039) Hochfest Christkönig: Die Königsmacht Christi und wie sie erfahren wird

Hochfest Christkönig, 25. November 2012

Homilie: „ICH BIN EIN KÖNIG.“(Joh 18,37)

             DIE KÖNIGSMACHT CHRISTI UND WIE SIE ERFAHREN WIRD

Das Hochfest Christkönig ist kirchlich gesehen ein relativ junges Fest. Es wurde erst 1925 von Papst Pius XI. eingeführt. Im Zusammenhang der damaligen Zeit war es eine Antwort Gottes auf die Zeichen der Zeit. Nach dem Zusammenbruch der meisten europäischen Monarchien entwickelten sich neue staatliche Ideologien. Diese Ideologien waren dem christlichen Glauben nicht nur feindlich gesinnt, aus der Sicht des Glaubens sogar diabolisch: der Kommunismus, der Nationalsozialismus, der Faschismus. Es waren Ideologien, die den Staat und das Irdische Reich an die Stelle Gottes setzten, ihre Macht schwer missbrauchten, keine Ordnung Gottes und keine Menschenrechte anerkannten. In der Folge führten diese Ideologien zum 2. Weltkrieg und brachten unsagbares Leid und Elend über die Welt. In diesem Kontext war Christkönig damals ein Licht, ein Signal des Himmels: Es gibt nur einen wahren Herrscher, das ist Christus. Es gibt nur ein Reich, das niemals vergehen. Das Reich Christi, das Reich der Liebe und der Wahrheit, das nicht von dieser Welt ist. Kein irdisches Reich kann ohne Bindung an Gott Bestand haben, Frieden und Wohlergehen schaffen.

Dieser historische Zusammenhang von Christkönig bleibt auch heute aktuell. Verfallen auch wir nicht falschen politischen und gesellschaftlichen Ideologien. Nur ein Staat, der seine Ideologie und seine Gesetze auf den 10 Geboten Gottes baut, kann Zukunft haben. Nur ein Staat, der die grundlegenden Menschenrechte schützt, z.B. das Leben der ungeborenen Kinder, die Ehe und Familie, kann Bestand haben. Was nicht aus Gott ist, hat keinen Bestand und keine Zukunft. Das Heil kommt nicht von der Politik, sondern von Christus.

Christkönig besitzt aber auch tiefe biblische und theologische Wurzeln. Im AT ist Jahwe der König Israels. Jahwe ist als König der Hirt seines Volkes, der es führt, der Ernährer, der Beschützer, der Gesetzgeber und Richter, der jene Werte schenkt, die uns tragen und halten. Das alttestamentliche Königtum Jahwes geht dann auf Christus über, es findet in Christus seinen Höhepunkt und seine Vollendung. Das Neue Testament zeigt uns Christus als den König der Liebe, der Wahrheit, den König der Geschichte, des Universums und des ganzen Kosmos. Im Mittelpunkt seines Königtums stehen sein Kreuz und seine Auferstehung. In seiner tiefsten menschlichen Ohnmacht ist Christus am mächtigsten: er vollbringt das Werk der Erlösung. Das ist das Paradox des Kreuzes Christi.

Worin besteht die königliche Macht Christi? Seine Macht ist nicht eine Macht im weltlichen oder politischen Sinn. Seine Macht sind die Liebe und die Wahrheit, eine göttliche Macht. Seine Königsmacht erlöst von der Sünde, sie überwindet den Tod, sie schenkt ewiges Leben, sie kann das Böse zum Guten wenden, sie erweicht die verhärteten Herzen, sie trägt Frieden in den härtesten Streit, sie bringt die Hoffnung Gottes in die dunkelsten Stunden, sie entflammt uns zum Lieben…

Äußere Zeichen dieser Königsmacht Christi sind das Kreuz, die Dornenkrone, seine durchbohrten Hände und Füße, die durchbohrte Seite, die am Kreuz ausgebreiteten Arme.

