20) Pfingstsonntag 2013: DIE KIRCHLICHKEIT DES GLAUBENS

Hochfest Pfingsten 2013 - Homilie zum Jahr des Glaubens: DIE KIRCHLICHKEIT DES GLAUBENS  (siehe dazu Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 166-169.181)

 

Das Geschehen des Pfingstfestes macht uns heute einen weiteren Aspekt des Glaubens bewusst: der Zusammenhang Kirche – Glaube. Die Kirche ist nicht eine menschliche Erfindung, nicht eine spätere Schaffung der Gemeinden usw. Die Kirche ist eine Stiftung des Herrn, sie ist sein Werk. Pfingsten zeigt uns die junge Kirche: Die Apostel, die ersten Jünger, Männer und Frauen, in ihrer Mitte Maria. Der Glaube ist mit dieser jungen Kirche untrennbar verbunden: die junge Kirche betet, ist vereint, glaubt und verkündet. „Glauben“ ist ein kirchlicher Akt. Auf diese Kirchlichkeit des Glaubens wollen wir heute achten.

 

Jeder Katholik erfährt den Glauben für sich als einen persönlichen Akt. Wer einmal bei einer Erwachsenentaufe oder einer Konversion dabei war, hat das beeindruckend erlebt: ein Mensch sagt persönlich JA zu Christus. Der Glaube ist seine persönliche freie Antwort auf den Ruf Gottes, auf die Offenbarung Gottes.

 

Dieser persönliche Glaubensakt ist trotzdem kein isolierter Akt. Es ist so wie mit dem Leben. Niemand hat sich das Leben selber gegeben. Niemand kann für sich alleine Leben. Wenn man einem Kind körperlich alles geben würde, auch die beste Ernährung, jedoch von anderen Menschen völlig isolieren, es würde sterben. Ohne Beziehung, für sich allein, kann kein Mensch leben. So ähnlich ist es auch mit dem Glauben. Niemand kann für sich alleine Glauben. Niemand hat sich den Glauben selber gegeben. Es ist die Kirche, die uns den Glauben vermittelt. Das ist die geistige Mutterschaft der Kirche. Die Kirche vermittelt die Gnade des Glaubens. Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert es so:

 

Glauben ist ein kirchlicher Akt. Der Glaube der Kirche geht unserem Glauben voraus, zeugt, träg und nährt ihn. Die Kirche ist die Mutter aller Glaubenden. „Niemand kann Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat“(Cyprian von Karthago). KKK 181.

 

Hier ist die Mutterschaft der Kirche mit drei Vorgängen beschrieben:

 

< Die Kirche zeugt den Glauben: Am Beginn steht das Sakrament der Taufe, das der Priester spendet. Der Priester wird durch die Verkündigung des Evangeliums, die zur Christusbegegnung in den Sakramenten führt, zum geistlichen Vater der Glaubenden. Der Priester übt, im Auftrag der Kirche, eine geistliche Vaterschaft aus. Das ist ein Wesenselement der Priesterberufung. Der Priester ist nicht ein Manager, ein Organisator, ein Koordinator… er ist ein geistlicher Vater, der Christus vertritt. Auch der heilige Paulus spricht von dieser geistigen Vaterschaft des Priesters. Paulus hatte durch Erstverkündigung die Kirche in Korinth gegründet, er schreibt den Korinthern: „In Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden“(1 Kor 4,15).

 

< Die Kirche trägt den Glauben. Jeder Glaubende ist ein Glied der großen Kette der Glaubenden, ein Glied der großen Familie der Glaubenden. Wir können deshalb glauben, weil wir im Glauben einander tragen. Ich kann glauben, weil ich durch den Glauben der anderen mitgetragen bin. Und ich kann mit meinem Glauben den Glauben der anderen mittragen. Dieses Mittragen im Glauben geschieht geistig und konkret zugleich: z.B. durch Gebet, durch Zuspruch im Glauben, durch Zusammenkommen und gemeinsame Feier des Glaubens, vor allem durch die sonntägliche Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Wenn sich ein Getaufter von der Familie der Glaubenden distanziert – z.B. keine Sonntagsmesse mehr kennt – wie soll so jemand am Glauben festhalten können? Glauben im Sinn Christi können wir nur durch ein Mitglauben mit der Kirche. Je weiter sich jemand von der Kirche distanziert, desto weiter entfernt er sich vom Glauben und von Christus, wird anfällig für alles, was den Glauben gefährdet. Je mehr jemand mit der Kirche lebt, desto mehr wird sein Glaube nach Innen erstarken.

