043) 4. Adventsonntag: Jesus, der Retter: Wege der Sündenvergebung

4. Adventsonntag C) 2012

Homilie: CHRISTUS, DER RETTER: WEGE DER SÜNDENVERGEBUNG

Das Wort Gottes im Advent und in der Weihnachtszeit zeigt uns Jesus als den Retter. Schon der Name JESUS bedeutet Retter, Erlöser. Johannes der Täufer weist auf Jesus und sagt: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt“(Joh 1,29). Der heilige Joseph erfährt vor der Vermählung mit Maria aus dem Mund des Engels: „Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“(Mt 1,21). Den Hirten wird in der Heiligen Nacht verkündet: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren“(Lk 2,11).

Der Messias wurde als Retter/Erlöser angekündigt und nach seiner Geburt als Erlöser verkündet. Erlösung meint zuerst Erlösung von der Sünde, dann vom Leiden, vom zeitlichen und ewigen Tod. Jesus ist gekommen, um das eigentliche Problem in der Welt zu lösen: die Sünde. Ob Sünde erkannt wird oder nicht. Sie ist eine Realität. Wir erfahren sie jeden Tag. Wie eine dunkle Wolke lastet die Sünde der Welt über der Menschheit. Doch die Liebe und Gnade Gottes sind größer als die Sünde der Welt. Christus hat durch seine Geburt, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung, die Sünde der Welt hinweg genommen.

Die Weihnachtsbotschaft ist die Frohbotschaft von der Vergebung der Sünde durch das Kind in der Krippe. Auch heute. Wie können wir Menschen die Erfahrung der Sündenvergebung machen? Wie können wir die erbarmende Liebe Gottes erfahren? Die Kirche hat die Sendung, die Vergebung der Sünden, das Erbarmen Gottes, zu vermitteln.

Es gibt für uns Katholiken verschiedene Formen und Wege der Sündenvergebung:

a) Das erste und bedeutsamste Sakrament der Sündenvergebung ist die heilige Taufe. Die hl. Taufe tilgt die Erbschuld, die persönliche Schuld und gliedert in die Kirche Christi ein. Weil auch nach der Taufe die Konkupiszenz bleibt, die Neigung zur Sünde, kommt es auch nach der Taufe zu Sünden. Deshalb brauchen wir auch nach der hl. Taufe die verzeihende Liebe Gottes.

b) Der wichtigste Schritt zum Erbarmen Gottes ist – für jeden Menschen - die Reue. Wir unterscheiden die vollkommene Reue oder Liebesreue. Wer aus Liebe zu Gott seine Sünden bereut, erlangt die Vergebung der lässlichen Sünden. Die Liebesreue erlangt auch die Vergebung der Todsünden, wenn sie mit dem festen Entschluss verbunden ist, die sakramentale Beichte so bald als möglich nachzuholen. (Siehe Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1452).

Die Liebesreue ist nicht nur für Katholiken, sondern für alle Menschen der wichtigste Weg zur Vergebung. Ein schönes Zeugnis für Liebesreue gibt Disamas, der rechte Schächer am Kreuz. Wer Christus liebt und ihn um Erbarmen bittet, der empfängt seine Vergebung.

c) Die sogenannte unvollkommene Reue oder Furchtreue. Furchtreue meint: ein Mensch bereut seine Sünden, weil er sich vor den Folgen fürchtet, die er sich mit seinen Sünden selber verursacht.

Der Katechismus (Artikel 1453) sagt dazu: Die sogenannteunvollkommene Reue" [attritio] ist ebenfalls ein Geschenk Gottes, ein Anstoß des Heiligen Geistes. Sie erwächst aus der Betrachtung der Abscheulichkeit der Sünde oder aus der Furcht vor der ewigen Verdammnis und weiteren Strafen, die dem Sünder drohen [Furchtreue]. Eine solche Erschütterung des Gewissens kann eine innere Entwicklung einleiten, die unter dem Wirken der Gnade durch die sakramentale Lossprechung vollendet wird. Die unvollkommene Reue allein erlangt noch nicht die Vergebung der schweren Sünden; sie disponiert jedoch dazu, sie im Bußsakrament zu erlangen [Vgl. K. v. Trient: DS 1678; 1705].

Es gibt noch weitere Wege zur Vergebung von lässlichen Sünden:

-Die Liebe deckt viele Sünden zu“(1 Petr 4,8). Jede Tat der Liebe an einem Mitmenschen hat eine Sündenvergebende Wirkung. Mit anderen Worten: die Liebe heilt!

- Auch die Heilige Kommunion, wenn sie im Stand der Gnade empfangen wird, tilgt lässliche Sünden und bewahrt vor Todsünden.

