Dokumente zur Zelebration zum Herrn hin

 

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  Dokumente
 
  P. Paul Bernhard Wodrazka CO
 
  Die Zelebration „zum Herrn hin“- ein chronologischer Durchgang durch   die nachkonziliaren kirchlichen Dokumente (in Auszügen)

 


 
 
 

Zu   den auffälligsten Neuerungen in der römisch-katholischen Liturgie seit über   vierzig Jahren gehört, daß der Priester die hl. Messe zumeist an einem   freistehenden Altar im Gegenüber zu den Gläubigen feiert. Nach dem Zweiten   Vatikanischen Konzil ist diese Praxis binnen kurzer Zeit sehr gebräuchlich   geworden und führt bis heute zu ebenso einschneidenden wie kontroversiellen   Umbauarbeiten in alten Kirchen. Das ist umso erstaunlicher, als in der   Konstitution über die hl. Liturgie des Konzils Sacrosanctum Concilium   genaugenommen mit keinem Wort davon die Rede ist. Weder wird eine Zelebration   „zum Volk hin gewandt“ erwähnt, noch ist   von der Errichtung neuer Altäre die Rede.

 

Was   sagen aber die nachkonziliaren liturgischen Dokumente über die Stellung des   Liturgen am Altar „versus orientem“(=nach Osten gewendet) bzw. „versus   absidem“(=zur Apsis,zum Hochaltar gewendet)? Im folgenden soll dieser Frage   nachgegangen werden. Dabei hat es sich als nützlich erwiesen, die   diesbezüglichen nachkonziliaren Dokumente chronologisch geordnet und im   Wortlaut – wenn auch in Auszügen – zusammenzustellen.

 

 

Zweites   Vatikanisches Konzil: Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum   Concilium“, 4.12.1963, Nummer 33, Auszug (Übersetzung: Dokumente zur   Erneuerung der Liturgie I (hrsg. v. H. Rennings u. M. Klöckener), 2. Auflage,   Kevelaer 2002, # 33):

„Überdies werden die Gebete, die der   Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend, an Gott   richtet, im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Umstehenden gesprochen.“

 

 

Sacra   Congregatio Rituum: Instructio ad exsecutionem Constitutionis de sacra   Liturgia recte ordinandam „Inter Oecumenici“, vom 26. September 1964, Nummer   91 (AAS 56 [1964], 877-900), Auszug (Übersetzung: Dokumente zur Erneuerung   der Liturgie I, # 289):

Im   Kapitel über die Neuerrichtung von Kirchen und Altären heißt es:

„Der Hochaltar soll von der Rückwand   getrennt errichtet werden, sodaß man leicht um ihn herumgehen kann und eine   Zelebration zum Volk hin gewandt möglich ist. Er soll so in den heiligen Raum   hineingestellt sein, daß er wirklich die Mitte ist, der sich von selbst die   Aufmerksamkeit der ganzen Gemeinde zuwendet.“

 

Consilium ad exsequendam Constitutionem de Sacra   Liturgia, Dubia, ad n.91 [der Instructio „Inter Oecumenici“ vom 26. September 1964], (Notitiae 1, 1965, 251), Auszug   (Übersetzung: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie I, # 289, Anmerkung cc):

Auf   die vorgelegte Frage, ob es erlaubt ist, einen tragbaren Altar fest vor dem   Hochaltar zu errichten zur Feier der Messe zum Volk hin, wird geantwortet:

„An sich ist es erlaubt, es wird aber   nicht dazu geraten. Denn die Gläubigen nehmen an der nach der Norm der neuen   Ordnung gefeierten Messe vorzüglich teil, auch wenn der Altar so aufgestellt   ist, daß der Zelebrant dem Volk den Rücken zuwendet. Denn der ganze   Wortgottesdienst wird am Priestersitz oder am Ambo zum Volk hin gefeiert.“

 

 

Consilium   ad exsequendam Constitutionem de Sacra Liturgia, Epistola ad Praesides   Coetuum Episcoporum, vom 30.6.1965, Prot. Nr. 3074/65, 6, (Notitiae 1, 1965,   257-264), Auszug (Übersetzung: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie I, #   414):

