spüren: Hier stimmt etwas nicht. Damit eine intime eheliche Vereinigung voll menschlich ist, muss es im Herzensbereich, in der geistigen Liebe, stimmen; ein Ehepartner/eine Ehepartnerin ist ja viel mehr als nur eine körperliche oder sexuelle Ergänzung. So ähnlich ist es auch mit dem Empfang der Heiligen Kommunion. Kommunion kommt von communio, dh Gemeinschaft. Wer Gemeinschaft mit Christus in der Heiligen Kommunion sucht, muss mit seinem Herzen tatsächlich auch in Gemeinschaft mit Christus leben. Wo diese tatsächliche Gemeinschaft mit Christus durch die Gnade, durch tägliches Gebet und wöchentliche Hl Messe nicht gegeben ist, muss sie zuerst durch das Bußsakrament hergestellt werden; dann ist der Weg zur communio der Hl. Kommunion wieder geöffnet.

 

3) Wir sollten uns bemühen, das eucharistische Geheimnis, Christus in der Eucharistie, zu verehren und zu lieben.

 

Wo der nötige Respekt gegeben ist, da kann sich auch Verehrung und Liebe zur Eucharistie entfalten. Wir beginnen dann, unser Leben mehr und mehr an den eucharistischen Christus zu binden. Dann wird die wöchentliche Sonntagsmesse etwas so kostbares, dass wir sie nicht mehr missen können, dann beginnen wir auch, nach unseren Möglichkeiten nach der Werktagsmesse Ausschau zu halten, nach einer eucharistischen Anbetung, nach einer regelmäßigen, zB monatlichen Beichte zur Vorbereitung auf die Eucharistie… Die Zugänge zur Eucharistie sind sehr vielseitig, wir dürfen das nicht auf die Heilige Kommunion beschränken. Jeder darf in seiner Situation zum Herrn kommen und ihm begegnen: durch die Hl Messe als solches, durch die Hl Wandlung, das Evangelium, den Segen, die geistige Kommunion, die eucharistische Anbetung, ein stiller Besuch beim Tabernakel...

 

Jeder von uns darf heute auch seinen Beitrag geben, die Heilige Hostie - Christus - zu ehren, anzubeten. Wenn wir das tun, dann kann Gott uns und anderen viele Gnaden schenken, wie einst Nils Stensen. Amen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok