19) 5. Sonntag der Osterzeit 2013: DIE NOTWENDIGKEIT DES GLAUBENS - IM GLAUBEN AUSHARREN

Homilie 5. Sonntag der Osterzeit C) 2013 - zum Glaubensjahr

„DURCH VIELE DRANGSALE MÜSSEN WIR IN DAS REICH GOTTES GELANGEN“(Apg 14,22). DER GLAUBE IST HEILSNOTWENDIG – IM GLAUBEN AUSHARREN“

 

„Warum glauben wir“? Auf diese Frage hätte ein Katholik noch bis vor Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit geantwortet? „Wir glauben, damit wir das Heil erlangen! Damit wir in den Himmel kommen!“ „Warum glauben wir?“ Welche Antwort würden wir bei einer Umfrage heute bekommen? Wie würdet ihr antworten? Vielleicht können wir sagen, dass heutige Antworten auf einer anderen Ebene angesiedelt sind. Der Glaube wird zuerst eher als eine Lebenshilfe gesehen, als Hilfestellung, um das Leben mit seinen Herausforderungen zu bewältigen. Dass heutige Antworten nach dem warum des Glaubens in diese Richtung gehen, entspricht auch einer Grundmentalität, die wir Pragmatismus nennen: „Was bringt mir das, was nützt mir das, was habe ich davon…?“ Was wir nicht als nützlich und gewinnbringend erkennen, das tun wir nicht oder nicht gerne…

 

Der Glaube gibt uns nun tatsächlich eine Hilfestellung für das Leben und alle Lebensbereiche. Selbstverständlich! Doch die Kernfrage ist damit noch nicht getroffen. Beim Kern sind wir erst angelangt wenn uns bewusst wird: Der Glaube ist eine Gnade, die uns zum ewigen Leben führt. Beim Ritus der Kindertaufe (1962) kommt das mit einem kleinen Dialog zum Ausdruck. Der Priester fragt an der Kirchtür die Eltern: „Was erbittet ihr von der Kirche Gottes für euer Kind“? Sie antworten: „Den Glauben“. Der Priester fragt weiter: „Was schenkt euch der Glaube“? Sie antworten: „Das ewige Leben.“

 

Die Kirche mit ihrer von Christus betrauten Sendung zur Glaubensverkündigung ist kein Wohltätigkeitsverein, keine Weltverbesserungsanstalt, kein Erhalter vergangener Kulturen und Traditionen usw. Solche Aspekte sind im Leben der Kirche mit dabei. Doch sie bilden nicht das Kernanliegen der Kirche. Die Kirche ist die „Arche des Heils“. Christus hat die Kirche gegründet, damit sie unsere Seelen durch den Glauben zu Gott und zum ewigen Leben führt. Durch den Glauben werden wir bereit, das Antlitz Gottes zu schauen, wie es Papst Franziskus formulierte. Das ist der Kern. Christus hat es so gesagt: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“(Mk 16,16).

 

Die Liturgie des Osterfestkreises – Fastenzeit und Osterzeit – zeigt uns Christus als den Sohn Gottes, der aus Liebe zu uns gestorben und auferstanden ist, um uns zu erlösen und uns zum Vater zu führen. Christus sagt von sich selber: „Niemand kommt zum Vater, außer durch mich“(Joh 14,6). Das ist keine Überheblichkeit und Arroganz der Kirche anderen Religionen gegenüber. Das ist der Heilsanspruch Christi. Es gibt keinen anderen Erlöser als Jesus Christus.

 

Die Lesungen aus der Apostelgeschichte, die wir in der Osterzeit hören, erzählen vom missionarischen Wirken der Apostel. Die Apostel haben den Heilsanspruch Christi verkündet. Petrus und Johannes z.B. predigen nach ihrer Verhaftung vor dem Hohen Rat: „Es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“(Apg 4,12). Weil Christus der einzige Erlöser ist, der einzige Weg zum Vater, haben die Apostel gelehrt, dass der Glaube an Christus notwendig ist, um gerettet zu werden. Die gesamte apostolische Verkündigung ist Verkündigung des Glaubens um das ewige Heil zu erlangen. Auf dem Weg zum Heil ist der Glaube unser Beitrag und unsere Mitwirkung.