„Wir möchten jedenfalls betonen, daß es   nicht unbedingt notwendig ist für eine fruchtbare pastorale Tätigkeit, die   ganze Messe versus populum zu feiern. Der ganze Wortgottesdienst, in dem sich   in breiterer Form die aktive Teilnahme des Volkes mittels des Dialoges und   des Gesanges verwirklicht, wird bereits zur Gemeinde hin gefeiert und ist   heute durch den Gebrauch der Volkssprache viel verständlicher geworden.“

 

 

Consilium ad exsequendam Constitutionem de Sacra   Liturgia, Epistola ad Praesides Coetuum Episcoporum vom 25.1.1966, 6. (Notitiae 2, 1966, 157-161), Auszug (Übersetzung:   Dokumente zur Erneuerung der Liturgie I, # 578):

„Erstens ist die Wendung des Altares zum   Volk hin für eine lebendige Teilnahme an der Liturgie nicht unentbehrlich:   Der gesamte Wortgottesdienst der Messe wird am Priestersitz oder am Ambo,   also im Gegenüber zur Gemeinde gefeiert. Was den eucharistischen Teil   betrifft, so ermöglichen nunmehr allgemein gewordene Lautsprecheranlagen die   Teilnahme zur Genüge. Zweitens ist auf die Architektur und künstlerische   Ausstattung zu achten, die in vielen Ländern auch von strengen bürgerlichen   Gesetzen geschützt werden.“

 

 

Sacra   Congregatio Rituum: Instructio de cultu Mysterii Eucharistici über Feier und   Verehrung des Geheimnisses der Eucharistie, vom 25.5.1967, 24. (Notitiae 3,   1967, 225-260), Auszug (Übersetzung: Dokumente zur Erneuerung der Liturgie I,   # 922):

„Vor allem muß der Hauptaltar so   angeordnet und gestaltet sein, daß er stets als ein Zeichen Christi   erscheint, als der Ort, an dem die Heilsmysterien gefeiert werden, und   gleichsam als die Ehrfurcht gebietende Mitte der versammelten Gemeinde. Man   hüte sich davor, bei der Anpassung der Kirchen Kunstschätze achtlos zu   beseitigen.“

 

 

Missale Romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici   Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, Editio typica, Vatikanstadt, [vom   26.3.] 1970, Auszug (Übersetzung: Die Feier der hl. Messe. Meßbuch, Freiburg   1975):

Bei   der Überarbeitung des „Ritus servandus in celebratione Missae“ und auch im   Ordo Missae von 1965 und 1967 wird der Zelebrant nach wie vor angewiesen,   sich der Gemeinde zuzuwenden, wenn er sie, wie etwa beim liturgischen Gruß   unmittelbar anspricht. Daran hält auch der Novus Ordo (1970) innerhalb der   Eucharistiefeier im engeren Sinn fest. Dies geht daraus hervor, daß bei dem   Orate fratres (Betet Brüder und Schwestern), dem Pax Domini (Der Friede des   Herrn), dem Ecce, Agnus Dei (Seht, das Lamm Gottes) und dem Ritus   conclusionis (Entlassung) jeweils angeführt wird, daß der Priester sich   hierfür dem Volk zuwendet:

a) Missale Romanum, 1970, Ordo Missae cum populo, 391,   Nr. 25:

“versus ad populum” (“der Gemeinde   zugewandt“)

b) Missale Romanum, 1970, Ordo Missae cum populo, 473,   Nr. 128:

“ad populum conversus” (“der Gemeinde   zugewandt“)

c) Missale Romanum, 1970, Ordo Missae cum populo, 474,   Nr.133:

“ad populum versus” (“zur Gemeinde   gewandt“)

d) Missale Romanum, 1970, Ordo Missae cum populo, 475,   Nr. 142:

“versus ad populum” (“zur Gemeinde   gewandt“)

 

Diese   Bestimmungen implizieren, daß der Priester vorher nicht dem Volk zugewandt   ist. Vor der Priesterkommunion heißt es:

Missale   Romanum, 1970, Ordo Missae cum populo, 474, Nr. 134:

“ad altare versus” (“zum Altar gewandt”)

Dies   wäre bei einer Zelebration versus populum ohnehin der Fall.

