041) Hochfest Maria Unbefleckte Empfängnis, 08.12.: Maria, unser Vorbild im Glauben

Hochfest Maria Unbefleckte Empfängnis, 8. Dezember 2012

Homilie: MARIA, UNSER VORBILD IM GLAUBEN

Wir haben am 11. Oktober das Jahr des Glaubens begonnen. Das heutige Hochfest der Unbefleckten Empfängnis leitet uns an, auf Maria zu schauen. Welche Bedeutung hatte der Glaube in ihrem Leben? Maria ist unser größtes Vorbild im Glauben.

Zuerst machen wir uns bewusst, was wir mit Glauben meinen. Glaube meint nicht unbestimmte religiöse Gefühle. Solche religiösen Gefühle haben alle Menschen, das ist uns angeboren, nichts Besonderes, weil wir Geschöpfe Gottes sind. Glaube meint nicht ein ungewisses Erkennen, wie z.B. „irgend etwas wird es schon geben“. Glaube meint nicht eine Lebenseinstellung, die man sich selber zusammenfügt, wie ein Eintopfgericht. Benedikt XVI. sagt: „Ein selbst gemachter Glaube ist wertlos!“

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: „Der Glaube ist eine persönliche Bindung des ganzen Menschen an den sich offenbarenden Gott. In ihm liegt eine Zustimmung des Verstandes und des Willens zur Selbstoffenbarung Gottes in seinen Taten und Worten“(KKK 176). „´Glauben´ hat also einen doppelten Bezug: den zur Person und den zur Wahrheit; der Glaubensakt bezieht sich auf die Wahrheit durch das Vertrauen in die Person, die sie bezeugt“(KKK 177). Mit anderen Worten: das lateinische Wort Credo bedeutet cor dare, Gott das Herz schenken, Bindung an Gott, der Person ist, d.h. Liebe und Wahrheit; diese Glaubenshaltung will auch Frucht bringen in der Nächstenliebe. So können wir kurz das Wesen des Glaubens beschreiben.

Glaube ist in diesem Sinn eine Gnade Gottes. Gott will uns diese Gnade durch den Heiligen Geist schenken. Wir müssen sie erbitten, für uns selber, stellvertretend für andere. Gott kann uns diese Gnade schenken, wenn wir unsere Herzen dafür öffnen.

1) Der liebende Glaubensgehorsam Mariens

Die Muttergottes war eine Glaubende im vollen Sinn des Wortes, sie war ja Mensch wie wir, die Sünde ausgenommen. Ihr Glaube war zuerst eingebunden in den Glauben Israels. Im Glauben Israels hat Maria die großen Offenbarungen des Alten Bundes in ihr Herz aufgenommen: die Lehre von Gott, dem liebenden Vater, dem allmächtigen Schöpfer, dem sorgenden Hirten seines Volkes, dem gerechten Richter. Dieser Glaube Israels prägte ihre Frömmigkeit, ihr Beten, ihren Alltag. In diesem Sinn lebte Maria spirituell aus den Psalmen, aus dem Synagogengottesdienst und den Traditionen ihres Volkes. Maria hatte als Tochter Israels auch eine besondere Sehnsucht nach dem Messias. Jede israelitische Frau hoffte insgeheim, Mutter oder zumindest Stamm-Mutter des Messias zu werden. Freilich ist eines mit zu bedenken: Maria war durch die Bewahrung vor der Erbsünde ganz in der Gnade. Ihr Glaube war zutiefst persönlich, ihr Glaube war lebendig, ihr Glaube war liebend, sie hatte ein brennendes Herz.

Die Kirche fasst diese alttestamentliche Lebensphase Mariens zusammen und sagt: Der Glaube Israels kommt in Maria zu seiner vollen Blüte und zu seinem Höhepunkt. In der Liturgie sagt die Kirche über Maria: Durch das Wirken Gottes ist Maria „Höhepunkt der Geschichte Israels und Anfang der Kirche“(Marienmissale, Votivmesse „Verkündigung des Herrn“, Präfation). Maria ist das Bindeglied zwischen Altem und Neuem Bund.

Historisch gesehen war dieser Höhepunkt, diese Stunde des Übergangs vom Alten zum Neuen Bund, bei der Verkündigung durch den Engel Gabriel. In der Stunde der Verkündigung erleben wir den Glauben Mariens in seiner ganzen Einfachheit und Größe: im Glauben hat Maria das Wort des Engels aufgenommen. Ihr Glaubensakt war Liebe und Gehorsam. Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht vom Glaubensgehorsam, der aus der Liebe kommt. Maria hat dabei ihre Vernunft nicht ausgeschaltet. Im Gegenteil. Sie hat überlegt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne“? Der Engel hat sie auf die Macht Gottes verwiesen. Erst dann hat sie im Glauben ihr Ja-Wort gesprochen. Als Frucht dieses Ja-Wortes hat Gott das Wunder der Menschwerdung gewirkt: „Das Wort ist Fleisch geworden.“

Der Glaubensakt Mariens zeigt uns: der Glaube ist vernünftig, auch wenn er die Vernunft übersteigt. Wir sind nicht dumm oder einfältig, wenn wir glauben. Aus einem Gespräch wurde mir erzählt: „Glaubst du noch, oder lebst du schon“? Antwort: „Wer nicht glaubt, der lebt nicht, er vegetiert!“

2) Glaubensakte setzen

Wie Maria wollen auch wir in unserem Alltag Glaubensakte setzen:

- wenn jemand krank ist und es wird nicht besser, trotz Gebet und Sakramente, vertrauen, dass Gott aus einer Krankheit Heil schafft

- wenn jemand für seine Angehörigen, um die er sich Sorgen macht, betet, und es scheinbar nicht wirkt… die hl. Monika hat viele Jahre für die Bekehrung ihres Sohnes Augustinus gebetet

- wenn wir persönliche Anliegen haben und es tut sich nichts…

- wir erfahren die Glaubensnot in unserer Heimat, wir müssen vertrauen, dass das Glaubenszeugnis, das jetzt der Zahl nach wenige Menschen geben, Frucht bringen wird…

- wir erfahren oft nichts was es „bringt“, wenn man sich die Zeit für eine Werktagsmesse, für eine Anbetung nimmt usw.

