Hochfest Dreikönig 2017

„ES KAMEN WEISE AUS DEM OSTEN NACH JERUSALEM“ (Mt 2,1)

DIE WAHREN WEISEN

Predigt von Pf. Stephan Müller

        

Wir haben den feierlichen Evangelienbericht über die Heiligen Drei Könige gehört. Das Evangelium nennt diese Männer Maggoi. Maggoi bedeutet Weise. Die Heiligen Drei Könige waren Weise, dh von Weisheit erfüllte Männer.

        

Die Heilige Schrift sagt, dass der Glaube wie ein Licht ist. Durch den Glauben werden wir Menschen im Herzen sehend. Wir erkennen, worauf es im Leben ankommt. Wir erkennen, was wichtig und was unwichtig ist, was richtig und was falsch ist, was gut und was böse ist, was Segen bringt und was den Segen vertreibt, was zu Gott führt und was von Gott entfernt. Ein Mensch, der durch den wahren Glauben mit dem Herzen sehen kann, der ist weise.

        

Wie war es bei den Heiligen Drei Königen? Diese Männer waren Heiden. Für die Heilige Schrift ist derjenige ein Heide, der nicht den wahren Glauben hat und so den wahren Gott nicht kennt. Die Heiligen Drei Könige haben bei sich zu Hause erkannt, dass die Götzen der Heiden Nichts sind. Sie haben erkannt, dass die heidnischen Kulte und Opferfeiern, von denen sie umgeben waren, die oft sehr grausam waren, nur Schein sind, keinen tragenden Inhalt haben. Sie haben die ganze Tragik, Widersprüchlichkeit, Sinnlosigkeit des heidnischen Lebens gekannt, wahrscheinlich auch persönlich erfahren und erlitten.

        

Der Weg zur wahren Weisheit hat für die Heiligen Drei Könige bereits in ihrer Heimat begonnen, als sie noch Heiden waren. Da hat bei ihnen bereits ein Umdenken begonnen. Sie haben sich wahrscheinlich immer weniger blenden lassen vom äußeren Schein des Heidentums ihrer Zeit. Sie haben sich vielleicht mit der Zeit auch distanziert von den heidnischen Kulten, sind dann dafür belächelt worden... Sie haben begonnen, aufrichtig den wahren Gott zu suchen, das wahre Heilige zu suchen. Die Gnade Gottes und der Stern hat dieses aufrichtige Suchen zum Ziel und zur Erfüllung führen können. So kamen diese Männer zum Sohn Gottes nach Bethlehem. An der Krippe von Bethlehem knieten sie nieder und beteten an. Gott belohnte ihr aufrichtiges Suchen mit übergroßer Freude, hat es geheißen. Das sind die wahren Weisen, die im Glauben Christus als Sohn Gottes erkennen, die niederknien und anbeten.

        

Wer ist heute ein Weiser? Die wahren Weisen sind nicht automatisch diejenigen, die den höchsten Intelligenzquotient haben, die besten Noten heimbringen, über alle elektronischen Medien verfügen usw. Die wahren Weisen sind auch heute diejenigen, die durch den Glauben mit dem Herzen sehen und Gott erkennen. Wo der Glaube fehlt, wächst nicht die Weisheit, sondern, wie die Heilige Schrift sagt, die Torheit. Im Buch der Weisheit heißt es: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht“ (Weish 13,1). Der hl. Paulus sagt, dass Gott die „Weisheit der Welt“, dh die hochmütige Einbildung und Großtuerei der Welt, als „Torheit“ entlarvt hat (1 Kor 1,20).

        

Wir leben in einer ähnlichen Zeit wie die Heiligen Drei Könige. Wir leben in einer Zeit des Neuheidentums, wie die ersten Christen vor 2000 Jahren. Viele Menschen in der westlichen Welt, auch in der Kirche, leben so, als ob es Gott nicht gibt. In dieser Situation benötigen wir die Weisheit des Himmels, damit wir erkennen, worauf es im Leben ankommt. Auch um den Glauben bewahren zu können, benötigen wir die Weisheit des Himmels und einen besonderen Schutz.

        

Wie werden wir zu Weisen? Schauen wir, was uns das Beispiel der Heiligen Drei Könige sagen kann.

