Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, Sonntag, 2. Juli 2017

 „NICHT FLEISCH UND BLUT HABEN DIR DAS GEOFFENBART“

DER OFFENBARUNGSCHARAKTER  DES  GLAUBENS

UND  DIE  RELIGION  DER  WELT

Predigt von Pf. Stephan Müller

           

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Bei Cäsarea Philippi war dieses Messiasbekenntnis des hl. Apostels Petrus. Mit dem Messiasbekenntnis hat Petrus ein Glaubensbekenntnis abgelegt, er hat den Glauben an die wahre Gottheit Christi bekannt. Christus hat dieses Bekenntnis des Petrus bestätigt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!“ Mit anderen Worten: „Petrus, das, was du da gesagt hast, das hast du nicht aus dir selber, aus deinem eigenen Denken oder deiner Einbildung. Der Vater im Himmel hat es dir zu erkennen gegeben!“ Das Messiasbekenntnis des Apostels Petrus ist also eine Offenbarung, die von Gott Vater kommt. Dann empfängt der hl. Apostel Petrus noch einige Offenbarungen von Christus dazu:

- Petrus, dh sein Glaubensbekenntnis, wird der Fels, auf den Christus seine Kirche baut.

- Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwältigen. Niemand kann sie zerstören.

- Petrus empfängt Schlüsselgewalt, die Vollmacht zu binden und zu lösen. Das alles sind

  Offenbarungen Christi.

           

Die Apostel haben im Licht der Auferstehung Christi und der Sendung des Heiligen Geistes den Glauben als Offenbarung Gottes erkannt und weitergegeben. Dazu einige Beispiele aus der Heiligen Schrift:

           

Der hl. Apostel Paulus betont in seinem Brief an die Galater: „Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen (Gal 1,11-12).

           

Bischof Timotheus, seinen geistlichen Sohn, ruft Paulus auf: „Halte dich an die gesunde Lehre … Bewahre das Dir anvertraute kostbare Gut [den Glauben] durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt“ (2 Tim 1,13-14). Hier bezeichnet Paulus den geoffenbarten Glauben als kostbares Gut, das es zu bewahren und weiterzugeben gilt.

           

In der heutigen Lesung blickt Paulus sozusagen auf sein Leben zurück und sagt über sich selbst: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Glauben bewahrt, die Treue gehalten“ (2 Tim 4,7).

           

Die Kirche hat am Offenbarungscharakter des Glaubens immer festgehalten. Nach dem Tod der Apostel hat die Kirche das Glaubensgut bewahrt und bis zum heutigen Tag weitergegeben.

           

Der Ort des Messiasbekenntnisses des Apostels Petrus war vom Herrn sicher nicht zufällig gewählt. Cäsarea Philippi liegt im Norden des Heiligen Landes, nicht zu verwechseln mit der Stadt Cäsarea Maritima/am Meer, zur Römerzeit von König Herodes d.Gr. gegründet. Die karge und felsige Gegend bei Cäsarea Philippi erinnert an die geistige Gnade, die Christus dort gegeben hat. Christus hat dem geoffenbarten Glauben und der Kirche die Gnade des Felsens gegeben, der Festigkeit in der Zeit und in den Stürmen der Zeit, die es immer geben wird.

           

Die Kirche sagt uns im Katechismus

           

KKK162: Der Glaube ist ein Gnadengeschenk, das Gott dem Menschen gibt. Wir können dieses unschätzbare Geschenk verlieren. Der hl. Paulus macht Timotheus darauf aufmerksam: ,,Kämpfe den guten Kampf, gläubig und mit reinem Gewissen. Schon manche haben die Stimme ihres Gewissens mißachtet und haben im Glauben Schiffbruch erlitten" (1 Tim 1, 18-19).

           

Was sind die Gefahren, die heute uns Menschen im Glauben zum Schiffsbruch führen können, wie Paulus es formuliert hat?

           

- Der Glaube ist schiffbruchgefährdet, wenn wir ihn nicht demütig von Gott und der Verkündigung der Kirche annehmen, sondern hochmütig selektieren, einen Auswahlglauben konstruieren, nach eigenem Belieben zusammengestellt. Der hl. Paulus lehrt: „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17).