 

< Die Kirche nährt den Glauben. So wie unser irdischer Leib Nahrung benötigt, ohne Essen und Trinken sterben würde, so benötigt auch der Glaube eine ständige geistige Nahrung. Der Glaube wird genährt durch das Wort Gottes, die Wahrheit, durch die gesunde Lehre des Glaubens, d.h. durch die Lehre der Kirche, durch die Sakramente, durch das Gebet… Wenn wir dem Glauben diese Nahrung geben, wird er sich entfalten und stark werden, sodass wir ihn auch weitergeben können. Das Ernähren ist besonders eine mütterliche Aufgabe. Wenn auch die Väter heute Kleinkindern das Essen einschöpfen: vor allem die Mutter ernährt. Von dem her sehen wir die Kirche nochmals in der Dimension der Mutterschaft. Die Kirche ist die Mutter der Glaubenden, die den Glauben zeugt, trägt und ihn ernährt.

 

Wenn wir sagen Kirche, dann sind natürlich nicht nur die Priester, sondern wir alle gemeint. Jeder darf und soll in seiner Berufung das Wirken der Kirche für den Glauben mittragen. Die Eltern für ihre Kinder, die Großeltern, diejenigen, die mit ihrem Leben und mit Taten der Liebe den Glauben sichtbar machen, die Kranken, die stillen Beter… Wie Paulus in der heutigen Lesung sagt, hat jeder in der Kirche seine Gnadengaben und seine Aufgaben (vgl. 1 Kor 12).

 

Die Kirchlichkeit des Glaubens. Wenn wir die Bedeutung der Kirche für unseren persönlichen Glaubensakt erfassen, wird das konkrete Auswirkungen haben:

 

< Wir werden die Kirche nicht rein menschlich sehen, als eine menschliche Institution oder Vereinigung. Wir erkennen in der Kirche das Werk und das Wirken Christi, wir erkennen die göttlichen Elemente, die Christus der Kirche einverleibt hat. Das wird uns dankbar machen und uns mit einer echten Liebe zur Kirche erfüllen.

 

< Wir werden, gerade in der gegenwärtigen Zeitsituation, uns noch enger an die Kirche binden, an den Heiligen Vater und die mit ihm in Einheit stehenden Bischöfe, wir werden mit der Kirche denken, mit der Kirche mitleben, um den Glauben nicht zu verlieren sondern ihn zu behalten und zu vermehren.

 

< Wir werden die Schattenseiten der Glieder der Kirche, auch ihrer Amtsträger nicht bagatellisieren oder unter den Tisch kehren. Doch wir werden die Kirche und die Diener der Kirche mit Ehrfurcht behandeln, mit Ehrfrucht über sie denken und sprechen… Über die Kirche und über die Fehler oder Sünden der Glieder der Kirche sollten wir so reden, wie wir über unsere eigene Mutter reden würden. Wer würde seine eigene Mutter – selbst wenn sie Fehler hätte – öffentlich lächerlich machen?

 

Herr, wir danken Dir, dass Du uns Deine Kirche zur Mutter gegeben hast. Sie hat uns die Gnade des Glaubens vermittelt. Hilf uns, diesen Glauben in uns zu nähren, zu stärken und weiter zu geben. Lass uns lebendige Glieder Deiner Kirche sein. Maria, Mutter der Kirche, hilft uns, die Kirche so zu lieben wie Christus, der sie geliebt und sich für sie hingegeben hat (Eph 5,25) Amen.

 

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