047) Neujahr 2013: Herr, segne uns und lass Dein Angesicht über uns leuchten

Homilie Neujahr 2013 – Hochfest der Gottesgebärerin

Homilie: „HERR, SEGNE UNS, UND LASS DEIN ANGESICHT ÜBER UNS

               LEUCHTEN“(vgl. Num 6,24)

In der Liturgie dieses ersten Tages des Jahres erklingt der dreifache biblische Segen, es ist der so genannte Segen des Aaron. Die Kirche leitet uns an, im Vertrauen auf den Segen Gottes in ein neues Jahr hineinzugehen.

„Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.“

(Num 6,24–26)

1) „Der Herr segne dich und behüte dich.“

Was ist der Segen? Am Morgen der Schöpfung erfahren wir Gott als den Spender allen Segens. Der Schöpfergott segnet alle von ihm erschaffenen Tiergattungen im Meer und auf dem Land: „Gott sah, dass es gut war. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar, und vermehrt euch.“(Gen 1,21-22). Gott segnet die von ihm erschaffenen Menschen: „Als Abbild Gottes schuf er ihn [den Menschen]. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch“(Gen 1,27-28).

Gottes Segen bedeutet Gottes liebende Zuwendung zu seinen Geschöpfen, bedeutet Vermittlung von Leben, Lebenskraft, Lebensfreude, Lebensschutz, Fruchtbarkeit. Mit anderen Worten. Mit seinem Segen will Gott uns helfen, dass wir aufblühen und uns entfalten. Das Leben, das Gott geschaffen hat, soll blühen und überreiche Frucht bringen.

Seit dem Sündenfall hat der Segen eine besondere Bedeutung. Mit dem Segen soll alles Unheilvolle, alles, was die Schöpfung und das Leben bedroht, zurückgedrängt werden, unschädlich gemacht werden. Diese Bedrohungen des Lebens kommen aus der Sünde und aus der Macht des Bösen Feindes. In diesem Sinn segnet die Kirche z.B. das Wetter, die Gewitter, die Felder und Fluren, die Häuser, die Autos, alle Einrichtungen des menschlichen Lebens und Arbeitens, und vor allem uns Menschen: die Kinder, die Kranken, die Brautleute, die Mütter in der Hoffnung, die Mütter nach der Geburt… Durch den Segen soll das Leben, das Gott geschaffen hat, aufblühen.

Segnen im strengen Sinn kann nur Gott. Doch Gott hat Träger und Vermittler seines Segens eingesetzt. Im alten Bund waren das der Hohepriester und die Levitischen Priester. Aaron war der erste Priester und Hohepriester, der leibliche Bruder des Moses. Auch die Könige Israels waren in der alten Zeit Vermittler des Segens Gottes. Die Bibel berichtet uns, dass König David und Salomon das Volk gesegnet haben. Die Fülle des Segens Gottes ist mit Christus gekommen. Die Kirche als Ganzes ist durch die Stiftung Christi Trägerin und Vermittlerin des Segens Gottes. In der Kirche hat der Priester eine besondere Segensvollmacht und einen Segensauftrag. Bei der Priesterweihe werden die Hände des Priesters gesalbt, um den Leib des Herrn berühren zu dürfen. Seine Hände werden gleichsam zu Segenshänden gesalbt. In der Familie haben Kraft der Elternschaft und des Ehesakramentes, die Eltern und Großeltern für ihre Kinder eine besondere Segensvollmacht.

Ein uraltes Zeichen der priesterlichen und königlichen Segensvermittlung, des herabrufens des göttlichen Segens, ist das Ausbreiten und Auflegen der Priesterhände.

Anstatt in der Esoterik den Glauben und die Christusbeziehung zu verlieren, sollten wir mit dem Segen Gottes leben. Schöpfen wir aus der Segensvollmacht der Kirche. Es ist etwas Schönes, wenn man als Priester zu einem Kranken kommt, in eine Familie kommt, und um den Segen gebeten wird. Wenn wir nicht darum gebeten werden, bieten wir ihn an.

2) „Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.“

Wir beginnen das neue Jahr im Blick auf das Antlitz Gottes. Können wir Gott sehen? Ja, wir können ihn sehen! Das Antlitz Gottes ist sichtbar geworden in Jesus Christus. Er ist, wie Paulus sagt, das „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“(Kol 1,15). Wir können in Christus Gottes Antlitz schauen, weil Maria mit ihrem Jawort die Gottesmutterschaft empfangen hat. Aus der jungfräulichen Mutter Maria hat der Sohn Gottes ein menschliches Antlitz angenommen. Gottes Antlitz leuchtet auch in diesem neuen Jahr über uns. Mit anderen Worten: Gott schaut auf uns. Er sieht uns. Er achtet auf unseren Weg. Auch wenn Menschen uns vergessen, übersehen, ausgrenzen… Gott schaut auf uns, er lenkt unsere Wege. Vertrauen wir seiner liebenden Vorsehung.

Doch nicht nur das Antlitz Gottes schaut auf uns. Auch das Antlitz Mariens schaut in diesem Jahr auf uns. Es ist das Antlitz der schönsten, gütigsten, mildesten, mächtigsten, treuesten und reinsten Mutter, der Mutter des Herrn und unserer Mutter, unserer himmlischen Königin. Mit kindlicher Liebe wollen wir unseren Weg durch das neue Jahr ihr anvertrauen und sie bitten: Maria, schau auf uns, geleite uns durch dieses Jahr, beschütze uns, beschütze unseren Glauben, führe unsere Herzen näher zu Jesus, und näher zueinander.

3) „Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.“

Wir alle dürfen in diesem Jahr Segen empfangen und Segen spenden. Nach der besonderen Segensvollmacht der Priester und der Eltern darf jeder Christ – recht verstanden – Segen spenden. Es gibt viele Situationen, wo wir negative, schlechte oder böse Gedanken, Worte oder Werke erfahren, von anderen gesagt bekommen, Kränkung erfahren, Unrecht usw.. Anstatt Böses mit Bösem zu vergelten, sollten wir segnende Gedanken haben:

- ein stiller Segenswunsch im Herzen: Christus, segne diesen Menschen, der jetzt das gesagt

oder getan hat…

- jedes Vergelts´ Gott ist ein Segenswunsch

- der schlichte Wunsch „Gottes Segen“

- jemanden das Kreuz auf die Stirn zeichnen

Dieses Segnen liegt auf der Ebene des allgemeinen Priestertums der Getauften. In diesem Sinn sagt der heilige Apostel Petrus: „Segnet, denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen“(1 Petr 3,9).

„Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.“

Euch allen von Herzen ein gesegnetes neues Jahr!

Amen.

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