           

- Der Glaube ist schiffbruchgefährdet, wenn Bereiche des Glaubens bewusst oder unbewusst abgelehnt werden. Man will nur mehr das Angenehme, das Schöne, den Trost… hören, jedoch nicht mehr den Ruf des Wortes Gottes zur Bekehrung und Entscheidung.

           

- Der Glaube ist schiffbruchgefährdet, wenn wir ihn nicht genügend kennen, dadurch einseitige, unreife oder falsche Vorstellungen von der Lehre der Kirche haben.

           

- Der Glaube ist schiffbruchgefährdet, wenn er als Irrlehre oder Häresie dargeboten wird, dass uns also etwas als katholisch präsentiert wird, was es in Wirklichkeit nicht ist. Es gibt auch eine indirekte Häresie, indem Glaubenswahrheiten nicht mehr verkündet oder stillschweigend aufgegeben werden.

           

- Der Glaube ist schiffbruchgefährdet, wenn er nicht tief in der Offenbarung und im Leben mit der Kirche verankert ist.

           

Das alles sind sozusagen Fehlhaltungen oder kranke Haltungen, die den Glauben immer mehr schwächen und dann zum Schiffbruch führen können. Am Schluss landen solche Getaufte bei einer unsagbaren Auflehnung gegen die Kirche, fallen vom wahren Glauben ab und landen bei einer Religion der Welt.

           

Der sel. J.H.Newman sagt: „Welches ist heute die Religion der Welt? Sie hat die lichtere Seite des Evangeliums angenommen, seine Botschaft des Trostes, seine Vorschriften der Liebe, dagegen sind die ernsteren, tieferen Einblicke in des Menschen Lage und Zukunft ziemlich vergessen.“

           

Bischof Athanasius Schneider erläutert (*): „Das ist die Religion, die für ein zivilisiertes Zeitalter natürlich ist und geschickt hat sie Satan in ein Trugbild der Wahrheit gekleidet  und ausgeschmückt. Unsere Worte werden korrekt, wenn also seine Schrecken verschwinden, dann verschwinden auch im Credo (Glaubensbekenntnis) der Kirche der heutigen Zeit jene Schreckbilder vom göttlichen Zorn, von denen ja die Heilige Schrift übervoll ist; man erklärt sie einfach weg und alles ist hell und heiter, die Religion ist angenehm und leicht, Wohlwollen, Barmherzigkeit ist die Haupttugend. Frömmigkeit und Eifer werden als die schlimmsten Sünden bezeichnet, als die Pharisäer-Sünden. Sogar die Festigkeit im Glauben wird mit unfreundlichen argwöhnischen Augen betrachtet und als Gesetzeslehre bezeichnet. Neue religiöse Themen in der Religion, neue Systeme und Pläne, neue Lehren und neue Prediger sind dann für so eine Religion notwendig, für so eine neue Religion der Welt.

           

Der Geist wird dann letztlich krankhaft und empfindlich und wählerisch, er ist unzufrieden mit den Dingen, wie sie sind und begierlich nach der Abwechslung als solcher, als ob Veränderung an sich eine Erleichterung sein müsste. Hier spricht sich eine Lehre aus, die vorgibt zwar das Evangelium zu sein, aber eine ganze Seite des Evangeliums fallen lässt, nämlich seinen strengen Charakter, und es als hinreichend ansieht, nur wohlwollend, höflich, offen, korrekt im Benehmen und zartfühlend zu sein, obgleich diese Haltung keine Gottesfrucht einschließt, keinen glühenden Eifer für die Ehre Gottes, keinen tiefen Hass gegenüber dem Übel der Sünde, keine eifernde Bindung an die wahre Lehre, keine Ernsthaftigkeit, also eine Haltung, die daher weder heiß noch kalt, sondern in der Sprache der Heiligen Schrift lau ist. Diese neue Haltung wird vom Feind unserer Seele geschaffen. Gott gebe, dass wir nicht durch den Trug der Sünde geblendet werden, damit wir nicht Satan dienen, der sich in einen Engel des Lichtes verwandelt hat.“

           