- Jedes Gebet im Geist der Buße und Reue tilgt lässliche Sünden. Hier denken wir an das Beten der alttestamentlichen Bußpsalmen, das Halten von Buß- und Fasttagen, das Beten des Kreuzweges, dies alles sind Formen von Buße, die lässliche Sünden tilgt.

(Die Bußpsalmen des AT: 6,32,38,51,102,130,143; die Benennung dieser Psalm-Gruppe geht auf den hl. Augustinus zurück).

d) Die große Gnade: die Vergebung durch das Bußsakrament

Das Bußsakrament ist das Ostergeschenk des Auferstandenen. Der Herr hat uns dieses Sakrament durch sein Leiden verdient. Das Bußsakrament ist eine unaussprechliche Gnade. Die priesterliche Vollmacht der Lossprechung beruht auf der Schlüsselgewalt der Kirche: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (Joh 20,23), so sagt Jesus am Ostersonntag den Aposteln.

Der heilige Augustinus lehrt: „Die Kirche hat die Schlüssel des Himmelreiches erhalten, damit in ihr durch das Blut Christi und das Wirken des Heiligen Geistes die Sündenvergebung geschehe. In dieser Kirche lebt die Seele, die durch die Sünde tot war, wieder auf, um mit Christus zu leben, dessen Gnade uns gerettet hat" (Augustinus, serm. 214,11). (KKK 981)

Nochmals Augustinus: „Gäbe es in der Kirche nicht das Sakrament der Sündenvergebung, so bestünde keine Hoffnung auf ein ewiges Leben und eine ewige Befreiung. Danken wir Gott, der seiner Kirche ein solches Geschenk gemacht hat“(KKK 983).

Fragen wir uns persönlich: wie stehe ich zur Beichte? Welchen Stellenwert hat sie in meinem Leben? Oder meine ich, dass ich keine Sünden habe? Der Apostel Johannes sagt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und die Wahrheit ist nicht in uns“(1 Joh 1,8-10).

Im Bußsakrament dürfen wir Christus alles hinlegen, was der Heilung und Erlösung bedarf. Sehen wir im Bußsakrament nicht so sehr die Mühe des Bekenntnisses, sondern die Liebe Christi, der auf uns wartet und heilend an uns wirkt.

Die Kirche lehrt: (CIC Can. 960): „Das persönliche und vollständige Bekenntnis und die Absolution bilden den einzigen ordentlichen Weg, auf dem ein Gläubiger, der sich einer schweren Sünde bewusst ist, mit Gott und der Kirche versöhnt wird; allein physische oder moralische Unmöglichkeit entschuldigt von einem solchen Bekenntnis; in diesem Fall kann die Versöhnung auch auf andere Weisen erlangt werden.“

e) Zu erwähnen ist noch die Bußandacht. Sie steht auf der Ebene des Bitt und Bußgebetes. Die Bußandacht im Sinn der Kirche ist kein Ersatz für das Bußsakrament. Eine Bußandacht kann eine wertvolle Hilfe sein zur Gewissenserforschung, zur Bewusstmachung der gemeinschaftlichen Dimension der Sünde, zum gemeinsamen Bußgebet, jedoch nicht mehr. Am Ende einer Bußandacht bietet der Priester das Sakrament der Buße an.

Wenn am Ende einer Bußandacht oder Bußfeier ohne persönliches Sündenbekenntnis eine allgemeine sakramentale Lossprechung (Generalabsolution) oder eine Lossprechung einzeln erteilt wird, ist dies ein schwerer Missbrauch. Die Kirche lehrt, dass diese allgemeine Lossprechung ohne persönliches Sündenbekenntnis nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gültig ist. (Siehe dazu: Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben MISERICORDIA DEI, Abschnitt 7, 7.4. 2002; s.o. CIC 960).

e) Die Generalabsolution: Sie bedeutet, dass in bestimmten schweren Notsituationen, (z.B. in Todesgefahr, im Krieg) ohne persönliches Bekenntnis allen die Lossprechung erteilt wird. Diese Situationen sind von der Kirche genau umschrieben. In unserer kirchlichen Situation bestehen diese Voraussetzungen nicht. Auch bei einer gültigen Generalabsolution bleibt die Verpflichtung, die schweren Sünden bei der nächsten Gelegenheit zu beichten. (Siehe dazu: Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben MISERICORDIA DEI, Abschnitt 8, 7.4. 2002; CIC 963).

Möge die Muttergottes uns zum Kern des Weihnachtsfestes führen: zu Jesus, dem Retter. Amen.

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