Wie können wir diese königliche Macht Christi erfahren? Christus zwingt seine Liebe und Wahrheit nicht auf. Er achtet immer unsere Freiheit. So wie Christus in Liebe und Freiheit die Ohnmacht des Kreuzes gewählt hat, um zu herrschen, so können auch wir nur in persönlicher Liebe und Freiheit die Macht der Gnade Christi erfahren. Das bedeutet: jedes menschliche Gewissen steht vor einer Entscheidung. Wem will ich folgen? Gott oder dem Verderber, d.h. dem Teufel, der Wahrheit oder der Lüge? Früher wurden die Kinder durch christliche Familien und ein christliches Umfeld beinahe von selber in den Glauben hineingeführt. Heute kann nur derjenige den Glauben durchhalten, der sich in persönlicher Liebe und Freiheit dafür entscheidet.

Christus hat vor Pilatus Zeugnis abgelegt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“(Joh 18,37). Pilatus musste sich entscheiden. Wie entscheiden wir uns? Mit der Taufe haben wir uns für Christus bereits entschieden. Es ist uns bewusst, dass diese Entscheidung immer neu von uns vollzogen werden will. Das ist übrigens auch ein Geschenk, dass wir uns, so lange wir leben, immer wieder neu für Christus entscheiden können: jeden Tag neu, auch mit jeder Beichte.

Der hl. Ignatius verwendete gerne ein Bild. Wer das Zeugnis Christi annimmt, der stellt sich unter das Banner Christi - das Kreuz. Ein Banner ist ein Orientierungszeichen, das uns vorangeht, dem wir folgen, das uns in den entscheidenden Fragen Halt und Orientierung gibt.

In einer Zeit der großen Desorientierung, des Relativismus, der Infragestellung oder Leugnung der ewigen Werte, brauchen wir, um als römisch katholische Christen überleben wollen, diese freie und aus der Liebe kommende Entscheidung für Christus, und das bewusste Leben unter dem Banner Christi: unter seiner Frohen Botschaft, wie sie uns in der Bibel und im Katechismus der Katholischen Kirche aufgezeigt ist.

Petrus hat Christus einmal gefragt: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen“(Mt19,27)? Auch wir werden uns vielleicht manchmal fragen: Was habe ich denn davon, wenn ich das Zeugnis Christi annehme, mich für ihn entscheide und seinem Banner folge? Was werde ich dafür bekommen?

Die Entscheidung für Christus garantiert uns – auch in der heutigen manchmal verweltlichten modernen Kirche - kein erfolgreiches Leben nach den Kriterien der Welt: Ansehen, Beliebtheit, Erfolg, Karriere, bequemes Leben, keine Sorgen… Im Gegenteil. Jene, die den Glaubensweg gehen, haben oft mehr Nöte und Sorgen, weil sie ihr Gewissen nicht ausschalten. Doch Christus gibt uns etwas, was nur Er als Sohn Gottes geben kann: einen Frieden und eine Freude des Herzens, der größer ist als alles in der Welt, und die Gabe der wahren Liebe, die auch alle Formen der menschlichen Liebe zur höchsten Erfüllung bringt. Und dann das ewige Leben.

Dass das so ist, beweist die Erfahrung so vieler Männer und Frauen, die sich den Verlockungen der irdischen Mächte und Ideologien widersetzt und ihre Masken entlarvt haben. Viele bis zur Treue im Martyrium. Denken wir an die vielen Tapferen Christen aus der Zeit der Einführung des Christkönigsfestes. Einer dieser tapferen Soldaten Christi war Alexander Schmorell, ein russisch orthodoxer Christ. Er war ein Mitglied der berühmten „weißen Rose“, einer Widerstandsbewegung in München gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. Diese jungen Menschen damals haben viel mehr getan als nur politisiert. Sie haben, ausgehend vom Glauben, mit einer klaren Gewissensentscheidung NEIN gesagt zur Lüge, zum Verderber, und JA gesagt zu Christus. Alexander Schmorell wurde am 13. Juli 1943 von den Nazis hingerichtet. Die russisch orthodoxe Kirche hat ihn heuer am 5. Februar in München – bei einem 4 ½ stündigen Gottesdienst, heilig gesprochen. Solche Menschen sind für uns ein Zeichen und ein Vorbild.

Blicken wir noch auf Maria, die Muttergottes Sie hat ihr ganzes Leben in den Dienst Christi und seines Reiches gestellt. Sie möge uns helfen, Christus, dem König, nachzufolgen, so wie sie es getan hat, und Zeugnis für ihn abzulegen. Amen.

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