Über Katholiken die diese Wege beschreiten, sagt Bischof Athanasius Schneider weiter:  „Solche Menschen suchen ein heilsameres Evangelium als das des Erlösers und eine vollkommenere Schöpfung als die des Schöpfers.“ (*)

           

Der selige Kardinal John Henry Newman erklärte schon im Jahre 1839 folgendes: „Die Kirche kämpft und sie leidet in dem Maß, wie sie das Ihre recht erfüllt. Und ist sie ohne Leiden so kommt das daher, dass die Kirche schlummert. Ihre Lehre und ihr Gebot können der Welt niemals schmackhaft sein. Und wenn die Welt die Kirche nicht verfolgt so kommt das daher, dass die Kirche nicht mehr die Wahrheit predigt.“

           

Und weiter sagt der sel. John Henry Newman: „Sicherlich gibt es in unseren Tagen ein Bündnis des Bösen, welches seine Truppen aus allen Teilen dirigiert. Es organisiert sich selbst, ergreift Maßnahmen, umgarnt die Kirche wie mit einem Netz und bereitet von hier aus den Weg zum allgemeinen Glaubensabfall vor. Denkt ihr, dass der Satan in seiner Schläue so ungeschickt ist, euch offen und direkt einzuladen, sich ihm in seinem Krieg gegen die Wahrheit anzuschließen? Nein, Satan bietet euch einen Köder an um euch zu versuchen. Das ist der Weg, auf welchem er vor euch die Taten verbirgt, mit denen er euch hintreibt, den Glauben aufzugeben.“ Soweit der Sel. Newman.

           

Bischof Athanasius Schneider fährt fort: „Es wird immer einen unerbittlichen Kampf geben zwischen der Welt und dem Glauben, wie es der sel. J.H. Newman feststellte. Heute lassen sich Menschen im heiligen Bereich des Glaubens dazu verleiten die Wahrheiten des Evangeliums aufzugeben, den verschiedenen irrigen Religionsgemeinschaften, die unter uns im Überfluss vorhanden sind in unserer Kirche Einlass zu gewähren oder unseren Gottesdienst, die heilige Liturgie so zu ändern dass er den Spöttern, den Lauen oder den Lasterhaften zusagt. Gütig zu sein ist ihr einziges Handlungsprinzip. Das tun sie nicht unbedingt aus irgendeinem schlechten Grundsatz heraus sondern oft aus Gedankenlosigkeit, sie tun das aus der Liebe, anderen zu gefallen, der Öffentlichkeit zu gefallen, sie tun das aus Empfänglichkeit für Schmeicheleien.

           

Und wenn sie entdecken, dass an dem Glaubensbekenntnis der Kirche Anstoß genommen wird, dann beginnen sie darüber nachzusinnen wie sie es mildern oder zurechtstutzen könnten, und zwar aus dem gleichen Gefühl heraus, da

s sie auch veranlassen würde, in einem Geldgeschäft freigebig zu sein. Solche Menschen begreifen nicht, dass ihre religiösen Vorrechte ein anvertrautes Gut sind, das der Nachwelt ausgehändigt werden muss. Ein heiliger, ein der christlichen Familie angestammter Besitz ist der katholischen Glaube und dass er ihnen eher zum Nutzen gegeben ist, als zum Besitz. Und so spielen sie gewissermaßen den Verschwender, und verschwenden die Güter anderer mit offenen Händen, indem sie den Glauben verderben und ihn dem Zeitgeist anpassen.“

           

Zusammenfasend: Das heutige Bestreben von Amtsträgern oder Laien in der Kirche, das Evangelium umzudeuten, der Welt anzupassen usw. ist eine Hauptgefahr, im Glauben Schiffbruch zu erleiden.

           

In Fortsetzung dieser Besinnung wollen wir bedenken, warum das Festhalten am Offenbarungscharakter des Glaubens, mit anderen Worten: die Bewahrung des Glaubensgutes, für uns Menschen so wichtig ist, und was wir dazu beitragen können.

           

Amen.

           

(*) Die Zitate von J.H. Newman und Sr. Exzellenz Bischof Athanasius Schneider stammen aus dem Vortrag „Glaube und Martyrien, aufgenommen von Radio Horeb, herausgegeben als Audio CD von KIRCHE IN NOT, Erstsendung am 2.4.2017

 

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