046) Sonntag in der Weihnachtsoktav: Die Familie im Schöpfungsplan - ihre Bedrohung durch die Gender-Ideologie

Fest der Heiligen Familie 2012 C)

Homilie: DIE FAMILIE IM SCHÖPFUNGSPLAN – IHRE BEDROHUNG, VOR ALLEM

            DURCH DIE GENDER IDEOLOGIE

Das heutige Fest zeigt uns die Heilige Familie von Nazaret. Die Heilige Familie ist das Urbild und Vorbild der menschlichen Familie schlechthin. Die Heilige Familie war gekennzeichnet durch: gegenseitige Ehrfurcht und Liebe, Einheit, füreinander da sein, Bindung an Gott, Ausrichtung auf das Kind… Die Heilige Familie war in Bethlehem gefährdet durch Armut im Bezug auf das Lebensnotwendige, einen mordenden König, Flucht ins Ausland… Erst nach der Rückkehr aus Ägypten fand die Heilige Familie ein wenn auch bescheidenes, doch gesichertes und geordnetes Alltagsleben.

Wie ist heute die Situation der Familie? 

 

a) Die Familie ist gefährdet durch die Pille und die damit verbundene Verhütungsmentalität. Liebe Jugend! Wer die Pille nimmt, in der Absicht, in der sie gemacht wurde, baut in sich eine verneinende Haltung zum Leben auf. Diese verneinende Haltung zum Leben verursacht - bewusst oder unbewusst - eine verneinende Haltung zu Gott, der das Leben ist. Die Pille führt zur Unreinheit des Herzens, und leicht auch zu der des Körpers. Damit führt die Pille auf einen Weg, der vom Glauben und von Gott wegführt. Die Haltungen, die mit der Pille verbunden sind, zerstören die innere Antenne des Menschen für Gott, sie zerstören den Glauben.

 

Noch etwas ist zu bedenken. Alle Pillenpräparate, auch in einer niedrigeren Hormondosis, sind nidationshemmend, d. h. sie verhindern die Einnistung der befruchteten Eizelle – des neuen Menschenkindes – in die Gebärmutter. Die Pille, auch in der niederen Dosis, bewirkt somit die Abtreibung eines Menschen. Um die Abtreibung nun rechtfertigen zu können, wird der Mensch in diesem embryonalen Zustand vor der Einnistung lediglich als ein himbeerartiges Gebilde oder als einen Zellhaufen, nicht aber als Mensch bezeichnet. Es wird ihm, entgegen wissenschaftlicher Beweise, das Menschsein abgesprochen.

 

Aus diesen und noch anderen Gründen ist die Pille für einen Christen abzulehnen. Papst Paul VI. hat nach eingehender Prüfung mit der Enzyklika HUMANAE VITAE die Unvereinbarkeit der Pille mit dem christlichen Glauben endgültig bekräftigt (25. Juli 1968).

 

b) Die Familie ist gefährdet durch die Abtreibung.

 

c) Die Familie ist gefährdet durch die Auflösung des menschlichen und christlichen Eheverständnisses, das immer mehr Staaten mit Gesetzen vorantreiben. Was verstehen wir unter Ehe und Familie? Die Familie ist eine Gemeinschaft von einem Mann und einer Frau, Vater und Mutter, in der Offenheit für die Weitergabe des Lebens in den Kindern. Dieses Verständnis von Ehe und Familie war bis vor einigen Jahren allgemein unangefochten und klar, man musste es nicht besonders begründen, es entspricht ja der Menschennatur.

 

Von dieser Wahrheit über Ehe und Familie entfernen sich heute mehrere Auffassungen: die Ehe auf Probe, die Ehe auf Zeit, die rein standesamtliche Ehe (Ehe als Vertrag), die „wilde Ehe“ (Zusammenleben ohne Bindung), die Vielmännerei oder Vielweiberei, die Verbindung gleichgeschlechtlicher Paare… Wie sehr solche Vorstellungen in unserer Gesellschaft und bereits bei Christen als normal angesehen werden, erfahre ich z.B. auch aus Gesprächen mit unseren jungen Menschen beim Firmunterricht.