Der Glaube Mariens ist die Tür, durch die der Sohn Gottes in unsere Welt herein getreten ist. Je mehr der Glaube Mariens in der Welt anzutreffen ist, desto mehr wird Gott auch heute wirken können, auch Wunder wirken. Wir müssen glauben, um auch anderen die Gnade des Glaubens zu vermitteln. Es gibt den stellvertretenden Glauben.

Dieser Glaube Mariens wurde auch hart auf die Probe gestellt, zuerst durch das verborgene Leben Jesu, vor allem durch das Kreuz Christi. Maria war der einzige Mensch, der den Glauben vom Karfreitag hinübergerettet hat auf den Ostersonntag. Ihr Glaube wurde wunderbar belohnt. Maria hat mit ihrem schwer geprüften Glauben unser aller Glaube mitverdient.

3) Maria als Hort des Glaubens

Kehren wir nochmals zurück zur Stunde der Verkündigung. Maria vereinigt zu diesem Zeitpunkt den gesamten Glauben Israels in ihrem Herzen. Dann tritt bei der Verkündigung Christus, der Sohn Gottes, in das Leben Mariens ein. Christus hat die Offenbarung, den Glauben des Alten Bundes vollendet. Johannes sagt: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“(Joh 1,14). Was ist das für eine Glaubensfülle, die mit Christus gekommen ist: die allerheiligste Dreifaltigkeit, die Gottheit Christi, der Erlöser, die die Menschwerdung aus Maria, die heilige Kirche, deren erstes Glied Maria ist, die 7 Sakramente, die Heilige Messe, die Heilige Kommunion… Alle diese Glaubenswahrheiten hat Maria in ihr Herz aufgenommen. Ja, noch mehr: alle diese Wahrheiten sind mit ihrem Herzen, mit ihrem Leib, d.h. mit ihrem Leben gleichsam verwachsen.

Das 2. Vatikanische Konzil greift diesen Sachverhalt auf und sagt uns sehr Wertvolles über Maria: „Maria vereinigt, da sie zuinnerst in die Heilsgeschichte eingegangen ist, gewissermaßen die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wieder“(Lumen gentium, 65). Mit anderen Worten: die Muttergottes trägt den gesamten Glauben des Alten und Neuen Bundes in sich, und strahlt ihn wieder. Sie ist sozusagen der Glaube in Person.

Maria hat als die Glaubende für die Kirche eine besondere Sendung:

- Die Kirche als Ganzes – und wir als Glieder der Kirche – müssen das Glaubensgut des Alten und Neuen Bundes jungfräulich bewahren, unversehrt. Der Glaube muss in seiner Ganzheit, Schönheit und Klarheit erhalten bleiben und weiter gegeben werden bis zum Ende der Welt. Genau hier hat die Muttergottes eine große Aufgabe. Sie hilft uns, den Glauben zu bewahren. Wir können nur bewahren und lieben, was wir kennen. Deshalb ruft uns Papst Benedikt für das Jahr des Glaubens auf, vor allem den Katechismus der Katholischen Kirche zu studieren, und zwar mit Leidenschaft. Ich bin überzeugt, dass ihr euch alle schon einen Katechismus gekauft habt und eifrig darin lest. Liebe Eltern und Großeltern, der Jugendkatechismus wäre für Jugendliche ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Es ist wichtig, die Muttergottes zu ehren und zu lieben, ihre Größe und ihre Gnaden zu erkennen: ihre Unbefleckte Empfängnis, ihre Gottesmutterschaft, ihre immerwährende Jungfräulichkeit, ihre Mutterschaft für die Kirche. Wo das geschieht, bleibt der wahre Glaube erhalten. Ein Vergleich: wer eine Mutter, die in der Hoffnung ist, ehrt und schützt, der ehrt und schützt das Kind, das sie in sich trägt. Wer die Muttergottes ehrt und schützt, der ehrt und schützt den Glauben, den sie in sich trägt, ja, noch mehr, der empfängt Anteil an ihrem Glauben. Die echte und lebendige Marienverehrung ist wie ein Gradmesser und ein Garant für die Echtheit und Lebendigkeit des Christusglaubens. Wo Maria geliebt und verehrt wird, da wird Christus als Gott angebetet. Deshalb soll es uns ein Herzensanliegen sein, Maria zu lieben, ihre Feste zu feiern, die Muttergottesmesse am wöchentlichen Mariensamstag nicht zu vergessen, den Rosenkranz, die Maiandacht…

Der katholische Glaube und katholische Lebenshaltungen werden manchmal sehr bedrängt, in nicht wenigen Ländern durch blutige Verfolgung. Umso wichtiger ist es, uns unter den Schutz und Schirm der Gottesmutter, unserer himmlischen Königin, zu stellen, unseren oft kleinen und schwachen Glauben in ihrem Glauben zu bergen, in ihrem Herzen zu verankern. Sie wird uns helfen, im Glauben treu zu bleiben, bis zum Tod, den Glauben zu bezeugen, wenn nötig, bis zum Vergießen des Blutes.

Maria, Urbild des Glaubens, Hort des Glaubens, schenke uns die Freude am Glauben, der unser Leben trägt, beschütze unseren Glauben, vermehre unseren Glauben, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

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