25. Sonntag im Jahreskreis B) 2012 – Pfarrkirche Imsterberg

Homilie: VERSCHIEDENE ARTEN DER MITFEIER DER HEILIGEN MESSE

Erster Teil: SINGEN UND MÜNDLICHES GEBET

Der Volksmund sagt: „Wer recht zu beten weiß, der weiß auch recht zu leben.“ Wie unser christliches Leben verläuft, welche Fortschritte wir im geistlichen Leben machen, unser Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe, in welchen Anliegen wir Erhörung finden, welche Entscheidungen wir für unser Leben treffen, wie wir uns für unseren Glauben in der Öffentlichkeit einsetzen… All das wird immer wieder neu von unserem Beten abhängen. Wenn wir sagen Gebet, dann meinen wir die bewusste Pflege unserer Gottesbeziehung, der Liebe zu Gott, das Loben, Bitten und Danken und anbeten.

Im Zentrum des christlichen Betens steht das öffentliche liturgische Beten der Kirche, vor der Feier des Hl. Messopfers. Für unser christliches Leben wird also letztlich viel bzw. alles davon abhängen, wie sehr wir die Hl. Messe schätzen und wie wir die Heilige Messe mitfeiern. Wie können wir die Hl. Messe mitfeiern, um möglichst viele Gnaden zu empfangen?

Es gibt verschiedenen Arten der Mitfeier der Hl. Messe. Versuchen wir, sie zu kennen und zu verstehen.

Die Mitfeier der Hl. Messe beginnt eigentlich schon daheim. Die Arbeit liegen lassen, sich rechtzeitig auf den Weg machen. Früher da sein. Still werden. Sich darauf einstellen, zu wem wir kommen. Wenn man als Priester oder Gläubiger erst ein paar Minuten vor Beginn angeeilt kommt – das kann natürlich alles einmal vorkommen – wird man einen guten Beginn versäumen. Bis man sich besinnt, ist die Hl. Messe wahrscheinlich schon vorbei.

a) Die Hauptform der Eucharistischen Liturgie ist die feierlich gesungene Heilige Messe, das Hochamt. In den Ostkirchen ist das bis zum heutigen Tag die einzige Form der Heiligen Messe geblieben. Dort gibt es die Hl. Messe nur als ein vom Priester und dem Chor gesungenes Hochamt. Die Orthodoxe Kirche kennt keine gelesene Werktagsmesse, nur die feierliche Sonntagsliturgie. Wenn am Werktag eine Hl. Messe gefeiert wird, z.B. anlässlich eines Marien- oder besonderen Heiligenfestes, ist es immer die Form des gesungenen Hochamtes. Ein solcher orthodoxer Gottesdienst dauert jeden Sonntag gewöhnlich 2 ½ bis 3 Stunden. Von dieser Urform der Liturgie her gesehen ist das Singen eine grundlegende Gebetsform der Liturgie. Nochmals der Volksmund: „Gut gesungen ist doppelt gebetet!“ Vieles, was unser Herz bewegt, können wir schwer oder nicht in Worte fassen, jedoch im Singen und durch Musik ausdrücken. Mit Gesang geht es etwas leichter, das Herz im Gebet zu Gott zu erheben.

Vor allem der Sonntag ist uns gegeben, um aus ganzem Herzen zu singen: Gott loben und preisen. Das feierliche Singen gehört von der Urkirche an zum Wesen des katholischen Gottesdienstes. In diesem Sinn erklingt auch die Orgel als Königin der Instrumente. Ganz praktisch bedeutet das für uns: das Gotteslob in die Hand nehmen und nach Kräften mitsingen, lieber falsch singen, als gar nicht! Paulus sagt: „Singt und jubelt aus vollem Herzen zum lob des Herrn!“(Eph 1,3) Vor allem an den Sonn- und Feiertagen will die Kirche, die Braut Christi, ihren himmlischen Bräutigam das Opfer des Lobes und des Dankes singen. Wo Gott im Gesang und durch Musik gelobt und gepriesen wird, empfängt die Seele Heilung.

b) Dann gibt es die Mitfeier des Gottesdienstes durch das gesprochene Wort, das Vor- und Mitbeten. Die Antworten und Gebete der Hl. Messe sollen wir kennen und sie bewusst aussprechen, nicht vor sich hinmurmeln. Mit dem gesprochenen Gebet verbinden wir die Gebetshaltungen des Körpers, denn unser Körper betet mit. Vor allem bei den Werktagsmessen ist das gesprochene Gebet vorherrschend. Hier kommen auch schon eine Schwierigkeit und ein gewisses Dilemma zu tragen, in dem wir uns befinden. Wenn wir beten, brauchen wir da immer jemanden, der laut vorbetet? Betet ein Gläubiger in der Kirchenbank, wenn vorne am Altar der Priester die Amtsgebete laut vorbetet? Ja und nein, je nachdem. Ich kann mich mit dem Gebet des Priesters vereinen. Wir alle wissen, dass ein mündlich gesprochenes Gebet erst dann ein Gebet ist, wenn das Herz dabei ist. Kann man einem mündlichen Gebet ständig mit dem Herzen folgen? Das kann ein Stress werden während der Heiligen Messe. Dem mündlichen Beten sind also Grenzen gesetzt. Das Beten setzt tiefer an. Ziel unseres Betens ist, zum inneren Beten des Herzens zu gelangen. Auch die Mitfeier der Hl. Messe soll für uns ein inneres Beten des Herzens werden.

An dieser Stelle soll die Predigt unvollendet abgebrochen werden. Am kommenden Sonntag werden wir uns dann mit dieser dritten Form der Mitfeier der Hl. Messe befassen: die Mitfeier durch das innere Gebet des Herzens.

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