18) 3. Sonntag der Osterzeit: Die Sichtweise des Glaubens annehmen

Homilie 3. Sonntag der Osterzeit C) 2013 - zum Glaubensjahr

„WERFT DAS NETZ AUF DER RECHTEN SEITE DES BOOTES AUS“(Joh 21,6)

DIE SICHTWEISE DES GLAUBENS ANNEHMEN

 

Am See Gennesaret zeigt sich der Auferstandene Christus den Aposteln. Er

hatte ihnen vorausgesagt, dass sie ihn dort treffen werden. Zur Situation: Die Apostel wussten nicht mehr so recht, was sie tun sollten. Sie waren wahrscheinlich dabei, ihre Berufung an den Nagel zu hängen. Trotz des Ostersonntages war der Glaube in ihnen noch nicht wiedererwacht. Im Gegenteil. Sie konnten nicht mehr gläubig denken. Sie haben zu menschlich gedacht. „Gehen wir fischen!“ Kurz: die Apostel waren vielleicht „am Ende ihrer Weisheit“; keine Begeisterung mehr, kein Mut, nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll

 

Der Auferstandene hat sich den Aposteln gezeigt, um sie aufzufangen, um sie wieder zu ihrer Berufung zu führen. Mit anderen Worten: Christus hat den Aposteln für ihr Leben wieder die Sichtweise des Glaubens geschenkt. Nach dieser Begegnung mit Christus haben sie das Kreuz Christi, sich selber und ihre Berufung nicht mehr rein menschlich gesehen. Sie haben wieder die Sichtweise des Glaubens angenommen.

Versuchen wir, den Unterschied zwischen rein menschlichem Denken und gläubigem Denken zu erfassen.

 

Das Kreuz Christi rein menschlich betrachtet führte die Apostel zum Aufgeben: „Christus ist gescheitert, was sollen wir noch, es rentiert sich nicht mehr, an dem festzuhalten, was Jesus uns einmal gesagt hat…“ Am Ende solcher rein menschlichen Gedanken, die man endlos weiterspinnen könnte, steht die Resignation und das Aufgeben.

 

Ganz anders schauen die Dinge aus, wenn sie aus der Sicht des Glaubens betrachtet wird. Der Glaube erinnerte die Apostel an den Sieg der Auferstehung. Sie sind nicht mehr beim Kreuz stehen geblieben. Der Glaube ließ sie wieder den Anfang ihrer Berufung erkennen, die Berufungsgnade lebte wieder auf. Ganz konkret handelt der Herr bei Petrus. Jesus hatte den Petrus einst bei seiner Berufung am See Gennesaret mit dem wunderbaren Fischfang ins Herz getroffen; am helllichten Tag ein solcher Fang. Jetzt geschieht das gleiche nochmals. „Werft das Netzt auf der rechten Seite aus!“ Rein menschlich gedacht wiederum nicht nachzuvollziehen, bei Tag Fischen! Für einen erfahrenen Fischer ein Unsinn! Doch die Apostel haben im Glauben gehandelt: „Der Herr hat es gesagt!“ Das Ergebnis ist nicht ausgeblieben. Es war für die Apostel wieder ein einschneidendes Erlebnis. Jesus hat sie befreit aus dem rein menschlichen Denken, in dem sie gefangen waren. Er hat ihre Berufung nicht nur gerettet. Er hat ihre Berufung bestätigt und sogar erweitert. Petrus empfängt das oberste Hirtenamt, das Jesus ihm nach dreifacher Frage nach der Liebe drei Mal überträgt: „Weide meine Schafe!“

 

Aus diesem Osterevangelium können wir für unser Leben lernen, das rein menschliche Denken zu überwinden und die Sichtweise des Glaubens anzunehmen. Ein Katholik geht ein Leben lang den Weg des Glaubens. Zu diesem Weg gehört das Bemühen, in das Denken Gottes hineinzuwachsen. Das Denken Gottes ist oft nicht unser Denken. Gott sagt durch den Propheten Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege.“(Jes 55,8).

 

Ein Heiliger, der uns in diesem Bemühen besonders helfen kann, ist der heilige Paulus. Er hat hier tiefe Erfahrungen, die er dann später in seinen Briefen vermittelt. Vor seiner Bekehrung war Paulus ein fanatischer Pharisäer. Er war trotz guter Meinung wie ein Gefangener seiner menschlichen Gedanken. Vor Damaskus ist ihm der auferstandene Christus erschienen. Er hatte ein tiefes Bekehrungserlebnis. Paulus hat sich mit der Hilfe Gottes ein neues Denken angeeignet. Er hatte die Sichtweise des Glaubens erlernt. Seine Briefe bezeugen dies. Aufgrund dieser Erfahrungen kann uns Paulus im Römerbrief sagen: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“(Röm 12,12).

 

Auch uns hilft Christus, in unserem Leben das rein menschliche Denken zu überwinden und die Sichtweise des Glaubens anzunehmen.

 

Beispiele für rein menschliches Denken:

 

< „da kann man nichts machen „

< „es rentiert sich nicht“

< „wer weiß, ob das geht“

< „der ist halt so“

< „das ist halt so“

 

Beispiele für die Sichtweise des Glaubens:

 

< „auch wenn es schwer ist, ich versuche es trotzdem, Gott wird mir helfen“

< „ich weiß nicht, welchen Erfolg es haben wird, aber mit Gott rentiert es sich immer“

< „menschlich gesehen schaut es nicht gut aus, aber ich tue, was ich kann, Gott wird

   das übrige dazutun“

< „der andere müsste sich bei mir entschuldigen, doch ich mache trotzdem den ersten

   Schritt“

 

Das rein menschliche Denken kann uns behindern und lähmen, wie gefangen nehmen. Ein Christ sollte immer vom Glauben her denken und handeln. Wenn wir das im Kleinen üben, gelingt es auch bei großen Lebensfragen, wie z.B. bei der Standeswahl, bei der Berufsentscheidung, bei einer Entscheidung für eine anstehende Eheschließung, bei einem Konflikt usw.

 

Die Sichtweise des Glaubens annehmen. Von Gott her denken. Der Glaube sprengt die Enge des eigenen Denkens. Der Glaube gibt uns immer wieder den Mut, was wir im Gewissen als zu tun erkennen auch zu wagen, der Glaube gibt uns den Mut für das Leben. Der Glaube gibt uns den Mut, wie die Apostel in das Boot zu steigen und aufzubrechen. Der Herr geht mit. Amen.

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