044) Heilige Nacht: Gott wird ein Kind, um seine Liebe zu schenken und uns das Lieben zu lehren

Weihnachten 2012 – MISSA IN NOCTE

Homilie: „DIE GNADE GOTTES IST ERSCHIENEN“ (Tit 2,11). GOTT WIRD EIN KIND, UM UNS SEINE LIEBE ZU SCHENKEN UND UNS DAS LIEBEN ZU LEHREN.

Warum ist Gott ein Kind geworden? Der heilige Paulus sagt uns heute in der 2. Lesung: „Die Gnade Gottes ist erschienen“(Tit 11,1). Das Wort Gnade – vom Lateinischen gratia - heißt im Griechischen charis. Dieses Wort bedeutet neben Dank und Dankbarkeit: Anmut, Lieblichkeit, Gunst, Erbarmen, Wohlwollen, Fürsorge… Alle diese Bedeutungen von Charis/Gnade könnte zusammenfassend auch mit LIEBE übersetzt werden. Die Gnadengabe Gottes schlechthin ist die Liebe. So lautet diese Stelle aus dem Titusbrief auch so: „Erschienen ist die LIEBE Gottes“. Sehen wir Weihnachten heute besonders unter diesem Gesichtspunkt.

a) Gott ist ein Kind geworden, um uns Menschen seine Liebe zu zeigen und zu schenken. Er selbst ist die Liebe, er ist Dreifaltige Liebe (1 Joh 4,16). Auch wenn dieses Wort so sehr missbraucht wird, von Gott losgelöst, ins Gegenteil verkehrt, können und wollen wir auf dieses Wort nicht verzichten, in der Heiligen Nacht schon gar nicht. Doch wir wollen die Liebe von ihrem Ursprung her erkennen. Es gibt die Liebe nur von Gott her und zu Gott hin. Es gibt die Liebe nur in Verbindung mit der Wahrheit, der Freiheit und damit auch mit der damit verbundenen sittlichen Verantwortung. Ohne Gott gibt es keine wahre Liebe.

Die Liebe Gottes, die von der Krippe aufleuchtet, ist schenkende Liebe, die sich selber gibt – sich selber ganz und gar, ohne von uns eine Vorleistung zu erwarten. Paulus sagt, Gott hat uns geliebt und mit sich versöhnt, als wir durch die Sünde noch Feinde Gottes waren (Röm 5,10). Das Wesen der Liebe ist die Hingabe, das Geben, nicht das Begehren und haben wollen. Diese schenkende Liebe Gottes vollendet sich im Opfer Jesu am Kreuz. Krippe und Kreuz gehören zusammen. Liebe und Wahrheit gehören zusammen. Liebe und Leiden gehören zusammen. Das ist in der schenkenden Liebe Gottes vorgebildet.

Sicher hätte Christus auch als erwachsener Mann kommen können, voll Kraft, voll Majestät. So wird er einmal am jüngsten Tag als Weltenrichter kommen. Wenn seine erste Ankunft so gewesen wäre, würde er vielleicht mehr gefürchtet als geliebt. Doch Gott wollte uns seine Liebe zeigen und er wollte, dass wir ihn lieben. Was ist liebenswürdiger und liebenswerter, als ein Kind? Der heilige Bernhard von Clervaux sagt: „Groß ist der Herr und überaus lobenswert, klein ist Er geworden und überaus liebenswert.“

Es ist auffallend, dass viele Heilige eine kindliche Liebe zu Jesus gehabt haben, d.h. eine ganz innige, persönliche Beziehung zum Herrn. Danken wir dem Göttlichen Jesuskind, dass diese Liebe jedem von uns persönlich gilt. Versuchen wir, diese Liebe auch ganz persönlich zu beantworten. Für das Leben und Überleben des Glaubens in der heutigen Zeit wird das ein entscheidender Punkt sein: Wie weit habe ich eine persönliche Liebesbeziehung zu Jesus Christus: das sich geliebt wissen, und das Beantworten dieser Liebe. Nur wo diese persönliche Liebesbeziehung zu Gott aufgebaut wird, gepflegt wird, vermehrt wird, hat das Christentum eine Überlebenschance. Wer Gott liebt, wird auch gerne tun, was Gott für unser Heil will: durch die Sonntagsmesse den Tag des Herrn heiligen, die Gebote Gottes ernst nehmen - als Weg der Liebe usw.

Egal, in welcher Situation sich jemand befindet: jeder hat die Möglichkeit, die Liebe Gottes zu empfangen, jeder hat die Möglichkeit, Jesus zu lieben, jeder hat die Möglichkeit, seinen Mitmenschen Liebe zu schenken. Das wird am Jüngsten Tag einmal zählen vor Gott.

b) Weihnachten wird so auch zum Urmodell der menschlichen Liebe: das Schenken und Empfangen. Das sind die geistigen Grundvollzüge unseres Lebens überhaupt. Es wäre so einfach: geben und empfangen! Weil der Herrgott uns so beschenkt, dürfen auch wir einander mit der Liebe beschenken. So wie die Liebe Gottes in Bethlehem etwas ganz Konkretes war, so wird durch Christus auch unser Menschliches Lieben etwas Konkretes: die Liebe des Schenkens, die Liebe der Worte und vor allem der Taten, die Liebe des Empfindens, das ausgedrückt wird, bis hin zur Liebe, die fähig wird, für den anderen und das Heil des anderen zu leiden. Auf diese Weise wird unser menschliches Lieben zu seinem Ursprung, zur Liebe Gottes zurückgeführt.

Die Liebe Gottes in Bethlehem ist uns zum Heil und zur Heilung geschenkt. Lassen wir uns durch die Feier des Weihnachtsgeheimnisses in diese erlösende Kraft der Liebe Gottes hinein nehmen: Z.B. durch die sakramentale Beichte, durch ein persönliches Zwiegespräch mit dem Jesuskind in der Krippe im Gebet, durch die Weihnachtsgottesdienste, durch die Eucharistie... So wird unser menschliches Lieben Heilung erfahren. So können auch wir den Weg der Liebe im Leben gehen. Es ist kein einfacher Weg. Die wahre Liebe ist nicht leicht und billig zu haben. Doch Jesus wird uns auf dem Weg der Liebe immer wieder Kraft geben zum Weitergehen, zum Hinauswachsen über uns selbst.

„O Kindelein von Herzen, dich will ich lieben sehr, in Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr.“

Christus, die Göttliche Liebe, ist uns geboren. Kommt, lasset uns anbeten. Amen.


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