        

a) Wie die Heiligen Drei Könige dürfen wir uns nicht blenden lassen vom Schein des Materialismus. Die materiellen Dinge haben nur einen vorläufigen und bedingten Wert. Es genügt zB nicht, den Kindern nur ein schönes äußeres Haus zu geben, aber das innere Haus ihrer Seele verkümmern zu lassen. Es genügt nicht, nur auf eine gute intellektuelle Bildung zu bauen, auf ein intensives Vereinsleben, auf ein intensives Sportleben usw. Das alles hat natürlich eine Bedeutung, doch es ist nur vorläufig und bedingt, es macht nicht weise und ist zu wenig für ein nach innen erfülltes Leben und für das Ewige Heil. Der Materialismus allein erstickt die höheren Werte und führt den Menschen in eine innere Leere und Sinnlosigkeit. Die Höheren geistigen Werte des Lebens empfangen wir nur durch die Lehre des Glaubens. Gott hat uns das Sonntagsgebot gegeben, damit wir nicht im Materiellen steckenbleiben, in inneren Krisen am Leben verzweifeln. Wer den Sonntag heiligt und das Sonntagsgebot ernst nimmt, wird erfahren, wie das sein Leben innerlich reich und tief macht.

        

b) Die Heiligen Drei Könige haben sich durch das Wort Gottes führen lassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren ihnen daheim Schriften der alttestamentlichen Propheten eine Hilfe. Auch wir brauchen das Wort Gottes, an jedem Sonntag, um weise zu werden. Dazu kommt dann der Stern. Der Stern ist das Licht des Glaubens, das Christus der Kirche anvertraut hat. Auf Gott hören heißt, auf die Kirche zu hören. Wer im Bereich des Glaubens auf die Kirche hört, der hört auf Gott. Christus sagt zu den Aposteln: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat“ (Lk 10,16).

        

c) Die Heiligen Drei Könige haben an der Krippe angebetet. Das hat sie weise gemacht. Dem Sohn Gottes gebührt die Anbetung des Himmels und der Erde. Die Anbetung ist eine Haltung des ganzen Menschen: des Herzens und des Körpers, eine innere und äußere Haltung. Mit dem Herzen anbeten bedeutet: Ich schenke mich Gott in Liebe hin, ich unterwerfe mich der Hoheit Gottes, konkret zB in der Anerkennung seiner 10 Gebote. Ich erkenne an, dass Gott GOTT ist und ich nur ein kleiner Mensch, dessen Leib zum Staub der Erde zurückkehren wird. Die Anbetung des Herzens drückt sich im Körper aus: das Knien. Für uns Katholiken gibt es heilige Augenblicke, in denen es uns von Herzen her drängt, Gott anbetend zu begegnen, so wie die Heiligen Drei Könige es an der Krippe getan haben. Solche Augenblicke sind zB die Heilige Wandlung, die Lossprechung bei der hl. Beichte, der Augenblick des Kommunionempfangs, vor dem Ausgesetzten Allerheiligsten. Wo wir als Kirche zur Anbetung Gottes zurückkehren, auch zur Eucharistischen Anbetung, wird es wieder Wachstum geben. Die Anbetung macht uns weise, weil sie uns in die Stille führt, weil sie das ordnet, was wir selber oder der Trubel des Lebens durcheinander gebracht haben, so Romano Guardini.

        

d) Die Heiligen Drei Könige sind zu Bethlehem in das Heilige eingetreten. Das Heilige haben sie erfahren durch das Göttliche Kind, durch die Heilige Familie, durch die anwesenden Engel. Wir müssen das Heilige lieben, um weise zu werden. Zu den Zeichen der Zeit gehört die Profanisierung des Heiligen, bis hin zur Schändung des Heiligen. Der Teufel ist das Unheilige, die Auflehnung, der Hass gegen das Heilige in Person.

        

Je stärker das Heilige in der Liturgie hervortritt, desto wirksamer ist das Heilige für unser Leben, für unser Weise-werden. Deshalb sind die Zeichen wichtig, mit denen die Kirche in der Liturgie das Heilige des Himmels und der Gegenwart Gottes ausdrückt: Die Zeichen der Ehrfurcht, die sakrale Ausstattung des Gotteshauses, die Sakralsprache Latein, eine sakrale Kirchenmusik usw. Führen wir unsere Kinder zu einer tiefen Bindung an das Heilige. Das wird ihren Glauben und ihr ganzes Menschsein schützen.

        

Ihr Heiligen Drei Könige, ihr Weisen, helft uns, weise zu werden.

        

Christus ist uns erschienen, kommt, lasset uns anbeten. Amen.

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