 

Dasselbe   gilt für die entsprechenden Bestimmungen der Institutio Generalis   (Allgemeinen Einführung in das Meßbuch):

# 107: „Der Priester kehrt zur Mitte   zurück, wendet sich zur Gemeinde, breitet die Hände aus und lädt zum Gebet   ein mit den Worten: ‚Betet, Brüder’.“

# 115: „Hat der Priester das Gebet   beendet, macht er eine Kniebeuge, nimmt die Hostie, hält sie etwas über die   Schale empor und spricht zur Gemeinde gewandt: ‚Seht das Lamm Gottes.’“

# 116: „Zum Altar gewandt, betet er   still: ‚Der Leib Christi’ und empfängt ehrfürchtig den Leib Christi.“

# 122: Der Priester spricht beim Sitz   oder beim Altar stehend und zur Gemeinde gewandt: ‚Lasset uns beten’;“

# 198: „Dann nimmt der Hauptzelebrant die   Hostie, hält sie ein wenig über der Patene empor und spricht zur Gemeinde   gewendet: ‚Seht das Lamm Gottes’.“

# 199: „Dann spricht der Hauptzelebrant,   zum Altar gewandt, leise: ‚Der Leib Christi schenke mir das ewige Leben’, und   empfängt ehrfürchtig den Leib des Herrn. In gleicher Weise kommunizieren auch   die Konzelebranten.“

# 262: „Für gewöhnlich soll eine Kirche   einen feststehenden, geweihten Altar haben, der frei steht, damit man ihn   ohne Schwierigkeiten umschreiten und an ihm, der Gemeinde zugewandt, die   Messe feiern kann. Er soll so aufgestellt sein, daß er wirklich den   Mittelpunkt des Raumes bildet, dem sich die Aufmerksamkeit der ganzen   Gemeinde von selbst zuwendet.”

Ad   # 262: Die Congregatio pro Sacramentis et Cultu Divino stellt in   Anfragebeantwortungen in den Jahren 1984 und 1986 (siehe unten )dazu   folgendes klar: Es wird 1984 seitens der Kongregation auf die Epistola ad   Praesides Coetuum Episcoporum vom 25.1.1966 (siehe oben) verwiesen und   betont, daß diese Bestimmung (# 262 AEM) in erster Linie und ihrem Wesen nach   für neu zu errichtende Altäre gilt. 1986 stellt die Kongregation klar, daß   über die Stellung des Zelebranten am Altar, ob davor oder dahinter, nichts   vorgeschrieben, also beides erlaubt und möglich ist und daß der Priester die   Zelebrationsrichtung selbst bestimmen kann (siehe unten).

 

 

Sacra   Congregatio pro Cultu Divino: Instructio tertia ad constitutionem de Sacra   Liturgia recte exsequendam. Dritte Instruktion zur ordnungsgemäßen   Durchführung der Konstitution über die heilige Liturgie, vom 5.9.1970, 10.   (Notitiae 7, 1971, 9-26), Auszug (Übersetzung: Dokumente zur Erneuerung der   Liturgie I, # 2183):

„Bei der Durchführung der Liturgiereform   sollen die Bischöfe besonders für eine dauerhafte und würdige Gestaltung des   Kirchenraumes, vor allem des Altarraumes, Sorge tragen. ...

Hier und da drohen Provisorien, die vor   einigen Jahren geschaffen wurden, zu einem Dauerzustand zu werden. Gewisse   Dispositionen, die bereits vom „Consilium“ mißbilligt wurden, bestehen immer   noch, obschon sie dem Sinn der Liturgie, gutem Geschmack und einer würdigen   Feier widersprechen.

Durch die Diözesankommissionen für   Liturgie und sakrale Kunst und, falls nötig, nach Beratung mit Experten und   mit den zuständigen staatlichen Stellen sollen neue Entwürfe genau untersucht   und die provisorischen Lösungen überprüft werden, damit in allen Kirchen eine   definitive Ordnung erreicht wird, welche eventuell vorhandene alte Monumente   bewahrt und soweit als möglich den neuen Erfordernissen anpaßt.“

 

Congregatio   pro cultu divino, Anfragebeantwortung vom 19.2.1972, Prot. 168/72 (in   Liturgia, CAL, 183, 1974, pp. 928-929), Auszug (private Übersetzung):

„1. Ist es zu dulden, daß wenn die   Anordnung in einem Presbyterium definitiv [stabil] wird, in diesem vor dem   alten Altar, ein weiterer [Altar] für die Zelebration zum Volk hin,   aufgestellt wird?

