050) 2. Sonntag im JK C) 2013: Krise der Bürokratenkirche, Fehlentwicklungen, Chance der Erneuerung (Teil 2)

 

„WIRKLICH HEILEN KANN NUR EINER:

JESUS CHRISTUS“

Kardinal Joachim Meisner über den Eucharistischen Kongress 2013,

die Krise der Bürokratenkirche, dramatische Fehlentwicklungen

und die Chance der Erneuerung

(von Markus Reder)

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen: DIE TAGESPOST, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, Dominikanerplatz 8, D – 97070 Würzburg; www.die-tagespost.de

Die Beichte gilt inzwischen als das vergessene Sakrament. Sehen Sie einen inneren Zusammenhang zwischen dem Bedeutungsverlust der Beichte und dem schwindenden Glauben an das Geheimnis der Eucharistie?

Eine große Liebe zum eucharistischen Geschehen und zum Bußsakrament gehören zusammen. Wenn wir Priester und auch wir Bischöfe nicht mehr Beichtväter sind, dann trocknet ein Lungenflügel unserer priesterlichen Existenz aus. Und wenn ich selber nicht mehr beichten gehe, dann trocknet der andere Flügel auch noch aus. Dann kann ich als Priester nicht mehr atmen. Wie soll von jemandem geistliches Leben ausgehen, der selber tot ist? Eben weil wir Priester und auch wir Bischöfe zu einem Gutteil Bürokraten und Technokraten geworden sind, ist so vieles geistlich abgestorben. Umso wichtiger ist es, Beichte zu hören.

Der Beichtstuhl als Fluchtweg aus der Bürokratenkirche?

Im Beichtstuhl sitzen ist die beste geistliche Hilfe für einen Bischof genauso wie für jeden Priester. Wenn ich zum Beispiel bei der Jugendgebetsnacht Nightfever bis Mitternacht im Beichtstuhl sitze, fühle ich mich immer wieder reich beschenkt. Da erlebe ich einen jungen Mann oder ein junges Mädchen, die mir in der Nachfolge Christi weit voraus sind. Wenn ich höre, was die schon alles durchgestanden haben, das ist schon rein psychologisch eine solche Glaubensermutigung. Da wird man dankbar und ehrfürchtig vor diesen jungen Menschen. Ich gehe immer glücklicher aus den Beichtstühlen raus, als ich reingegangen bin. Auch beim Eucharistischen Kongress werden wir überall in den Kirchen Beichtgelegenheiten haben. Es wird geistliche Gemeinschaften geben, die Tag und Nacht Anbetung halten und immer Beichtgelegenheiten anbieten. Ich hoffe, dass sich da vieles bewegen wird.

Wie können Priester ihre Pfarreien, wie kann sich jeder Einzelne gut auf den Eucharistischen Kongress vorbereiten?

Am besten durch das tägliche Gebet. Einfach wie Petrus sprechen: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Der Herr wirft sich uns nicht an den Hals. Er liebt uns, aber er achtet unsere freie Entscheidung. Darum sollten wir immer wieder das Petruswort beten: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Und dann würde ich wirklich raten: Die beste Vorbereitung ist, alle vier Wochen zur Beichte zu gehen. Ich spreche aus Erfahrung, ich trete selber alle vier Wochen an. Vor kurzem war ich in Rom beichten. Da saß ein Pater, der wollte mir einreden, dies und jenes bräuchte man nicht beichten. Dem habe ich gesagt: „Pater, ich habe gelernt, dass jeder unter einem persönlichen Gesetz Gottes steht. Das können Sie mir nicht ausreden und nicht einreden. Bitte nehmen Sie mein Bekenntnis zur Kenntnis, geben Sie mir eine saftige Buße und die Lossprechung. Alles Weitere können Sie sich sparen.“

 Sie sind Kardinal. Ein einfacher Gläubiger, der sich mit dem Beichten vielleicht ohnehin schwertut, würde sich denken: Na dann halt nicht…

 Das Bußsakrament ist etwas Wunderbares und eigentlich ganz einfach, leider machen es manche kompliziert. Da wird den Gläubigen alles Mögliche ein- oder ausgeredet. Das ist völliger Unsinn. Ich muss als Beichtvater die Überzeugung des Anderen schätzen und Ehrfurcht davor haben. Im Beichtstuhl ist der Priester ganz Diener Christi. Die regelmäßige Beichte ist für das persönliche geistliche Leben wichtig. Das gilt für alle, in besonderer Weise natürlich für Geistliche. Ich weihe keinen zum Priester, der nicht die letzten fünf Jahre vor seiner Weihe monatlich gebeichtet hat. Das muss den Seminaristen in Fleisch und Blut übergegangen sein.

 

„Wenn wir die Eucharistie nicht wieder als die Mitte sehen, um die sich alles dreht und von der jede wirkliche Erneuerung ausgeht, ist alle Dialogarbeit vergeblich.“

 

Warum ist das so wichtig?

 Als Priester wird man Vater im Glauben, wenn man die Sakramente spendet und das Wort Gottes verkündet. Die größte Gabe, die der Vater zu verschenken hat, ist die Vergebung. Wenn ich meinem Vater sage: Steck dir deine Siebensachen an den Hut, ich brauche deine Vergebung nicht, lebe ich aus eigener Initiative. Wenn ich nicht mehr beichten gehe, kündige ich mein Kind sein auf. Ich sage meinen Seminaristen: Als Priester könntet ihr nicht Vater im Glauben sein, wenn ihr selbst nicht mehr Söhne des himmlischen Vaters seid. Aber wie gesagt, die Beichte ist nicht nur für Geistliche von besonderer Bedeutung, sondern ein Geschenk Gottes an alle Gläubigen.

 Der Eucharistische Kongress soll zu einem Aufbruch im Glauben beitragen. Wie optimistisch sind Sie, dass es angesichts der schweren Krise der Kirche bald wieder bergauf geht?

 Ich halte nichts davon, die Lage schönzureden. Die Kirche steht vor großen Herausforderungen. Erneuerung wird nur gelingen, wenn wir Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen und nichts anderes. Wenn wir die Eucharistie nicht wieder als die Mitte sehen, um die sich alles dreht und von der jede wirkliche Erneuerung ausgeht, ist alle Dialogarbeit vergeblich. Nur der Herr hat Worte ewigen Lebens. Niemand sonst.

 

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