2. Sonntag nach Epiphanie 2020

„AUCH JESUS UND SEINE JÜNGER WAREN ZUR HOCHZEIT EINGELADEN“ (Joh 2,2)

DER SEELENBRÄUTIGAM

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

Mit dem Fest der Taufe Christi beschließt die Kirche den Weihnachtsfestkreis. Doch die Sonntage nach Epiphanie haben noch einen Bezug zum Weihnachtsfest. Es geht um die Auswirkung des Weihnachtsfestes, um die Auswirkung der Fleischwerdung Gottes in unserem Leben.

           

Die Hochzeit von Kana, die uns heute verkündet wird, zeigt uns zuerst so schöne menschliche Züge unseres Erlösers. Christus wird zu einer Hochzeit eingeladen. Und Er geht auch hin. Hier zeigt Er nicht nur eine persönliche Wertschätzung eines Brautpaares. Christus beginnt bereits, das Heilige und das Neue der sakramentalen Christlichen Ehe zu offenbaren. Im neuen Bund am Kreuz wird dann der Ehebund, der ja Gottes Stiftung ist, zur Würde des Sakramentes erhoben.

           

Für die Kirchenväter ist die Hochzeit von Kana wie ein tieferes Licht, mit dem wir auf die Krippe schauen. Die Kirchenväter sehen das Weihnachtsgeheimnis auch unter dem Gesichtspunkt der Bräutlichen Liebe und Vereinigung. Christus ist der himmlische Bräutigam. In Seiner Menschwerdung in Nazareth vermählt der Ewige Sohn Gottes Seine ungeschaffene Göttliche Natur mit der geschaffenen Menschennatur, um sie der Erlösung zuzuführen. Bei der Taufe im Jordan vermählt sich der Sohn Gottes allgemein mit der Menschheit, die der Erlösung bedarf, dh Christus bietet sich uns Menschen als Erlöser an. Am Kreuz vermählt sich der sterbende Gottessohn mit Seiner Braut, der Kirche. Die Hochzeit von Kana führt diese Einsicht weiter: Christus, der himmlische Bräutigam, will sich mit uns einzelnen Menschen vermählen; Christus, der himmlische Bräutigam, der Erlöser, will sich mit der menschlichen Seele vermählen um sie zu erlösen, um sie vom ewigen Tod zu erretten. Der himmlische Bräutigam schenkt Seiner Braut, der menschlichen Seele, den neuen Hochzeitswein Seines Göttlichen Blutes. Der neue Hochzeitswein ist Seine Göttliche Liebe, Seine erlösenden Gnaden. Der himmlische Bräutigam will Seine Braut, die menschliche Seele, in das Brautgemach des Himmels führen, zur ewigen Vereinigung, zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens. Das ist das Bräutliche Geheimnis der Vereinigung, das die Kirchenväter in der Hochzeit von Kana erkennen. Kurz gesagt: Christus ist der Seelenbräutigam, der sich mit uns vereinigen will.

           

Das Weihnachtsfest ist für uns persönlich erst dann wahr und echt geworden, wenn Christus, der Seelenbräutigam, sich uns persönlich verbinden, sich unserer Seele ganz persönlich vereinigen und gnadenhaft schenken konnte. Hier können wir uns nochmals an das berühmte Wort von Angelus Silesius: „Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, so wärest du dennoch ewiglich verloren.“

           

Die Hochzeit von Kana legt heute den Finger auf den innersten Kernpunkt des christlichen Lebens: Christus, der Seelenbräutigam, und Seine Vereinigung mit der einzelnen menschlichen Seele. Alles, was wir als Christen tun, unser Beten, unser Gottesdienstfeiern, unser Arbeiten, unser Einsatz für den Glauben, unser Einsatz für die Mitmenschen usw. bleibt oberflächlich, unverständlich und fruchtlos, wenn unsere Seele nicht in dieser bräutlichen Beziehung zu Christus lebt, also in dieser persönlichen gnadenhaften Verbindung und Liebesgemeinschaft mit dem Erlöser. Hierl liegt vielleicht einer der verborgenen Gründe für alle Krisen in der Kirche aller Jahrhunderte: Die fehlende oder mangelhafte persönliche Christusbeziehung. Für uns als Katholiken geschieht diese persönliche Vereinigung zwischen Christus und der Seele im Gebet und dann vor allem im würdigen Empfang der hl. Sakramente: Heilige Beichte, Heiliges Messopfer, Heilige Kommunion.

           

In den überlieferten katholischen Gebeten und Liedern wird dieser Aspekt der bräutlichen Liebe zwischen Christus und der Seele gerne zum Ausdruck gebracht, zB: „Wie schön leuchtet der Morgenstern … Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, Du hältst mein Herz gefangen“ (Gotteslob 1975, Nr. 554). „Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden Du, Herr Jesu Christ … Du bist nun mein und ich bin Dein, Dir hab ich mich ergeben“ (Gotteslob 1975, Nr. 559). Im Kommunionlied der Schubertmesse heißt es in der Urfassung: „O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam!“  Diese Formulierung wurde 1975 aus dem Gotteslob leider entfernt, wahrscheinlich wurde der Sinn nicht mehr verstanden. Es ist schön und richtig, dass wir es bei unseren Gottesdiensten immer noch so singen - Du Seelenbräutigam - und damit dieses Geheimnis der Bräutlichen Liebe Christi zu uns und unserer Liebe zu Ihm zum Ausdruck bringen.

           

Bei den Heiligen finden wir für dieses Geheimnis der Bräutlichen Liebe zwischen Christus und der Seele viele beeindruckende Beispiele. Im Leben der heiligen Kirchenlehrerin Theresia von Avila gibt es eine Gnade, die man die mystische Vermählung der hl. Theresia mit dem himmlischen Bräutigam Jesus Christus nennt. In einer Vision sieht Theresia einen Engel mit einer Art Lichtpfeil in der Hand, dieser Lichtpfeil durchbohrt und verwundet ihr Herz, das sich mit Christus vermählt. In ihren geistlichen Schriften nennt die hl. Theresia von Avila Christus ganz zärtlich ihren Göttlichen Freund; und doch befindet sich diese ihre Freundschaft mit Jesus Christus nicht auf der Ebene einer kumpelhaften Gleichmacherei. Theresia von Avila weiß, dass sie als Mensch nicht auf der Ebene des Sohnes Gottes steht. Deshalb nennt Theresia von Avila Christus auch sehr oft „Seine Göttliche Majestät.“

           

Haben wir keine Sorge. Dieses Geheimnis der Bräutlichen Liebe zwischen Christus und der Seele ist nicht einigen wenigen besonderen oder berühmten Heiligen vorbehalten. Im Gegenteil! Christus will der Bräutigam einer jeden Seele sein, und jeder, wenn er sich der Gnade öffnet und zu einem aufrichtigen christlichen Leben nach den Geboten Gottes bereit ist, wird von Christus in diese Bräutliche Liebe hineingeführt. Christus, der Seelenbräutigam. Warten wir nicht bis zum Sterben. Dort kann es zu spät sein. Lassen wir uns von Christus im Leben lieben. Und lieben wir Christus im Leben. Amen.

           

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