Antwort: Nein, es ist nicht zu   tolerieren.

2. Darf es in jedem Presbyterium (nur)   einen einzigen Altar, sei es dem Volk zugewandt oder mit dem Rücken zum Volk,   geben?

Antwort: Ja, es darf nur einen einzigen   Altar geben.

3. Müssen die provisorischen Altäre nach   der Veröffentlichung der dritten Instruktion entfernt werden?

Antwort: Ja, sie müssen entfernt werden,   im Sinne des oben gesagten.

4. Kann es toleriert werden, daß nach   Veröffentlichung der oben zitierten Instruktion noch provisorische Altäre vor   den alten Altären errichtet werden?

Antwort: Nein, es kann nicht geduldet   werden, es sei denn, daß es sich um eine erste provisorische Anordnung   handelt.“

 

 

Missale Romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici   Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, Editio typica altera, Vatikanstadt   [vom 27.3.] 1975 (Übersetzung: Die Feier der hl. Messe. Meßbuch, 2. Auflage,   Freiburg 1988):

Auch   in der zweiten Auflage des erneuerten Missale Romanum, die von Papst Paul VI.   1975 approbiert wurde, sind die (oben schon zitierten) Rubriken unverändert   enthalten, die den Zelebranten anweisen, sich während der Eucharistiefeier im   engeren Sinn an den dafür vorgesehenen Stellen der Gemeinde zuzuwenden. Dies   geht daraus hervor, daß bei dem Orate fratres (Betet Brüder und Schwestern),   dem Pax Domini (Der Friede des Herrn), dem Ecce, Agnus Dei (Seht, das Lamm   Gottes) und dem Ritus conclusionis (Entlassung) jeweils angeführt wird, daß   der Priester sich hierfür dem Volk zuwendet. Diese Bestimmungen implizieren,   daß der Priester vorher nicht dem Volk zugewandt ist. Dasselbe gilt für die   entsprechenden Bestimmungen der Institutio Generalis (Allgemeinen Einführung   in das Meßbuch). Da alle oben zitierten Stellen mit jener der Editio typica   altera (2. Auflage) ident sind, wird auf eine nochmalige Darstellung   verzichtet.

 

 

Congregatio   pro Cultu Divino, Anfragebeantwortung vom 22.12.1984, Prot. 1929/84, Auszug   (private Übersetzung):

„Zu Norm n. 262 der Allgemeinen   Einführung in das Römische Meßbuch, derzufolge der Hauptaltar errichtet   werden muß ‚von der Wand getrennt, sodaß er leicht umschritten werden und die   Zelebration zum Volk hin auf ihm vollzogen werden kann. Er nehme daher einen   solchen Platz ein, daß er wahrhaft das Zentrum sei, auf das sich die   Aufmerksamkeit der gesamten Versammlung der Gläubigen wie von selbst   richtet’. Selbstverständlich wird die diesbezügliche Norm in erster Linie und   ihrem Wesen nach für Altäre aufgestellt, die ‚zu errichten’ sind. Für bereits   bestehende Altäre bleibt gültig, was zu dieser Sache in dem Brief ‚Zur   Ausführung der Konzilskonstitution über die heilige Liturgie’ vom 25. Jänner   1966, n. 6, gesagt wurde: ‚Es ist auf die Architektur und künstlerische Ausstattung   zu achten, die in vielen Ländern auch von strengen bürgerlichen Gesetzen   geschützt werden. ... Altäre, die vor dem Hochaltar für die Feier zum Volk   hin provisorisch errichtet worden sind, sollten nach und nach durch würdige,   feste Stätten für das heilige Opfer ersetzt werden.’ Konkrete Normen in   dieser Sache festzulegen und ein praktisches Urteil über Aufstellung und   Weihe des Hauptaltares in den einzelnen Kirchen fallen in die Kompetenz des   Ortsordinarius, der sich günstiger Weise zuvor mit der Diözesankommission für   Liturgie und sakrale Kunst darüber beraten hat. Dem allen ist in gleicher   Weise Folge zu leisten.“

 

 

Congregatio   pro Sacramentis et Cultu Divino, Anfragebeantwortung vom 3.5.1986, Prot.   313/86, Auszug (private Übersetzung):