 

In Bezug auf Ehe und Familie stehen wir Christen vor großen Fragen und Herausforderungen. Dass die Familie Keimzelle der Gesellschaft und der Kirche ist, und damit die Grundlage der Gesellschaft und der Kirche, ist im Bewusstsein unserer Zeit nicht mehr selbstverständlich. Deshalb ist es nicht nur für Eltern, die eine Familie haben, sondern für uns alle wichtig, das Familienbewusstsein zu stärken. In diesem Anliegen helfen uns Worte von Papst Benedikt über die Situation der Familie aus seiner Ansprache an das Kardinalskollegium, die Mitglieder der Römischen Kurie und die Päpstliche Familie am 21.12. 2012:

 

Die große Freude, mit der in Mailand Familien aus aller Welt einander begegnet sind, zeigt, dass die Familie trotz aller gegenteiliger Eindrücke auch heute stark und lebendig ist. [Welt-Familientreffen in Mailand, 1.-3. Juni 2012] [Anmerkung: Jede „normale“ menschliche Familie ist ein Lichtträger!]

 

Aber unbestreitbar ist doch auch die Krise, die sie - besonders in der westlichen Welt – bis auf den Grund bedroht. Es war beeindruckend, dass in der Synode [Weltbischofssynode in Rom, 11. bis 28. Oktober 2012] immer wieder die Bedeutung der Familie für die Glaubensvermittlung herausgestellt wurde – als der genuine Ort, in dem die Grundformen des Menschseins weitergegeben werden. Sie werden erlernt, indem sie miteinander gelebt und auch erlitten werden. So wurde deutlich, dass es bei der Frage nach der Familie nicht nur um eine bestimmte Sozialform geht, sondern um die Frage nach dem Menschen selbst – um die Frage, was der Mensch ist und wie man es macht, auf rechte Weise ein Mensch zu sein.

 

Die Herausforderungen, um die es dabei geht, sind vielschichtig. Da ist zunächst die Frage nach der Bindungsfähigkeit oder nach der Bindungslosigkeit des Menschen. Kann er lebenslang sich binden? Ist das seinem Wesen gemäß? Widerspricht es nicht seiner Freiheit und der Weite seiner Selbstverwirklichung? Wird der Mensch er selber, indem er für sich bleibt und zum anderen nur Beziehungen eingeht, die er jederzeit wieder abbrechen kann? Ist Bindung für ein Leben lang Gegensatz zur Freiheit? Ist die Bindung auch des Leidens wert?

 

Die Absage an die menschliche Bindung, die sich von einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung her wie in der Flucht vor der Geduld des Leidens immer mehr ausbreitet, bedeutet, dass der Mensch in sich bleibt und sein Ich letztlich für sich selbst behält, es nicht wirklich überschreitet. Aber nur im Geben seiner Selbst kommt der Mensch zu sich selbst, und nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern lässt, entdeckt er die Weite des Menschseins. Mit der Absage an diese Bindung verschwinden auch die Grundfiguren menschlicher Existenz: Vater, Mutter, Kind; es fallen wesentliche Weisen der Erfahrung des Menschseins weg.

 

Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, dass der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht. Hatten wir bisher ein Missverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, dass dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiele ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu gemacht“. („On ne naît pas femme, on le devient“).

 

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muss, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe. Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht.

 

[Anmerkung: die Gender-Ideologie hat, allgemein gesehen, in der westlichen Welt in viele Bereiche der Bildung und Erziehung Einzug gehalten auch an Universitäten. Ihre Verbreitung geschieht teils offen, teils schleichend und unbemerkt.]

 

Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten.

 

Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr.

 

Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, dass es [das Kind] nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt.

 

Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.

 

Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.

So weit die Worte von Papst Benedikt  XVI.

 

 

Heilige Familie von Nazaret, Jesus, Maria und Josef, helft uns, die von Gott kommende Menschennatur, Mann und Frau, und die darauf gründende Familie, zu schützen und zu verteidigen. Amen.

 

 

 

 

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