042) 3. Adventsonntag: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit": Über die wahre Freude

3. Adventsonntag C) 2012

Homilie. „FREUT EUCH IM HERRN ZU JEDER ZEIT“(Phil4,4-7) ÜBER DIE WAHRE FREUDE

Das heutige Wort Gottes ruft uns in den beiden Lesungen zur Freude auf: „Freue dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“(Zef 3,14). „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“)! Von dem her wird der heutige Sonntag „Gaudete“ genannt: „freut euch!“

Wenn wir daheim etwas Schönes erwarten, z.B. ein Besuch, ein Fest... dann ist die Zeit der Erwartung mit Freude verbunden, mit Vorfreude. So soll es auch auf Weihnachten hin sein. Der Advent ist die Zeit der Erwartung des Kommens Christi. Nur nebenbei: erwarten wir wirklich das Kommen Christi??? Wenn wir nicht Weihnachten schon den ganzen Advent hindurch vorwegnehmen, sondern die Spannung und Erwartung dieser Bußzeit stehen lassen, dann ist sie auch mit dieser Vorfreude verbunden.

Mit der Freude ist es heute wie mit anderen heiligen Dingen, wie z.B. mit der Liebe. Diese Begriffe werden oft in den Mund genommen, und oft missbraucht, missverstanden. Es ist auch nicht einfach, inmitten eines materiellen Überflusses Freude zu verkosten oder Freude zu bereiten. Es hat ja jeder schon alles.

Wie ist das mit der wahren Freude?

Die wahre Freude ist nicht das Ergebnis einer vergnügten Zerstreuung. Im Wortsinn meint Zerstreuung zer-streuen, die Inhalte des Lebens werden auseinander geteilt, man will sich von den Pflichten des Lebens und den damit verbundenen Verantwortlichkeiten ablenken. Sicher brauchen wir, wenn wir unter Hektik und Stress leiden, auch Zeiten des Ausruhens und der Entspannung, des Freiseins von Verpflichtungen. Doch die wahre Freude ist noch mehr.

Die wahre Freude ist auch nicht ein vorübergehendes Gefühl, ein Gemütszustand. Das wäre zu wenig, denn Gefühle kommen und gehen, und können uns nicht tragen.

Das Gegenteil der Freude ist die Traurigkeit. Gemeint ist hier eine Form von negativer Traurigkeit, die im Letzten aus der Sünde kommt:

„Die Sünde trägt eine negative Traurigkeit mit sich, die dazu führt, sich in sich selbst abzuschließen. Die Gnade führt zu wahrer Freude, die nicht vom Besitz der Dinge abhängt, sondern die im persönlichsten und tiefsten Bereich der Person gründet, und die nichts und niemand wegnehmen kann. Das Christentum ist wesentlich ein „Evangelium“, eine „Frohe Botschaft“, während andere denken, es sei ein Hindernis der Freude, weil sie darin ein System an Verboten und Regeln sehen. In Wirklichkeit ist das Christentum die Verkündigung des Sieges der Gnade über die Sünde, des Lebens über den Tod.” (Benedikt XVI. am 8.12.2012)

Die wahre Freude ist an die Beziehung mit Gott gebunden. Gott ist die Quelle der wahren Freude, weil Gott das Leben in Fülle und die Liebe ist. Wer in seinem Leben Christus begegnet, der erfährt im Herzen eine Freude und einen Frieden, den nichts und niemand in der Welt nehmen können. Wenn wir in unserem Leben Gott Raum geben, durch den Heiligen Geist Christus aufnehmen, dann haben wir, wie ein Auto an der Tankstelle, an der Quelle der wahren Freude „angezapft“. Das meint der Heilige Paulus, wenn er sagt: „Freut euch im Herrn!“ Die wahre Freude ist die Freude im Herrn, die Freude in Gott.

Die Freude, die von Gott kommt, ist kein Gegensatz zu den menschlichen Freuden. Ganz im Gegenteil. Die Freude, die wir von Gott schöpfen, können wir einander weiterschenken: Die Freude an den menschlichen Beziehungen, in der Ehe, in der Familie, an den Kindern, die Freude an der Schöpfung, an der gelungenen Arbeit, an der Gesundheit… Erst der Herrgott macht es möglich, die wahren menschlichen Freuden zu erleben, auch sie sind von ihm geschenkt und gehalten.

Der Advent als eine Zeit der freudigen Erwartung des Herrn baut auf einem Fundament: Die Gewissheit, dass der Herr als Erlöser durch seine Menschwerdung historisch bereits gekommen ist, und dass er sein Kommen, sein Wirken an uns, seine Erlöserliebe ständig für uns erneuern will. In diesem Sinn ist auch die Weihnachtsbeichte eine wichtige Vorbereitung des menschlichen Herzens, um die wahre Freude, die von Gott kommt, aufnehmen zu können. Eine Bußandacht ist nie ein Ersatz für die sakramentale Beichte.

Die Muttergottes hat die Adventerwartung besonders innig und intensiv durchlebt, vor allem in der Zeit, als sie vor der Geburt in der Hoffnung war. Sie hat bei Elisabeth gejubelt über Gott, ihren Retter. Maria, die Ursache unserer Freude, möge uns helfen, in einer Zeit der vielen Versuchungen zu den falschen und trügerischen Freuden die Gnade der wahren Freude zu finden: die Freude an Gott! Gott ist der Urquell aller wahren Freuden, die ein Vorgeschmack für die Freude des ewigen Lebens sind. Amen.

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