Auf   die vorgelegte Frage, ob die Zelebration versus populum verbindlich ist, wird   wie folgt geantwortet:

„Die Allgemeine Einführung in das Meßbuch   sagt in Nr. 262: ‚Für gewöhnlich soll eine Kirche einen feststehenden,   geweihten Altar haben, der frei steht, damit man ihn ohne Schwierigkeiten   umschreiten und an ihm, der Gemeinde zugewandt, die Messe feiern kann’. Über   die Stellung des Zelebranten am Altar, ob davor oder dahinter, ist hingegen   nichts vorgeschrieben, beides ist erlaubt und möglich. Die Tatsache, daß in einer   Kirche zwei Altäre, einer vor dem anderen, stehen, entspricht sicher nicht   dem Geist der Liturgie; wegen der architektonischen Gegebenheiten und des   künstlerischen Wertes des alten Altares war oftmals keine andere Lösung   möglich, wenn man einen Volksaltar haben wollte.

Zu diesem Fall sagt das Zeremoniale für   die Bischöfe in Nr. 48 folgendes: ‚Wenn aber ein altehrwürdiger Altar so   errichtet ist, daß die Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst erschwert ist,   und eine Umstellung dieses Altares ohne Beeinträchtigung seines   künstlerischen Wertes nicht möglich ist, soll ein anderer ... feststehender   Altar errichtet werden; nur an ihm soll Gottesdienst gefeiert werden.’   Demnach ist es also nicht erlaubt, am hinteren Altar zu zelebrieren, wenn ein   anderer Altar davor steht. In manchen Kirchen wird der Volksaltar zu   bestimmten Funktionen zur Seite gestellt und am alten Hauptaltar zelebriert.

Der Zelebrant kann also im Prinzip die   Zelebrationsrichtung selbst bestimmen, wenn der Altar frei steht. Manchmal   ist es allerdings unmöglich, anders zu zelebrieren, als die Bauweise des   Altares es erlaubt.

 

 

Congregatio pro Cultu Divino et Disciplina   Sacramentorum, ”Editoriale:Pregare ad orientem versus”, Notitiae 29, 1993,   245-249, Auszug (private Übersetzung):

„3. Die Anlage des Altares versus populum   ist sicher etwas, das von den gegenwärtigen liturgischen Bestimmungen   gewünscht ist. Jedoch handelt es sich dabei nicht um einen absoluten Wert,   der über allen anderen steht. Man muß jene Fälle berücksichtigen, wo das   Presbyterium eine Ausrichtung des Altars zum Volk hin nicht zuläßt, oder wo   der vorhandene Altar in seiner Gestaltung nicht bewahrt werden kann, wenn ein   zum Volk hin gewandter Altar als Hauptaltar hervorgehoben werden soll. In   diesen Fällen entspricht es dem Wesen der Liturgie besser, am vorhandenen   Altar mit dem Rücken zum Volk zu zelebrieren, als zwei Altäre im selben   Presbyterium zu erhalten. Das Prinzip, daß es nur einen einzigen Altar geben   sollte, ist theologisch wichtiger als die Praxis, zum Volk hin zu zelebrieren.

4. Es ist notwendig, klar zu erklären,   daß der Ausdruck ‚zum Volk hin gekehrt zelebrieren’ keine theologische   Bedeutung hat, sondern nur eine topographische Beschreibung ist. Jede   Eucharistiefeier wird begangen ‚zum Lob und Ruhm seines Namens und zum Segen   für uns und seine ganze heilige Kirche’. Denn im theologischen Sinn richtet   sich die Messe immer an Gott und an das Volk. In der Gestalt der Feier muß   man darauf achten, Theologie und Topographie nicht zu verwechseln, besonders   wenn der Priester am Altar ist. Nur während der Dialoge am Altar spricht der   Priester zum Volk. Alles andere ist Gebet zum Vater durch Jesus Christus im   Heiligen Geist. Diese Theologie muß sichtbar   sein.“

 

 

Exkurs: Congregatio pro Ecclesiis Orientalibus:   Istruzione per l'applicazione delle prescrizioni liturgiche del Codice dei   Canoni delle Chiese Orientali «Il Padre incomprensibile», vom 6.1.1996, Nr.   107, Auszug (private Übersetzung):