 

In der heutigen ersten Lesung wird uns von Paulus berichtet. Es handelt sich um Vorkommnisse bei der ersten Missionsreise des Paulus, Apostelgeschichte, Kapitel 13-14. Die Liebe und der missionarische Eifer dieses Mannes sind unbeschreiblich. In der Provinz Syrien waren Paulus und Barnabas unter anderem in den Städten Lystra und Ikonion. Paulus ist es dort nicht gut ergangen. In Ikonion kommt es nach der Predigt zur „Spaltung der Bevölkerung“(Apg 14,4). Gemeint ist: die Verkündigung führt die Menschen zur Entscheidung für oder gegen den Glauben. Ein ganz normaler Vorgang im Leben der Kirche. Jedenfalls muss Paulus fliehen, weil man in töten will. In Lystra geschieht dasselbe. Dort wird er sogar gesteinigt. Man lässt ihn liegen in der Meinung, er sei tot, doch er ist nur bewusstlos. Was tut Paulus nach diesen Erfahrungen? Kapituliert er? Wird er ängstlich? Nein! Er kehrt nochmals in diese Städte zurück, wo man ihn töten wollte! Er will den dortigen neuen Christen, die er gewonnen hatte, Mut zusprechen. Er will sie bestärken, am Glauben festzuhalten. „Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen“(Apg 14,22).

 

„Warum glauben wir“? In der Sichtweise Christi und der Apostel ist eindeutig zu antworten: „Wir glauben, weil wir das ewige Leben erlangen wollen, das uns Christus durch Kreuz und Auferstehung verdient hat.“ Dass wir in dieser Frage nach dem Glauben und nach dem Heil nicht nur eine Akzentverschiebung erfahren, sondern auch eine Entfernung vom biblischen Kern, dürfte uns bewusst sein. Der Glaube um des Heiles willen ist kein „innerweltlicher“ Glaube, der im Diesseits aufgeht. Doch brauchen wir keine Sorge haben, dass der Lebensbezug des Glaubens zu kurz kommen würde, wenn wir uns um das Heil sorgen. Es ist gerade dieser Glaube um des Heiles willen, der uns hilft, alle Bereiche des Lebens in Beziehung zur Ewigkeit zu sehen und zu gestalten.

 

Wenn Papst Benedikt XVI. und auch Papst Franziskus eine Entweltlichung der Kirche angemahnt haben, ist sicher auch das damit gemeint: Wir sollten wieder erkennen, wozu wir glauben: nicht, damit wir ein bequemes Leben haben, sondern damit wir durch Christus das ewige Heil werden.

 

Die Kirche fasst diese Lehre Christi und der Apostel zusammen. Sie spricht a) von der Notwendigkeit des Glaubens; b) vom Ausharren im Glauben. Nehmen wir dazu die Hilfe des Katechismus in Anspruch:

 

Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 161:

Die Notwendigkeit des Glaubens

An Jesus Christus und an den zu glauben, der ihn um unseres Heiles willen gesandt hat, ist notwendig, um zum Heil zu gelangen [Vgl. z. B. Mk 16,16; Joh 3,36; 6,40.]. ,,Weil es aber ,ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen‘ (Hebr 11,6) und zur Gemeinschaft seiner Söhne zu gelangen, so wurde niemandem jemals ohne ihn Rechtfertigung zuteil, und keiner wird das ewige Leben erlangen, wenn er nicht in ihm ,ausgeharrt hat bis ans Ende‘ (Mt 10,22; 24,13)" (1. Vatikanisches K.: DS 3012) [Vgl. K. v. Trient: DS 1532.].

 

 

Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 162

Das Ausharren im Glauben

Der Glaube ist ein Gnadengeschenk, das Gott dem Menschen gibt. Wir können dieses unschätzbare Geschenk verlieren. Der hl. Paulus macht Timotheus darauf aufmerksam: ,,Kämpfe den guten Kampf, gläubig und mit reinem Gewissen. Schon manche haben die Stimme ihres Gewissens missachtet und haben im Glauben Schiffbruch erlitten" (1 Tim 1, 18-19). Um im Glauben zu leben, zu wachsen und bis ans Ende zu verharren, müssen wir ihn durch das Wort Gottes nähren und den Herrn anflehen, ihn zu mehren [Vgl. Mk 9,24; Lk 17,5; 22,32.]. Er muss ,,in der Liebe wirksam" (Gal 5, 6)[Vgl. Jak 2,14-26.], von der Hoffnung getragen [Vgl. Röm 15,13.]und im Glauben der Kirche verwurzelt sein.

 

Herr! Wir danken Dir für die Gnade des Glaubens. Hilf uns, im Glauben auszuharren bis zum Ende, um zum ewigen Leben zu gelangen. Amen.

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