051) Gründonnerstag 2013: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? (Joh 13,12) Kreuz - Euchristie - Priestertum

„BEGREIFT IHR, WAS ICH AN EUCH GETAN HABE“?“(Joh 13,12)

DIE SICH HINGEBENDE LIEBE CHRISTI IN FUSSWASCHUNG, KREUZ, EUCHARISTIE UND PRIESTERTUM

Predigt bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, 28.3.2013

Die Liturgie des heutigen Abends führt uns in den Abendmahlssaal von Jerusalem. Ja noch mehr! Die Kirche will uns mit der heutigen Liturgie in das Geheimnis des Abendmahlssaales führen. Sie will uns die „Geheimnisse des Glaubens“ vor Augen stellen, die Christus im Abendmahlssaal vollzogen und eingesetzt hat.

Christus sagt den Aposteln: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Er meint zunächst die Fußwaschung. Er wollte den Jüngern nicht nur schmutzige Füße waschen, damit sie äußerlich für die Feier bereit wären. Er wollte ihnen viel mehr sagen: „So tief ist meine Liebe zu euch, dass ich bereit bin, euch den niedrigsten Dienst zu tun, einen Sklavendienst. So tief ist meine Liebe zu euch, dass ich bereit bin, alles für euch zu geben, mich selbst!“

Seine Frage: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“, war wohl berechtigt. Einer der Zwölf, Judas Iskariot, hat es sicher nicht begriffen. Ob es die anderen zu dieser Stunde verstanden, wird nicht gesagt. Jedenfalls später, nach der Erfahrung der Auferstehung Christi und der Geistsendung, haben sie es begriffen und gelebt bis zur Hingabe des eigenen Lebens.

Die Fußwaschung ist zunächst ein Zeichen für die dienende Liebe. Doch in diesem Zeichen verbirgt sich noch mehr. Christus macht die Fußwaschung zu einem Zeichen seiner Selbsthingabe. Die Fußwaschung wird bereits zum Zeichen für das Opfer Christi am Kreuz. Opfer bedeutet Selbsthingabe in Liebe, Gabe seiner selbst. Von diesem Zusammenhang her geht von der Fußwaschung eine direkte Verbindung zu seinem Opfertod am Kreuz, den er am Karfreitag vollzogen hat, zur Eucharistie und zum Priestertum. Fußwaschung, Kreuzestod, Eucharistie und Priestertum. Diese Ereignisse greifen ineinander über. Was sie verbindet ist die sich hingebende Liebe Christi.

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Begreifen wir, was der Herr für uns getan hat?

a) Begreifen wir, dass der Herr uns mit seinem Beispiel das Wesen der Liebe zeigt? Liebe, die sich vor dem anderen bückt, die sich niederkniet, wird nicht kleiner, sondern größer! Liebe, die sich dem anderen schenkt, wird nicht weniger, sondern mehr! Liebe, die sich schenkt, überdauert den Tod!

b) Begreifen wir das Zentrum der Heiligen Messe, das Christus mit der Fußwaschung andeutet? Beim Letzten Abendmahl hat Christus die Eucharistie eingesetzt. Er hat die Eucharistie an das Kreuzesopfer gebunden. Wo immer ein katholischer Priester die Wandlungsworte spricht, wird das erlösende Kreuzesopfer in unser JETZT und HEUTE hereingeholt. Das Konzil von Trient lehrt: Das Kreuzesopfer und das Messopfer sind identisch, ein und dasselbe Opfer! Nur die Art der Darbringung ist verschieden: das Kreuzesopfer wurde blutig dargebracht, das Messopfer wird unblutig dargebracht. (Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1367).

Durch die Mitfeier der Hl. Messe dürfen wir die Früchte des Opfertodes Christi empfangen: die Gnaden der Erlösung, den Frieden Gottes, alle Gnaden, die wir für unseren Lebensauftrag, für unseren Pilgerweg zum Himmel brauchen, werden uns geöffnet. Wir brauchen nur kommen und schöpfen. Beim Heiligen Messopfer dürfen wir unsere Liebe, unsere Opfer und Leiden, unser Leben… in die Dreifaltige Liebe hineinlegen und hineinbinden! Begreifen wir das Große, Unaussprechliche, Unsagbare und Unergründliche, was Christus uns im Heiligen Messopfer geschenkt hat? Schätzen wir dieses Geheimnis unseres Glaubens? Am Sonntag? Am Werktag? Noch mehr – als Ermutigung und als Frage gemeint: lieben wir es? Beten wir es an? Bemühen wir uns, es gläubig und ehrfürchtig mitzufeiern? Würdig, immer wieder durch das Bußsakrament vorbereitet, zu empfangen? Trachten wir danach, die Eucharistie innerlich und äußerlich nicht so zu empfangen, als ob der Leib des Herrn etwas Gewöhnliches wäre? Die Zeichen der Ehrfrucht und Anbetung, wie wir Christus in der Heiligen Kommunion empfangen sollen, hat uns Papst Benedikt XVI. viele Jahre aufgezeigt. Dieses geistliche Erbe von Papst Benedikt wollen wir sorgfältig bewahren.

c) Begreifen wir das Wesen des Priestertums, das Christus im gleichen Atemzug mit der Eucharistie beim Letzten Abendmahl eingesetzt hat? Der Priester ist zutiefst um der Eucharistie willen da. Die tägliche Darbringung des Eucharistischen Opfers ist der Kern der priesterlichen Identität. Christus wollte den Priester, um in der Eucharistie unter uns bleiben zu können. Wir haben in unseren Tagen – in gewisser Weise - keinen Priestermangel! Wir leiden an Mangel an katholischem Glauben! Wir leiden an Mangel an Gottesliebe! Der Priester ist Verkünder des Wortes Gottes. Der Priester ist Ausspender der Geheimnisse Gottes (1 Kor 4,1). Der Priester ist zuerst gerufen, ein Leben mit Christus zu führen, in jungfräulicher Liebe, deshalb der Zölibat, ein Leben der Hingabe an die Menschen, so wie Christus es vorgelebt hat. Ohne Priester gibt es keine Eucharistie. Ohne Eucharistie gibt es keine Kirche. Die Kirche kann von uns nicht „gemacht“ werden. Sie erwächst aus dem Opfer Christi am Kreuz, das in der Eucharistie unblutig gegenwärtig wird. „Ecclesia de Eucharistia/die Kirche lebt aus der Eucharistie“, so formulierte es der sel. Johannes Paul II. in seiner Eucharistieenzyklika (17.4.2003).

An dieser Stelle allen Gläubigen ein herzliches Vergelts´ Gott, die für uns Priester beten, uns ermutigen und bestärken, unsere priesterliche Berufung zu leben.

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Der heutige Abend hilft uns, das was Christus für uns getan hat, neu zu begreifen: mit dem Glauben, mit dem Herzen, mit unserer Willenskraft. Was wir begreifen, dass können wir auch leichter schätzen und lieben. Die Begegnung mit Christus am heutigen Gründonnerstagabend wird uns wieder tiefer begreifen lassen, wird uns verwandeln, wenn wir wie die Jünger den Herrn an uns handeln lassen. Amen.

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