Die   liturgische Überlieferung und die gegenwärtige Praxis der meisten unierten   Ostkirchen kennen eine gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Gemeinde   zumindest bei der Anaphora. Daß bei einigen unierten Ostkirchen, vor allem in   der Diaspora, tatsächlich die Zelebration „versus populum“ praktiziert wird,   geht auf den nachkonziliaren römisch-katholischen Einfluß zurück. Die   zuständige römische Kongregation hat in der Instruktion „Il Padre   incomprensibile“ vom 6. Jänner 1996 eindrücklich darauf hingewiesen, daß die   Feier der Liturgie versus orientem in den mit Rom unierten orientalischen   Kirchen zu bewahren ist:

„Es ist nicht wie oft behauptet wird eine   Frage des Vorstehens der Zelebration mit dem Rücken zum Volk, sondern eher   ein Anführen der Menschen in der Pilgerschaft hin zum Königtum, welches im   Gebet bis zur Wiederkunft des Herrn erfleht wird.

Diese Praxis, die in zahlreichen   katholischen Ostkirchen durch einen neueren Einfluß der Lateinischen Kirche   gefährdet ist, hat daher einen bedeutungsvollen Wert und ist als wahrhaft   übereinstimmend mit der östlichen liturgischen Spiritualität, zu bewahren.“

 

 

Missale Romanum ex decreto Sacrosancti Oecumenici   Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Pauli PP. VI promulgatum Ioannis   Pauli PP. II cura recognitum, Editio typica tertia, Vatikanstadt [vom 20.4.]   2002, Auszug (dt. Ausgabe liegt   noch nicht vor!; private Übersetzung):

Anmerkung:   Bereits im Frühjahr 2000 ist zu Studienzwecken die Institutio Generalis (die   Allgemeine Einführung in das Meßbuch) zur dritten Auflage des erneuerten   Missale Romanum veröffentlicht worden. Da der Text in den unten zitierten   Paragraphen bis auf ganz wenige und bedeutungslose Ausnahmen mit jenem der   Ausgabe des Meßbuches ident ist, wird auf eine gesonderte Darstellung   verzichtet (vgl. Institutio Generalis. Ex editione typica tertia cura et   studio Congregationis de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum excerpta,   Vatikanstadt 2000).

Auch   in der dritten Auflage des erneuerten Missale Romanum, die von Papst Johannes   Paul II. am 10. April 2000 approbiert wurde und im Frühjahr 2002 erschienen   ist, sind die (oben schon zitierten) Rubriken unverändert enthalten, die den   Zelebranten anweisen, sich während der Eucharistiefeier im engeren Sinn an   den dafür vorgesehenen Stellen der Gemeinde zuzuwenden. Dies geht daraus   hervor, daß bei dem Orate fratres (Betet Brüder und Schwestern), dem Pax   Domini (Der Friede des Herrn), dem Ecce, Agnus Dei (Seht, das Lamm Gottes)   und dem Ritus conclusionis (Entlassung) jeweils angeführt wird, daß der   Priester sich hierfür dem Volk zuwendet:

a) Missale Romanum, 2002, Ordo   Missae, 515, Nr. 29:
 
“versus ad populum” (“der Gemeinde zugewandt“)

b) Missale Romanum, 2002, Ordo Missae, 600, Nr. 127:

“ad populum conversus” (“der Gemeinde   zugewandt“)

c) Missale Romanum, 2002, Ordo Missae, 601, Nr.132:

“ad populum versus” (“zur Gemeinde   gewandt“)

d) Missale Romanum, 2002, Ordo Missae, 603, Nr. 141:

“versus ad populum” (“zur Gemeinde   gewandt“)

 

Diese   Bestimmungen implizieren, daß der Priester vorher nicht dem Volk zugewandt   ist. Vor der Priesterkommunion heißt es:

Missale   Romanum, 2002, Ordo Missae, 601, Nr. 133:

“versus ad altare” (“zum Altar gewandt”)

Dies   wäre bei einer Zelebration versus populum ohnehin der Fall.

 

Dasselbe   gilt für die entsprechenden Bestimmungen der Institutio Generalis   (Allgemeinen Einführung in das Meßbuch; private Übersetzung):

# 146: „Der Priester kehrt zur   Mitte zurück, wendet sich zur Gemeinde, breitet die Arme aus und lädt zum   Gebet ein mit den Worten ‚Betet,   Brüder’.“

# 154: „Danach beschließt er die   Ankündigung des Friedens, indem er die Arme ausbreitet und wieder faltet, zum   Volk gewandt mit den Worten: ‚Der   Friede des Herrn sei allezeit mit euch’.“

# 157: „Hat der Priester das Gebet   beendet, macht er eine Kniebeuge, nimmt eine in derselben Messe konsekrierte   Hostie, hält sie etwas über der Patene oder über dem Kelch empor und spricht,   zur Gemeinde gewandt: ‚Seht das Lamm   Gottes’.“

# 158: „Zum Altar gewandt, spricht   er still ‚Der Leib Christi’ und   empfängt ehrfürchtig den Leib Christi.“

# 165: “Dann spricht der Priester   beim Altar oder beim Sitz stehend und zur Gemeinde gewandt mit gefalteten   Händen ‚Lasset uns beten’;“

# 243: „Dann nimmt der   Hauptzelebrant eine in derselben Messe konsekrierte Hostie, hält sie ein   wenig über der Schale oder über dem Kelch empor und spricht zur Gemeinde   gewendet: ‚Seht das Lamm Gottes’.“  

# 244: „Dann spricht der   Hauptzelebrant, zum Altar gewandt, leise: ‚Der Leib Christi schenke mir das ewige Leben’ und empfängt   ehrfürchtig den Leib des Herrn. In gleicher Weise kommunizieren auch die   Konzelebranten.“

In der Allgemeinen Einführung zur dritten Auflage des   Meßbuches wird zur Altarfrage (ausführlicher als in den beiden   vorangegangenen Auflagen) ausgeführt:

# 299: „Der Altar möge von der Wand   getrennt errichtet werden, sodaß er leicht umschritten und auf ihm die   Zelebration zum Volk hin vollzogen werden kann, was sich empfiehlt, wo immer   es möglich ist.“ („Altare exstruatur a pariete   seiunctum, ut facile circumiri et in eo celebratio versus populum peragi   possit, quod expedit ubicumque possibile sit.”)

Beide   Formen der Zelebration sollen dadurch möglich sein. Jedenfalls bezieht sich   die Beifügung „was sich empfiehlt, wo immer es möglich ist“ auf die   Errichtung eines freistehenden Altares, nicht auf die Position des Priesters   versus populus, was auch die Kongregation für den Gottesdienst und die   Sakramentenordnung in einer am 25. September 2000 verfaßten Antwort auf ein   vom Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn gestelltes Quaesitum   dargelegt hat (siehe unten!).

 

Congregatio   pro cultu divino et disciplina sacramentorum: Responsa ad quaestiones de nova   Institutione Generali Missalis Romani vom 25.9.2000, Prot.-Nr. 2036/00/L, in:   "Communicationes" Pontificium Consilium de legum textibus 32, 2000,   171-173, Auszug (private Übersetzung):

Auf   die vom Wiener Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn OP, vorgelegte   Frage, ob der Absatz Nr. 299 der Allgemeinen Einführung in das Meßbuch eine   Bestimmung darstelle, wonach die Stellung des Priesters zur Apsis hin (versus   absidem) ausgeschlossen werden soll, wird geantwortet:

„Nein, und zwar gemäß der folgenden   Erklärung. ...

Zunächst muß berücksichtigt werden, daß   das Wort expedit keine Verpflichtung darstellt, sondern vielmehr einen   Vorschlag bezüglich der Anlage eines von der Wand getrennten (a pariete   seiunctum) Altars und der Zelebration zum Volk hin (versus populum). Der Satz   ubi possibile sit bezieht sich auf verschiedene Aspekte, z. B. die räumliche   Anlage, den verfügbaren Platz, den künstlerischen Wert des bestehenden   Altars, das Empfindungsvermögen der Menschen, die an den Gottesdienstfeiern   in einer bestimmten Kirche teilnehmen. [Dieser Satz] bekräftigt, daß die zu   der Versammlung hingewandte Stellung angemessener scheint, insofern sie die   Kommunikation vereinfacht (vgl. das Editoriale in Notitiae 29 [1993],   245-249), ohne jedoch die andere Möglichkeit auszuschließen. Wie immer aber   die Stellung des zelebrierenden Priesters sein mag, es ist klar, daß das   eucharistische Opfer dem einen und dreieinigen Gott dargebracht wird und daß   der eigentliche ewige Hohepriester Jesus Christus ist, der durch den Dienst   des Priesters, der sichtbar als sein Werkzeug [dem Gottesdienst] vorsteht,   handelt. Die liturgische Versammlung nimmt an der Feier teil kraft des   allgemeinen Priestertums der Gläubigen, welches den Dienst des Weihepriesters   erfordert, damit es in der eucharistischen Versammlung geltend gemacht werden   kann. Die physische Stellung, besonders hinsichtlich der Kommunikation   zwischen den verschiedenen Mitgliedern der Versammlung, muß unterschieden   werden von der inneren geistlichen Ausrichtung aller: Es wäre ein schwerer   Irrtum sich vorzustellen, die grundsätzliche Ausrichtung der Opferhandlung   sei auf die Gemeinschaft hin. Wenn der Priester versus populum zelebriert,   was legitim und oft ratsam ist, sollte seine geistliche Haltung stets versus   Deum per Iesum Christum sein, stellvertretend für die ganze Kirche. Auch die   Kirche, die konkrete Form annimmt in der teilnehmenden Versammlung, ist in   ihrer geistlichen Bewegung ganz zu Gott gewandt.

Wie es scheint, war dies die antike   Tradition, wenn auch nicht ohne Ausnahme, daß der Zelebrant und die betende   Gemeinde nach Osten hin (versus orientem) gewandt waren, zu der Richtung, aus   der das Licht, welches Christus ist, kommt. Es ist nicht ungebräuchlich für   antike Kirchen, geostet zu sein, daß der Priester und das Volk während des   öffentlichen Gebets nach Osten hin gewandt waren. Wenn es Probleme räumlicher   oder anderer Art gab, so repräsentierte die Apsis den Osten auf symbolische   Weise. ...

Darüberhinaus ist es angebracht, wenn es   sich um alte Kirchen handelt oder um hohen künstlerischen Wert, die   staatliche Gesetzgebung bezüglich Veränderungen oder Renovierungen zu   beachten. Es ist nicht immer eine würdige Lösung einen weiteren Altar   hinzuzufügen.“

 

 

 

Das   Studium der nachkonziliaren Dokumente zeigt, daß sämtliche nachkonziliare   Meßbücher in ihren Rubriken (und auch in der Allgemeinen Einführung in das   Meßbuch) davon ausgehen, daß die hl. Messe „zum Herrn hin“ gefeiert wird.

 

Weiters   kann festgehalten werden, daß die nachkonziliaren Dokumente es dem Priester   gestatten, wann immer er es möchte, versus orientem zu zelebrieren. Dies gilt   sowohl für den alten Hochaltar (sofern dieser der Hauptaltar der Kirche ist),   als auch für umschreitbare freistehende Altäre (die oft als sogenannte   Volksaltäre bezeichnet werden, da der Priester an diesen auch versus populum   zelebrieren kann).

 

Die   Wendung des Zelebranten zum Volk während der gesamten Feier der hl. Messe ist   weder von der Konstitution über die heilige Liturgie noch von der   Liturgiereform offiziell eingeführt oder vorgeschrieben worden. In den   nachkonziliaren Dokumenten wurde sie lediglich für möglich erklärt.

 

In   Kirchen, in denen die räumliche Anlage des Altares es nicht anders zuläßt,   bzw. die über einen künstlerisch wertvollen Altar verfügen, wird von der   Gottesdienstkongregation ausdrücklich dazu geraten, am vorhandenen Altar mit   dem Rücken zum Volk zu zelebrieren. Das Prinzip, daß es nur einen einzigen   Altar geben sollte, ist theologisch höherrangig als die Möglichkeit zum Volk   hin zu zelebrieren.

 

Schließlich   bleibt noch zu sagen, daß wie immer aber die Stellung des zelebrierenden   Priesters sein mag, es klar sein muß, daß das eucharistische Opfer dem einen   und dreieinigen Gott dargebracht wird.

 

Die Veröffentlichung dieses Artikels geschieht mit freundlicher Genehmigung von P. Paul Wodrazka, Pfarre St. Rochus, Wien.

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